Archive for the ‘Leistungskrisen’ Category

Hitzefrei in der „Quasselbude“?

Freitag, Juni 7th, 2013

Der Reichstag in Flammen
Wie in der Tagesschau vom 06. Juni berichtet, wurde die Parlamentssitzung des selbigen Tages wegen Beschlussunfähigkeit des Bundestages abgebrochen.
Auf Antrag der Linken war per Hammelsprung-Verfahren festgestellt worden, dass die für eine Beschlussfähigkeit erforderliche Mindest-Anwesenheit von mehr als der Hälfte der Abgeordneten nicht erfüllt war. Jau, da war aber Feuer unter’m Dach im Berliner Reichstag! Dieser so bemerkenswerte wie kritikwürdige Tatbestand (und damit ist ausdrücklich nicht die Tatsache gemeint, dass die Linke hier ganz korrekt intervenierte) gab zu Recht Anlass für viele erboste und kritische Kommentare auf der Tagesschau-Website. Auch der Twitter-Kommentar des Grünen Volker Beck („Die Linke hat wohl ein Rad ab….“) spricht wohl Bände für das teils höchst eigenwillige Selbstverständnis unserer Volksvertreter.
Die von deren Seite vielfach und lautstark beklagte „Politikverdrossenheit“ der Bundesbürger erhält auf diese Art wiederum neue Nahrung – wen wundert’s?

Man könnte auch sagen, hier wird weiter Öl in die schwelende Glut der Unzufriedenheit gegossen, auf die Gefahr hin, dass sich daraus irgendwann doch noch eine „Glodernde Lut“ nach Vorlage des berüchtigten Brandbeschleunigers Edmund der Zerstoiber entwickeln könnte.
Beunruhigendes Indiz ist die in letzter Zeit gehäufte Verwendung des Begriffes „Quasselbude“ in Bezug auf den deutschen Parlamentssitz (siehe auch die o.a. Kommentare). Bereits seine eindeutig despektierliche Prägung zeugt von dem mittlerweile offenbar vielfach empfundenen Misstrauen gegenüber unseren parlamentar-demokratischen Prinzipien und Institutionen und deren Protagonisten. Als abschätziges Attribut verwendet, richtet er sich sich in erster Linie gegen die Parlamentarier selbst: man schlägt den Sack und meint den Esel. Verschärft und brandgefährlich wird der Ausdruck dieser Geringschätzung aber vor dem Hintergrund, dass es sich bei dem ursprünglich von Kaiser Wilhelm geprägten Schmähbegriff um ein überkommenes Relikt aus dem Jargon der Nationalsozialisten handelt, welche damit das parlamentarische System der Weimarer Republik diskreditierten – mit durchschlagendem Erfolg, wie man weiß.
Der von den Nazis so geschmähte Reichstag wurde wenig später vom unglückseligen Marinus van der Lubbe abgefackelt – als leider völlig verfehlter Widerstandsakt gegen eben jene Naziverbrecher, die unmittelbar darauf den Weltenbrand entfachen sollten.
Der Reichstag heißt heute wieder so, wie er 1933 hieß. Ein schweres Erbe, das man verantwortungsvoll hüten sollte. „Quasselbude“ bedeutet vor diesem Hintergrund, mit brandgefährlichen Begriffen zu hantieren. Und an die Adresse unserer viel beschäftigten Abgeordneten: Auch wenn massenhafte (persönliche) Abwesenheit dort eher die unrühmliche Regel ist als die dispensfähige Ausnahme, selbst wenn dort heute bisweilen viel heiße Luft produziert wird, sollte man doch gerade darauf achten, dass die Arbeitstemperatur moderat bleibt in unserem Reichstagsgebäude. Erhitzte Sachdebatten, ja bitte. Scheingefechte politischer Knallchargen, nein danke. Sonst könnte es womöglich passieren, dass in diesem hohen Hause irgendwann und bis auf Weiteres doch noch mehr Sitzungen ausfallen müssen – wegen Hitzefrei.

© Siegfried Galter, 07. Juni 2013

La Jolie et la bête oder die Schönheit und das Biest

Freitag, Mai 17th, 2013

Angst essen Schönheit aufStets sieht sich die Schönheit durch das Häßliche gefährdet. Ebenso wie die Freiheit durch die Beschränktheit, oder die Ruhe durch den Aufruhr, die Gesundheit durch Krankheit. Der Frieden durch den Krieg. Die Gewissheit durch die Ungewissheit.
Genauso wie das Leben durch den Tod.
Keine Existenz ist denkbar ohne ihre elementare Gefährdung oder Infragestellung.
Und wir leben in unsicheren Zeiten, das ist gewiss. So gewiss wie die Statistiken, mit deren Hilfe wir uns wenigstens dieser Tatsache zahlenmäßig verbrieft versichern können.
Rauchen gefährdet unsere Gesundheit. Ebenso wie falscher oder übermäßiger Konsum nahezu aller anderen körpergängigen Substanzen und Verfahren, sei es Fleisch, Fett, Alkohol, Zucker, Medikamente und Drogen oder auch nur natürliches Sonnenlicht.
Von allen anderen Schadfaktoren, über die wir keine Kenntnis oder noch keine gesicherte Erkenntnis haben, einmal abgesehen.
Hält die statistisch belegte Schädlichkeit oder Gefährdung irgendeinen Nikotin-, Drogen-, Alkohol-, UV-, oder Fressjunkie davon ab, weiter an dieser selbstzerstörerischen Verhaltensweise festzuhalten? Selten genug. Wir verbrüdern uns mit unseren Todfeinden, umarmen sie innig und nehmen fatalistisch ihre statistisch signifikante und millionenfach erprobte Letalität in Kauf.
Gleichzeitig kämpfen wir verzweifelt gegen den sichtbaren Verfall, sei es mit Hilfe von Kleidung, Kosmetik oder Körperoptimierung bis aufs Messer - mit Selbstkasteiung, Chirurgie und und Alchemie.

Depression sei die Krankheit zum Tode, heißt es. Ich glaube, die Krankheit zum Tode heißt Todesangst. Sie lässt uns die aberwitzigsten Dinge tun, um dem Unvermeidlichen nicht ins Auge blicken zu müssen. Der Gegner hat uns längst umzingelt, der Sensenmann ist allgegenwärtig. Der Mensch ist des Menschen erbittertster Feind. Und am gefährlichsten ist der Feind in uns selbst. Ein heimtückischer Schläfer lauert in uns auf die Gelegenheit, uns mit körpereigenen Waffen hinterrücks niederzuringen. Krebs, die beängstigende Fratze jeder Horrorvision vom eigenen Ableben. Und jetzt also auch die eigenen Gene. Heute haben wir endlich die Erkenntnismöglichkeiten, den Beweis, und damit auch die Gewissheit: unsere eigenen Gene arbeiten gegen uns!
Wie es Gerhard Polt einmal so trefflich auf den Punkt brachte:
„Wenn die Gene erstmal versaut sind, helfen auch keine Prügel mehr!“
Aber in der modernen Chirurgie haben wir einen mächtigen Verbündeten! Wenn die statistische Wahrscheinlichkeit, an einer bestimmten Krebsart zu erkranken, genetisch quasi vorprogrammiert ist, dann operieren wir das hinterfotzige Teil einfach heraus, bevor eine entartete Zelle auch nur „Piep!“ sagen kann, und ersetzen es notfalls durch eine optimierte und harmlose Nachbildung.
So eine über 80-prozentige, statistisch abgesicherte Erkrankungswahrscheinlichkeit kann einem natürlich eine Scheißangst einjagen, gar keine Frage. Oh unglückselige Angelina, Dein Engelsgesicht soll den grausen Tod nicht schauen. Da heißt es knallhart kalkuliert handeln. Der Krebs oder ich. Den Feind vernichten, bevor er noch aus den Schützengräben ‘rauskommt. Das Biest muss sterben! Die Schönheit soll leben! Silikon statt Karzinom.

Unsere Todeswahrscheinlichkeit beträgt exakt 100 %. Massenhafte Präventiv-Selbstentleibung wäre angesichts dieser überwältigenden und statistisch unleugbaren Gewissheit das aktuelle Gebot der Stunde.
Wem das zu radikal ist, der kann ja, sozusagen als sorgsam abgestimmte „flexible response“ auf die statistisch vorliegende individuelle Gefährdungslage, nach und nach die Gefahrenherde eliminieren, indem er sich peu à peu von den in Frage kommenden Organen und Körperteilen trennt. Auf chirurgischem Wege, versteht sich, und unter begleitender Obhut von Spezialisten des Vertrauens. Heute die Prostata, morgen die Leber, dann später vielleicht noch Teile des Magens, suspekte Brüste, ein Fötus mit einer minderwertigen Gen-Disposition – alles muss ‘raus! Je nachdem könnte auch das Gehirn dran glauben müssen. Prävention tut Not – nichts wie weg damit, bevor es zu spät ist! Bei der Mehrheit sollte der Gewinn an potenzieller Lebensqualität den Verlust an Denkvermögen mehr als wettmachen. Bei nicht Wenigen wird sich dieser finale Eingriff mangels Masse ohnehin erübrigen. Und für unser marodes Gesundheitswesen tun sich langfristig völlig neue Perspektiven auf. Radikalprävention auf höchstem Level. Entledigt Euch! © Mai 2013 Siegfried Galter

Winkewinke! Der Papst hat seine Schuldigkeit getan, der Papst kann gehen?

Montag, Februar 11th, 2013

Zum Wohl der Kirche

Habemus Papam? Fehlanzeige! Wir sind Papst? Es war einmal!
Der Papst schmeißt hin! Benediktus macht’s nicht mehr. Da haben wir’s. Die von Kardinal Meisner erst jüngst beklagte „Pogromstimmung gegen die katholische Kirche“ fordert ihr erstes und prominentestes Opfer. Das gab’s noch nie, oder? Naja, fast noch nie jedenfalls. In der wechselvollen Kirchengeschichte ist dies zwar kein singuläres, aber zumindest ein spektakuläres Ereignis: So etwa alle 1000 Jahre kann sowas schonmal vorkommen.
Aber wie stehen wir jetzt da? Wo sein Vorgänger Woytila noch tapfer durchhielt bis zum würdigen Ende, und spätestens damit zum Pontifex der Herzen avancierte, macht Benedikt jetzt altersbedingte Abnutzungserscheinungen geltend, um dem Vatikan einfach so von der Fahne zu gehen. Geht’s noch? Darf der das überhaupt? Einfach so zurücktreten? Die Mitra einfach so den Nagel hängen, den päpstlichen Ornat an der Garderobe abgeben, das Papamobil parken, und das war’s dann? Ist er etwa vom reinen Glauben abgefallen, heimlich? Oder gab es da womöglich doch eine Direktive von höherer Warte? Irgendwelche Unregelmäßigkeiten womöglich? Steht Benedikt etwa auch auf der Abschussliste der unbarmherzigen Rechercheure von „Pontiplag“ und Co.??
Das haben wir jetzt davon. Wie soll der gebeutelte Katholik, die angefochtene Katholikin, an seinem/ihrem Glauben, an seiner/ihrer Kirche festhalten, wenn der oberste Hirte sie so schnöde im Stich lässt in diesen schweren Zeiten? Was soll aus den krisengebeutelten verirrten Schäfchen werden?
Und was sagt der Fahnenflüchtige selbst? “Ich gehe zum Wohl der Kirche.”
Ach, wären nur auch andere Führerfiguren so weitblickend:
Wann hätte man z.B. aus dem Munde eine Konzernlenkers gehört: „Ich gehe zu Wohle des Unternehmens!“ Wann haben wir einen selbstkritischen Politiker je sagen hören: „Ich gehe zum Wohl des Volkes!“
Ein Beispiel, das Schule machen sollte, oder? So mancher würde drei Kreuze schlagen und spontan ein herzhaftes „Halleluja“ oder ein inniges „Hosiannah!“ anstimmen.
Jedoch, wir leben in närrischen Zeiten, und da heißt es wohl eher „Hossa“ statt „Hosiannah“!
Alaaf und Helau, der Papst sagt ciao! Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Noch nicht ganz, aber am 28. Februar ist es dann soweit. Das müssen wir dann wohl so zur Kenntnis nehmen, und sagen: Winkewinke!

Schavanengesang, oder: Haben oder Nichthaben - das ist hier die Frage!

Donnerstag, Februar 7th, 2013

Lügen haben lange Hälse

„Was Du ererbt von Deinen Vätern -
erwirb’ es, um es zu besitzen!“

Wie jetzt: Muss ich etwas Ererbtes neuerdings auch noch erst erwerben, um es besitzen zu können?
Haben die Sozen es jetzt doch geschafft, die Erbschaftssteuer so hoch zu setzen, dass ich mir meinen berechtigten Erbanspruch geradezu erkaufen muss?
Gemach, gemach.
Der altväterliche Spruch ist viel weniger vordergründig materialistisch gemeint, sondern fordert etwas von uns ein, das eigentlich selbstverständlich sein sollte:
Es geht einfach um verantwortungsvollen Umgang mit allem, was die Altvorderen uns hinterlassen.
Auch wer ein materielles Erbe zu erwarten hat, wird sich fragen, ob er/sie es denn antritt. Und wenn ja, so wird dieses Erbe dem eigenen Besitztum einverleibt oder anverwandelt, d.h. ich muss mich meines neuen Besitztums als Eigentümer erst noch als würdig erweisen. Nicht zum ersten- und gewiss nicht zum letzten Mal in der Menschheitsgeschichte wurden Erbschaften schnöde verschmäht oder sinnlos verschleudert.

Erst recht trifft dies auf das geistige Erbe zu:
Einen Titel bekommt man verliehen, oder man erwirbt ihn sich.
Wobei der Begriff „erwerben“ - gerade vor dem Hintergrund der aktuellen und beschämenden Doktortitel-Skandale - eine mehr als zweifelhafte Doppelbedeutung bekommen hat.

Denn natürlich versteht man in diesem Zusammenhang den Sinn des Wortes „erwerben“ nicht im merkantilen Sinne des Kaufens – normalerweise jedenfalls.
Gemeint ist, dass man sich Ämter, Würden oder Titel kraft seiner besonderen Fähigkeiten und Leistungen erwirbt, d.h. die Berechtigung erhält, die auszuüben, zu führen oder auszufüllen.
Dieser redliche Erwerb setzt natürlich auch einen redlichen Umgang mit dem geistigen Eigentum Anderer voraus. Denn wenn ich mir etwas auf unredlichem Wege aneigne, dann handelt es sich mitnichten um Erwerb, sondern um profanenen Diebstahl. Und nicht nur der/die Bestohlene ist geschädigt, sondern der gesamte Wissenschaftsbetrieb ebenso wie alle, die von einem unredlich erworbenen Dr.-Titel geblendet und getäuscht werden.

Da ist es allemal besser, sich seinen Doktortitel zu erwerben, indem man ihn einfach kauft. Denn damit wäre „nur“ der Tatbestand des Betruges erfüllt. Und darüber hinaus profitiert wenigstens einer von dem ganzen: nämlich Der- oder Diejenige, welche(r) die Doktorarbeit, zwar in unredlicher Absicht, aber unter redlicher Aufbietung von Arbeit, verfasst hat (immer vorausgesetzt, es wurde nicht abgeschrieben dabei). Sei’s drum: Bis zum unumstößlichen Beweis gilt die Unschuldsvermutung, d.h. die Weste bleibt weiss. Allerdings: schwarze Schafe gibt es allenthalben, selbst der schwarze Schwan ist zwar exotisch, aber eben doch immer wieder aufzustöbern.

Also nochmal zum Mitschreiben:

„Was Du ererbt von Deinen Vätern -
erwirb’ es, um es zu besitzen!“
Dieser Satz lässt sich also durchaus auch auf die Doktorväter münzen, deren Wissen oder Wohlwollen man ererbt. Und mit diesem Wissen und Wohlwollen gilt es verantwortungsbewusst umzugehen.
Und so wird die Frage von Haben oder Nichthaben oft zur Frage von Sein oder Nichtsein, gerade beim Dr.-Titel.
Vor allem, wenn man sich eines Erbes nicht als würdig erweist. Dann wird der Schavanengesang unüberhörbar.
Ein Narr, wem Böses dabei schwant?





© Siegfried Galter, 07.02. 2013

V wie Victory! Was der schwarz-gelbe Triumpf für Deutschland bedeutet

Dienstag, Mai 15th, 2012

Die Siegerfahne ist schwarz-gelb!Entschlossenheit, Vorwärtsdrang, Unverdrossenheit, Überblick, Teamgeist, Fairness, Engagement, Optimismus, Erfolgswillen, Stehvermögen, - Meisterschaft. Das sind die Elemente, die Gewinner ausmachen, die das Volk mitreißen und begeistern, und die wir uns von unseren Leistungsträgern in Deutschland so sehr wünschen!

Für all’ das steht Schwarz-Gelb: Die Borussia hat uns gezeigt, wie es geht. Zum zweiten Mal in Folge Deutscher Meister, Meister der Herzen, und schließlich, hochverdient, auch noch als DFB-Pokalsieger aus dem Spitzenderby gegen die notorischen Tabellenführer in Lederhosen hervorgegangen. Schluss mit der selbstüberzogenen Leitkultur! Deutschland feiert den Ruhrpott-Arbeiteraufstand gegen das saturierte Fußball-Establishment.
Und in der Politik? Auch hier weht ein Hauch von Ruhrpott durch das Land, wenn auch farblich deutlich anders akzentuiert, denn die signalträchtige Farbkombi Schwarz-Gelb steht bzw. fällt hier für etwas ganz anderes:
Die oppositionsgestählten Roten berappeln sich, und kommen zunehmend aus der Verteidigung - allerdings scheint der radikale linke Flügel zusehends neutralisiert zu werden. So lange das Spiel auf halbwegs ökologischer Grundlage (also Rasen) läuft, sind die Grünen weiterhin auf dem Platz. Allerdings sehen sie sich aktuell unversehens heftig attackiert von der FC St.Pauli-Ausgabe der Parteienwelt. Die Piraten zeigen deutlich orange Flagge, und laufen, unterstützt durch eine chaotische Fangemeinde, langsam zur Bundesligareife auf. Die orangefarbenen Nebelkerzen aus der Fankurve werden es alleine aber nicht reißen.
Dagegen das konservative Lager: Die Schwarzen haben stark an Substanz verloren und laufen in deutlich ausgewaschenen Trikots in undifferenzierten Grautönen auf. Einzig auf internationalem Parkett spielt man, dank Merkel-Bonus, derzeit noch halbwegs auf Augenhöhe. Im konservativen Kader zeigt besonders die Bayernfraktion, wie aktuell der entthronte Münchner FC, deutliche Abwehrschwächen, welche auch durch zweckoptmistische Verbalgrätschen eines Seehofer nicht länger zu kaschieren sind.

Auch für Legenden ist irgendwann die Zeit gekommen. Keiner wusste das besser als der legendäre Namensvetter unserer fußballbegeisterten (immerhin!) Kanzlerin. In Bezug auf die Verlierer-Partei im blau-gelben Trikot jedoch trifft einer der berüchtigten Max-Merkel-Sprüche (aus allerdings anderem Zusammenhang) hier scheinbar nicht ganz zu:
“Ich glaube, es ist leichter, einen Rollmops durch Mund-zu-Mund-Beatmung wieder ins Leben zurückzu­holen.”
Gegen jede Vernunft und Lebenserfahrung haben es die gelbliberalen Freiheitskicker tatsächlich vermocht, von den Toten wieder aufzustehen, nachdem sie, aus Angst vor dem Tode, den politischen Selbstmord versucht hatten.
Aber noch nicht einmal das gelingt diesem Haufen verstörter Liberal-Youngster, denen eindeutig eine stabile Trainerhand fehlt. Wie man weiß, macht ein Hoffnungsträger (Lindner?) noch lange kein Team oder gar eine siegfähige Mannschaft aus. Man wird sehen, ob sie die Relegationsrunde überstehen, oder doch endlich in der Bedeutungsarmut ihrer chronischen Drittklassigkeit verschwinden werden.
Ein Lichtblick momentan ist, dass wenigstens die rechtsradikale Braunkack-Fraktion weitesgehend auf die abgesperrten Zuschauerränge verbannt bleibt. Am besten, sie schlagen sich dort gegenseitig die hohlen Schädel ein.

Deutscher Fußball und deutsche Politik zeigen doch immer wieder frappante Parallelen. Um es in Abwandlung mit einer anderen Trainerlegende zu sagen: “Nach der Wahl ist vor der Wahl” und “Die Urne ist rund und eine Legislaturperiode dauert 5 minus X Jahre” (je nachdem, wo, und wie weit Koalition, Kondition und Wahlversprechen tragen).
Da trifft wie immer des Kaisers Wort: „Schau’n ‘mer mal!“

© Siegfried Galter, 14. 05. 2012

Grass-Geflüster: Was untersagt werden muss.

Montag, April 16th, 2012

Grass lesen - oder besser: Gras rauchen?

Erschlaffte Erkenntnislyrik
Nobelpreisungs-Bonus
Eigenes Fremdverschulden
Erdichtete Wahrheit
Stammtisch-Gestammel
Aufrüstungs-Schiebereien
U-Boot-Kriegstreiberei
Wiedergutmachungs-Heuchelei
Altmänner-Geseiber
Pfeifengezündel im Walde
Weltfriedens-Geschwafel
Abrüstungs-Entrüstung
Vergangenheits-Überwältigung
Antisemitismus-Fetischismus
Unmenschliche Feindlichkeit
Atommachts-Umnachtung
Politische Hohlheit
Correctness-Gefasel
Vereinigte Einseitigkeit
Totalitarismus-Verblendung
Menschenrechts-Zersetzung
Erstschlags-Irrsinn
Gesinnungseitelkeiten
Wahrheitsvereitelung
Unsägliche Besserwisserei.

Sag’ ich doch!

© Siegfried Galter, Montag, 16. April 2012




Ehre, wem Ehre - Sold, wem Sold!

Mittwoch, Februar 29th, 2012

Der Wulff und die sieben (Geld-)Scheißlein

Deutschland, hast Du das gewollt?
Dass der Rubel richtig rollt -
für jene, die es sich verdient
indem dem Staat sie treu gedient!
Geschenkt!

Das ist wohl auch in Volkes Sinn:
Dem treuen Diener uns´res Staates,
der sauber trennt Staat und Privates,
dem sei sein Lohn sehr wohl vergönnt -
wenn vom Amt er sich dann trennt
nachdem die Dienstzeit wohl zu End`
Denn Dienst ist Dienst
und Rent` ist Rent`
Drum gebt`s ihm frohen Mutes hin!

Jedoch mit Wulff?
Kein Staat zu machen!
Ach, dass mich doch der Geier holt!
Wie kann der sich ins Fäustchen lachen!
Deutschland ist ihm nicht mehr hold
und doch kriegt der den Ehrensold?

Für welche Ehre, bitte schön?
Als Söldner mag er wohl noch gelten,
der sich für kleines Geld verdingt
Doch so viel Unmaß gab es selten:
Den Ruhestand kriegt er vergoldet
weit vor der Zeit – fürstlich besoldet
wenn große Münze ihm jetzt klingt!

Wie soll sich da der Michel wähnen,
der unter Buckeln, Schweiß und Tränen
sein täglich` Brot nur karg erlangt
und jetzt um seine Rente bangt?

Er kann nur knirschen mit den Zähnen
und hoffen, dass er nicht erkrankt
um weiter für das Vaterland
und seine sauberen Vertreter
zu schuften bis ins frühe Grab:
Denn die Qual kennt keine Wahl.
Und Volkes Wille ist sein Wohl.

Leistungsträger braucht das Land!
Stattdessen hat es Volksvertreter.
Und die Bürger?
Fußabtreter.

© Siegfried Galter, 29.02. 2012

Heer und Stahl und Blut und Boden: Von fatalen Namenskonstellationen mit unguten Assoziationen.

Mittwoch, November 30th, 2011

Michel, mach´die Augen auf - es stinkt in D!

Michel, mach´die Augen auf - es stinkt in D!

Der vielzitierte „Deutsche Michel“ - wie kommt er eigentlich zu seinem Namen?
Zitat Brockhaus: „Die spöttische Bezeichnung für den Deutschen, meist gemünzt auf den biederen, unpolitischen, etwas schlafmützigen Bürger, findet sich erstmals 1541 in der »Sprichwörtersammlung« des deutschen Dichters Sebastian Franck (1499 bis 1542 oder 1543). …“
Nun, jene spezifischen „Michel“-Attribute ließen sich wohl auch heute noch auf die tumbe Mehrheit fast jedes europäischen Staatswesens anwenden.
In seiner bräsig-behaglichen Selbstbeschränkung gefiel sich jedenfalls der deutsche Michel in den letzten 50 Jahren darin, eine möglichst unbefleckte Weste zur Schau zu stellen, was seine braune Vergangenheit betrifft (nicht nur sauber, sondern rein!). Gelegentliche olfaktorische Irritationen von Kloakengeruch mit eindeutiger Naziherkunft wedelte er stets, mit machtvoller staatlicher Duldung und gutbürgerlicher Geste, von rechts nach links hinweg. Jüngst jedoch war der Gestank nicht mehr zu ignorieren, und geschockt musste der deutsche Michel zur Kenntnis nehmen, dass er ihn die ganzen Jahrzehnte mit sich herumgeschleppt hatte: Die nazibraune Kacke klebte unter seinem rechten Schuh und stank zum Himmel. Nun gut, könnte man einwenden, auf Grund einer sehbedingten Schwäche auf dem rechten Auge konnte der Ärmste das einfach nicht früher bemerkt haben – geschenkt. Ist halt nur ein armer Michel, und die Welt, Deutschland im besonderen, hat doch genug andere Probleme - im Moment sowieso. Da kommt unserem Staat und seinen hochorganisierten Ordnungsorganen so eine kleine isolierte Nazi-Mörderbande doch sehr ungelegen. Zum Glück und in weiser Voraussicht haben zwei dieser unglückseligen, verblendeten Minderheit sich schon freiwillig von eigener Hand aus ihrem todbringenden Leben entfernt (das möchte man zumindest den unbedarften Michel glauben machen). So verbleibt ein recht überschaubarer Aufklärungsbedarf, wie gesagt, es kann sich ja nur um eine kleine isolierte Terrorzelle handeln, da ja über zehn Jahre keinerlei Hinweise auf ihre Existenz hingedeutet haben. Lassen wir also den ganzen braunen Sumpf und die mehr als suspekt anmutenden Versäumnisse des Verfaschungsschutzes also einfach rechts hinter uns liegen, und verweisen an dieser Stelle auf eine kleine, aber dennoch bemerkenswerte Koinzidenz im aktuellen Verlauf dieser Geschichte:

Bereits in einem früheren Beitrag hatte ich mich mit den zuweilen ominös anmutenden Zusammenhängen von Namen, Namensgebung und ihrer kontextuellen Einordnung befasst. Eigentlich ganz harmlose Begriffe wie „Blut“ oder „Boden“, die in ihren ursprünglichen Bedeutungszusammenhängen rein sachlich verwendet werden können, ohne eine Gänsehaut zu verursachen, entwickeln in anderen Kontexten plötzlich eine geradezu dämonische Dimension, man denke nur an Horrorfilme oder die Machenschaften von Bodenspekulanten(!). Ein ganz ähnliches Schicksal erleiden die Träger prinzipiell unverfänglicher Nachnamen wie „Heer“ oder „Stahl“, die es in Deutschland sicher tausendfach gibt. Auch dass die Namensinhaber den prinzipell mehrheitlich ehrbaren Beruf des Juristen ausüben, stellt keinerlei Beeinträchtigung oder Bedenklichkeit dar. Ein Chirurg namens „Fleischhauer“ oder ein Bankier, der sich „Offergeld“ nennt, gerät da schon viel eher in ein ominöses Licht. Dennoch kann es einen zumindest merkwürdig berühren, wenn die beiden Juristen, welche jetzt die Verteidigung von Beate Zschäpe (der Dritten im Bunde des Nazi-Mördertrios) übernommen haben, ausgerechnet auf die Namen „Heer“ und „Stahl“ hören.
Unbenommen, dass es sich bei diesen Beiden um offenbar unbescholtene und kompetente Vertreter ihres Standes handelt, hat diese Konstellation für mich eindeutig Gänsehautpotenzial. Hätten die sich nicht jemand anderen suchen können, den sie verteidigen wollen? Mensch, da draußen rennen soooo viele schöne und vielversprechende Verbrecher und Straftäter herum, aber nein, ausgerechnet die verqueren Nachläufer der hirnkranken “Blut-und-Boden”-Ideologie müssen die verteidigen. Mene, mene Tekel, bei Nazis siegt – der Ekel. Da helfen weder Stahl noch Heer. (N)amen.
© Siegfried Galter, 30.11.2011




Der (Gutten) Berg kreißte und gebar …

Dienstag, November 29th, 2011

Hhmmmm- Guttiguttiguttigutti!

Hhmmmm- Guttiguttiguttigutti!

Von Menschen und Mäusen gilt: Als Säugetiere haben sie eine bestimmte Tragzeit ihrer Leibesfrucht bis zur Niederkunft.
Im übertragenen Sinne wird dieser Begriff auch gerne auf den Entstehungsprozess geistiger Früchte, wie z.B. Dissertationen oder literarische Werke, angewandt.
Beim Menschen beträgt die biologische Tragzeit i.d.R. 9 Monate.
Manche brauchen etwas länger, besonders, wenn die äußeren Umstände widrig sind, so wie bei weiland (nicht:Heiland) Guttenberg: An seiner ersten, und hoffentlich auch letzten Dissertation dokterte der Graf etliche Jahre herum, mit bekanntem Ergebnis.
Ziemlich exakt neun Monate nach dem unfreiwilligen Spät-Abort seiner Doktorwürde erscheint nun wieder ein Machwerk, welches, anders als seine Doktorarbeit, diesmal die Öffentlichkeit sucht. Und offenbar auch findet: Die deutsche Volksseele lechzt anscheinend regelrecht nach allem, was dieser feine Herr so absondert.
Das jetzt veröffentlichte Werk „Vorerst gescheitert“ stammt erklärter Maßen nicht aus seiner Feder, sondern der Adelsherr lässt jetzt offiziell schreiben. Dennoch ist es von A bis Z wieder abgeschrieben: Und zwar bei ihm selbst.
Guttenberg wäre nicht er selbst, wenn er sich nicht in seiner Selbstverblendung treu bliebe. Deshalb sind jetzt auch, offiziell und für alle nachlesbar, alle anderen schuld an seiner Verfehlung und an seinem persönlichen wie politischen Unvermögen, das gibt er denen und uns jetzt sogar nochmal schriftlich.
Der Berg kreißte und gebar eine Maus. Von Guttenberg ließe sich ergänzend noch festhalten: Die Katze lässt das Mausen nicht, selbst wenn sie beim dreisten Diebstahl ertappt wurde. Der mickrigen Nachgeburt der nachgeschobenen Unwahrheiten also keine Chance, und das ist auch besser so. Wir wünschen einen gutten Schmaus, um nicht zu sagen: Gutten Appetit!

P.S.: Obwohl, oder gerade weil das Thema Guttenberg noch Bände füllen würde, und ich befürchte, dass uns der brillantine Saubermann künftig noch genug beschäftigen wird, seien ihm und seinen Machenschaften an dieser Stelle genug der Worte gewidmet.
Zumal er sich schändlicher Weise auf so wohlfeile Art, nämlich durch Ablasszahlung der mehr als schäbigen Summe von € 20.000,- aus seiner schmutzigen Affäre ziehen konnte, wollen wir diesem zweifelhaften Ehrenmann hier nicht mehr Ehre und Aufmerksamkeit zuteil werden lassen als angemessen.

© Siegfried Galter, 29.11.2011

Von Hebeln, Hämmern, Nägeln und anderen Folterwerkzeugen

Donnerstag, Oktober 27th, 2011

Den €uro schmieden, so lange, bis er weg ist.

Den €uro schmieden, so lange, bis er weg ist.

„Wer nur den Hammer als Werkzeug kennt, für den ist jedes Problem ein Nagel!“
Dieses erkenntnishafte Zitat sei hier vorangestellt für all` jene, die glauben, in Europa würden jetzt endlich „Nägel mit Köpfen“ gemacht.
Es gibt in der Menschheitsgeschichte immer wieder selbst erschaffene Phänomene und Problemstellungen von Ausmaßen, die unter die Rubrik „too big to fail“ ebenso fallen wie unter „too big to reverse“.
Zu deutsch: Die angerührte Scheiße ist derart gigantisch, dass der einzige Weg, sie aus dem Wege zu räumen, der ist, immer noch mehr Bullshit draufzuschaufeln (bekannt auch als das altbewährte Patentrezept „more of the same shit“).
Und darauf zu warten, dass irgendwann wenigstens Biogas oder Kompost daraus entstehen möge. Nun, die Hoffnung ist seit je eines der perfidesten Folterinstrumente, mit denen uns die Politik zu quälen versteht.
Prominente Beispiele dafür liefern z.B. die erwiesener Maßen völlig sinnlose Zeitumstellung auf Winter und Sommer, bürokratische Monster wie die sog. „Umweltplakette“, die Müll-Mogelpackung „Grüner Punkt“, oder das beliebte, und weltweit immer wieder fröhlich wider besseres Wissen, Wollen und Gewissen exerzierte Wettrüsten. Von solchen Petitessen wie Klimaveränderung und Umweltzerstörung wollen wir hier gar nicht erst anfangen.
In den vergangen zwei Jahren durften wir also Zeuge werden, wie der €uro von einer goldglänzenden Weltwährung zu einem Altmetall-Derivat von zweifelhaftem Wert umgeschmiedet wurde. Offenen Maules durfte der Eurobürger an diesem epochalen Ereignis teilhaben, stieren Auges in die lohende Esse (die glodernde Lut, ähhh, die ludernde Glot, äääh, die gludernde Lot…) blickend, und dabei auch noch ein horrendes Zwangsgeld für dieses schauderliche Schauspiel entrichtend.

Und wie da die Funken flogen! Und wie da der Hammer geschwungen wurde! Und wie da immer mehr schimmernde Substanz dahinschmolz, während die Esse nahezu manisch-wahnhaft immer heißer befeuert wurde mit Tonnen von Papiergeld und völlig wertlosen Wertpapieren! Hui! Beim Odin und beim Thor, das Tor zur Hölle ist ein lauwarmer Furz gegen das Höllenfeuer, das unsere smarten Banker da entfachten, und welches unsere erbärmlichen Politiker nicht kontrollieren wollten oder konnten.
Oder habe ich da etwas falsch gesehen, und man war nur dabei, einen gewaltigen Hebel zu schmieden?! Das würde alles erklären!

Jetzt also der €uro-Rettungsschirm. Mit Furz und Feuerstein und Hebelwirkung, weil:
„Gewaltig ist des Schlossers Kraft, wenn er mit dem Hebel schafft!“
Wunderbar, so lange der Schlosser weiß, was er da tut, und dass die Hebelkraft nicht nur einen Punkt braucht, um den Hebel anzusetzen, sondern, dass die Hebelkraft auch in die entgegengesetzte Richtung wirken kann. Und, vielleicht am allerwichtigsten: Dass die Unterlage auch der aufgewandten Hebelkraft stand halten muss. So viel zum Thema Werkzeugeinsatz. Aber ob Hammer oder Hebel – wenn die Grundsubstanz nichts taugt, dann wird der Weg zum Abwracker unumgänglich sein. Früher oder später.

Das heißt im Klartext: Wenn hier ein Werkzeug angebracht ist, dann ist es der Hammer eines Auktionators, der im Rahmen einer Gesamtinsolvenz versucht, noch einen kümmerlichen Restwert aus der Konkursmasse herauszuschlagen: Drei, Zwei, Eins, Aus. Und alles unsers!

© Siegfried Galter, 27.10. 2011, Bild: fotolia