Archive for the ‘Persönliche Krisen’ Category

Und woran glaubst Du so? (VII)

Dienstag, Januar 27th, 2015

Star WarsEs sind die Sterne. Ich glaube an die Allmacht der Gestirne. An das Universum! Seine unendliche Weisheit und Weite, vor der wir Menschen doch so klein sind. Und so bedeutungslos.
Denn was immer wir auch tun, hier auf unserer kleinen Erde, es ist uns vorherbestimmt seit Jahrmillionen. Vorherbestimmt durch den Lauf der Gestirne und ihre Konstellationen – jetzt und in
alle Ewigkeit! Wir glauben nur zu handeln oder Entscheidungen zu treffen, dabei ist alles längst entschieden. Der Äonenlauf der Dinge ist nicht aufzuhalten. Der Mensch ist viel zu unbedeutend und ohnmächtig im Angesicht dieser Urkräfte.
Aber ist das nicht auch eine schöne Gewissheit? Hat das nicht etwas ungemein Tröstliches? Es gibt keine Schuld. Es gibt auch keine Unschuld. Es gibt nur das Schicksal, das uns allen vorgegeben ist. Jedem Individuum das seine. Vom Tag seiner Geburt an wird es bestimmt und begleitet durch seine ganz persönlichen Sternzeichen und ihre kosmische Prädestination. Von da an nimmt alles seinen Lauf. Wir können selbst gar nichts tun, um unser Schicksal zu verändern. Wir können im besten Falle versuchen, es vorherzusehen, uns darauf einzustellen, und es so anzunehmen, wie es die Sterne uns vorgeben. Ja, wir können den Sternen und ihren Bildern vertrauen, und wir können uns ihnen anvertrauen. Ebenso, wie wir jenen Berufenen glauben schenken und nachfolgen können, nein besser: sollten, die im Kontakt stehen mit dem Überirdischen. Denn sie sind die Pfadfinder, die Auserwählten, die uns den Weg weisen helfen in den unendlichen Weiten des Universums!

Der Mensch wird geformt durch den unwiderstehlichen kosmischen Flow, die Astrologie beweist uns das jeden Tag aufs Neue. Oder warum, glauben Sie, vertrauen auf der Welt Abermillionen Menschen den Weissagungen ihres persönlichen Horoskops? Warum sorgt der Mond hier für Ebbe und Flut und steuert sogar den hormonellen Zyklus alles Weiblichen? Weshalb orientiert sich die Menschheit schon seit frühester Zeit an Himmelsphänomenen und den Bahnen der Gestirne? Alles nur Hokuspokus? Nur für die, welche die ewige Weisheit der kosmischen Wege in Frage stellen! Nein, hier sind Kräfte am Wirken, von deren Ausmaß wir allenfalls eine vage Vorstellung entwickeln können! Wer wollte sich beispielsweise ernsthaft der Erdanziehung entziehen oder gar widersetzen wollen? Wer dem Licht der Sonne widerstehen? Und diese Kräfte lassen nicht mit sich spaßen. Wer ihnen mit Respekt begegnet, Ihre Macht nicht in Frage stellt, und sich ihnen willig anvertraut, kann der kosmischen Energie teilhaftig werden. Wer sich ihnen aber entgegenstellt, wer sie leugnet, verschmäht, oder gar verhöhnt, setzt sich ihrer zerstörerischen Macht aus, und wird womöglich von ihnen zerschmettert.

(wird fortgesetzt)

© Siegfried Galter 27. 01. 2015

La Jolie et la bête oder die Schönheit und das Biest

Freitag, Mai 17th, 2013

Angst essen Schönheit aufStets sieht sich die Schönheit durch das Häßliche gefährdet. Ebenso wie die Freiheit durch die Beschränktheit, oder die Ruhe durch den Aufruhr, die Gesundheit durch Krankheit. Der Frieden durch den Krieg. Die Gewissheit durch die Ungewissheit.
Genauso wie das Leben durch den Tod.
Keine Existenz ist denkbar ohne ihre elementare Gefährdung oder Infragestellung.
Und wir leben in unsicheren Zeiten, das ist gewiss. So gewiss wie die Statistiken, mit deren Hilfe wir uns wenigstens dieser Tatsache zahlenmäßig verbrieft versichern können.
Rauchen gefährdet unsere Gesundheit. Ebenso wie falscher oder übermäßiger Konsum nahezu aller anderen körpergängigen Substanzen und Verfahren, sei es Fleisch, Fett, Alkohol, Zucker, Medikamente und Drogen oder auch nur natürliches Sonnenlicht.
Von allen anderen Schadfaktoren, über die wir keine Kenntnis oder noch keine gesicherte Erkenntnis haben, einmal abgesehen.
Hält die statistisch belegte Schädlichkeit oder Gefährdung irgendeinen Nikotin-, Drogen-, Alkohol-, UV-, oder Fressjunkie davon ab, weiter an dieser selbstzerstörerischen Verhaltensweise festzuhalten? Selten genug. Wir verbrüdern uns mit unseren Todfeinden, umarmen sie innig und nehmen fatalistisch ihre statistisch signifikante und millionenfach erprobte Letalität in Kauf.
Gleichzeitig kämpfen wir verzweifelt gegen den sichtbaren Verfall, sei es mit Hilfe von Kleidung, Kosmetik oder Körperoptimierung bis aufs Messer - mit Selbstkasteiung, Chirurgie und und Alchemie.

Depression sei die Krankheit zum Tode, heißt es. Ich glaube, die Krankheit zum Tode heißt Todesangst. Sie lässt uns die aberwitzigsten Dinge tun, um dem Unvermeidlichen nicht ins Auge blicken zu müssen. Der Gegner hat uns längst umzingelt, der Sensenmann ist allgegenwärtig. Der Mensch ist des Menschen erbittertster Feind. Und am gefährlichsten ist der Feind in uns selbst. Ein heimtückischer Schläfer lauert in uns auf die Gelegenheit, uns mit körpereigenen Waffen hinterrücks niederzuringen. Krebs, die beängstigende Fratze jeder Horrorvision vom eigenen Ableben. Und jetzt also auch die eigenen Gene. Heute haben wir endlich die Erkenntnismöglichkeiten, den Beweis, und damit auch die Gewissheit: unsere eigenen Gene arbeiten gegen uns!
Wie es Gerhard Polt einmal so trefflich auf den Punkt brachte:
„Wenn die Gene erstmal versaut sind, helfen auch keine Prügel mehr!“
Aber in der modernen Chirurgie haben wir einen mächtigen Verbündeten! Wenn die statistische Wahrscheinlichkeit, an einer bestimmten Krebsart zu erkranken, genetisch quasi vorprogrammiert ist, dann operieren wir das hinterfotzige Teil einfach heraus, bevor eine entartete Zelle auch nur „Piep!“ sagen kann, und ersetzen es notfalls durch eine optimierte und harmlose Nachbildung.
So eine über 80-prozentige, statistisch abgesicherte Erkrankungswahrscheinlichkeit kann einem natürlich eine Scheißangst einjagen, gar keine Frage. Oh unglückselige Angelina, Dein Engelsgesicht soll den grausen Tod nicht schauen. Da heißt es knallhart kalkuliert handeln. Der Krebs oder ich. Den Feind vernichten, bevor er noch aus den Schützengräben ‘rauskommt. Das Biest muss sterben! Die Schönheit soll leben! Silikon statt Karzinom.

Unsere Todeswahrscheinlichkeit beträgt exakt 100 %. Massenhafte Präventiv-Selbstentleibung wäre angesichts dieser überwältigenden und statistisch unleugbaren Gewissheit das aktuelle Gebot der Stunde.
Wem das zu radikal ist, der kann ja, sozusagen als sorgsam abgestimmte „flexible response“ auf die statistisch vorliegende individuelle Gefährdungslage, nach und nach die Gefahrenherde eliminieren, indem er sich peu à peu von den in Frage kommenden Organen und Körperteilen trennt. Auf chirurgischem Wege, versteht sich, und unter begleitender Obhut von Spezialisten des Vertrauens. Heute die Prostata, morgen die Leber, dann später vielleicht noch Teile des Magens, suspekte Brüste, ein Fötus mit einer minderwertigen Gen-Disposition – alles muss ‘raus! Je nachdem könnte auch das Gehirn dran glauben müssen. Prävention tut Not – nichts wie weg damit, bevor es zu spät ist! Bei der Mehrheit sollte der Gewinn an potenzieller Lebensqualität den Verlust an Denkvermögen mehr als wettmachen. Bei nicht Wenigen wird sich dieser finale Eingriff mangels Masse ohnehin erübrigen. Und für unser marodes Gesundheitswesen tun sich langfristig völlig neue Perspektiven auf. Radikalprävention auf höchstem Level. Entledigt Euch! © Mai 2013 Siegfried Galter

Schavanengesang, oder: Haben oder Nichthaben - das ist hier die Frage!

Donnerstag, Februar 7th, 2013

Lügen haben lange Hälse

„Was Du ererbt von Deinen Vätern -
erwirb’ es, um es zu besitzen!“

Wie jetzt: Muss ich etwas Ererbtes neuerdings auch noch erst erwerben, um es besitzen zu können?
Haben die Sozen es jetzt doch geschafft, die Erbschaftssteuer so hoch zu setzen, dass ich mir meinen berechtigten Erbanspruch geradezu erkaufen muss?
Gemach, gemach.
Der altväterliche Spruch ist viel weniger vordergründig materialistisch gemeint, sondern fordert etwas von uns ein, das eigentlich selbstverständlich sein sollte:
Es geht einfach um verantwortungsvollen Umgang mit allem, was die Altvorderen uns hinterlassen.
Auch wer ein materielles Erbe zu erwarten hat, wird sich fragen, ob er/sie es denn antritt. Und wenn ja, so wird dieses Erbe dem eigenen Besitztum einverleibt oder anverwandelt, d.h. ich muss mich meines neuen Besitztums als Eigentümer erst noch als würdig erweisen. Nicht zum ersten- und gewiss nicht zum letzten Mal in der Menschheitsgeschichte wurden Erbschaften schnöde verschmäht oder sinnlos verschleudert.

Erst recht trifft dies auf das geistige Erbe zu:
Einen Titel bekommt man verliehen, oder man erwirbt ihn sich.
Wobei der Begriff „erwerben“ - gerade vor dem Hintergrund der aktuellen und beschämenden Doktortitel-Skandale - eine mehr als zweifelhafte Doppelbedeutung bekommen hat.

Denn natürlich versteht man in diesem Zusammenhang den Sinn des Wortes „erwerben“ nicht im merkantilen Sinne des Kaufens – normalerweise jedenfalls.
Gemeint ist, dass man sich Ämter, Würden oder Titel kraft seiner besonderen Fähigkeiten und Leistungen erwirbt, d.h. die Berechtigung erhält, die auszuüben, zu führen oder auszufüllen.
Dieser redliche Erwerb setzt natürlich auch einen redlichen Umgang mit dem geistigen Eigentum Anderer voraus. Denn wenn ich mir etwas auf unredlichem Wege aneigne, dann handelt es sich mitnichten um Erwerb, sondern um profanenen Diebstahl. Und nicht nur der/die Bestohlene ist geschädigt, sondern der gesamte Wissenschaftsbetrieb ebenso wie alle, die von einem unredlich erworbenen Dr.-Titel geblendet und getäuscht werden.

Da ist es allemal besser, sich seinen Doktortitel zu erwerben, indem man ihn einfach kauft. Denn damit wäre „nur“ der Tatbestand des Betruges erfüllt. Und darüber hinaus profitiert wenigstens einer von dem ganzen: nämlich Der- oder Diejenige, welche(r) die Doktorarbeit, zwar in unredlicher Absicht, aber unter redlicher Aufbietung von Arbeit, verfasst hat (immer vorausgesetzt, es wurde nicht abgeschrieben dabei). Sei’s drum: Bis zum unumstößlichen Beweis gilt die Unschuldsvermutung, d.h. die Weste bleibt weiss. Allerdings: schwarze Schafe gibt es allenthalben, selbst der schwarze Schwan ist zwar exotisch, aber eben doch immer wieder aufzustöbern.

Also nochmal zum Mitschreiben:

„Was Du ererbt von Deinen Vätern -
erwirb’ es, um es zu besitzen!“
Dieser Satz lässt sich also durchaus auch auf die Doktorväter münzen, deren Wissen oder Wohlwollen man ererbt. Und mit diesem Wissen und Wohlwollen gilt es verantwortungsbewusst umzugehen.
Und so wird die Frage von Haben oder Nichthaben oft zur Frage von Sein oder Nichtsein, gerade beim Dr.-Titel.
Vor allem, wenn man sich eines Erbes nicht als würdig erweist. Dann wird der Schavanengesang unüberhörbar.
Ein Narr, wem Böses dabei schwant?





© Siegfried Galter, 07.02. 2013

Das letzte Tabu

Freitag, April 20th, 2012

Der Mensch ist dem Menschen ein Schwein

„Erst wenn das letzte Tabu gebrochen, die letzte Bastion gefallen, die letzten Schranken ignoriert, und die letzte Moral zerstört ist, werdet Ihr feststellen, dass grenzenlose Freiheit nichts als tödliche Langeweile bedeutet.“

© Siegfried Galter, 20. 04. 2012, Foto: istock

Stahlgewitter? Theaterdonner!

Montag, Januar 9th, 2012

In Stahlgewittern standhaft!

In Stahlgewittern standhaft!

So viel Klimawandel war nie: Unwetterwarnung für Schloss Bellevue. Da braut sich immer mehr zusammen – von wegen schöne Aussicht! Blitz und Donner statt eitel Sonnenschein. Sicher - bei so viel Vernebelungstaktik und wattewolkigen Aussagen, da kann sich der Horizont schon einmal verdüstern über Berlin. Aber Stahlgewitter? Kachelmann, ick hör`Dir trapsen! Das zieht einem doch glatt die Schuhe aus.
Er sei zuversichtlich, dass “dieses Stahlgewitter bald vorbei ist”, ließ Christian Wulff gegenüber den Mitarbeitern des Bundespräsidialamts nach einem nicht dementierten Bericht der gestrigen “Bild am Sonntag” verlauten.
Was wollte Wulff mit dieser Frontschwein-Metapher Ernst Jüngers wohl zum Ausdruck bringen? Feuertaufe für einen Rookie? Stahlbad-Läuterung für einen Aufrechten? Nur die Harten kommen in den Garten? Wer nur eisern genug an seiner Position festhält, wird dem stahlbrechenden Blitzkrieg schon widerstehen? Oder: weiterhin schön im Schützengraben in Deckung bleiben, bis der Feind von alleine kapituliert? Dazu würde seine weitere Aussage passen, dass „in einem Jahr diese Affäre vergessen“ sei. Aber wo und wer ist der Feind? Unsere freiheitlich-aufrechte Bild-Springer-Presse, unermüdliche Verteidigerin der eigenen Meinungsfreiheit? Die vereinigten Moralisten und Wutbürger, die den Präsisenten aufs Korn genommen haben? Die erzürnten, von muslimischen Umstürzlern inspirierten Schuhschwenker vor dem Bundespräsidial-Schloss? Die unerschrockene und schlagkräftige, zu allem entschlossene Opposition? Womöglich gar Verräter und Überläufer aus den eigenen Reihen?
Oder war es einfach nur Blech, was der Wulff da wieder geredet hat, Blech, mit dem man früher hinter den Kulissen so schönen Theaterdonner produzieren konnte, indem man es hin- und herschwenkte, bis es wummerte? Mit bedrohlichem Geschützdonner von der Front keinesfalls zu verwechseln, und für heroische Posen denkbar ungeeignet.
Da kann man schon bedröppelt dastehen als Präsident, mit einem immer löchriger werdenden Schirm, wenn sich dann der Vorhang der Verschleierung hebt. Vom Regen in die Traufe, oder steter Tropfen höhlt den Stein. Das Stahlgewitter dräut und blitzt. Das Deutschlandfähnchen über Schloss Bellevue knattert im Wind. Die Einschläge kommen näher für unseren obersten Repräsentanten, und es kommt der Querschläger, der das Fass zum Auslaufen bringt. Und dann rettet, vielleicht, noch das weiße Fähnchen der unvermeidlichen Kapitulation.

© 09.01. 1012 Siegfried Galter

Wulff unter Wölfen? Oder einfach nur: Schafskopf unter Schafen?

Dienstag, Januar 3rd, 2012

Neidhammel gegen Leithammel

Neidhammel gegen Leithammel

Es ist ein Drama. Warum kann bei uns nicht einfach jeder nur ungestört seinen Job machen?
Kann man bei uns in Deutschland Leute wie Ackermann nicht einfach ackern lassen, Edelmänner wie Guttenberg ein guten Mann sein lassen, und unseren Herrn Wulff in Ruhe und Würde seines präsidialen Amtes walten lassen?
Muss denn immer alles ausgegraben, herumgedreht und kleinlich bemäkelt werden in unserer Demokratie? Würde nicht alles viel besser laufen, wenn man diese wenigen Engagierten, die uns noch verblieben sind, einfach nur in Ruhe ihre Arbeit tun ließe?
Warum können all` die kleingeistigen Neider, Nörgler und Nullchecker nicht einfach nur die Fresse halten und sich um ihre eigenen Baustellen kümmern?
Stellen Sie sich doch einmal vor, die halbe Republik käme auf die Idee, erst Ihre Urlaubsgewohnheiten, dann die Konditionen Ihres Bausparvertrages zu hinterfragen, und Ihnen obendrein Ihre guten Freundschafts- und Bankbeziehungen zu neiden. Was täten Sie in einer solchen Situation? Genau! Sie würden sich das verbitten, und völlig zu Recht den Medienpartner Ihres Vertrauens zur Sau machen, weil er es wagt, Ihre privatesten Angelegenheiten in der Öffentlichkeit breit zu treten. Und selbstverständlich käme nie ein Mensch auf die Idee, deshalb Ihre Postion als leitender Angestellter oder gar Beamter in Frage zu stellen, immer vorausgesetzt, alles ging nach Recht und Gesetz zu. Warum also wird hier derart mit zweierlei Maß gemessen? Sind Politiker etwa die schlechteren Menschen, oder stehen Sie bei uns womöglich von vorn herein unter Generalverdacht, nach dem Motto: „Wer dieser Berufsgruppe angehört, hat automatisch ein schlechteres Sozialranking“?
Es scheint wohl so. Als Politiker, zumal in leitender Position, ist man in Deutschland unter die Wölfe gefallen. Ein jeder versucht nur, seine eigenen paar Schäfchen ins Trockene zu bringen, aber das wird ihm schwerer und schwerer gemacht in unserem Lande – eine Schande! Was ist schon so ein kleiner Gefälligkeitskredit von einer lumpigen halben Million, und das zu einem lächerlich geringen Zinssatz? Schließlich wurde er einem der höchsten Amts- und Würdenträger unseres Landes gewährt, und zwar von einer würdigen Landesbank, wie sich das gehört. Wir könnten, nein: sollten stolz sein auf so viel Vernetzung auf höchster Wirtschaftsebene, stattdessen wird, wie üblich, nur gemäkelt. Abgesehen davon gehören immer auch schwarze Schafe zur Herde, ob sie das nun gut findet oder nicht. Aber so ist das, wenn die tumbe Schafherde dem Leithammel die Richtung vorgeben will, und blind den Neidhammeln hinterherrennt, dann hat der Wolf leichtes Spiel. Auch das Unschuldslamm zu spielen, hilft dann nichts mehr, denn wenn die Meute erst einmal Blut geleckt hat, rettet es kein Mitleid. Übrigens hat Kreide fressen noch aus keinem Wolf ein überzeugendes Unschuldslamm gemacht. Und wem nicht geglaubt wird, der hat bald jeden Kredit verspielt.

A propos Kredit und Umschuld: „Wer unter Euch ohne Schulden ist, der werfe den ersten Schuldschein!“ So ist es bereits im Buch der Zöllner und Pharisäer nachzulesen, und sollte uns allen eine Lehre sein, denn: So, wie ein guter Hirte für seine Herde sorgt, so sorgt der gute Vater Staat für uns! Schließlich hat er uns alle, selbst die Geringsten und Geringstverdienenden unter uns, mit reichlich Kredit ausgestattet. Und zwar ohne langes Nachfragen, argwöhnische Schufa-Auskünfte oder irgendwelches kleinliche Zinsengeschacher, jawohl! Jeder Bundesbürger steht über Vater Staat mit ca. € 25.000,- in der Kreide, das sind die ungeschönten Tatsachen. Denn unser Väterchen, der gute Hirte, hat schlecht gewirtschaftet in den letzten 50 Dekaden, und hat uns ein aktuelles Defizit von um die 2040.000.000.000 € beschert. Da bleibt kein Schäfchen ungeschoren. So viel Kreide kann kein noch so böser Wolf fressen, um uns da je wieder rauszuheulen. Da hilft kein Muh und kein Mäh. Also: Maul halten und weiterackern! Oder wir fangen endlich an, diese Altlasten angemessen heimzuzahlen, und zwar mit Zins und Zinseszins ….

© Siegfried Galter, 03.01. 2012

Der (Gutten) Berg kreißte und gebar …

Dienstag, November 29th, 2011

Hhmmmm- Guttiguttiguttigutti!

Hhmmmm- Guttiguttiguttigutti!

Von Menschen und Mäusen gilt: Als Säugetiere haben sie eine bestimmte Tragzeit ihrer Leibesfrucht bis zur Niederkunft.
Im übertragenen Sinne wird dieser Begriff auch gerne auf den Entstehungsprozess geistiger Früchte, wie z.B. Dissertationen oder literarische Werke, angewandt.
Beim Menschen beträgt die biologische Tragzeit i.d.R. 9 Monate.
Manche brauchen etwas länger, besonders, wenn die äußeren Umstände widrig sind, so wie bei weiland (nicht:Heiland) Guttenberg: An seiner ersten, und hoffentlich auch letzten Dissertation dokterte der Graf etliche Jahre herum, mit bekanntem Ergebnis.
Ziemlich exakt neun Monate nach dem unfreiwilligen Spät-Abort seiner Doktorwürde erscheint nun wieder ein Machwerk, welches, anders als seine Doktorarbeit, diesmal die Öffentlichkeit sucht. Und offenbar auch findet: Die deutsche Volksseele lechzt anscheinend regelrecht nach allem, was dieser feine Herr so absondert.
Das jetzt veröffentlichte Werk „Vorerst gescheitert“ stammt erklärter Maßen nicht aus seiner Feder, sondern der Adelsherr lässt jetzt offiziell schreiben. Dennoch ist es von A bis Z wieder abgeschrieben: Und zwar bei ihm selbst.
Guttenberg wäre nicht er selbst, wenn er sich nicht in seiner Selbstverblendung treu bliebe. Deshalb sind jetzt auch, offiziell und für alle nachlesbar, alle anderen schuld an seiner Verfehlung und an seinem persönlichen wie politischen Unvermögen, das gibt er denen und uns jetzt sogar nochmal schriftlich.
Der Berg kreißte und gebar eine Maus. Von Guttenberg ließe sich ergänzend noch festhalten: Die Katze lässt das Mausen nicht, selbst wenn sie beim dreisten Diebstahl ertappt wurde. Der mickrigen Nachgeburt der nachgeschobenen Unwahrheiten also keine Chance, und das ist auch besser so. Wir wünschen einen gutten Schmaus, um nicht zu sagen: Gutten Appetit!

P.S.: Obwohl, oder gerade weil das Thema Guttenberg noch Bände füllen würde, und ich befürchte, dass uns der brillantine Saubermann künftig noch genug beschäftigen wird, seien ihm und seinen Machenschaften an dieser Stelle genug der Worte gewidmet.
Zumal er sich schändlicher Weise auf so wohlfeile Art, nämlich durch Ablasszahlung der mehr als schäbigen Summe von € 20.000,- aus seiner schmutzigen Affäre ziehen konnte, wollen wir diesem zweifelhaften Ehrenmann hier nicht mehr Ehre und Aufmerksamkeit zuteil werden lassen als angemessen.

© Siegfried Galter, 29.11.2011

DSK – ein Kürzel geht um die Welt

Dienstag, Juli 5th, 2011

DSK - was steckt wirklich dahinter? Die SEX-Kolumne?
Deutschland sucht den Kachelmann?
Der Strauss Ka(h)nn`s?
Oder handelt es sich um den genetischen Code für eine bedrohte Gattung?

Der Strauss ist ja als loser Vogel berüchtigt: Notorisch dicke Eier und immer einen langen Hals in Richtung Weibchen – damit kann man sich schon Respekt verschaffen in freier Wildbahn! Aber es kann selbst dem stolzesten Hahn passieren, dass er sich `mal versteigt.
Da muss man dann schonmal Federn lassen. Ist aber kein Grund, gleich den Kopf hängen zu lassen – oder?

Ein winziger Fehltritt kann manchmal den Kopf kosten - sogar in der Politik

Ein winziger Fehltritt kann manchmal den Kopf kosten - sogar in der Politik

Schon gar erst recht nicht, wenn man Strauss-Kahn heißt, unbeirrt nach höchsten Staatsämtern strebt, und sich bereits in komfortabelsten Positionen plustern durfte.
Man weiß auch gar nicht so recht, warum sich jetzt alle so künstlich aufblähen?
Ein Mann in seiner Position muss doch die Privilegien seiner Stellung ausleben dürfen? Und zwar in jeder gewünschten Stellung und Konstellation, bitte schön!

Auf dem Schlachtfeld der sexuellen Eroberungen hat Dominique der Dominante offenbar schon so manchen Strauss erfolgreich ausgefochten. Was der Kachelmann kann, kann Kahn schon lang! Ein wahrer SEX-Titan, hinter dem der gallische Hahn jetzt steht wie ein Mann. Naja, von ein paar unverbesserlichen, wahrscheinlich frustrierten Legehennen abgesehen, die jetzt hinterrücks Nestbeschmutzung betreiben, indem sie ihn mit uraltem Dreck bewerfen – pfui Teufel! Solche aufgescheuchten Journalistenhühner wie Ihr seid doch seiner Aufmerksamkeit oder gar seiner unzweifelhaften und offenbar unwiderstehlichen Manneskraft überhaupt nicht wert! So behauptet jetzt die Journalistin Tristane Banon, Strauss-Kahn habe versucht sie zu vergewaltigen, als sie ihn 2003(!) für ein Interview in seiner Wohnung aufsuchte. Der frühere französische Finanzminister sei wie ein “brünftiger Schimpanse” über sie hergefallen. Bitte?!
Abgesehen davon, dass ein solcher Bagatell-Vorfall nach einer solch langen Zeit nun wirklich keinen mehr umtreibt (abgesehen von den üblichen Verdächtigen, sprich: Verschwörungstheoretiker, Republikaner und unverbesserliche Emanzen):
Einen solch stolzen Vertreter seiner Gattung mit einem Primaten zu vergleichen, zeugt allerdings von nur rudimentären biologischen Kenntnissen.
Sicher – ich bin auch kein Ornithologe, aber eines weiß ich gewiss: Struthio camelus, der größte lebende Vogel dieser Erde, kann vielleicht nicht fliegen – aber er kann, will und wird ungehemmt vögeln! Solche sterben garantiert nicht aus. Und den Sozialisten in seinem Lauf halten weder Ochs, Esel noch Skandale auf. Vive la Révolution sexuelle! Vive la France!

© 05.07.2011 Siegfried Galter

Causa Guttenberg: Wir fordern Ablass!

Freitag, Februar 18th, 2011

NEIN! Dies wird nicht der schäbige Versuch, einem ohnehin schon Strauchelnden, und in politische Verstrickungen Verhedderten den letzten verhängnisvollen Stoß zu versetzen. Umso mehr, als er sich hinterrücks, und mittlerweile von allen Seiten (womöglich gar mit heimtückischer Unterstützung aus den eigenen Reihen!) unter Beschuss sieht, und sich nur mit Mühen noch auf seinem stolzglänzenden Ross halten kann.
Und die Fallhöhe wäre in der Tat eine beträchtliche, wenn auch ein Heer gut geölter Steigbügelhalter parat stünde, um dem Frei- und Verteidigungs-Feldherrn wieder in den Sattel zu helfen. Was immer auch seine Verfehlung gewesen sein mag, es gilt die Unschuldsvermutung, und die lautet nun einmal: „In Dubio pro Theo“.

Die selbe Unschuldsvermutung übrigens, welche andere Kavaliere und Kleintäter bei ihren diversen Delikten schützt, sei es die Kassiererin, welche im guten Glauben einen liegengelassenen Getränkebon für sich verbuchte, und folgerichtig fristlos ihr Arbeitsverhältnis aufgekündigt bekam, sei es die hungrige Altenpflegerin, welcher ähnliches widerfuhr, nachdem sie sich des schweren Maultaschen-Mundraubes in Gestalt eines liegengebliebenen Essensrestes überführt sah …
Die Liste der Versuchungen und menschlicher Verfehlungen ist endlos, und wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe alle Sorgen auf IHN!
Denn ER vergibt uns alle unsere Sünden, ganz im Sinne der guten christlichen Tradition, auf die sich unsere Leitkultur so gerne beruft. Deshalb heißt die CSU ja auch Christlich Soziale Union und nicht etwa ISU (für: Islamisch Soziale Union).
Denn dann würde es womöglich vollends eng für Leute, die geistigen Diebstahl leichtfertig für ein Kavaliersdelikt halten: Nach dem Gesetz der unerbittlichen Scharia geht der Dieb seiner ruchlosen Hand verlustig. Geistiger Diebstahl müsste folgerichtig den Kopf kosten.
Und das können und wollen wir uns nicht einmal ausdenken, auch wenn jetzt schon von vielen Moralisten lauthals der Kopf des Vorzeige-Ministers gefordert wird. Gerade das können wir uns in Zeiten der Krise (die wir ja nicht nur am Hindukusch heldenhaft und selbstlos durchfechten) einfach nicht leisten! Deutschland hat nicht so viele herausragende Köpfe aufzubieten in der Politik, als dass wir leichtfertig auch nur auf einen einzigen von ihnen verzichten könnten! Und sei er auch etwas pomadig selbstgefällig und manchem Neider zu gutaussehend.
Also lasst ab von Eurem kleingeistigen Ruf nach Rücktritt, Sühne oder gar Reue!
Beruft Euch nicht auf Sitte, Anstand und Moral, die ein Relikt aus längst überkommenen Zeiten, und in einer säkularen, globalisiert kapitalistisch orientierten Gesellschaft einfach nicht mehr angemessen sind!
Mit diesen Forderungen brandmarkt Ihr Euch selbst als Fußvolk, welches die wahre Größe und die übergeordneten Ziele und Zusammenhänge nicht zu erkennen vermag.
Aber auch Du, Theo, lass´ab von Deinem eitlen Handeln und Auftreten, und widme Dich reinen Herzens und freien Geistes Deinen vornehmsten Pflichten und Deiner Verantwortung Deinem Wahlvolk gegenüber – auch wenn es Deiner adligen Herkunft und Deiner strahlenden Präsenz eigentlich nicht wirklich würdig ist.

Wer schreibt, der bleibt. Wer abschreibt, der zahlt und bleibt.

Wer schreibt, der bleibt. Wer abschreibt, der zahlt und bleibt.


Jedoch: Wie fürderhin umgehen mit dem Thema Schuld und Sühne? Vor allem, wenn es für die Gesellschaft unverzichtbare, Leistungs-, Verantwortungs-, Funktions- und Amtsträger betrifft?
Wie den bisweilen womöglich berechtigten Volkszorn über Untreue, Verwerflichkeit, Bestechlichkeit, Unzuverlässigkeit, Verkommenheit, Verantwortungslosigkeit, etc. befrieden, wenn man aus opportunen Gründen von Sanktionen wie Rücktritt, Anklage, gar Haft absehen will?
Auch hier bietet unsere christlich-religiös-geprägte Tradition ein vortreffllich erprobtes Procedere an, welches schon der Katholischen Kirche zu Gebote stand und ihr zu Macht und ewig währendem Wohlstand verholfen hat: Es ist die Vergebung. Ja, die christliche Vergebung, gewährt gegen die Entrichtung eines kleinen, aber angemessenen Obolus (zu deutsch: Abgabe).
Man nannte es auch sinnfällig Ablasszahlung, für den, der fürderhin von seinen Sünden ablassen wollte. Danach war das Konto sozusagen wieder jungfräulich auf Null gestellt, und konnte wiederum neu (mit erneut ablassfähigen) Sünden belastet werden.
Das Perpetuum Mobile der Kapitalbeschaffung war geschaffen, denn sündig ist der Mensch in alle Ewigkeit. Besonders anfällig natürlich unsere Politiker. Auf einen falschen Fuffziger mehr oder weniger kommt es dabei nicht an. Man muss ja nicht aus allem gleich eine Doktorarbeit machen!
Deshalb lautet die Forderung der Stunde: ABLASS FÜR ALLE. Und zwar abgestimmt nach Schwere ihrer Verfehlung. Welch beispielhafter Akt christlicher Vergebung und Nächstenliebe! Welch geniales Instrument der politischen Hygiene! Der Staatshaushalt wäre auf einen Schlag und auf unabsehbare Zeit saniert!
Die Zahlungen könnten bei weniger solventen Chargen des politischen Kaders aus den Pfründen von Lobbyisten geleistet werden, eine bruchlose Politik und Ämter-Erbfolge wäre damit ebenfalls gesichert. Endlich Kontinuität und Entscheidungssicherheit. Kommet her zu mir alle, die Ihr mühselig und schuldbeladen seid, ich will Euch erleichtern. Amen. Theo, wir danken Dir.
(c) Siggi Galter, 18.02.2011