Archive for the ‘Allgemein’ Category

Hitzefrei in der „Quasselbude“?

Freitag, Juni 7th, 2013

Der Reichstag in Flammen
Wie in der Tagesschau vom 06. Juni berichtet, wurde die Parlamentssitzung des selbigen Tages wegen Beschlussunfähigkeit des Bundestages abgebrochen.
Auf Antrag der Linken war per Hammelsprung-Verfahren festgestellt worden, dass die für eine Beschlussfähigkeit erforderliche Mindest-Anwesenheit von mehr als der Hälfte der Abgeordneten nicht erfüllt war. Jau, da war aber Feuer unter’m Dach im Berliner Reichstag! Dieser so bemerkenswerte wie kritikwürdige Tatbestand (und damit ist ausdrücklich nicht die Tatsache gemeint, dass die Linke hier ganz korrekt intervenierte) gab zu Recht Anlass für viele erboste und kritische Kommentare auf der Tagesschau-Website. Auch der Twitter-Kommentar des Grünen Volker Beck („Die Linke hat wohl ein Rad ab….“) spricht wohl Bände für das teils höchst eigenwillige Selbstverständnis unserer Volksvertreter.
Die von deren Seite vielfach und lautstark beklagte „Politikverdrossenheit“ der Bundesbürger erhält auf diese Art wiederum neue Nahrung – wen wundert’s?

Man könnte auch sagen, hier wird weiter Öl in die schwelende Glut der Unzufriedenheit gegossen, auf die Gefahr hin, dass sich daraus irgendwann doch noch eine „Glodernde Lut“ nach Vorlage des berüchtigten Brandbeschleunigers Edmund der Zerstoiber entwickeln könnte.
Beunruhigendes Indiz ist die in letzter Zeit gehäufte Verwendung des Begriffes „Quasselbude“ in Bezug auf den deutschen Parlamentssitz (siehe auch die o.a. Kommentare). Bereits seine eindeutig despektierliche Prägung zeugt von dem mittlerweile offenbar vielfach empfundenen Misstrauen gegenüber unseren parlamentar-demokratischen Prinzipien und Institutionen und deren Protagonisten. Als abschätziges Attribut verwendet, richtet er sich sich in erster Linie gegen die Parlamentarier selbst: man schlägt den Sack und meint den Esel. Verschärft und brandgefährlich wird der Ausdruck dieser Geringschätzung aber vor dem Hintergrund, dass es sich bei dem ursprünglich von Kaiser Wilhelm geprägten Schmähbegriff um ein überkommenes Relikt aus dem Jargon der Nationalsozialisten handelt, welche damit das parlamentarische System der Weimarer Republik diskreditierten – mit durchschlagendem Erfolg, wie man weiß.
Der von den Nazis so geschmähte Reichstag wurde wenig später vom unglückseligen Marinus van der Lubbe abgefackelt – als leider völlig verfehlter Widerstandsakt gegen eben jene Naziverbrecher, die unmittelbar darauf den Weltenbrand entfachen sollten.
Der Reichstag heißt heute wieder so, wie er 1933 hieß. Ein schweres Erbe, das man verantwortungsvoll hüten sollte. „Quasselbude“ bedeutet vor diesem Hintergrund, mit brandgefährlichen Begriffen zu hantieren. Und an die Adresse unserer viel beschäftigten Abgeordneten: Auch wenn massenhafte (persönliche) Abwesenheit dort eher die unrühmliche Regel ist als die dispensfähige Ausnahme, selbst wenn dort heute bisweilen viel heiße Luft produziert wird, sollte man doch gerade darauf achten, dass die Arbeitstemperatur moderat bleibt in unserem Reichstagsgebäude. Erhitzte Sachdebatten, ja bitte. Scheingefechte politischer Knallchargen, nein danke. Sonst könnte es womöglich passieren, dass in diesem hohen Hause irgendwann und bis auf Weiteres doch noch mehr Sitzungen ausfallen müssen – wegen Hitzefrei.

© Siegfried Galter, 07. Juni 2013

La Jolie et la bête oder die Schönheit und das Biest

Freitag, Mai 17th, 2013

Angst essen Schönheit aufStets sieht sich die Schönheit durch das Häßliche gefährdet. Ebenso wie die Freiheit durch die Beschränktheit, oder die Ruhe durch den Aufruhr, die Gesundheit durch Krankheit. Der Frieden durch den Krieg. Die Gewissheit durch die Ungewissheit.
Genauso wie das Leben durch den Tod.
Keine Existenz ist denkbar ohne ihre elementare Gefährdung oder Infragestellung.
Und wir leben in unsicheren Zeiten, das ist gewiss. So gewiss wie die Statistiken, mit deren Hilfe wir uns wenigstens dieser Tatsache zahlenmäßig verbrieft versichern können.
Rauchen gefährdet unsere Gesundheit. Ebenso wie falscher oder übermäßiger Konsum nahezu aller anderen körpergängigen Substanzen und Verfahren, sei es Fleisch, Fett, Alkohol, Zucker, Medikamente und Drogen oder auch nur natürliches Sonnenlicht.
Von allen anderen Schadfaktoren, über die wir keine Kenntnis oder noch keine gesicherte Erkenntnis haben, einmal abgesehen.
Hält die statistisch belegte Schädlichkeit oder Gefährdung irgendeinen Nikotin-, Drogen-, Alkohol-, UV-, oder Fressjunkie davon ab, weiter an dieser selbstzerstörerischen Verhaltensweise festzuhalten? Selten genug. Wir verbrüdern uns mit unseren Todfeinden, umarmen sie innig und nehmen fatalistisch ihre statistisch signifikante und millionenfach erprobte Letalität in Kauf.
Gleichzeitig kämpfen wir verzweifelt gegen den sichtbaren Verfall, sei es mit Hilfe von Kleidung, Kosmetik oder Körperoptimierung bis aufs Messer - mit Selbstkasteiung, Chirurgie und und Alchemie.

Depression sei die Krankheit zum Tode, heißt es. Ich glaube, die Krankheit zum Tode heißt Todesangst. Sie lässt uns die aberwitzigsten Dinge tun, um dem Unvermeidlichen nicht ins Auge blicken zu müssen. Der Gegner hat uns längst umzingelt, der Sensenmann ist allgegenwärtig. Der Mensch ist des Menschen erbittertster Feind. Und am gefährlichsten ist der Feind in uns selbst. Ein heimtückischer Schläfer lauert in uns auf die Gelegenheit, uns mit körpereigenen Waffen hinterrücks niederzuringen. Krebs, die beängstigende Fratze jeder Horrorvision vom eigenen Ableben. Und jetzt also auch die eigenen Gene. Heute haben wir endlich die Erkenntnismöglichkeiten, den Beweis, und damit auch die Gewissheit: unsere eigenen Gene arbeiten gegen uns!
Wie es Gerhard Polt einmal so trefflich auf den Punkt brachte:
„Wenn die Gene erstmal versaut sind, helfen auch keine Prügel mehr!“
Aber in der modernen Chirurgie haben wir einen mächtigen Verbündeten! Wenn die statistische Wahrscheinlichkeit, an einer bestimmten Krebsart zu erkranken, genetisch quasi vorprogrammiert ist, dann operieren wir das hinterfotzige Teil einfach heraus, bevor eine entartete Zelle auch nur „Piep!“ sagen kann, und ersetzen es notfalls durch eine optimierte und harmlose Nachbildung.
So eine über 80-prozentige, statistisch abgesicherte Erkrankungswahrscheinlichkeit kann einem natürlich eine Scheißangst einjagen, gar keine Frage. Oh unglückselige Angelina, Dein Engelsgesicht soll den grausen Tod nicht schauen. Da heißt es knallhart kalkuliert handeln. Der Krebs oder ich. Den Feind vernichten, bevor er noch aus den Schützengräben ‘rauskommt. Das Biest muss sterben! Die Schönheit soll leben! Silikon statt Karzinom.

Unsere Todeswahrscheinlichkeit beträgt exakt 100 %. Massenhafte Präventiv-Selbstentleibung wäre angesichts dieser überwältigenden und statistisch unleugbaren Gewissheit das aktuelle Gebot der Stunde.
Wem das zu radikal ist, der kann ja, sozusagen als sorgsam abgestimmte „flexible response“ auf die statistisch vorliegende individuelle Gefährdungslage, nach und nach die Gefahrenherde eliminieren, indem er sich peu à peu von den in Frage kommenden Organen und Körperteilen trennt. Auf chirurgischem Wege, versteht sich, und unter begleitender Obhut von Spezialisten des Vertrauens. Heute die Prostata, morgen die Leber, dann später vielleicht noch Teile des Magens, suspekte Brüste, ein Fötus mit einer minderwertigen Gen-Disposition – alles muss ‘raus! Je nachdem könnte auch das Gehirn dran glauben müssen. Prävention tut Not – nichts wie weg damit, bevor es zu spät ist! Bei der Mehrheit sollte der Gewinn an potenzieller Lebensqualität den Verlust an Denkvermögen mehr als wettmachen. Bei nicht Wenigen wird sich dieser finale Eingriff mangels Masse ohnehin erübrigen. Und für unser marodes Gesundheitswesen tun sich langfristig völlig neue Perspektiven auf. Radikalprävention auf höchstem Level. Entledigt Euch! © Mai 2013 Siegfried Galter

Der MAHLSTROM

Donnerstag, August 2nd, 2012

Absaufen werdet Ihr!

„Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp,
Zu tauchen in diesen Schlund?
Einen goldnen Becher werf ich hinab,
Verschlungen schon hat ihn der schwarze Mund.
Wer mir den Becher kann wieder zeigen,
Er mag ihn behalten, er ist sein eigen.“

(Aus: Friedrich Schiller DER TAUCHER 1797)

Es geht den Bach ‘runter, machen wir uns nichts vor. Vor lauter Krisengetaumel schafft man es kaum noch, jeder einzelnen hinterherzuschreiben, wozu auch? Findet auch so statt, und ohne, dass man sie noch extra herbeizuschreiben bräuchte. Zu kommentieren gibt’s eh’ kaum noch was. Gesetze werden nicht mehr vom Bundestag gemacht, sondern vom Innenausschuss. Schön, das auch einmal erfahren zu haben. Elementare Grundrechte werden nicht mehr á priori gewährt, sondern nur noch auf Antrag, will heißen ihre Inversion zum Nachteil des Bürgers wird nur noch auf ausdrücklichen Antrag der Betroffenen aufgehoben, ansonsten heißt es: Pech gehabt! Bleibt im Zweifelsfalle immer noch der Weg zum Bundesverfassungsgericht, wir sind ja schließlich ein freies Land. A propos Verfassung. In welcher sich der gleichnamige -schutz befindet, will man lieber nicht wirklich wissen. Ebenso die anderen Organe dieses Staates, die unserer inneren wie äußeren Sicherheit dienen (schon ‘mal gehört, dieses Verb?) sollen.
Die BKA-Spitze wurde komplett im Handstreich ausgetauscht - findet offenbar keiner groß merkwürdig, was ein Bundesinnenminister Friedrich da für einen Putsch von oben durchzieht. A propos Organe: Die Beschneidung unserer Grundrechte kann einem schon echt aufs Skrotum gehen. Aber was uns wirklich unter die Vorhaut geht, ist doch die Beschneidung, nein: Verstümmelung hilf- und wehrloser Minderjähriger! Das geht ja gar nicht, sondern greift unsere fundamentalistischen Vorstellungen einer demokratischen Grund- und Weltordnung an, besonders, wenn religiös motiviert.
Thema Organe und Geld: Auch da wird künftig wohl jeder großzügig spenden müssen, damit der Nachschub für der Oberen Zehntausend abgewrackte Lebern, zerrüttete Herzen, saure Nieren etc. nicht zusammenbricht. Spendenbescheinigung gibt’s dann vom Gesundheitsministerium. A propos Finanzen: Die EZB fordert (und bekommt) jetzt demnächst carte blanche in Form von unbegrenztem Kredit! Wenn schon Pleite, dann aber richtig, Freunde! Wir gehen doch nicht mit ein paar lumpigen Billionen Bankrott? Nein, dann schreddern wir nicht nur ein paar belastende Nazi-Aktienbestände (wen die wohl noch so alles belastet haben, äh hätten, ätschebätsche?!), sondern gleich die gesamten Geldvorräte der EU. Und unser aller Zukunft gleich mit. Ist das wenigstens auch gleich mit erledigt. Haben wir irgendwas wichtiges vergessen? Zum Beispiel den milliardenschweren Panzerdeal mit den Wächtern der demokratischen Grundwerte, den Saudis? War da nicht noch ‘was im Vatikan? Das EM-Debakel unserer Fußball-Elf haben wir vorsichtshalber gleich komplett dem dunklen Schlund des Vergessens und Verdrängens übereignet. Ach ja, und unser Wahlrecht ist auch Makulatur. Brauchen wir eigentlich eh’ nicht mehr so richtig, mangels Gebrauch, sprich: stetig schwindender Wahlbeteiligung. Unsere Kanzlerin weilt derweil im Urlaub und unser Land taumelt führer(innen)los am Rande des schwarzen Abgrunds. Besser bekannt auch als das alles verschlingende, dräuende SOMMERLOCH. Ach so vieles, was man besser vergisst noch bevor man’s weiß, und zuverlässig vergisst die Öffentlichkeit, was Sie eh’ nie wissen wollte, macht aber nix, jetzt ist nämlich gerade SOMMERPAUSE!
So kann man eine Demokratie auch in Grund und Boden regieren, oder eben auch: nicht regieren. Den güldnen Becher? Kannste behalten, König von Deutschland.

© Siegfried Galter, 2. August 2012

Das letzte Tabu

Freitag, April 20th, 2012

Der Mensch ist dem Menschen ein Schwein

„Erst wenn das letzte Tabu gebrochen, die letzte Bastion gefallen, die letzten Schranken ignoriert, und die letzte Moral zerstört ist, werdet Ihr feststellen, dass grenzenlose Freiheit nichts als tödliche Langeweile bedeutet.“

© Siegfried Galter, 20. 04. 2012, Foto: istock

Ehre, wem Ehre - Sold, wem Sold!

Mittwoch, Februar 29th, 2012

Der Wulff und die sieben (Geld-)Scheißlein

Deutschland, hast Du das gewollt?
Dass der Rubel richtig rollt -
für jene, die es sich verdient
indem dem Staat sie treu gedient!
Geschenkt!

Das ist wohl auch in Volkes Sinn:
Dem treuen Diener uns´res Staates,
der sauber trennt Staat und Privates,
dem sei sein Lohn sehr wohl vergönnt -
wenn vom Amt er sich dann trennt
nachdem die Dienstzeit wohl zu End`
Denn Dienst ist Dienst
und Rent` ist Rent`
Drum gebt`s ihm frohen Mutes hin!

Jedoch mit Wulff?
Kein Staat zu machen!
Ach, dass mich doch der Geier holt!
Wie kann der sich ins Fäustchen lachen!
Deutschland ist ihm nicht mehr hold
und doch kriegt der den Ehrensold?

Für welche Ehre, bitte schön?
Als Söldner mag er wohl noch gelten,
der sich für kleines Geld verdingt
Doch so viel Unmaß gab es selten:
Den Ruhestand kriegt er vergoldet
weit vor der Zeit – fürstlich besoldet
wenn große Münze ihm jetzt klingt!

Wie soll sich da der Michel wähnen,
der unter Buckeln, Schweiß und Tränen
sein täglich` Brot nur karg erlangt
und jetzt um seine Rente bangt?

Er kann nur knirschen mit den Zähnen
und hoffen, dass er nicht erkrankt
um weiter für das Vaterland
und seine sauberen Vertreter
zu schuften bis ins frühe Grab:
Denn die Qual kennt keine Wahl.
Und Volkes Wille ist sein Wohl.

Leistungsträger braucht das Land!
Stattdessen hat es Volksvertreter.
Und die Bürger?
Fußabtreter.

© Siegfried Galter, 29.02. 2012

GÄHN! Vom tödlichen Ennui des Erwartbaren.

Mittwoch, Januar 4th, 2012

Erzählt uns doch EINMAL `was Neues!

Erzählt uns doch EINMAL `was Neues!

Ackermann ist ein A-A-Männchen. Köhler hat hingeschmissen*. Wulff ist unhaltbar und uneinsichtig. Guttenberg ist unfähig, uneinsichtig und unaufhaltbar. Pofalla ist… wer ist nochmal Pofalla? Merkel ist alternativlos.
Westerwelle ist der Vorläufer von Rösler. Rösler ist zum Weglaufen gut. Die FDP ist ein Auslaufmodell. Rot-Grün und Grün-Rot blockieren sich gegenseitig. Die Linke ist nicht regierungskonform. Deutschland ist Weltmeister. Deutschland war Weltmeister. Deutschland wird Weltmeister.
Der Euro wird gerettet. Der Euro wird gerettet. Der Euro wird gerettet. Europa ist eine Einheit. Es gibt keine rechte Gewalt. Der Terror von links muss bekämpft werden. Multikulti ist gescheitert. Wer sich nicht integrieren will, kann jederzeit emigrieren. Wir sind Weltmeister. Wir sind Papst. Der Papst ist unschuldig. Es gibt keinen Missbrauch in der katholischen Kirche. Der Vatikan hat immer recht. Die GEZ braucht keine Wähler. Die Banken sind böse. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen. Der Wähler/die Wählerin ist politikverdrossen. Die BRD ist eine Demokratie. Die BRD ist eine Demokratie. Der Verfassungsschutz schützt uns alle. Die BRD ist alternativlos. Der Stresstest für Wutbürger ist eine deutsche Erfindung. Es gab nie eine DDR. Gorleben ist.. was war nochmal in Gorleben? Die Energiewende ist eine Erfindung der CDU. Die Asse ist abgesoffen. In Deutschland waren Nazis immer schon eine ungefährliche Minderheit. Die deutsche Automobilindustrie ist der Motor unserer Wirtschaft. Wer arbeiten will, findet auch Arbeit. Fukushima ist überall. Es gibt keinen Klimawandel. Der Klimawandel ist beherrschbar. Der Klimagipfel bleibt ergebnisoffen. Es war nicht alles schlecht im tausendjährigen Reich. Europa wird in Brüssel erledigt. Wir brauchen mehr Mobilität, also mehr Autos und Autobahnen. Der Palästina-Konflikt ist festgefahren. Die Muslime sind selbst schuld. Made in Germany ist Made in Germany. Mindestlohn ist etwas für Arme. Der Markt wird’s schon richten. Wer nichts zu verbergen hat, kann ruhig die Hosen runterlassen. Wir sind alternativlos. Wir haben 2012. War `was?

* Wer oder Was passt nicht in diese Reihe?

© Siegfried Galter, 04.01. 2012

Wulff unter Wölfen? Oder einfach nur: Schafskopf unter Schafen?

Dienstag, Januar 3rd, 2012

Neidhammel gegen Leithammel

Neidhammel gegen Leithammel

Es ist ein Drama. Warum kann bei uns nicht einfach jeder nur ungestört seinen Job machen?
Kann man bei uns in Deutschland Leute wie Ackermann nicht einfach ackern lassen, Edelmänner wie Guttenberg ein guten Mann sein lassen, und unseren Herrn Wulff in Ruhe und Würde seines präsidialen Amtes walten lassen?
Muss denn immer alles ausgegraben, herumgedreht und kleinlich bemäkelt werden in unserer Demokratie? Würde nicht alles viel besser laufen, wenn man diese wenigen Engagierten, die uns noch verblieben sind, einfach nur in Ruhe ihre Arbeit tun ließe?
Warum können all` die kleingeistigen Neider, Nörgler und Nullchecker nicht einfach nur die Fresse halten und sich um ihre eigenen Baustellen kümmern?
Stellen Sie sich doch einmal vor, die halbe Republik käme auf die Idee, erst Ihre Urlaubsgewohnheiten, dann die Konditionen Ihres Bausparvertrages zu hinterfragen, und Ihnen obendrein Ihre guten Freundschafts- und Bankbeziehungen zu neiden. Was täten Sie in einer solchen Situation? Genau! Sie würden sich das verbitten, und völlig zu Recht den Medienpartner Ihres Vertrauens zur Sau machen, weil er es wagt, Ihre privatesten Angelegenheiten in der Öffentlichkeit breit zu treten. Und selbstverständlich käme nie ein Mensch auf die Idee, deshalb Ihre Postion als leitender Angestellter oder gar Beamter in Frage zu stellen, immer vorausgesetzt, alles ging nach Recht und Gesetz zu. Warum also wird hier derart mit zweierlei Maß gemessen? Sind Politiker etwa die schlechteren Menschen, oder stehen Sie bei uns womöglich von vorn herein unter Generalverdacht, nach dem Motto: „Wer dieser Berufsgruppe angehört, hat automatisch ein schlechteres Sozialranking“?
Es scheint wohl so. Als Politiker, zumal in leitender Position, ist man in Deutschland unter die Wölfe gefallen. Ein jeder versucht nur, seine eigenen paar Schäfchen ins Trockene zu bringen, aber das wird ihm schwerer und schwerer gemacht in unserem Lande – eine Schande! Was ist schon so ein kleiner Gefälligkeitskredit von einer lumpigen halben Million, und das zu einem lächerlich geringen Zinssatz? Schließlich wurde er einem der höchsten Amts- und Würdenträger unseres Landes gewährt, und zwar von einer würdigen Landesbank, wie sich das gehört. Wir könnten, nein: sollten stolz sein auf so viel Vernetzung auf höchster Wirtschaftsebene, stattdessen wird, wie üblich, nur gemäkelt. Abgesehen davon gehören immer auch schwarze Schafe zur Herde, ob sie das nun gut findet oder nicht. Aber so ist das, wenn die tumbe Schafherde dem Leithammel die Richtung vorgeben will, und blind den Neidhammeln hinterherrennt, dann hat der Wolf leichtes Spiel. Auch das Unschuldslamm zu spielen, hilft dann nichts mehr, denn wenn die Meute erst einmal Blut geleckt hat, rettet es kein Mitleid. Übrigens hat Kreide fressen noch aus keinem Wolf ein überzeugendes Unschuldslamm gemacht. Und wem nicht geglaubt wird, der hat bald jeden Kredit verspielt.

A propos Kredit und Umschuld: „Wer unter Euch ohne Schulden ist, der werfe den ersten Schuldschein!“ So ist es bereits im Buch der Zöllner und Pharisäer nachzulesen, und sollte uns allen eine Lehre sein, denn: So, wie ein guter Hirte für seine Herde sorgt, so sorgt der gute Vater Staat für uns! Schließlich hat er uns alle, selbst die Geringsten und Geringstverdienenden unter uns, mit reichlich Kredit ausgestattet. Und zwar ohne langes Nachfragen, argwöhnische Schufa-Auskünfte oder irgendwelches kleinliche Zinsengeschacher, jawohl! Jeder Bundesbürger steht über Vater Staat mit ca. € 25.000,- in der Kreide, das sind die ungeschönten Tatsachen. Denn unser Väterchen, der gute Hirte, hat schlecht gewirtschaftet in den letzten 50 Dekaden, und hat uns ein aktuelles Defizit von um die 2040.000.000.000 € beschert. Da bleibt kein Schäfchen ungeschoren. So viel Kreide kann kein noch so böser Wolf fressen, um uns da je wieder rauszuheulen. Da hilft kein Muh und kein Mäh. Also: Maul halten und weiterackern! Oder wir fangen endlich an, diese Altlasten angemessen heimzuzahlen, und zwar mit Zins und Zinseszins ….

© Siegfried Galter, 03.01. 2012

Die SÜDDEUTSCHE deckt auf: Nazis im Westen sollen Terror-Trio geholfen haben!

Freitag, Dezember 9th, 2011

Wo fängt der Todesstreifen des Nazi-Terrors an? Im Westen ist keiner mehr sicher!

Wo fängt der Todesstreifen des Nazi-Terrors an? Im Westen ist keiner mehr sicher!

Wie jetzt: Hier bei uns, HIER IM WESTEN gibt es etwa auch Nazis? Seit wann denn das? Steht denn der antifaschistische Schutzwall nicht mehr, der die braunen Horden im finsteren Osten von uns fern hält? Wenn das `mal kein ganz abgefeimter Trick der berüchtigten OST-Propaganda-Maschinerie ist?
Laut Exklusivbericht in der SÜDDEUTSCHEN (!) von heute früh, 06.09 h Ortszeit, habe ein Rechtsradikaler zugegeben, „dass das Trio aus dem Osten bei der harten rechtsextremistischen Szene in Westdeutschland bekannt gewesen sei. In einem Fall will er mit Kameraden Örtlichkeiten für einen Mord des Terror-Trios ausspioniert haben.“
Wie ist so etwas möglich, gerade einmal 20 Jahre nachdem wir uns mühsam an der Mauer und an der Vergangenheitsbewältigung abgearbeitet haben? Warum kann der Bundesgrenzschutz seinen Aufgaben nur so ungenügend gerecht werden? Und wo bleibt, bitte schön, der Verfaschungsschutz, oder ist der etwa auch schon von den roten, ääh braunen Terror-Faschisten aus dem Osten unterwandert?! Wie lange schon sickern die braunen Banden heimlich bei uns ein, und bilden hier eine unheimliche „harte rechtsextremistische Szene“, von der man vorher noch nie gehört hat?! Wie können diese ostischen Killerschwadronen hier ungestört ihr teuflisches Terrorhandwerk ausüben, und den westlichen Sektor systematisch in einen Todesstreifen verwandeln?
Kann ich mich als westdeutscher Staatsbürger denn nicht einmal mehr auf unserem ureigenen Territorium sicher fühlen vor dieser imperialistischen Fascho-Bedrohung aus dem Osten? Das sollte allen Wiedervereinigungs-Träumern und Blümchen-Sozen endgültig die Augen öffnen! Und dafür zahlt man jetzt seit Jahr`und Tag brav seinen Solidarbeitrag!
Herr SZ-Redakteur Hans Leyendecker, bitte klären Sie uns auf!

© Siegfried Galter, 09.12. 2011

Heer und Stahl und Blut und Boden: Von fatalen Namenskonstellationen mit unguten Assoziationen.

Mittwoch, November 30th, 2011

Michel, mach´die Augen auf - es stinkt in D!

Michel, mach´die Augen auf - es stinkt in D!

Der vielzitierte „Deutsche Michel“ - wie kommt er eigentlich zu seinem Namen?
Zitat Brockhaus: „Die spöttische Bezeichnung für den Deutschen, meist gemünzt auf den biederen, unpolitischen, etwas schlafmützigen Bürger, findet sich erstmals 1541 in der »Sprichwörtersammlung« des deutschen Dichters Sebastian Franck (1499 bis 1542 oder 1543). …“
Nun, jene spezifischen „Michel“-Attribute ließen sich wohl auch heute noch auf die tumbe Mehrheit fast jedes europäischen Staatswesens anwenden.
In seiner bräsig-behaglichen Selbstbeschränkung gefiel sich jedenfalls der deutsche Michel in den letzten 50 Jahren darin, eine möglichst unbefleckte Weste zur Schau zu stellen, was seine braune Vergangenheit betrifft (nicht nur sauber, sondern rein!). Gelegentliche olfaktorische Irritationen von Kloakengeruch mit eindeutiger Naziherkunft wedelte er stets, mit machtvoller staatlicher Duldung und gutbürgerlicher Geste, von rechts nach links hinweg. Jüngst jedoch war der Gestank nicht mehr zu ignorieren, und geschockt musste der deutsche Michel zur Kenntnis nehmen, dass er ihn die ganzen Jahrzehnte mit sich herumgeschleppt hatte: Die nazibraune Kacke klebte unter seinem rechten Schuh und stank zum Himmel. Nun gut, könnte man einwenden, auf Grund einer sehbedingten Schwäche auf dem rechten Auge konnte der Ärmste das einfach nicht früher bemerkt haben – geschenkt. Ist halt nur ein armer Michel, und die Welt, Deutschland im besonderen, hat doch genug andere Probleme - im Moment sowieso. Da kommt unserem Staat und seinen hochorganisierten Ordnungsorganen so eine kleine isolierte Nazi-Mörderbande doch sehr ungelegen. Zum Glück und in weiser Voraussicht haben zwei dieser unglückseligen, verblendeten Minderheit sich schon freiwillig von eigener Hand aus ihrem todbringenden Leben entfernt (das möchte man zumindest den unbedarften Michel glauben machen). So verbleibt ein recht überschaubarer Aufklärungsbedarf, wie gesagt, es kann sich ja nur um eine kleine isolierte Terrorzelle handeln, da ja über zehn Jahre keinerlei Hinweise auf ihre Existenz hingedeutet haben. Lassen wir also den ganzen braunen Sumpf und die mehr als suspekt anmutenden Versäumnisse des Verfaschungsschutzes also einfach rechts hinter uns liegen, und verweisen an dieser Stelle auf eine kleine, aber dennoch bemerkenswerte Koinzidenz im aktuellen Verlauf dieser Geschichte:

Bereits in einem früheren Beitrag hatte ich mich mit den zuweilen ominös anmutenden Zusammenhängen von Namen, Namensgebung und ihrer kontextuellen Einordnung befasst. Eigentlich ganz harmlose Begriffe wie „Blut“ oder „Boden“, die in ihren ursprünglichen Bedeutungszusammenhängen rein sachlich verwendet werden können, ohne eine Gänsehaut zu verursachen, entwickeln in anderen Kontexten plötzlich eine geradezu dämonische Dimension, man denke nur an Horrorfilme oder die Machenschaften von Bodenspekulanten(!). Ein ganz ähnliches Schicksal erleiden die Träger prinzipiell unverfänglicher Nachnamen wie „Heer“ oder „Stahl“, die es in Deutschland sicher tausendfach gibt. Auch dass die Namensinhaber den prinzipell mehrheitlich ehrbaren Beruf des Juristen ausüben, stellt keinerlei Beeinträchtigung oder Bedenklichkeit dar. Ein Chirurg namens „Fleischhauer“ oder ein Bankier, der sich „Offergeld“ nennt, gerät da schon viel eher in ein ominöses Licht. Dennoch kann es einen zumindest merkwürdig berühren, wenn die beiden Juristen, welche jetzt die Verteidigung von Beate Zschäpe (der Dritten im Bunde des Nazi-Mördertrios) übernommen haben, ausgerechnet auf die Namen „Heer“ und „Stahl“ hören.
Unbenommen, dass es sich bei diesen Beiden um offenbar unbescholtene und kompetente Vertreter ihres Standes handelt, hat diese Konstellation für mich eindeutig Gänsehautpotenzial. Hätten die sich nicht jemand anderen suchen können, den sie verteidigen wollen? Mensch, da draußen rennen soooo viele schöne und vielversprechende Verbrecher und Straftäter herum, aber nein, ausgerechnet die verqueren Nachläufer der hirnkranken “Blut-und-Boden”-Ideologie müssen die verteidigen. Mene, mene Tekel, bei Nazis siegt – der Ekel. Da helfen weder Stahl noch Heer. (N)amen.
© Siegfried Galter, 30.11.2011




Der (Gutten) Berg kreißte und gebar …

Dienstag, November 29th, 2011

Hhmmmm- Guttiguttiguttigutti!

Hhmmmm- Guttiguttiguttigutti!

Von Menschen und Mäusen gilt: Als Säugetiere haben sie eine bestimmte Tragzeit ihrer Leibesfrucht bis zur Niederkunft.
Im übertragenen Sinne wird dieser Begriff auch gerne auf den Entstehungsprozess geistiger Früchte, wie z.B. Dissertationen oder literarische Werke, angewandt.
Beim Menschen beträgt die biologische Tragzeit i.d.R. 9 Monate.
Manche brauchen etwas länger, besonders, wenn die äußeren Umstände widrig sind, so wie bei weiland (nicht:Heiland) Guttenberg: An seiner ersten, und hoffentlich auch letzten Dissertation dokterte der Graf etliche Jahre herum, mit bekanntem Ergebnis.
Ziemlich exakt neun Monate nach dem unfreiwilligen Spät-Abort seiner Doktorwürde erscheint nun wieder ein Machwerk, welches, anders als seine Doktorarbeit, diesmal die Öffentlichkeit sucht. Und offenbar auch findet: Die deutsche Volksseele lechzt anscheinend regelrecht nach allem, was dieser feine Herr so absondert.
Das jetzt veröffentlichte Werk „Vorerst gescheitert“ stammt erklärter Maßen nicht aus seiner Feder, sondern der Adelsherr lässt jetzt offiziell schreiben. Dennoch ist es von A bis Z wieder abgeschrieben: Und zwar bei ihm selbst.
Guttenberg wäre nicht er selbst, wenn er sich nicht in seiner Selbstverblendung treu bliebe. Deshalb sind jetzt auch, offiziell und für alle nachlesbar, alle anderen schuld an seiner Verfehlung und an seinem persönlichen wie politischen Unvermögen, das gibt er denen und uns jetzt sogar nochmal schriftlich.
Der Berg kreißte und gebar eine Maus. Von Guttenberg ließe sich ergänzend noch festhalten: Die Katze lässt das Mausen nicht, selbst wenn sie beim dreisten Diebstahl ertappt wurde. Der mickrigen Nachgeburt der nachgeschobenen Unwahrheiten also keine Chance, und das ist auch besser so. Wir wünschen einen gutten Schmaus, um nicht zu sagen: Gutten Appetit!

P.S.: Obwohl, oder gerade weil das Thema Guttenberg noch Bände füllen würde, und ich befürchte, dass uns der brillantine Saubermann künftig noch genug beschäftigen wird, seien ihm und seinen Machenschaften an dieser Stelle genug der Worte gewidmet.
Zumal er sich schändlicher Weise auf so wohlfeile Art, nämlich durch Ablasszahlung der mehr als schäbigen Summe von € 20.000,- aus seiner schmutzigen Affäre ziehen konnte, wollen wir diesem zweifelhaften Ehrenmann hier nicht mehr Ehre und Aufmerksamkeit zuteil werden lassen als angemessen.

© Siegfried Galter, 29.11.2011