Archive for the ‘Personalkrisen’ Category

„Mordsrespekt“ - eine Kardinaltugend im Amt des Verteidigungsministers?

Montag, Dezember 16th, 2013

Lady Riefenstahlhelm
Der neue Kopf des bundesdeutschen Verteidigungsministeriums ist blond, weiblich, und trägt, neben scheinbar unerschütterlichem Selbstbewusstsein, seit je eine beunruhigend stabile Helmfrisur zur Schau.
Ex-Familienministerin #Ursula von-der-Leyen führt als designierte Verteidigungsministerin künftig die Stahlhelm-Fraktion, welche die Verteidigung unserer demokratischen Freiheiten am Hindukusch und darüber hinaus sicherstellen soll und wird. Und zwar bis zum letzten Mann.
Furchtlose Flucht nach vorn war schon seit je die Spezialität der forschen Powerfrau, die ihrem politischen Kriegsnamen „Lady of steel“ schon immer streitbar alle Ehre machte.
Die Vorwärtsverteidigung ist ihr Lieblingsmodus, nachgeben ohnehin nur etwas für Weicheier.
Hatte sich die die siebenfache Mutter schon allein auf Grund ihrer respektablen Reproduktionsrate für ihr früheres Amt als Familienministerin hoch qualifiziert, hat sie spätestens jetzt das deutsche Mutterkreuz verdient: sieben wehrhafte Bundesbürger/ und potenzielle Landesverteidiger/innen hat sie der Nation geschenkt, welche sie nun mit dem Lorbeer des obersten Verteidigungsamts belohnt.

In der gestrigen Talkrunde von Günther Jauch hat von-der-Leyen einen, so wörtlich: „Mordsrespekt“ vor ihrer neuen Aufgabe bekundet. Das spricht für sich. Die Dame hat die Dimension ihrer Mission vollauf erfasst. Damit ist auch klargemacht, dass sich dieser Respekt in erster Linie auf das Amt bezieht, und nicht auf mögliche Kriegsgegner oder Kombattanten im Kampf gegen den allgegenwärtigen Terror. Im anderen Fall hätte sie sich womöglich auf einen „Granatenrespekt“ beschränkt, und damit ihre potenzielle ministeriale wie militärische Schlagkraft unnötig geschwächt. Gut gebrüllt, Löwinnenmähne! Lady Riefenstahlhelm, Deutschland steht angesichts Ihrer Respektsbekundung stramm und geschlossen hinter Ihnen!
Wir wünschten nur, auch andere Minister/innen würden sich ein Beispiel nehmen, und eine ähnlich respektable Führung ihrer Ressorts erwarten lassen:

Im Gesundheitsministerium beispielsweise wäre ein Scheißrespekt hinsichtlich der hygienischen und sanitären Verhältnisse in Bundesdeutschland durchaus angezeigt.
Das Landwirtschaftsministerium erfordert einen Schweinerespekt vor der Kreatur – welcher allerdings leider nicht immer die Erzeuger/ und Verbraucher/innen mit einschließt.
Als Innenminister braucht man einen Höllen-, mindestens aber einen Heidenrespekt für die Anders-, Fremd- und Ungläubigen wie -denkenden.
Das Energie- und Umweltministerium wäre gut beraten mit einem apokalyptischen Respekt vor der Schöpfung, der Natur und den Gefahren der Nuklearenergie…

Wie wär’s zur Abwechslung mit etwas Wähler/innen-Respekt, verehrte Damen und Herren von der Politikerfront? Helm ab zum Gebet!





© Siegfried Galter, 16.12.2013

Winkewinke! Der Papst hat seine Schuldigkeit getan, der Papst kann gehen?

Montag, Februar 11th, 2013

Zum Wohl der Kirche

Habemus Papam? Fehlanzeige! Wir sind Papst? Es war einmal!
Der Papst schmeißt hin! Benediktus macht’s nicht mehr. Da haben wir’s. Die von Kardinal Meisner erst jüngst beklagte „Pogromstimmung gegen die katholische Kirche“ fordert ihr erstes und prominentestes Opfer. Das gab’s noch nie, oder? Naja, fast noch nie jedenfalls. In der wechselvollen Kirchengeschichte ist dies zwar kein singuläres, aber zumindest ein spektakuläres Ereignis: So etwa alle 1000 Jahre kann sowas schonmal vorkommen.
Aber wie stehen wir jetzt da? Wo sein Vorgänger Woytila noch tapfer durchhielt bis zum würdigen Ende, und spätestens damit zum Pontifex der Herzen avancierte, macht Benedikt jetzt altersbedingte Abnutzungserscheinungen geltend, um dem Vatikan einfach so von der Fahne zu gehen. Geht’s noch? Darf der das überhaupt? Einfach so zurücktreten? Die Mitra einfach so den Nagel hängen, den päpstlichen Ornat an der Garderobe abgeben, das Papamobil parken, und das war’s dann? Ist er etwa vom reinen Glauben abgefallen, heimlich? Oder gab es da womöglich doch eine Direktive von höherer Warte? Irgendwelche Unregelmäßigkeiten womöglich? Steht Benedikt etwa auch auf der Abschussliste der unbarmherzigen Rechercheure von „Pontiplag“ und Co.??
Das haben wir jetzt davon. Wie soll der gebeutelte Katholik, die angefochtene Katholikin, an seinem/ihrem Glauben, an seiner/ihrer Kirche festhalten, wenn der oberste Hirte sie so schnöde im Stich lässt in diesen schweren Zeiten? Was soll aus den krisengebeutelten verirrten Schäfchen werden?
Und was sagt der Fahnenflüchtige selbst? “Ich gehe zum Wohl der Kirche.”
Ach, wären nur auch andere Führerfiguren so weitblickend:
Wann hätte man z.B. aus dem Munde eine Konzernlenkers gehört: „Ich gehe zu Wohle des Unternehmens!“ Wann haben wir einen selbstkritischen Politiker je sagen hören: „Ich gehe zum Wohl des Volkes!“
Ein Beispiel, das Schule machen sollte, oder? So mancher würde drei Kreuze schlagen und spontan ein herzhaftes „Halleluja“ oder ein inniges „Hosiannah!“ anstimmen.
Jedoch, wir leben in närrischen Zeiten, und da heißt es wohl eher „Hossa“ statt „Hosiannah“!
Alaaf und Helau, der Papst sagt ciao! Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Noch nicht ganz, aber am 28. Februar ist es dann soweit. Das müssen wir dann wohl so zur Kenntnis nehmen, und sagen: Winkewinke!

Schavanengesang, oder: Haben oder Nichthaben - das ist hier die Frage!

Donnerstag, Februar 7th, 2013

Lügen haben lange Hälse

„Was Du ererbt von Deinen Vätern -
erwirb’ es, um es zu besitzen!“

Wie jetzt: Muss ich etwas Ererbtes neuerdings auch noch erst erwerben, um es besitzen zu können?
Haben die Sozen es jetzt doch geschafft, die Erbschaftssteuer so hoch zu setzen, dass ich mir meinen berechtigten Erbanspruch geradezu erkaufen muss?
Gemach, gemach.
Der altväterliche Spruch ist viel weniger vordergründig materialistisch gemeint, sondern fordert etwas von uns ein, das eigentlich selbstverständlich sein sollte:
Es geht einfach um verantwortungsvollen Umgang mit allem, was die Altvorderen uns hinterlassen.
Auch wer ein materielles Erbe zu erwarten hat, wird sich fragen, ob er/sie es denn antritt. Und wenn ja, so wird dieses Erbe dem eigenen Besitztum einverleibt oder anverwandelt, d.h. ich muss mich meines neuen Besitztums als Eigentümer erst noch als würdig erweisen. Nicht zum ersten- und gewiss nicht zum letzten Mal in der Menschheitsgeschichte wurden Erbschaften schnöde verschmäht oder sinnlos verschleudert.

Erst recht trifft dies auf das geistige Erbe zu:
Einen Titel bekommt man verliehen, oder man erwirbt ihn sich.
Wobei der Begriff „erwerben“ - gerade vor dem Hintergrund der aktuellen und beschämenden Doktortitel-Skandale - eine mehr als zweifelhafte Doppelbedeutung bekommen hat.

Denn natürlich versteht man in diesem Zusammenhang den Sinn des Wortes „erwerben“ nicht im merkantilen Sinne des Kaufens – normalerweise jedenfalls.
Gemeint ist, dass man sich Ämter, Würden oder Titel kraft seiner besonderen Fähigkeiten und Leistungen erwirbt, d.h. die Berechtigung erhält, die auszuüben, zu führen oder auszufüllen.
Dieser redliche Erwerb setzt natürlich auch einen redlichen Umgang mit dem geistigen Eigentum Anderer voraus. Denn wenn ich mir etwas auf unredlichem Wege aneigne, dann handelt es sich mitnichten um Erwerb, sondern um profanenen Diebstahl. Und nicht nur der/die Bestohlene ist geschädigt, sondern der gesamte Wissenschaftsbetrieb ebenso wie alle, die von einem unredlich erworbenen Dr.-Titel geblendet und getäuscht werden.

Da ist es allemal besser, sich seinen Doktortitel zu erwerben, indem man ihn einfach kauft. Denn damit wäre „nur“ der Tatbestand des Betruges erfüllt. Und darüber hinaus profitiert wenigstens einer von dem ganzen: nämlich Der- oder Diejenige, welche(r) die Doktorarbeit, zwar in unredlicher Absicht, aber unter redlicher Aufbietung von Arbeit, verfasst hat (immer vorausgesetzt, es wurde nicht abgeschrieben dabei). Sei’s drum: Bis zum unumstößlichen Beweis gilt die Unschuldsvermutung, d.h. die Weste bleibt weiss. Allerdings: schwarze Schafe gibt es allenthalben, selbst der schwarze Schwan ist zwar exotisch, aber eben doch immer wieder aufzustöbern.

Also nochmal zum Mitschreiben:

„Was Du ererbt von Deinen Vätern -
erwirb’ es, um es zu besitzen!“
Dieser Satz lässt sich also durchaus auch auf die Doktorväter münzen, deren Wissen oder Wohlwollen man ererbt. Und mit diesem Wissen und Wohlwollen gilt es verantwortungsbewusst umzugehen.
Und so wird die Frage von Haben oder Nichthaben oft zur Frage von Sein oder Nichtsein, gerade beim Dr.-Titel.
Vor allem, wenn man sich eines Erbes nicht als würdig erweist. Dann wird der Schavanengesang unüberhörbar.
Ein Narr, wem Böses dabei schwant?





© Siegfried Galter, 07.02. 2013

Stahlgewitter? Theaterdonner!

Montag, Januar 9th, 2012

In Stahlgewittern standhaft!

In Stahlgewittern standhaft!

So viel Klimawandel war nie: Unwetterwarnung für Schloss Bellevue. Da braut sich immer mehr zusammen – von wegen schöne Aussicht! Blitz und Donner statt eitel Sonnenschein. Sicher - bei so viel Vernebelungstaktik und wattewolkigen Aussagen, da kann sich der Horizont schon einmal verdüstern über Berlin. Aber Stahlgewitter? Kachelmann, ick hör`Dir trapsen! Das zieht einem doch glatt die Schuhe aus.
Er sei zuversichtlich, dass “dieses Stahlgewitter bald vorbei ist”, ließ Christian Wulff gegenüber den Mitarbeitern des Bundespräsidialamts nach einem nicht dementierten Bericht der gestrigen “Bild am Sonntag” verlauten.
Was wollte Wulff mit dieser Frontschwein-Metapher Ernst Jüngers wohl zum Ausdruck bringen? Feuertaufe für einen Rookie? Stahlbad-Läuterung für einen Aufrechten? Nur die Harten kommen in den Garten? Wer nur eisern genug an seiner Position festhält, wird dem stahlbrechenden Blitzkrieg schon widerstehen? Oder: weiterhin schön im Schützengraben in Deckung bleiben, bis der Feind von alleine kapituliert? Dazu würde seine weitere Aussage passen, dass „in einem Jahr diese Affäre vergessen“ sei. Aber wo und wer ist der Feind? Unsere freiheitlich-aufrechte Bild-Springer-Presse, unermüdliche Verteidigerin der eigenen Meinungsfreiheit? Die vereinigten Moralisten und Wutbürger, die den Präsisenten aufs Korn genommen haben? Die erzürnten, von muslimischen Umstürzlern inspirierten Schuhschwenker vor dem Bundespräsidial-Schloss? Die unerschrockene und schlagkräftige, zu allem entschlossene Opposition? Womöglich gar Verräter und Überläufer aus den eigenen Reihen?
Oder war es einfach nur Blech, was der Wulff da wieder geredet hat, Blech, mit dem man früher hinter den Kulissen so schönen Theaterdonner produzieren konnte, indem man es hin- und herschwenkte, bis es wummerte? Mit bedrohlichem Geschützdonner von der Front keinesfalls zu verwechseln, und für heroische Posen denkbar ungeeignet.
Da kann man schon bedröppelt dastehen als Präsident, mit einem immer löchriger werdenden Schirm, wenn sich dann der Vorhang der Verschleierung hebt. Vom Regen in die Traufe, oder steter Tropfen höhlt den Stein. Das Stahlgewitter dräut und blitzt. Das Deutschlandfähnchen über Schloss Bellevue knattert im Wind. Die Einschläge kommen näher für unseren obersten Repräsentanten, und es kommt der Querschläger, der das Fass zum Auslaufen bringt. Und dann rettet, vielleicht, noch das weiße Fähnchen der unvermeidlichen Kapitulation.

© 09.01. 1012 Siegfried Galter

Wulff unter Wölfen? Oder einfach nur: Schafskopf unter Schafen?

Dienstag, Januar 3rd, 2012

Neidhammel gegen Leithammel

Neidhammel gegen Leithammel

Es ist ein Drama. Warum kann bei uns nicht einfach jeder nur ungestört seinen Job machen?
Kann man bei uns in Deutschland Leute wie Ackermann nicht einfach ackern lassen, Edelmänner wie Guttenberg ein guten Mann sein lassen, und unseren Herrn Wulff in Ruhe und Würde seines präsidialen Amtes walten lassen?
Muss denn immer alles ausgegraben, herumgedreht und kleinlich bemäkelt werden in unserer Demokratie? Würde nicht alles viel besser laufen, wenn man diese wenigen Engagierten, die uns noch verblieben sind, einfach nur in Ruhe ihre Arbeit tun ließe?
Warum können all` die kleingeistigen Neider, Nörgler und Nullchecker nicht einfach nur die Fresse halten und sich um ihre eigenen Baustellen kümmern?
Stellen Sie sich doch einmal vor, die halbe Republik käme auf die Idee, erst Ihre Urlaubsgewohnheiten, dann die Konditionen Ihres Bausparvertrages zu hinterfragen, und Ihnen obendrein Ihre guten Freundschafts- und Bankbeziehungen zu neiden. Was täten Sie in einer solchen Situation? Genau! Sie würden sich das verbitten, und völlig zu Recht den Medienpartner Ihres Vertrauens zur Sau machen, weil er es wagt, Ihre privatesten Angelegenheiten in der Öffentlichkeit breit zu treten. Und selbstverständlich käme nie ein Mensch auf die Idee, deshalb Ihre Postion als leitender Angestellter oder gar Beamter in Frage zu stellen, immer vorausgesetzt, alles ging nach Recht und Gesetz zu. Warum also wird hier derart mit zweierlei Maß gemessen? Sind Politiker etwa die schlechteren Menschen, oder stehen Sie bei uns womöglich von vorn herein unter Generalverdacht, nach dem Motto: „Wer dieser Berufsgruppe angehört, hat automatisch ein schlechteres Sozialranking“?
Es scheint wohl so. Als Politiker, zumal in leitender Position, ist man in Deutschland unter die Wölfe gefallen. Ein jeder versucht nur, seine eigenen paar Schäfchen ins Trockene zu bringen, aber das wird ihm schwerer und schwerer gemacht in unserem Lande – eine Schande! Was ist schon so ein kleiner Gefälligkeitskredit von einer lumpigen halben Million, und das zu einem lächerlich geringen Zinssatz? Schließlich wurde er einem der höchsten Amts- und Würdenträger unseres Landes gewährt, und zwar von einer würdigen Landesbank, wie sich das gehört. Wir könnten, nein: sollten stolz sein auf so viel Vernetzung auf höchster Wirtschaftsebene, stattdessen wird, wie üblich, nur gemäkelt. Abgesehen davon gehören immer auch schwarze Schafe zur Herde, ob sie das nun gut findet oder nicht. Aber so ist das, wenn die tumbe Schafherde dem Leithammel die Richtung vorgeben will, und blind den Neidhammeln hinterherrennt, dann hat der Wolf leichtes Spiel. Auch das Unschuldslamm zu spielen, hilft dann nichts mehr, denn wenn die Meute erst einmal Blut geleckt hat, rettet es kein Mitleid. Übrigens hat Kreide fressen noch aus keinem Wolf ein überzeugendes Unschuldslamm gemacht. Und wem nicht geglaubt wird, der hat bald jeden Kredit verspielt.

A propos Kredit und Umschuld: „Wer unter Euch ohne Schulden ist, der werfe den ersten Schuldschein!“ So ist es bereits im Buch der Zöllner und Pharisäer nachzulesen, und sollte uns allen eine Lehre sein, denn: So, wie ein guter Hirte für seine Herde sorgt, so sorgt der gute Vater Staat für uns! Schließlich hat er uns alle, selbst die Geringsten und Geringstverdienenden unter uns, mit reichlich Kredit ausgestattet. Und zwar ohne langes Nachfragen, argwöhnische Schufa-Auskünfte oder irgendwelches kleinliche Zinsengeschacher, jawohl! Jeder Bundesbürger steht über Vater Staat mit ca. € 25.000,- in der Kreide, das sind die ungeschönten Tatsachen. Denn unser Väterchen, der gute Hirte, hat schlecht gewirtschaftet in den letzten 50 Dekaden, und hat uns ein aktuelles Defizit von um die 2040.000.000.000 € beschert. Da bleibt kein Schäfchen ungeschoren. So viel Kreide kann kein noch so böser Wolf fressen, um uns da je wieder rauszuheulen. Da hilft kein Muh und kein Mäh. Also: Maul halten und weiterackern! Oder wir fangen endlich an, diese Altlasten angemessen heimzuzahlen, und zwar mit Zins und Zinseszins ….

© Siegfried Galter, 03.01. 2012

Causa Guttenberg: Wir fordern Ablass!

Freitag, Februar 18th, 2011

NEIN! Dies wird nicht der schäbige Versuch, einem ohnehin schon Strauchelnden, und in politische Verstrickungen Verhedderten den letzten verhängnisvollen Stoß zu versetzen. Umso mehr, als er sich hinterrücks, und mittlerweile von allen Seiten (womöglich gar mit heimtückischer Unterstützung aus den eigenen Reihen!) unter Beschuss sieht, und sich nur mit Mühen noch auf seinem stolzglänzenden Ross halten kann.
Und die Fallhöhe wäre in der Tat eine beträchtliche, wenn auch ein Heer gut geölter Steigbügelhalter parat stünde, um dem Frei- und Verteidigungs-Feldherrn wieder in den Sattel zu helfen. Was immer auch seine Verfehlung gewesen sein mag, es gilt die Unschuldsvermutung, und die lautet nun einmal: „In Dubio pro Theo“.

Die selbe Unschuldsvermutung übrigens, welche andere Kavaliere und Kleintäter bei ihren diversen Delikten schützt, sei es die Kassiererin, welche im guten Glauben einen liegengelassenen Getränkebon für sich verbuchte, und folgerichtig fristlos ihr Arbeitsverhältnis aufgekündigt bekam, sei es die hungrige Altenpflegerin, welcher ähnliches widerfuhr, nachdem sie sich des schweren Maultaschen-Mundraubes in Gestalt eines liegengebliebenen Essensrestes überführt sah …
Die Liste der Versuchungen und menschlicher Verfehlungen ist endlos, und wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe alle Sorgen auf IHN!
Denn ER vergibt uns alle unsere Sünden, ganz im Sinne der guten christlichen Tradition, auf die sich unsere Leitkultur so gerne beruft. Deshalb heißt die CSU ja auch Christlich Soziale Union und nicht etwa ISU (für: Islamisch Soziale Union).
Denn dann würde es womöglich vollends eng für Leute, die geistigen Diebstahl leichtfertig für ein Kavaliersdelikt halten: Nach dem Gesetz der unerbittlichen Scharia geht der Dieb seiner ruchlosen Hand verlustig. Geistiger Diebstahl müsste folgerichtig den Kopf kosten.
Und das können und wollen wir uns nicht einmal ausdenken, auch wenn jetzt schon von vielen Moralisten lauthals der Kopf des Vorzeige-Ministers gefordert wird. Gerade das können wir uns in Zeiten der Krise (die wir ja nicht nur am Hindukusch heldenhaft und selbstlos durchfechten) einfach nicht leisten! Deutschland hat nicht so viele herausragende Köpfe aufzubieten in der Politik, als dass wir leichtfertig auch nur auf einen einzigen von ihnen verzichten könnten! Und sei er auch etwas pomadig selbstgefällig und manchem Neider zu gutaussehend.
Also lasst ab von Eurem kleingeistigen Ruf nach Rücktritt, Sühne oder gar Reue!
Beruft Euch nicht auf Sitte, Anstand und Moral, die ein Relikt aus längst überkommenen Zeiten, und in einer säkularen, globalisiert kapitalistisch orientierten Gesellschaft einfach nicht mehr angemessen sind!
Mit diesen Forderungen brandmarkt Ihr Euch selbst als Fußvolk, welches die wahre Größe und die übergeordneten Ziele und Zusammenhänge nicht zu erkennen vermag.
Aber auch Du, Theo, lass´ab von Deinem eitlen Handeln und Auftreten, und widme Dich reinen Herzens und freien Geistes Deinen vornehmsten Pflichten und Deiner Verantwortung Deinem Wahlvolk gegenüber – auch wenn es Deiner adligen Herkunft und Deiner strahlenden Präsenz eigentlich nicht wirklich würdig ist.

Wer schreibt, der bleibt. Wer abschreibt, der zahlt und bleibt.

Wer schreibt, der bleibt. Wer abschreibt, der zahlt und bleibt.


Jedoch: Wie fürderhin umgehen mit dem Thema Schuld und Sühne? Vor allem, wenn es für die Gesellschaft unverzichtbare, Leistungs-, Verantwortungs-, Funktions- und Amtsträger betrifft?
Wie den bisweilen womöglich berechtigten Volkszorn über Untreue, Verwerflichkeit, Bestechlichkeit, Unzuverlässigkeit, Verkommenheit, Verantwortungslosigkeit, etc. befrieden, wenn man aus opportunen Gründen von Sanktionen wie Rücktritt, Anklage, gar Haft absehen will?
Auch hier bietet unsere christlich-religiös-geprägte Tradition ein vortreffllich erprobtes Procedere an, welches schon der Katholischen Kirche zu Gebote stand und ihr zu Macht und ewig währendem Wohlstand verholfen hat: Es ist die Vergebung. Ja, die christliche Vergebung, gewährt gegen die Entrichtung eines kleinen, aber angemessenen Obolus (zu deutsch: Abgabe).
Man nannte es auch sinnfällig Ablasszahlung, für den, der fürderhin von seinen Sünden ablassen wollte. Danach war das Konto sozusagen wieder jungfräulich auf Null gestellt, und konnte wiederum neu (mit erneut ablassfähigen) Sünden belastet werden.
Das Perpetuum Mobile der Kapitalbeschaffung war geschaffen, denn sündig ist der Mensch in alle Ewigkeit. Besonders anfällig natürlich unsere Politiker. Auf einen falschen Fuffziger mehr oder weniger kommt es dabei nicht an. Man muss ja nicht aus allem gleich eine Doktorarbeit machen!
Deshalb lautet die Forderung der Stunde: ABLASS FÜR ALLE. Und zwar abgestimmt nach Schwere ihrer Verfehlung. Welch beispielhafter Akt christlicher Vergebung und Nächstenliebe! Welch geniales Instrument der politischen Hygiene! Der Staatshaushalt wäre auf einen Schlag und auf unabsehbare Zeit saniert!
Die Zahlungen könnten bei weniger solventen Chargen des politischen Kaders aus den Pfründen von Lobbyisten geleistet werden, eine bruchlose Politik und Ämter-Erbfolge wäre damit ebenfalls gesichert. Endlich Kontinuität und Entscheidungssicherheit. Kommet her zu mir alle, die Ihr mühselig und schuldbeladen seid, ich will Euch erleichtern. Amen. Theo, wir danken Dir.
(c) Siggi Galter, 18.02.2011

Vom Windjammer zum Katzenjammer: GORCH FOCK - Deutschlands Renommierschiff – ein „schwimmender Puff“?

Freitag, Februar 4th, 2011

Die Unschuld weißer Segel. Die Sehnsucht weiter Meere. Die Häfen fremder Länder. Der Stolz der Marine. Die Ehre der Matrosen. Alles schneeweiße Gischt von gestern, vom Winde verwehte Seeromantik?

Eine Seefahrt, die ist lustvoll, ....

Eine Seefahrt, die ist lustvoll, ....


Wo selbst räudige Landratten und eingefleischte AntimilitaristInnen knieweich werden, ist ein Sehnsuchtsort auf hoher See: An Bord der schneeweißen Pracht-Segelyacht der Deutschen Marine, der GORCH FOCK, ist die Welt noch in Ordnung. So glaubte man wenigstens.
Klar, dass auf den sieben Meeren der Mensch in Gottes Hand ist – geschenkt.
Da kann und muss Neptun schon einmal ein kleines Menschenopfer dargebracht werden, von Zeit zu Zeit.
Aus hohen Wanten sah man sie fallen. Gefallene Mädchen am Anfang ihrer Offizierslaufbahn. Gefallen für Deutschland. SoldatInnenschicksal. Tragisch und todtraurig ganz ohne Zweifel. Doch davon geht die heile Welt unserer Bundesmarine nicht unter, und das Schulschiff der Nation erst recht nicht.
Belastbares Menschenmaterial ist nun einmal das Resultat harter und erbarmungsloser Auslese. IN THE NAVY gehts halt manchmal knallhart zur Sache. Opfer müssen eben gebracht werden fürs Vaterland und für die Führungskarriere, beim Klabautermann! Aber gleich zwei innerhalb von zwei Jahren? Ist dieser Blutzoll nicht doch etwas hoch für ein Traumschiff unter Deutscher Flagge? Ist ja schließlich kein Bananendampfer unter zweifelhaftem Kommando, unsere prachtvolle GORCH. Oder womöglich doch?

Plötzlich, aus scheinbar wolkenlos blauem Himmel, kämpft sich der Prachtsegler durch schwere See:
Die Sünden der Marine. Der Hochmut der Offiziere. Der Kleinmut der Kadetten. Der Grauschleier des Verdachts. Das Lotterleben an Bord. Die Rituale des Missbrauchs. Die Ungeheuerlichkeit der Vorgänge.
Alles nur übles Seemannsgarn? Von ruch- und disziplinlosen Meuterern in die Welt gesetzt? Oder steckt doch womöglich ein grundlegendes Führungsproblem dahinter?
Und wie geht es jetzt weiter mit der GORCH FOCK?
Klar Schiff und Weitermachen? Oder wird sie womöglich abgetakelt wie eine alte Hafenhure?

A propos: Unter all den ungeheuerlich anmutenden Vorwürfen und Äußerungen im Skandal um die GORCH FOCK treibt unser ganzes Land aktuell eine besonders perfide Aussage um:
Die glorreiche und schneeweiße Seekönigin sei in Wahrheit „Der größte schwimmende Puff Deutschlands“.
So die kolportierte Aussage eines Besatzungsmitglieds (ob mit oder ohne Glied, ist nicht belastbar überliefert)(!)
IN THE NAVY scheint es bisweilen eben auch recht feuchtfröhlich zuzugehen!
Aber halt! Wäre das nicht DIE Gelegenheit für einen fundamentalen Paradigmenwechsel?
Statt schneeweißer Segel sündige Laken. Statt in jedem Hafen eine Braut jede Menge Bräute an Bord! Und auch die Hardcore-Uniform-Fetischisten kommen auf ihre Kosten - Heidiewindsbraut!


"Ein Schiff wird kommen, und meine Sehnsucht stillen..."

Ein Schiff wird kommen, und meine Sehnsucht stillen...


„Ein Schiff wird kommen, und meine Sehnsucht stillen …“ besang schon weiland Lale Andersen dieses unstillbare Verlangen nach Meer. Welche Sehnsucht das sein kann, an Bord und unter Deck, in und außerhalb von Kajüten und Kojen – der ausschweifenden Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt, die See ist weit, und das Land ist fern.

Vom Schulschiff zum Buhlschiff – welch ein Werdegang!
Aus der Botschafterin unter weiß-blauen Segeln könnte eine horizontale Dienstleisterin unter rosa Wimpeln werden. Diese gekennzeichnet mit den aufreizend gespreizten Schenkeln der Buhlschaft. Sankt Pauli ohée auf hoher See!
Auch unter neuer Flagge könnte ihr Name, geringfügig verändert, völlig neue Strahlkraft gewinnen: Adieu GORCH FOCK, Ahoi GORCH FUCK!

Hinterm Horizont geht’s weiter. Von Wogen geschüttelt, wird es doch nicht untergeh’n.
Auch wenn es die Wogen des Skandals und der Empörung sind. Die glätten sich schon wieder. GOOD LUCK, GORCH-FUCK!

(c) Siegfried Galter, 04/02/2011