Archive for the ‘Bildungskrisen’ Category

Und woran glaubst Du so? (IX)

Donnerstag, Januar 29th, 2015

Brave new worldDarauf gibt es nur eine sinnvolle Antwort: Die Vernunft. Ich glaube an die Macht der Vernunft. Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen, so viel steht fest. Und es gibt heute schon viele Menschen wie mich, die den anschaulichen Beweis dafür liefern, dass ein vernunftgesteuertes Leben nicht nur möglich, sondern die einzig sinnvolle humane Existenzform ist. Denn was das Beste für alle ist, das ist auch das Beste für das Individuum, so einfach ist das. Das behaupten auch die Religionen, ich weiß. Aber die Religion, jede Art von Religion, basiert auf dem Glauben, also der reinen Unvernunft. Deshalb glaube ich nicht nur an die Vernunft, sondern ich weiß, dass sie der einzige Weg ist.

Denn sie ist die einzige Kraft, die ihre Macht aus der Überlegenheit des Intellekts über den impulsgesteuerten Instinkt, den blinden Reflex, den tumben Trieb schöpft. Diese Reste einer überkommenen archaischen Lebensform müssen wir endgültig überwinden, ja, restlos ausmerzen, damit wir endlich in das segensreiche Zeitalter der ultimativen Vernunft vorstoßen können.
Gefühle sind schädlich, aber eliminierbar. Bedürfnisse sind vorhanden, aber einzuschränken. Fantasien sind gefährlich, aber steuerbar. Ängste sind kontraproduktiv, aber beherrschbar (die Erzeugnisse der modernen Pharmazie bieten hier unendliche Möglichkeiten). Wissen ist essenziell, und daher streng zu überwachen. Information ist kostbar, und daher verantwortungsvoll zu selektieren. Ressourcen sind knapp, und daher streng zu rationieren. Gewalt ist keine Option, ausgenommen natürlich als Erziehungsmittel aus Staatsräson. Freiheit ist eine Bedrohung, und deshalb abzuschaffen. Besitz ist kollektiv, und damit in Treuhand. Das Individuum ist ersetzbar, und somit kollektivierbar. Humanismus ist sentimental, und deshalb überflüssig. Schmerzen jedoch sind notwendig, und deshalb vernünftig. Sie zeigen uns, wo es noch knirscht im Apparat, wo noch Handlungsbedarf besteht, und Erziehungsbedarf: bei allen, die sich der Vernunft widersetzen – sei es aus schierer Dummheit, Böswilligkeit oder aus purer Ignoranz. Wir werden sie mit den Mitteln der Vernunft zur Vernunft zu bringen wissen. Glück ist eine Illusion, aber es wird eine Funktion der Vernunft sein.

Es ist unsere menschliche Pflicht, die unkontrollierten Kräfte des Chaos in eine sinnvolle und geordnete Struktur zu zwingen. Denn alles sonst auf und außerhalb unseres Erdballs ist doch dem Chaos unterworfen: die Natur, die Elemente, der gesamte Kosmos. Nur der Mensch hat die Fähigkeit, dieser verstörenden und verheerenden Unordnung entschlossen entgegen zu treten. Dafür verfügt er über das Geschenk der Erkenntnis. Das ist sein wahres Humankapital. Nicht umsonst steht er an der Spitze der Evolution. Genau daraus erwächst ihm seine Verantwortung für das Große Ganze. Dafür schafft der Mensch Regeln, dafür hat er Instrumente wie die Mathematik, die Physik, die Medizin, die Technologie usw. entwickelt und auf höchstes Niveau gebracht. Alles lässt sich mit Vernunft regeln, mit Vernunft lösen, der Vernunft unterwerfen, daran glaube ich. Wir werden sein ein einig Volk von Brüdern und Schwestern. Vereint unter der alles zwingenden Macht der Vernunft, die wir zum allgemeingültigen, ultimativ einzuhaltenden Gesetz erheben werden. Es wird ein langer schmerzhafter Prozess werden, alle Menschen zu ihrem Glück zu bekehren. Schließlich regiert die Unvernunft schon zu lange ungehemmt auf unserem Planeten - schauen Sie sich nur einmal um! Dennoch wird die Vernunft obsiegen, das ist meine feste Überzeugung. Geschichte ist unumkehrbar, deshalb ist die Perspektive im erleuchteten Zeitalter der Vernunft ausschließlich in die Zukunft gerichtet. Es wird womöglich noch lange dauern, und es wird nicht ohne Opfer abgehen, aber den Gesetzen der Vernunft werden wir uns nicht entziehen können. So viel ist gewiss.

(wird fortgesetzt)

© Siegfried Galter 29. 01. 2015

Und woran glaubst Du so? (V)

Freitag, Januar 23rd, 2015

Zum Kosmos man mit mussKeine Frage: Ich glaube ganz fest an den Fortschritt. Sicher, die Wissenschaft hat nicht auf alle Fragen eine Antwort. Noch nicht! Aber sie wirft immer neue Fragen auf, die es zu beantworten gilt. Das nenne ich Fortschritt! Stellen Sie sich vor, wir wüssten schon alles oder hätten zu allem eine unumstößliche Gewissheit, wie langweilig wäre das! Nein, nicht langweilig, gefährlich sogar! Schauen Sie sich nur die Weltreligionen an mit ihren Eiferern, Geiferern, ihren Propheten und ihren selbst ernannten heiligen Kriegern! Alles nur, weil sie von festzementierten, ewiggestrigen und vermeintlichen Wahrheiten ausgehen, an sie glauben! Mit welchem Hass sie alle verfolgen, die diese geheiligten Religionswerte in Zweifel zu zu ziehen wagen! Weil Veränderung für diese zurückgebliebenen Kreaturen eine angsteinflößende Vorstellung, ja eine existenzielle Bedrohung ist. Dabei ist genau das Gegenteil richtig: es gibt überhaupt nichts auf diesem Planeten, ja sogar im gesamten Kosmos, was sich nicht permanent verändert. Entwicklung kann keiner aufhalten oder verhindern, so viel steht fest. Der Mensch zuallerletzt. Stillstand bedeutet Rückgang. Das Bessere ist der Feind des Guten, das ist meine felsenfeste Überzeugung. Deshalb glaube ich persönlich an eine Weiterentwicklung im Sinne des Fortschritts. Wenn man sich allein einmal vor Augen führt, dass wir heute eine Weltbevölkerung ernähren, die vor nicht einmal 100 Jahren zur Hälfte glatt verhungert wäre! Wenn das kein Fortschritt ist, was dann? Natürlich hat der Fortschritt, haben auch manche Technologien durchaus ihre Schattenseiten und Gefahren. Aber glauben Sie etwa, die Dampfmaschine hat von Anfang an pannenfrei und gefahrlos funktioniert? Oder die Atomreaktoren der ersten Generation? Sicher nicht. Und was haben wir heute? Hochtechnologie mit allerhöchsten Sicherheitsstandards, und deshalb, jedenfalls nach menschlichem Ermessen, auch todsicher. Bedrohungen durch terroristische Akte von Wahnsinnigen oder Fundamentalisten und höhere Gewalt wie Erdbeben, Tsunamis oder andere Naturkatastrophen natürlich ausgenommen, aber dagegen ist sogar unsere Wissenschaft derzeit noch machtlos. Allerdings sind die Prognosen in den letzten Jahrzehnten viel genauer geworden. Und das beweist es doch einmal mehr: Fortschritt tut mehr als Not, er bewirkt Gutes auf dieser Welt, und wir können uns ihm nicht verschließen oder entziehen. Damit meine ich ebenso den Menschen wie seine gesamten Lebensverhältnisse.

Allerdings: Gewisse Kollateralschäden sind leider immer unvermeidlich, wenn man das große Ganze vorantreiben will. Die Wissenschaft ist da gnadenlos neutral. Gerade das ist ja ihre Stärke. Ihr geht es um Resultate, nicht um kleinliche Verlustbetrachtungen. Ich sage nur Gentechnologie, Energiegewinnung, Weltraumforschung, Nahrungsmittelerzeugung, medizinischer Fortschritt! Von der intelligenten Vernetzung organischer und digitaler Strukturen ganz zu schweigen. Der Mensch ist die eigentliche Schwachstelle im System, das ist unübersehbar. Solange er sich kleinmütig mit eingebildeten Ängsten und vermeintlichen Katastrophen wie dem sogenannten Klimawandel oder dem unsäglichen Artensterben fortgesetzt selbst belügt und behindert, hat er keine Zukunft. Solange er einen Gott braucht, um sich selbst zu definieren, wird er sich nicht von seinen irdischen Fesseln befreien können. Die genetische und digitale Optimierung unserer Spezies ist daher unumgänglich, wenn nicht sogar alternativlos. Der Mensch als offenes Programm, das wir nach unserem Idealbild unendlich formen können und werden. Das Individuum als Informationsträger und Genspeicher für kommende, immer weiter perfektionierte Generationen. Das Zusammenwachsen, die Verschmelzung von künstlicher und menschlicher Intelligenz in immer weiter optimierten Körpern. Menschliche Evolution wird die wichtigste zukunftsweisende Aufgabe von Wissenschaft und Forschung sein. Die Auslese des besten Humanmaterials zur Heranzüchtung einer wahren menschlichen Elite, die diesen Namen wahrhaft verdient. Alles unabdingbar für die Sicherung der menschlichen Zukunft. Ob wir das nun wollen oder nicht. Ebenso wie die weitere Erforschung des Weltalls, um neuen Lebensraum für die Neue Menschheit zu finden oder zu schaffen.
Eine andere Möglichkeit gibt es doch gar nicht, wenn wir als Gattung weiter existieren wollen. Wer das nicht begreifen oder gar verhindern will, kann ja gerne hier bleiben auf unserem bald ausgeglühten, geplünderten, vergifteten und verheerten Planeten, und sich weiter mit der Keule die Schädel einschlagen. Der kleine Rest der menschlichen Elite wird sich beizeiten neue Gefilde suchen, um seine epochale Erfolgsgeschichte fortzuschreiben und den Kosmos zu erobern. Daran glaube ich, und dafür setze ich mich mit allen Kräften ein. So soll es sein, und so wird es, nach dem Willen aller Fortschrittsgläubigen und dem Streben der weltweiten Wissenschaft, auch geschehen. Heureka!

(wird fortgesetzt)

© Siegfried Galter | Bild: fotolia/andreaselze | 23. 01. 2015

Schavanengesang, oder: Haben oder Nichthaben - das ist hier die Frage!

Donnerstag, Februar 7th, 2013

Lügen haben lange Hälse

„Was Du ererbt von Deinen Vätern -
erwirb’ es, um es zu besitzen!“

Wie jetzt: Muss ich etwas Ererbtes neuerdings auch noch erst erwerben, um es besitzen zu können?
Haben die Sozen es jetzt doch geschafft, die Erbschaftssteuer so hoch zu setzen, dass ich mir meinen berechtigten Erbanspruch geradezu erkaufen muss?
Gemach, gemach.
Der altväterliche Spruch ist viel weniger vordergründig materialistisch gemeint, sondern fordert etwas von uns ein, das eigentlich selbstverständlich sein sollte:
Es geht einfach um verantwortungsvollen Umgang mit allem, was die Altvorderen uns hinterlassen.
Auch wer ein materielles Erbe zu erwarten hat, wird sich fragen, ob er/sie es denn antritt. Und wenn ja, so wird dieses Erbe dem eigenen Besitztum einverleibt oder anverwandelt, d.h. ich muss mich meines neuen Besitztums als Eigentümer erst noch als würdig erweisen. Nicht zum ersten- und gewiss nicht zum letzten Mal in der Menschheitsgeschichte wurden Erbschaften schnöde verschmäht oder sinnlos verschleudert.

Erst recht trifft dies auf das geistige Erbe zu:
Einen Titel bekommt man verliehen, oder man erwirbt ihn sich.
Wobei der Begriff „erwerben“ - gerade vor dem Hintergrund der aktuellen und beschämenden Doktortitel-Skandale - eine mehr als zweifelhafte Doppelbedeutung bekommen hat.

Denn natürlich versteht man in diesem Zusammenhang den Sinn des Wortes „erwerben“ nicht im merkantilen Sinne des Kaufens – normalerweise jedenfalls.
Gemeint ist, dass man sich Ämter, Würden oder Titel kraft seiner besonderen Fähigkeiten und Leistungen erwirbt, d.h. die Berechtigung erhält, die auszuüben, zu führen oder auszufüllen.
Dieser redliche Erwerb setzt natürlich auch einen redlichen Umgang mit dem geistigen Eigentum Anderer voraus. Denn wenn ich mir etwas auf unredlichem Wege aneigne, dann handelt es sich mitnichten um Erwerb, sondern um profanenen Diebstahl. Und nicht nur der/die Bestohlene ist geschädigt, sondern der gesamte Wissenschaftsbetrieb ebenso wie alle, die von einem unredlich erworbenen Dr.-Titel geblendet und getäuscht werden.

Da ist es allemal besser, sich seinen Doktortitel zu erwerben, indem man ihn einfach kauft. Denn damit wäre „nur“ der Tatbestand des Betruges erfüllt. Und darüber hinaus profitiert wenigstens einer von dem ganzen: nämlich Der- oder Diejenige, welche(r) die Doktorarbeit, zwar in unredlicher Absicht, aber unter redlicher Aufbietung von Arbeit, verfasst hat (immer vorausgesetzt, es wurde nicht abgeschrieben dabei). Sei’s drum: Bis zum unumstößlichen Beweis gilt die Unschuldsvermutung, d.h. die Weste bleibt weiss. Allerdings: schwarze Schafe gibt es allenthalben, selbst der schwarze Schwan ist zwar exotisch, aber eben doch immer wieder aufzustöbern.

Also nochmal zum Mitschreiben:

„Was Du ererbt von Deinen Vätern -
erwirb’ es, um es zu besitzen!“
Dieser Satz lässt sich also durchaus auch auf die Doktorväter münzen, deren Wissen oder Wohlwollen man ererbt. Und mit diesem Wissen und Wohlwollen gilt es verantwortungsbewusst umzugehen.
Und so wird die Frage von Haben oder Nichthaben oft zur Frage von Sein oder Nichtsein, gerade beim Dr.-Titel.
Vor allem, wenn man sich eines Erbes nicht als würdig erweist. Dann wird der Schavanengesang unüberhörbar.
Ein Narr, wem Böses dabei schwant?





© Siegfried Galter, 07.02. 2013

Heer und Stahl und Blut und Boden: Von fatalen Namenskonstellationen mit unguten Assoziationen.

Mittwoch, November 30th, 2011

Michel, mach´die Augen auf - es stinkt in D!

Michel, mach´die Augen auf - es stinkt in D!

Der vielzitierte „Deutsche Michel“ - wie kommt er eigentlich zu seinem Namen?
Zitat Brockhaus: „Die spöttische Bezeichnung für den Deutschen, meist gemünzt auf den biederen, unpolitischen, etwas schlafmützigen Bürger, findet sich erstmals 1541 in der »Sprichwörtersammlung« des deutschen Dichters Sebastian Franck (1499 bis 1542 oder 1543). …“
Nun, jene spezifischen „Michel“-Attribute ließen sich wohl auch heute noch auf die tumbe Mehrheit fast jedes europäischen Staatswesens anwenden.
In seiner bräsig-behaglichen Selbstbeschränkung gefiel sich jedenfalls der deutsche Michel in den letzten 50 Jahren darin, eine möglichst unbefleckte Weste zur Schau zu stellen, was seine braune Vergangenheit betrifft (nicht nur sauber, sondern rein!). Gelegentliche olfaktorische Irritationen von Kloakengeruch mit eindeutiger Naziherkunft wedelte er stets, mit machtvoller staatlicher Duldung und gutbürgerlicher Geste, von rechts nach links hinweg. Jüngst jedoch war der Gestank nicht mehr zu ignorieren, und geschockt musste der deutsche Michel zur Kenntnis nehmen, dass er ihn die ganzen Jahrzehnte mit sich herumgeschleppt hatte: Die nazibraune Kacke klebte unter seinem rechten Schuh und stank zum Himmel. Nun gut, könnte man einwenden, auf Grund einer sehbedingten Schwäche auf dem rechten Auge konnte der Ärmste das einfach nicht früher bemerkt haben – geschenkt. Ist halt nur ein armer Michel, und die Welt, Deutschland im besonderen, hat doch genug andere Probleme - im Moment sowieso. Da kommt unserem Staat und seinen hochorganisierten Ordnungsorganen so eine kleine isolierte Nazi-Mörderbande doch sehr ungelegen. Zum Glück und in weiser Voraussicht haben zwei dieser unglückseligen, verblendeten Minderheit sich schon freiwillig von eigener Hand aus ihrem todbringenden Leben entfernt (das möchte man zumindest den unbedarften Michel glauben machen). So verbleibt ein recht überschaubarer Aufklärungsbedarf, wie gesagt, es kann sich ja nur um eine kleine isolierte Terrorzelle handeln, da ja über zehn Jahre keinerlei Hinweise auf ihre Existenz hingedeutet haben. Lassen wir also den ganzen braunen Sumpf und die mehr als suspekt anmutenden Versäumnisse des Verfaschungsschutzes also einfach rechts hinter uns liegen, und verweisen an dieser Stelle auf eine kleine, aber dennoch bemerkenswerte Koinzidenz im aktuellen Verlauf dieser Geschichte:

Bereits in einem früheren Beitrag hatte ich mich mit den zuweilen ominös anmutenden Zusammenhängen von Namen, Namensgebung und ihrer kontextuellen Einordnung befasst. Eigentlich ganz harmlose Begriffe wie „Blut“ oder „Boden“, die in ihren ursprünglichen Bedeutungszusammenhängen rein sachlich verwendet werden können, ohne eine Gänsehaut zu verursachen, entwickeln in anderen Kontexten plötzlich eine geradezu dämonische Dimension, man denke nur an Horrorfilme oder die Machenschaften von Bodenspekulanten(!). Ein ganz ähnliches Schicksal erleiden die Träger prinzipiell unverfänglicher Nachnamen wie „Heer“ oder „Stahl“, die es in Deutschland sicher tausendfach gibt. Auch dass die Namensinhaber den prinzipell mehrheitlich ehrbaren Beruf des Juristen ausüben, stellt keinerlei Beeinträchtigung oder Bedenklichkeit dar. Ein Chirurg namens „Fleischhauer“ oder ein Bankier, der sich „Offergeld“ nennt, gerät da schon viel eher in ein ominöses Licht. Dennoch kann es einen zumindest merkwürdig berühren, wenn die beiden Juristen, welche jetzt die Verteidigung von Beate Zschäpe (der Dritten im Bunde des Nazi-Mördertrios) übernommen haben, ausgerechnet auf die Namen „Heer“ und „Stahl“ hören.
Unbenommen, dass es sich bei diesen Beiden um offenbar unbescholtene und kompetente Vertreter ihres Standes handelt, hat diese Konstellation für mich eindeutig Gänsehautpotenzial. Hätten die sich nicht jemand anderen suchen können, den sie verteidigen wollen? Mensch, da draußen rennen soooo viele schöne und vielversprechende Verbrecher und Straftäter herum, aber nein, ausgerechnet die verqueren Nachläufer der hirnkranken “Blut-und-Boden”-Ideologie müssen die verteidigen. Mene, mene Tekel, bei Nazis siegt – der Ekel. Da helfen weder Stahl noch Heer. (N)amen.
© Siegfried Galter, 30.11.2011




Causa Guttenberg: Wir fordern Ablass!

Freitag, Februar 18th, 2011

NEIN! Dies wird nicht der schäbige Versuch, einem ohnehin schon Strauchelnden, und in politische Verstrickungen Verhedderten den letzten verhängnisvollen Stoß zu versetzen. Umso mehr, als er sich hinterrücks, und mittlerweile von allen Seiten (womöglich gar mit heimtückischer Unterstützung aus den eigenen Reihen!) unter Beschuss sieht, und sich nur mit Mühen noch auf seinem stolzglänzenden Ross halten kann.
Und die Fallhöhe wäre in der Tat eine beträchtliche, wenn auch ein Heer gut geölter Steigbügelhalter parat stünde, um dem Frei- und Verteidigungs-Feldherrn wieder in den Sattel zu helfen. Was immer auch seine Verfehlung gewesen sein mag, es gilt die Unschuldsvermutung, und die lautet nun einmal: „In Dubio pro Theo“.

Die selbe Unschuldsvermutung übrigens, welche andere Kavaliere und Kleintäter bei ihren diversen Delikten schützt, sei es die Kassiererin, welche im guten Glauben einen liegengelassenen Getränkebon für sich verbuchte, und folgerichtig fristlos ihr Arbeitsverhältnis aufgekündigt bekam, sei es die hungrige Altenpflegerin, welcher ähnliches widerfuhr, nachdem sie sich des schweren Maultaschen-Mundraubes in Gestalt eines liegengebliebenen Essensrestes überführt sah …
Die Liste der Versuchungen und menschlicher Verfehlungen ist endlos, und wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe alle Sorgen auf IHN!
Denn ER vergibt uns alle unsere Sünden, ganz im Sinne der guten christlichen Tradition, auf die sich unsere Leitkultur so gerne beruft. Deshalb heißt die CSU ja auch Christlich Soziale Union und nicht etwa ISU (für: Islamisch Soziale Union).
Denn dann würde es womöglich vollends eng für Leute, die geistigen Diebstahl leichtfertig für ein Kavaliersdelikt halten: Nach dem Gesetz der unerbittlichen Scharia geht der Dieb seiner ruchlosen Hand verlustig. Geistiger Diebstahl müsste folgerichtig den Kopf kosten.
Und das können und wollen wir uns nicht einmal ausdenken, auch wenn jetzt schon von vielen Moralisten lauthals der Kopf des Vorzeige-Ministers gefordert wird. Gerade das können wir uns in Zeiten der Krise (die wir ja nicht nur am Hindukusch heldenhaft und selbstlos durchfechten) einfach nicht leisten! Deutschland hat nicht so viele herausragende Köpfe aufzubieten in der Politik, als dass wir leichtfertig auch nur auf einen einzigen von ihnen verzichten könnten! Und sei er auch etwas pomadig selbstgefällig und manchem Neider zu gutaussehend.
Also lasst ab von Eurem kleingeistigen Ruf nach Rücktritt, Sühne oder gar Reue!
Beruft Euch nicht auf Sitte, Anstand und Moral, die ein Relikt aus längst überkommenen Zeiten, und in einer säkularen, globalisiert kapitalistisch orientierten Gesellschaft einfach nicht mehr angemessen sind!
Mit diesen Forderungen brandmarkt Ihr Euch selbst als Fußvolk, welches die wahre Größe und die übergeordneten Ziele und Zusammenhänge nicht zu erkennen vermag.
Aber auch Du, Theo, lass´ab von Deinem eitlen Handeln und Auftreten, und widme Dich reinen Herzens und freien Geistes Deinen vornehmsten Pflichten und Deiner Verantwortung Deinem Wahlvolk gegenüber – auch wenn es Deiner adligen Herkunft und Deiner strahlenden Präsenz eigentlich nicht wirklich würdig ist.

Wer schreibt, der bleibt. Wer abschreibt, der zahlt und bleibt.

Wer schreibt, der bleibt. Wer abschreibt, der zahlt und bleibt.


Jedoch: Wie fürderhin umgehen mit dem Thema Schuld und Sühne? Vor allem, wenn es für die Gesellschaft unverzichtbare, Leistungs-, Verantwortungs-, Funktions- und Amtsträger betrifft?
Wie den bisweilen womöglich berechtigten Volkszorn über Untreue, Verwerflichkeit, Bestechlichkeit, Unzuverlässigkeit, Verkommenheit, Verantwortungslosigkeit, etc. befrieden, wenn man aus opportunen Gründen von Sanktionen wie Rücktritt, Anklage, gar Haft absehen will?
Auch hier bietet unsere christlich-religiös-geprägte Tradition ein vortreffllich erprobtes Procedere an, welches schon der Katholischen Kirche zu Gebote stand und ihr zu Macht und ewig währendem Wohlstand verholfen hat: Es ist die Vergebung. Ja, die christliche Vergebung, gewährt gegen die Entrichtung eines kleinen, aber angemessenen Obolus (zu deutsch: Abgabe).
Man nannte es auch sinnfällig Ablasszahlung, für den, der fürderhin von seinen Sünden ablassen wollte. Danach war das Konto sozusagen wieder jungfräulich auf Null gestellt, und konnte wiederum neu (mit erneut ablassfähigen) Sünden belastet werden.
Das Perpetuum Mobile der Kapitalbeschaffung war geschaffen, denn sündig ist der Mensch in alle Ewigkeit. Besonders anfällig natürlich unsere Politiker. Auf einen falschen Fuffziger mehr oder weniger kommt es dabei nicht an. Man muss ja nicht aus allem gleich eine Doktorarbeit machen!
Deshalb lautet die Forderung der Stunde: ABLASS FÜR ALLE. Und zwar abgestimmt nach Schwere ihrer Verfehlung. Welch beispielhafter Akt christlicher Vergebung und Nächstenliebe! Welch geniales Instrument der politischen Hygiene! Der Staatshaushalt wäre auf einen Schlag und auf unabsehbare Zeit saniert!
Die Zahlungen könnten bei weniger solventen Chargen des politischen Kaders aus den Pfründen von Lobbyisten geleistet werden, eine bruchlose Politik und Ämter-Erbfolge wäre damit ebenfalls gesichert. Endlich Kontinuität und Entscheidungssicherheit. Kommet her zu mir alle, die Ihr mühselig und schuldbeladen seid, ich will Euch erleichtern. Amen. Theo, wir danken Dir.
(c) Siggi Galter, 18.02.2011

10 kleine Negerlein - huch? Welche Quote darf´s denn heute sein?

Montag, Februar 14th, 2011

Wer heute noch den Abzählreim „Zehn kleine Negerlein“ in den vorlauten Mund nimmt, pfuibäh!, bekommt sofort einen Seifen-Einlauf der Marke: - politisch, antiseptisch, korrekt – verpasst. Es lässt sich sicherlich darüber streiten, ob einst gedanken-, und meist arglos verwendete Begriffe wie „Mohrenkopf“ oder “Negerkuss“ wirklich noch zeitgemäß und integrationsfördernd sind. Zumal wir heute - ganz ohne seifigen Beigeschmack - solch wunderschöne Ersatz-Wortschöpfungen wie „Schoko-“ oder „Schaumkuss“ in den Mund nehmen dürfen.
Wirklich Schaum vor dem Mund erzeugen jedoch die Absonderungen von Sarrazin und Konsorten, welche die nie stattgefunden habende Integrationspolitik in Deutschland als schädlich und zerstörerisch für unseren Leitkultur-Wertekanon ansehen.
Kleiner Exkurs an dieser Stelle: Vom Sarrazin zum Muezzin gibt es ja eine direkte etymologische Verbindung (Sarrazin = Sarazener = islamgläubiger Araber !)
Das würde die alte These stützen, dass die Renegaten stets die schärfsten Kritiker ihres früheren Dogmas abgeben.

Doch zurück zur Integrationspolitik:
Auch unsere Bundesmutter Merkel hat ja höchstselbst und in bewährt alternativloser Manier das „Modell Mulitkulti“ für „absolut gescheitert“ erklärt. So weit, so gescheit.
Umso mehr nimmt es Wunder, dass ausgerechnet die CDU im Musterländle Baden-Württemberg auf sehr plakative Art ein Multikulti-Motiv für Ihre Wahlwerbe-Kampagne strapaziert. Oder wie sonst sollte man dieses Motiv mit dem berüchtigten „Quoten-Negerle“ wohl deuten?

Bildungschancen für Alle! Zumindest für Viele ...

Bildungschancen für Alle! Zumindest für Viele ...


Die Quote ist allüberall: Frauen, Ausländer, Abweichler, Ausweichler, Bildungsbürger und -verweigerer, Fremd- und Rechtgläubige - alles und überall wird derzeit quotiert.
Auch die Chancen auf Bildung unterliegen der Quote, wenn man diesem brandaktuellen CDU-Wahlplakat Glauben schenken will.
Oder wie sollte man die titelnde Aussage „Viele Chancen auf gute Bildung“ sonst deuten?
Wie viele Chancen genau? 10, 20, 33,3 Prozent? Und für wen?
Und warum wohl ist der sympathisch lächelnde Junge im orangefarbenen Poloshirt einen ganzen Kopf größer als seine beiden Mitschüler-Darsteller? Handelt es sich hier um einen Austauschschüler vom afrikanischen Kontinent, ist er ein bisschen frühreif, oder, aufgemerkt, jetzt wird’s vollends fies: Naja, vielleicht ein wenig zurück in der Bildung, und deshalb ein besonders förderungswürdiges Kind aus womöglich prekären Verhältnissen, Frau Schavan? Wir wollen ja hier niemanden diskriminieren, schon gar nicht wegen seiner Religion, Hautfarbe, Herkunft oder seiner politischen Überzeugung, und gerade deswegen stellen wir diese Frage an die CDU Baden-Württemberg: Ist dieser Junge das erste Opfer von G-8, oder, ganz im Gegenteil, der erste Repräsentant eines interkulturell aufgestellten Lehr- und Lernversuchs, bei dem der eklatante Mangel an qualifiziertem und jungem Lehrpersonal durch hochbegabte Mitschüler (hier: den sympathischen Jungen im orangefarbenen Polohemd) aus höheren Klassen ausgeglichen werden soll?
Das ist wahrscheinlich die einzig sinnvolle und wahrhaftige Intention und Interpretation dieses optimistisch stimmenden Wahlplakats, denn gerade aktuell haben wir´s in Ägypten ja vorgemacht bekommen: Von anderen Kulturen lernen, heißt: Kultur lernen.

Auch wenn die Ausländer bei uns immer noch in der Minderzahl sind, kommt diese Botschaft zur richtigen Zeit: Nach diversen Vertrauensverlusten und Umfrageeinbrüchen braucht die Christen-Partei bei ihrer Schicksalswahl am 27. März die Stimme jeder noch so kleinen Minderheit. …. Ein kleines Negerlein, das wählte die Union, es hat ganz brav sein Kreuz gemacht, doch Schreiben konnt´ es schon!
(c) Siegfried Galter, 14.02.2011