Archive for the ‘Integrationskrisen’ Category

Und woran glaubst Du so? (IV)

Donnerstag, Januar 22nd, 2015

Die Fratze hinter PegidaWoran ich glaube? Das geht niemanden etwas an. Mein Glaube ist ganz allein meine Privatsache. Aber woran wir glauben, das kann ich Ihnen sagen. Wir sind schließlich das Volk! Unser Glaube ist fest verankert im Vaterland. Also in Deutschland. Und im Abendland natürlich. Dem Abendland mit seinen einmaligen und überlegenen Werten. Welche Werte das sind? Tja, wenn Sie das nicht wissen! Unsere abendländischen Werte halt! Freiheit, Recht auf Arbeit undsoweiter? Was noch? Naja, da muss ich kurz überlegen, unsere gesamte deutsche Kultur halt, mit Sprache, Religion und so. Sind Sie auch so einer von der Lügenpresse, die alles hinterfragen und schlechtreden, ja? Hau ab, Mann! Frag’ jemand anderes, sonst gibt’s eins auf die Fresse!

Hallo, ich sag’s Ihnen, um welche Werte es uns hier geht! Das können alle hören! Vor allem die, die’s nicht hören wollen, und die lieber wegschauen, wenn es um die Bewahrung unserer deutschen Wertkultur geht. Die wird nämlich gerade unterwandert von diesen ganzen Ausländern, die in ganzen Heerscharen hier bei uns einfallen! Nicht nur in Deutschland! Diese Muslime kommen ja von überall her, und denken, die könnten hier bei uns ihren islamischen Staat errichten! Moscheen bauen! Islam unterrichten! Die haben doch keine Ahnung von unserer Religion und den christlichen Werten! Die haben doch keine Kultur! Die kennen ja noch nicht ‘mal die arabischen Zahlen, und mit lateinischen Schriftzeichen können die rein gar nicht anfangen, diese Kameltreiber mit ihren komischen Hydro…, Hyro…, Hyroglinxbums, na, Sie wissen schon. Hier hört man ja kaum noch ein deutsches Wort, wenn man einkaufen geht. Nur noch Vermummte und verschleierte Muftis. Alles potenzielle Terroristen. Das brauchen wir hier nicht in Deutschland! Und dann gewährt man denen auch noch Asyl und baut ihnen Unterkünfte, damit die da in aller Seeelenruhe ihre Terrorzellen einrichten können! Wir haben ja gesehen wohin das führt in Paris! Dafür sind wir nicht auf die Montagsdemos gegangen, damals in der DDR! Die da oben interessiert es doch einen Dreck, wie es dem deutschen Volk geht!

Pegida, Legida, Bagida, Negida, das ist doch erst der Anfang! Heute marschieren wir in Dresden, morgen in Leipzig, in Hamburg, in Berlin, und wir werden so lange weiter marschieren, bis man uns nicht mehr ignorieren kann. Vielleicht marschieren wir übermorgen auch in Paris, in Warschau, in Rom, von mir aus auch in Moskau, wenn’s nicht anders geht!
Wir werden marschieren für unsere deutsche Freiheit, für unsere völkische Einheit, und für die Freiheit von allen, die sich uns anschließen und nicht einfach stillhalten wollen. Und wir marschieren gegen alle, die sich uns in den Weg stellen, das ist unser demokratisches Recht. Und am Ende des Tages geht im Abendland vielleicht die Sonne unter, aber bestimmt nicht das Abendland! Das ist es, woran ich glaube! Und jetzt marschieren Sie gefälligst mit oder verschwinden Sie! Wir sind das Volk! Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!

(wird fortgesetzt)

© Siegfried Galter 22. 01. 2015

Und woran glaubst Du so? (II)

Dienstag, Januar 20th, 2015

Gesichter des TodesIch glaube an die Erleuchtung. An die Macht des Lichts. An die Wärme und die Leuchtkraft der Liebe. Denn Licht ist Liebe und Liebe ist Macht und Macht ist Gott. Also glaube ich an den Gott des Lichts. Gott ist Licht und er ist die Unschuld und die Reinheit und die Klarheit in Ewigkeit, so ist es. Denn das Licht trennt uns von der Finsternis. Und die ist das Böse.
In wem das Licht leuchtet, der ist wahrhaft erleuchtet, und in wem die Finsternis herrscht, der wird beherrscht von dem Bösen. Deshalb sollten wir danach streben, das Licht zu erschauen, die Erleuchtung zu erlangen, und uns von der Finsternis abzugrenzen. Es ist an uns, das Licht hinaus in die Welt zu tragen, auf dass sie erleuchtet werde! Auf dass die Finsternis vergehe und mit ihr das Böse! Deshalb verhüllt nicht Euer Angesicht, sondern bietet es dem Herrscher dar – immerdar!
Wendet Euch zum Licht, das uns leuchtet aus dem Land der aufgehenden Sonne! Wendet Euch zum Licht, das uns leuchtet aus den Worten der Weisheit und der Erkenntnis! Wendet Euch zum Licht, welches uns dargereicht wird durch die Existenz der Erleuchteten! Wendet Euch zum Licht, das uns Erlösung verspricht! Tretet heraus aus dem Schatten des Bösen, der uns umfängt in der Nacht der Finsternis! Tretet hinaus in das Licht! Tretet hinein in den Kreis der Erleuchteten!
Wer aber sich abwendet, wer sein Haupt verhüllt und seine Sinne böswillig abschottet, wer den Mächten der Finsternis Raum gibt, der ist des Teufels! Sondert Euch ab von jenen, die der Macht der Finsternis huldigen, denn sie sollen in ewiger Dunkelheit verenden.
Ihr aber, die ihr Euch dem Leben, dem Licht und der Leuchtkraft der Liebe geöffnet habt, richtet Euren Strahl hinaus in die Welt, auf dass alle gerichtet werden, welche die Augen böswillig verschließen vor dem ewigen Reich des Lichts!
Wir aber sind angetreten, die Mächte der Finsternis zu bekämpfen, und mit ihnen alle, die sich in der Dunkelheit verbergen. Wir werden sie herauszerren aus ihrem finsteren Versteck, um sie dem Licht der Erkenntnis preiszugeben. Wir werden sie entzünden mit dem göttlichen Funken der Macht und der verzehrenden Kraft allumfassender Liebe. Wir werden sie verbrennen mit dem Leuchtfeuer der Wahrheit. Wir werden das Böse aus ihnen herausbrennen und die Wurzel des Übels ausmerzen. Wir werden ihre ruchlosen Augen blenden, denn das ist das Schicksal der Verblendeten: Sie sollen nur mehr angesichtig werden der Finsterins, die sie verherrlichen. Und so werden sie verharren in ewiger Finsternis, und die Finsternis wird geschieden sein vom Licht. Und es wird sein Licht, und die Schatten des Bösen werden gebändigt sein, ein für alle Mal. Und die Welt wird sein ein Ort des Lichts und der Erleuchtung und des Friedens und der Liebe.
Und wenn wir eines Tages hinübergehen, dann treten wir ins Licht. Und es wird uns umfangen, und wir werden es erschauen und wir werden selbst zum Licht werden, in erleuchteter Seligkeit, in Ewigkeit - Amen.

(wird fortgesetzt)

© Siegfried Galter 20. 01. 2015

Der MAHLSTROM

Donnerstag, August 2nd, 2012

Absaufen werdet Ihr!

„Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp,
Zu tauchen in diesen Schlund?
Einen goldnen Becher werf ich hinab,
Verschlungen schon hat ihn der schwarze Mund.
Wer mir den Becher kann wieder zeigen,
Er mag ihn behalten, er ist sein eigen.“

(Aus: Friedrich Schiller DER TAUCHER 1797)

Es geht den Bach ‘runter, machen wir uns nichts vor. Vor lauter Krisengetaumel schafft man es kaum noch, jeder einzelnen hinterherzuschreiben, wozu auch? Findet auch so statt, und ohne, dass man sie noch extra herbeizuschreiben bräuchte. Zu kommentieren gibt’s eh’ kaum noch was. Gesetze werden nicht mehr vom Bundestag gemacht, sondern vom Innenausschuss. Schön, das auch einmal erfahren zu haben. Elementare Grundrechte werden nicht mehr á priori gewährt, sondern nur noch auf Antrag, will heißen ihre Inversion zum Nachteil des Bürgers wird nur noch auf ausdrücklichen Antrag der Betroffenen aufgehoben, ansonsten heißt es: Pech gehabt! Bleibt im Zweifelsfalle immer noch der Weg zum Bundesverfassungsgericht, wir sind ja schließlich ein freies Land. A propos Verfassung. In welcher sich der gleichnamige -schutz befindet, will man lieber nicht wirklich wissen. Ebenso die anderen Organe dieses Staates, die unserer inneren wie äußeren Sicherheit dienen (schon ‘mal gehört, dieses Verb?) sollen.
Die BKA-Spitze wurde komplett im Handstreich ausgetauscht - findet offenbar keiner groß merkwürdig, was ein Bundesinnenminister Friedrich da für einen Putsch von oben durchzieht. A propos Organe: Die Beschneidung unserer Grundrechte kann einem schon echt aufs Skrotum gehen. Aber was uns wirklich unter die Vorhaut geht, ist doch die Beschneidung, nein: Verstümmelung hilf- und wehrloser Minderjähriger! Das geht ja gar nicht, sondern greift unsere fundamentalistischen Vorstellungen einer demokratischen Grund- und Weltordnung an, besonders, wenn religiös motiviert.
Thema Organe und Geld: Auch da wird künftig wohl jeder großzügig spenden müssen, damit der Nachschub für der Oberen Zehntausend abgewrackte Lebern, zerrüttete Herzen, saure Nieren etc. nicht zusammenbricht. Spendenbescheinigung gibt’s dann vom Gesundheitsministerium. A propos Finanzen: Die EZB fordert (und bekommt) jetzt demnächst carte blanche in Form von unbegrenztem Kredit! Wenn schon Pleite, dann aber richtig, Freunde! Wir gehen doch nicht mit ein paar lumpigen Billionen Bankrott? Nein, dann schreddern wir nicht nur ein paar belastende Nazi-Aktienbestände (wen die wohl noch so alles belastet haben, äh hätten, ätschebätsche?!), sondern gleich die gesamten Geldvorräte der EU. Und unser aller Zukunft gleich mit. Ist das wenigstens auch gleich mit erledigt. Haben wir irgendwas wichtiges vergessen? Zum Beispiel den milliardenschweren Panzerdeal mit den Wächtern der demokratischen Grundwerte, den Saudis? War da nicht noch ‘was im Vatikan? Das EM-Debakel unserer Fußball-Elf haben wir vorsichtshalber gleich komplett dem dunklen Schlund des Vergessens und Verdrängens übereignet. Ach ja, und unser Wahlrecht ist auch Makulatur. Brauchen wir eigentlich eh’ nicht mehr so richtig, mangels Gebrauch, sprich: stetig schwindender Wahlbeteiligung. Unsere Kanzlerin weilt derweil im Urlaub und unser Land taumelt führer(innen)los am Rande des schwarzen Abgrunds. Besser bekannt auch als das alles verschlingende, dräuende SOMMERLOCH. Ach so vieles, was man besser vergisst noch bevor man’s weiß, und zuverlässig vergisst die Öffentlichkeit, was Sie eh’ nie wissen wollte, macht aber nix, jetzt ist nämlich gerade SOMMERPAUSE!
So kann man eine Demokratie auch in Grund und Boden regieren, oder eben auch: nicht regieren. Den güldnen Becher? Kannste behalten, König von Deutschland.

© Siegfried Galter, 2. August 2012

Grass-Geflüster: Was untersagt werden muss.

Montag, April 16th, 2012

Grass lesen - oder besser: Gras rauchen?

Erschlaffte Erkenntnislyrik
Nobelpreisungs-Bonus
Eigenes Fremdverschulden
Erdichtete Wahrheit
Stammtisch-Gestammel
Aufrüstungs-Schiebereien
U-Boot-Kriegstreiberei
Wiedergutmachungs-Heuchelei
Altmänner-Geseiber
Pfeifengezündel im Walde
Weltfriedens-Geschwafel
Abrüstungs-Entrüstung
Vergangenheits-Überwältigung
Antisemitismus-Fetischismus
Unmenschliche Feindlichkeit
Atommachts-Umnachtung
Politische Hohlheit
Correctness-Gefasel
Vereinigte Einseitigkeit
Totalitarismus-Verblendung
Menschenrechts-Zersetzung
Erstschlags-Irrsinn
Gesinnungseitelkeiten
Wahrheitsvereitelung
Unsägliche Besserwisserei.

Sag’ ich doch!

© Siegfried Galter, Montag, 16. April 2012




Die SÜDDEUTSCHE deckt auf: Nazis im Westen sollen Terror-Trio geholfen haben!

Freitag, Dezember 9th, 2011

Wo fängt der Todesstreifen des Nazi-Terrors an? Im Westen ist keiner mehr sicher!

Wo fängt der Todesstreifen des Nazi-Terrors an? Im Westen ist keiner mehr sicher!

Wie jetzt: Hier bei uns, HIER IM WESTEN gibt es etwa auch Nazis? Seit wann denn das? Steht denn der antifaschistische Schutzwall nicht mehr, der die braunen Horden im finsteren Osten von uns fern hält? Wenn das `mal kein ganz abgefeimter Trick der berüchtigten OST-Propaganda-Maschinerie ist?
Laut Exklusivbericht in der SÜDDEUTSCHEN (!) von heute früh, 06.09 h Ortszeit, habe ein Rechtsradikaler zugegeben, „dass das Trio aus dem Osten bei der harten rechtsextremistischen Szene in Westdeutschland bekannt gewesen sei. In einem Fall will er mit Kameraden Örtlichkeiten für einen Mord des Terror-Trios ausspioniert haben.“
Wie ist so etwas möglich, gerade einmal 20 Jahre nachdem wir uns mühsam an der Mauer und an der Vergangenheitsbewältigung abgearbeitet haben? Warum kann der Bundesgrenzschutz seinen Aufgaben nur so ungenügend gerecht werden? Und wo bleibt, bitte schön, der Verfaschungsschutz, oder ist der etwa auch schon von den roten, ääh braunen Terror-Faschisten aus dem Osten unterwandert?! Wie lange schon sickern die braunen Banden heimlich bei uns ein, und bilden hier eine unheimliche „harte rechtsextremistische Szene“, von der man vorher noch nie gehört hat?! Wie können diese ostischen Killerschwadronen hier ungestört ihr teuflisches Terrorhandwerk ausüben, und den westlichen Sektor systematisch in einen Todesstreifen verwandeln?
Kann ich mich als westdeutscher Staatsbürger denn nicht einmal mehr auf unserem ureigenen Territorium sicher fühlen vor dieser imperialistischen Fascho-Bedrohung aus dem Osten? Das sollte allen Wiedervereinigungs-Träumern und Blümchen-Sozen endgültig die Augen öffnen! Und dafür zahlt man jetzt seit Jahr`und Tag brav seinen Solidarbeitrag!
Herr SZ-Redakteur Hans Leyendecker, bitte klären Sie uns auf!

© Siegfried Galter, 09.12. 2011

Heer und Stahl und Blut und Boden: Von fatalen Namenskonstellationen mit unguten Assoziationen.

Mittwoch, November 30th, 2011

Michel, mach´die Augen auf - es stinkt in D!

Michel, mach´die Augen auf - es stinkt in D!

Der vielzitierte „Deutsche Michel“ - wie kommt er eigentlich zu seinem Namen?
Zitat Brockhaus: „Die spöttische Bezeichnung für den Deutschen, meist gemünzt auf den biederen, unpolitischen, etwas schlafmützigen Bürger, findet sich erstmals 1541 in der »Sprichwörtersammlung« des deutschen Dichters Sebastian Franck (1499 bis 1542 oder 1543). …“
Nun, jene spezifischen „Michel“-Attribute ließen sich wohl auch heute noch auf die tumbe Mehrheit fast jedes europäischen Staatswesens anwenden.
In seiner bräsig-behaglichen Selbstbeschränkung gefiel sich jedenfalls der deutsche Michel in den letzten 50 Jahren darin, eine möglichst unbefleckte Weste zur Schau zu stellen, was seine braune Vergangenheit betrifft (nicht nur sauber, sondern rein!). Gelegentliche olfaktorische Irritationen von Kloakengeruch mit eindeutiger Naziherkunft wedelte er stets, mit machtvoller staatlicher Duldung und gutbürgerlicher Geste, von rechts nach links hinweg. Jüngst jedoch war der Gestank nicht mehr zu ignorieren, und geschockt musste der deutsche Michel zur Kenntnis nehmen, dass er ihn die ganzen Jahrzehnte mit sich herumgeschleppt hatte: Die nazibraune Kacke klebte unter seinem rechten Schuh und stank zum Himmel. Nun gut, könnte man einwenden, auf Grund einer sehbedingten Schwäche auf dem rechten Auge konnte der Ärmste das einfach nicht früher bemerkt haben – geschenkt. Ist halt nur ein armer Michel, und die Welt, Deutschland im besonderen, hat doch genug andere Probleme - im Moment sowieso. Da kommt unserem Staat und seinen hochorganisierten Ordnungsorganen so eine kleine isolierte Nazi-Mörderbande doch sehr ungelegen. Zum Glück und in weiser Voraussicht haben zwei dieser unglückseligen, verblendeten Minderheit sich schon freiwillig von eigener Hand aus ihrem todbringenden Leben entfernt (das möchte man zumindest den unbedarften Michel glauben machen). So verbleibt ein recht überschaubarer Aufklärungsbedarf, wie gesagt, es kann sich ja nur um eine kleine isolierte Terrorzelle handeln, da ja über zehn Jahre keinerlei Hinweise auf ihre Existenz hingedeutet haben. Lassen wir also den ganzen braunen Sumpf und die mehr als suspekt anmutenden Versäumnisse des Verfaschungsschutzes also einfach rechts hinter uns liegen, und verweisen an dieser Stelle auf eine kleine, aber dennoch bemerkenswerte Koinzidenz im aktuellen Verlauf dieser Geschichte:

Bereits in einem früheren Beitrag hatte ich mich mit den zuweilen ominös anmutenden Zusammenhängen von Namen, Namensgebung und ihrer kontextuellen Einordnung befasst. Eigentlich ganz harmlose Begriffe wie „Blut“ oder „Boden“, die in ihren ursprünglichen Bedeutungszusammenhängen rein sachlich verwendet werden können, ohne eine Gänsehaut zu verursachen, entwickeln in anderen Kontexten plötzlich eine geradezu dämonische Dimension, man denke nur an Horrorfilme oder die Machenschaften von Bodenspekulanten(!). Ein ganz ähnliches Schicksal erleiden die Träger prinzipiell unverfänglicher Nachnamen wie „Heer“ oder „Stahl“, die es in Deutschland sicher tausendfach gibt. Auch dass die Namensinhaber den prinzipell mehrheitlich ehrbaren Beruf des Juristen ausüben, stellt keinerlei Beeinträchtigung oder Bedenklichkeit dar. Ein Chirurg namens „Fleischhauer“ oder ein Bankier, der sich „Offergeld“ nennt, gerät da schon viel eher in ein ominöses Licht. Dennoch kann es einen zumindest merkwürdig berühren, wenn die beiden Juristen, welche jetzt die Verteidigung von Beate Zschäpe (der Dritten im Bunde des Nazi-Mördertrios) übernommen haben, ausgerechnet auf die Namen „Heer“ und „Stahl“ hören.
Unbenommen, dass es sich bei diesen Beiden um offenbar unbescholtene und kompetente Vertreter ihres Standes handelt, hat diese Konstellation für mich eindeutig Gänsehautpotenzial. Hätten die sich nicht jemand anderen suchen können, den sie verteidigen wollen? Mensch, da draußen rennen soooo viele schöne und vielversprechende Verbrecher und Straftäter herum, aber nein, ausgerechnet die verqueren Nachläufer der hirnkranken “Blut-und-Boden”-Ideologie müssen die verteidigen. Mene, mene Tekel, bei Nazis siegt – der Ekel. Da helfen weder Stahl noch Heer. (N)amen.
© Siegfried Galter, 30.11.2011




10 kleine Negerlein - huch? Welche Quote darf´s denn heute sein?

Montag, Februar 14th, 2011

Wer heute noch den Abzählreim „Zehn kleine Negerlein“ in den vorlauten Mund nimmt, pfuibäh!, bekommt sofort einen Seifen-Einlauf der Marke: - politisch, antiseptisch, korrekt – verpasst. Es lässt sich sicherlich darüber streiten, ob einst gedanken-, und meist arglos verwendete Begriffe wie „Mohrenkopf“ oder “Negerkuss“ wirklich noch zeitgemäß und integrationsfördernd sind. Zumal wir heute - ganz ohne seifigen Beigeschmack - solch wunderschöne Ersatz-Wortschöpfungen wie „Schoko-“ oder „Schaumkuss“ in den Mund nehmen dürfen.
Wirklich Schaum vor dem Mund erzeugen jedoch die Absonderungen von Sarrazin und Konsorten, welche die nie stattgefunden habende Integrationspolitik in Deutschland als schädlich und zerstörerisch für unseren Leitkultur-Wertekanon ansehen.
Kleiner Exkurs an dieser Stelle: Vom Sarrazin zum Muezzin gibt es ja eine direkte etymologische Verbindung (Sarrazin = Sarazener = islamgläubiger Araber !)
Das würde die alte These stützen, dass die Renegaten stets die schärfsten Kritiker ihres früheren Dogmas abgeben.

Doch zurück zur Integrationspolitik:
Auch unsere Bundesmutter Merkel hat ja höchstselbst und in bewährt alternativloser Manier das „Modell Mulitkulti“ für „absolut gescheitert“ erklärt. So weit, so gescheit.
Umso mehr nimmt es Wunder, dass ausgerechnet die CDU im Musterländle Baden-Württemberg auf sehr plakative Art ein Multikulti-Motiv für Ihre Wahlwerbe-Kampagne strapaziert. Oder wie sonst sollte man dieses Motiv mit dem berüchtigten „Quoten-Negerle“ wohl deuten?

Bildungschancen für Alle! Zumindest für Viele ...

Bildungschancen für Alle! Zumindest für Viele ...


Die Quote ist allüberall: Frauen, Ausländer, Abweichler, Ausweichler, Bildungsbürger und -verweigerer, Fremd- und Rechtgläubige - alles und überall wird derzeit quotiert.
Auch die Chancen auf Bildung unterliegen der Quote, wenn man diesem brandaktuellen CDU-Wahlplakat Glauben schenken will.
Oder wie sollte man die titelnde Aussage „Viele Chancen auf gute Bildung“ sonst deuten?
Wie viele Chancen genau? 10, 20, 33,3 Prozent? Und für wen?
Und warum wohl ist der sympathisch lächelnde Junge im orangefarbenen Poloshirt einen ganzen Kopf größer als seine beiden Mitschüler-Darsteller? Handelt es sich hier um einen Austauschschüler vom afrikanischen Kontinent, ist er ein bisschen frühreif, oder, aufgemerkt, jetzt wird’s vollends fies: Naja, vielleicht ein wenig zurück in der Bildung, und deshalb ein besonders förderungswürdiges Kind aus womöglich prekären Verhältnissen, Frau Schavan? Wir wollen ja hier niemanden diskriminieren, schon gar nicht wegen seiner Religion, Hautfarbe, Herkunft oder seiner politischen Überzeugung, und gerade deswegen stellen wir diese Frage an die CDU Baden-Württemberg: Ist dieser Junge das erste Opfer von G-8, oder, ganz im Gegenteil, der erste Repräsentant eines interkulturell aufgestellten Lehr- und Lernversuchs, bei dem der eklatante Mangel an qualifiziertem und jungem Lehrpersonal durch hochbegabte Mitschüler (hier: den sympathischen Jungen im orangefarbenen Polohemd) aus höheren Klassen ausgeglichen werden soll?
Das ist wahrscheinlich die einzig sinnvolle und wahrhaftige Intention und Interpretation dieses optimistisch stimmenden Wahlplakats, denn gerade aktuell haben wir´s in Ägypten ja vorgemacht bekommen: Von anderen Kulturen lernen, heißt: Kultur lernen.

Auch wenn die Ausländer bei uns immer noch in der Minderzahl sind, kommt diese Botschaft zur richtigen Zeit: Nach diversen Vertrauensverlusten und Umfrageeinbrüchen braucht die Christen-Partei bei ihrer Schicksalswahl am 27. März die Stimme jeder noch so kleinen Minderheit. …. Ein kleines Negerlein, das wählte die Union, es hat ganz brav sein Kreuz gemacht, doch Schreiben konnt´ es schon!
(c) Siegfried Galter, 14.02.2011