Archive for the ‘Lebenskrisen’ Category

Und woran glaubst Du so? (X)

Freitag, Januar 30th, 2015

SurvivorIch glaube an die Überlegenheit. An die Überlegenheit der menschlichen Rasse, um genau zu sein. Es gibt keine andere Spezies auf diesem Planeten, die dem Menschen ebenbürtig wäre. Aus gutem Grund.
„Macht Euch die Erde untertan!“ So steht es sogar schon in der Bibel. Der Mensch ist die Krone der Schöpfung, das steht fest. Dabei sah das anfangs gar nicht danach aus. So sind die äußeren Schutzmechanismen der menschlichen Rasse nicht besonders ausgeprägt, und der frühe Homo Sapiens sah sich dadurch den Unbilden und Gefahren der Elemente und Nahrungskonkurrenten relativ stark ausgesetzt. Er hat kein Fell, keine Reißzähne, keine scharfen Krallen, kann nicht besonders gut schwimmen, kann nicht fliegen, er ist nicht besonders groß, kräftig oder wehrhaft. Aber er ist intelligenter und aggressiver als alles, was sich sonst auf diesem Erdball regt. Dadurch hat der Mensch die Fähigkeit entwickelt, in nahezu allen Klimazonen der Erde Fuß zu fassen, sie bis ins letzte unberührte Fleckchen zu erschließen, zu besiedeln und auszubeuten, und damit andere Arten und Konkurrenten kompromisslos zu verdrängen. Jetzt schickt er sich gar an, den Weltraum auszuloten und für menschliches Leben zu erobern. Er hat Eiszeiten und Katastrophen kosmischen Ausmaßes überlebt, denen andere, scheinbar besser ausgestattete Spezies nicht gewachsen waren. Seither musste eine apokalyptisch anmutende Anzahl an Lebewesen auf diesem Planeten dem Menschen Platz machen. Die Dinosaurier sind ausgestorben, die Mammuts sind ausgestorben, die Säbelzahntiger sind ausgestorben, jeden einzelnen Tag sterben geschätzt weitere 150 Tier- und Pflanzenarten aus. An die 10.000 Arten stehen aktuell an der Schwelle zur Ausrottung. Nur der Mensch lebt weiter. Nein, nicht nur das, er vermehrt sich in ungeahntem Ausmaß. Denn auch das ist eine der unwiderstehlich starken Seiten seiner einmaligen Erfolgsgeschichte. Anders als bei den meisten Warmblütern ist der menschliche Reproduktionszyklus nicht an Brunftzeiten gebunden, und so kann die Vermehrung der menschlichen Rasse praktisch ununterbrochen stattfinden. Aktuell gibt es über 7 Milliarden Menschen, und laut einer UN-Prognose zur Entwicklung der Weltbevölkerung wird diese bis zum Jahr 2100 auf 10,1 Milliarden anwachsen. “Seid fruchtbar und mehret Euch!” Auch diesen biblischen Auftrag hat der Mensch mustergültig erfüllt. Das bedeutet, dass sich unsere Zahl allein in den letzten 100 Jahren nahezu verdreifacht hat! Sieben Milliarden, das ist eine Zahl mit neun Nullen, die für ebenso viele Menschen steht, mit ebensovielen Mäulern, die es zu stopfen gilt, Tag für Tag für Tag. Und sie alle verfügen heute über ausreichend Nahrung und Energie, um sich weiter zu vermehren und auszubreiten. Wenn das kein Beweis unserer absoluten Überlegenheit ist! Charles Darwin hatte recht mit seiner These: Nur die überlegene Spezies wird überleben. Und das ist nun einmal der Mensch. Eine Erfolgsstory der Evolution. Sie wird fortgeschrieben werden, wir werden weiter leben, auch wenn es eines schönen Tages kein anderes Leben mehr geben sollte auf diesem Planeten als das menschliche - es kann ja auch gar nicht anders sein. Das ist mein fester Glaube an die Zukunft. Wir werden es zwar nicht mehr erleben, aber Sie werden sehen, dass ich recht behalte! (frei nach: Ernst Elias Niebergall)

(vorläufiges Ende der Erfolgsstory)

© Siegfried Galter 30. 01. 2015, Bildquelle: Wikipedia

Und woran glaubst Du so? (VIII)

Mittwoch, Januar 28th, 2015

DatentodWas für eine Frage! In welcher Epoche leben denn Sie! Jeder Mensch, der nur einen Funken Verstand in seinen verkümmerten biologischen Schaltkreisen hat, dem muss doch eigentlich klar sein, dass die Daten unsere Welt bestimmen.
Und das nicht erst seit gestern. Jeder, der das nicht begreift, ist für mich von Vorvorgestern. Ja, ich glaube absolut an die Allmacht der Daten. Sie sind überall und jederzeit. Und sie werden überall und jederzeit erhoben, ausgewertet und optimiert. Über alles und jeden. Wer die Daten hat, hat die Macht! Aber so einfach ist es natürlich nicht. Denn wir alle, jeder von uns, und das betrifft auch die Allermächtigsten - wir sind letztlich nichts anderes als eine Ansammlung verwertbarer Daten, naja, die meisten von uns jedenfalls. So mancher Datensatz ist auch reiner Müll, das stimmt schon. Aber auch deshalb ist der Glaube an Daten für mich nichts anderes als Pantheismus, auf zeitgemäße Art, versteht sich. Sie sind in uns, sie sind um uns, und sie bestimmen unser aller Leben, ob wir das wollen, ob wir daran glauben oder nicht. Insofern ist es natürlich intelligenter, daran zu glauben, denn sonst ergeht es einem wie einst dem ungläubigen Thomas aus der Bibel: Unglaube schützt vor Bekehrung nicht! Und die kann manchmal schmerzhaft sein.

Seien wir doch ‘mal realistisch. Wir sind doch alle längst bekehrt! Ja selbst die wahnsinnigen Fundamentalisten Allahs sind in Wahrheit doch schon längst konvertierte Datenjünger! Die haben’s bloß noch nicht begriffen, aber was will man auch erwarten, nachdem man die sozusagen vom Nomadenzelt in die Neuzeit bombardiert hat. Brave New World war ein lauwarmer Furz dagegen. Und was machen die? Die haben die unwiderstehliche Macht der wahren Daten-Gottheit erkannt, selbst wenn sie sich jetzt noch nicht wirklich zu ihr bekennen können. Die leben ihren neu gewonnenen Glauben hemmungslos aus, indem sie ihren alten als Vehikel und Rechtfertigung benutzen. Sie glauben daran, dass die datengestützte Welt eine Welt nach Allahs Wille ist, sonst würden sie ja nicht das Internet, modernstes Kriegsgerät, westliche Waffentechnik und digitale Kommunikationsmittel für ihren verwerflichen Feldzug benutzen. Und gleichzeitig fürchten sie den Datengott, ja, das tun sie, denn natürlich sind die über Daten auch identifizierbar und können im digital gestützten Drohnenkrieg ruckzuck dingfest und unschädlich gemacht werden. Das hat schon etwas von einem göttlichen Strafgericht, wenn aus heiterem Morgenland-Himmel urplötzlich der tödlich strafende Finger Gottes auftaucht. Game over! Dass es dabei auch eine gewisse Unschärferelation gibt, der immer wieder harmlose Hochzeitsgesellschaften und massenweise unbescholtene Zivilisten zum Opfer fallen, liegt hauptsächlich in deren eigener Schuld. Wenn die sich freiwillig identifizierbar gemacht und brav ihre Lebensdaten abgeliefert hätten, so wie wir alle das längst bei Fakebook, guuckstDu und Konsorten machen, dann wäre denen sicher überhaupt nichts passiert! Denn Gott ist groß, und Zuckerberg, Gates und Jobs sind seine wahren Propheten. Aber der Datengott ist zwar allmächtig, aber er ist, wie alle Götter, auch gnadenlos neutral – und das wird nicht allen und jedem jederzeit gerecht. Und so können zwischen den Myriaden von Einsen und Nullen des Digitalcodes auch ein paar Irrläufer oder Dubletten zu fatalen Fehlschaltungen und Irrtümern im allgewaltigen Big Data-Datengericht führen. Deshalb stehen wir alle, jeder einzelne von uns, auch ständig auf der göttlichen Abschussliste. Es ist wie im richtigen Leben: Schwupps! Datensatz gelöscht. Game over! Reset? Impossible. Fatal Error 0815 has occurred! R.I.P. Denn siehe, die Wege der göttlichen Algorithmen sind unerforschlich. Was bleibt, ist das unwiderrufliche Datum des individuellen Todestages - Amen.

(wird fortgesetzt)

© Siegfried Galter 28. 01. 2015




Sei kein Frosch: Warme Milch ist gut für uns alle!

Dienstag, August 27th, 2013

froschleicheweb„Man gewöhnt sich daran“, sagte der Frosch, sich träge in der körperwarmen Milch räkelnd, nicht gewahr werdend der Tatsache, dass er, Opfer eines ebenso ruchlosen wie erschreckend banalen Experiments, bei lebendigem Leibe gegart wurde, indem man die Temperatur ganz sachte immer weiter erhöhte. Er starb einen stillen, würde- und leider auch nutzlosen Tod.




La Jolie et la bête oder die Schönheit und das Biest

Freitag, Mai 17th, 2013

Angst essen Schönheit aufStets sieht sich die Schönheit durch das Häßliche gefährdet. Ebenso wie die Freiheit durch die Beschränktheit, oder die Ruhe durch den Aufruhr, die Gesundheit durch Krankheit. Der Frieden durch den Krieg. Die Gewissheit durch die Ungewissheit.
Genauso wie das Leben durch den Tod.
Keine Existenz ist denkbar ohne ihre elementare Gefährdung oder Infragestellung.
Und wir leben in unsicheren Zeiten, das ist gewiss. So gewiss wie die Statistiken, mit deren Hilfe wir uns wenigstens dieser Tatsache zahlenmäßig verbrieft versichern können.
Rauchen gefährdet unsere Gesundheit. Ebenso wie falscher oder übermäßiger Konsum nahezu aller anderen körpergängigen Substanzen und Verfahren, sei es Fleisch, Fett, Alkohol, Zucker, Medikamente und Drogen oder auch nur natürliches Sonnenlicht.
Von allen anderen Schadfaktoren, über die wir keine Kenntnis oder noch keine gesicherte Erkenntnis haben, einmal abgesehen.
Hält die statistisch belegte Schädlichkeit oder Gefährdung irgendeinen Nikotin-, Drogen-, Alkohol-, UV-, oder Fressjunkie davon ab, weiter an dieser selbstzerstörerischen Verhaltensweise festzuhalten? Selten genug. Wir verbrüdern uns mit unseren Todfeinden, umarmen sie innig und nehmen fatalistisch ihre statistisch signifikante und millionenfach erprobte Letalität in Kauf.
Gleichzeitig kämpfen wir verzweifelt gegen den sichtbaren Verfall, sei es mit Hilfe von Kleidung, Kosmetik oder Körperoptimierung bis aufs Messer - mit Selbstkasteiung, Chirurgie und und Alchemie.

Depression sei die Krankheit zum Tode, heißt es. Ich glaube, die Krankheit zum Tode heißt Todesangst. Sie lässt uns die aberwitzigsten Dinge tun, um dem Unvermeidlichen nicht ins Auge blicken zu müssen. Der Gegner hat uns längst umzingelt, der Sensenmann ist allgegenwärtig. Der Mensch ist des Menschen erbittertster Feind. Und am gefährlichsten ist der Feind in uns selbst. Ein heimtückischer Schläfer lauert in uns auf die Gelegenheit, uns mit körpereigenen Waffen hinterrücks niederzuringen. Krebs, die beängstigende Fratze jeder Horrorvision vom eigenen Ableben. Und jetzt also auch die eigenen Gene. Heute haben wir endlich die Erkenntnismöglichkeiten, den Beweis, und damit auch die Gewissheit: unsere eigenen Gene arbeiten gegen uns!
Wie es Gerhard Polt einmal so trefflich auf den Punkt brachte:
„Wenn die Gene erstmal versaut sind, helfen auch keine Prügel mehr!“
Aber in der modernen Chirurgie haben wir einen mächtigen Verbündeten! Wenn die statistische Wahrscheinlichkeit, an einer bestimmten Krebsart zu erkranken, genetisch quasi vorprogrammiert ist, dann operieren wir das hinterfotzige Teil einfach heraus, bevor eine entartete Zelle auch nur „Piep!“ sagen kann, und ersetzen es notfalls durch eine optimierte und harmlose Nachbildung.
So eine über 80-prozentige, statistisch abgesicherte Erkrankungswahrscheinlichkeit kann einem natürlich eine Scheißangst einjagen, gar keine Frage. Oh unglückselige Angelina, Dein Engelsgesicht soll den grausen Tod nicht schauen. Da heißt es knallhart kalkuliert handeln. Der Krebs oder ich. Den Feind vernichten, bevor er noch aus den Schützengräben ‘rauskommt. Das Biest muss sterben! Die Schönheit soll leben! Silikon statt Karzinom.

Unsere Todeswahrscheinlichkeit beträgt exakt 100 %. Massenhafte Präventiv-Selbstentleibung wäre angesichts dieser überwältigenden und statistisch unleugbaren Gewissheit das aktuelle Gebot der Stunde.
Wem das zu radikal ist, der kann ja, sozusagen als sorgsam abgestimmte „flexible response“ auf die statistisch vorliegende individuelle Gefährdungslage, nach und nach die Gefahrenherde eliminieren, indem er sich peu à peu von den in Frage kommenden Organen und Körperteilen trennt. Auf chirurgischem Wege, versteht sich, und unter begleitender Obhut von Spezialisten des Vertrauens. Heute die Prostata, morgen die Leber, dann später vielleicht noch Teile des Magens, suspekte Brüste, ein Fötus mit einer minderwertigen Gen-Disposition – alles muss ‘raus! Je nachdem könnte auch das Gehirn dran glauben müssen. Prävention tut Not – nichts wie weg damit, bevor es zu spät ist! Bei der Mehrheit sollte der Gewinn an potenzieller Lebensqualität den Verlust an Denkvermögen mehr als wettmachen. Bei nicht Wenigen wird sich dieser finale Eingriff mangels Masse ohnehin erübrigen. Und für unser marodes Gesundheitswesen tun sich langfristig völlig neue Perspektiven auf. Radikalprävention auf höchstem Level. Entledigt Euch! © Mai 2013 Siegfried Galter

Das letzte Tabu

Freitag, April 20th, 2012

Der Mensch ist dem Menschen ein Schwein

„Erst wenn das letzte Tabu gebrochen, die letzte Bastion gefallen, die letzten Schranken ignoriert, und die letzte Moral zerstört ist, werdet Ihr feststellen, dass grenzenlose Freiheit nichts als tödliche Langeweile bedeutet.“

© Siegfried Galter, 20. 04. 2012, Foto: istock

Alles Alzheimer, oder was? Oder wann? Oder wer? Oder wie?

Mittwoch, September 14th, 2011

Auf der T-online webseite am gestrigen 13.09.2011 gab es unter dem Themenblock „Lifestyle“ einen besonders differenzierten und aufschlussreichen Beitrag zum Thema Demenz (vulgo: Alzheimer) und deren Früherkennung zu lesen.

Das Gesicht politischer Demenz? Sowohl alz auch!

Das Gesicht politischer Demenz? Sowohl alz auch!

Demnach gibt es alarmierende Warnsignale dafür, dass Großteile unseres politischen und administrativen Overheads schon massive Anzeichen dieser mentalen Verfallserscheinung aufweisen, hier aufgeschlüsselt nach den

Acht Anzeichen für Alzheimer

1. Eingeschränktes Urteilsvermögen
„Führen Fehleinschätzungen – beispielsweise in finanziellen Dingen - auffällig häufig zu falschen Entscheidungen, kann das ein Hinweis auf Alzheimer sein.“
Dazu nur folgende Stichworte: Staatsüberschuldung, Bankenkrise, Börsenkrach, Euro-Pleite, Finanzlöcher, krasse Fehlkalkulationen bei fast allen öffentlichen Planungs-und Bauvorhaben … (ad infinitum fortsetzbar)

2. Nachlassendes Interesse an Hobbys

„Alzheimer-Patienten verlieren allmählich ihr Interesse an Hobbys und Aktivitäten. Hat dieses Interesse bei einem Menschen stark nachgelassen, steckt möglicherweise die Alzheimer-Krankheit dahinter.“
Wir wissen nicht, was der/die gemeine Volksvertreter/in, Entscheider/in, Lobbyist/in in seiner/ihrer knappen Freizeit so tut und lässt. Tatsache ist, dass das Gros der Hinterbänkler in Parlamenten und Administration doch nur sein Mandat aussitzt, falls Er oder Sie überhaupt durch Anwesenheit glänzt. Die Übrigen können auf Grund ihrer engmaschigen Verflechtung in Staats-, Wirtschafts- und Personalmachenschaften rein zeitmäßig überhaupt kein Hobby oder gar anderweitige Interessen pflegen als die des Machterhalts und der Vetternwirtschaft. Von Volks- oder Mandatsinteresse jedenfalls keine Spur – mit weiter zunehmender Demenz-Tendenz.

3. Wiederholung von Fragen und Geschichten

„Ältere Menschen erzählen gerne die gleichen Geschichten. Doch wenn auch Fragen und einzelne Sätze auffällig häufig wiederholt werden, kann dies ein Frühsymptom von Alzheimer sein.“
Gebetsmühlenhaft vorgetragene Leerfloskeln, immergleiche Formulierungen, Binsenweisheiten und Appelle bis hin zu wortgleich wiederholten Parteiphrasen (Westerwelle und Co.) sind doch geradezu prototypisch für unsere Politik-Schranzen und Wirtschaftsvertreter. Diagnose: Fortgeschreitende Demenz, und zwar quer durch alle Altersschichten.

4. Schwierigkeiten, mit Geräten umzugehen
„Senioren haben manchmal Schwierigkeiten mit technischen Neuerungen. Gelingt einem Menschen auch die Bedienung einfachster Geräte nicht, ist dies ein Warnzeichen.“
Dabei wollen wir es wiederum bei einem Zitat Guido Westerwelles belassen: „… ein Computer ist für mich ein ganz einfaches Instrument, so wie ein Hammer oder ein Nagel.“
Aber Westerwelle ist da natürlich nicht repräsentativ, und außerdem schon ein echter Senior. Ebenso wie Christian Ströbele, der, befragt, ob er denn einen Computer besitze, antwortete: „Leider ja!“ (Immerhin konnte er sich noch daran erinnern…)

5. Verlust des Zeitgefühls
„Vergesslichkeit muss nicht gleich Demenz bedeuten. Wenn ein Mensch jedoch vergisst, in welchem Monat oder Jahr er sich befindet, kann dies ein Hinweis auf Alzheimer sein.“
Die meisten Enscheidungsträger in diesem unserem Lande, wie übrigens auch anderswo, befinden sich entweder ein einer Endlos-Zeitschleife der Vergangenheit, oder ergehen sich in Zukunftsvisionen ohne jeden Realitätsbezug. Von einer realistischen Wahrnehmung der Gegenwart oder wenigstens einem konsistenten Zeithorizont kaum eine Spur. Höchste Alzheimer-Alarmstufe!

6. Schwierigkeiten mit den Finanzen
„Wenn Menschen den Überblick über ihre Finanzen verlieren, sollten Angehörige hellhörig werden.“
Siehe Punkt 1. oder auch hier bei youtube oder wars doch eher hier?

7. Termine und Verabredungen vergessen
„Eine Verabredung kann jeder mal verschwitzen. Doch wenn wichtige Termine immer wieder vergessen werden, ist das ein Warnzeichen.“
Pflichtvergessenheit und vor allem chronische Vergesslichkeit, was voreilige Wahlversprechen und -zusagen betrifft, kennzeichnen das flüchtige Leben in der Scheinwelt der Politik. Abreden und Koalitionszusagen haben oft nur eine Halbwertzeit von einem Wahlabend – wenn das kein alarmierendes Warnsignal ist?


8. Bestehende Probleme beim Denken und Erinnern

„Wenn Probleme mit dem Denken und Erinnern über längere Zeit bestehen bleiben oder sich sogar verstärken, kann dies ein Hinweis auf Alzheimer sein.“
Auch hier sei es bei einer kleinen Auswahl prominenter Stichworte und Namen belassen:
„Amigo“-Affäre, CDU-Parteispendenskandal, Bayern-LB, Spiegel-Affäre, Flick-Affäre, Zwick-Affäre, Heinrich Lübke, Hans Filbinger, Otto Graf Lambsdorff, Wolfgang Schäuble, Uwe Barschel, Jürgen Möllemann, Klaus Landowsky, Otto Wiesheu, Karlheinz Schreiber, Theodor von und zu Guttenberg, Bill Clinton, George W. Bush, Horst Seehofer, Edmund Stoiber, Muammar al-Gaddafi, Robert Mugabe, Idi Amin, Roland Koch, Manfred Kanther, Erich Honecker, ….and whom ever else it may concern ….

© Siegfried Galter, 14.09. 2011

Krisen-Notstand im Sommerloch: Ein Nachruf.

Dienstag, August 23rd, 2011

Hallo Ihr Krisen-Junkies im Lande! Die Lage an der Krisenfront ist angespannt.
Warum? Im Sommerloch drohen uns regelmäßig die Krisenszenarien auszugehen.
Nicht wirklich mangels Masse, sondern weil die Menschen drauß` im Lande urlaubsreif sind, und sich einfach eine Auszeit von dem üblichen Krisengedöns nehmen wollen.
Kriege, Katastrophen und Skandale hat man übers Jahr weiß Gott genug auszuhalten, und will dann wenigstens im Urlaub seine Ruhe davon haben.
Die Medien wissen dieses berechtigte Bedürfnis zu würdigen, und warten im Sommerloch mit handverlesenen Kuschelkrisen auf, von denen man weiß, dass sie nicht wirklich unser Wohlbefinden stören, sondern unser Weltbild stabilisieren helfen. Denn im Grunde wissen wir natürlich, dass die wirklich schlimmen Dinge sowieso permanent passieren, deshalb wollen wir nur wohldosiert davon behelligt werden.

Andererseits sind wir doch so sehr an die täglichen Adrenalinschübe und Aufreger gewöhnt, dass wir nicht ganz auf unseren Krisenstoff verzichten mögen.
Deshalb produziert uns das Sommerloch, wenn nichts wirklich Bedrohliches oder Beängstigendes dazwischenkommt wie ein Tsunami oder eine Sommergrippe-Welle, leicht abbaubare Krisen-Emissionen, die en passant, hübsch aufgebauscht wie ein sanft gekräuseltes Meeresgestade, am sommerträgen Gemüt vorbeirauschen können:

Der Bestand der heimischen Pirole wurde dramatisch geschmälert

Der Bestand der heimischen Pirole wurde dramatisch geschmälert

Aus den August-Temperaturen (ob zu hoch oder zu niedrig) und allfälligen Gewittern wird die ultimative Klimakrise beschworen. Aus entlaufenem Schlachtvieh werden freiheitsliebende Revoluzzer-Rindviecher stilisiert. An ausgesetzten Haustieren wird der Niedergang unseres abendländischen Wertesystems festgemacht.
Aus urlaubenden Spitzenpolitikern ist noch weniger Zielführendes oder Geistvolles herauszubringen als zu üblichen Geschäfts- und Regierungszeiten, weshalb man sie munter vor romantischer Urlaubskulisse zu Wort kommen lässt.
Aus den ausufernden Staumeldungen in Verbindung mit ferienzeitlich angepassten Spritpreisen lässt sich das nahende Ende unserer Mobilkultur ablesen.
Dazwischen solch erfreuliche Einsprengsel: Strauss-Kahn wird mangels Beweisen nicht weiter inhaftiert. Und: Der Pirol ist nicht akut vom Aussterben bedroht.

Dann aber heute eine Meldung, die wirklich betroffen machte, und die beim Autor für eine wahrhaft tiefgreifende Stimmungskrise sorgte: Vicco von Bülow, bekannter als Loriot, weilt nicht mehr unter uns. Diesen Verlust werden alle humorbegabten Menschen in diesem Lande nur schwer verschmerzen. Mit dem Weggang dieses Großmeisters wird die Humorlücke in Deutschland in einem Ausmaß vergrößert, gegen die sich das Sommerloch wie ein Stecknadelkopf ausnimmt. Sehr geehrter Herr von Bülow, alias Loriot (alias Pirol), wir verneigen uns vor Ihrem Werk und Ihrer Person. Wir werden Sie schmerzlich vermissen, und in ehrendem Andenken behalten. Lasst uns hoffen, dass damit der feingeistige Humor in Deutschland nicht endgültig auf der Roten Liste steht.
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ruhe sanft, Du seltener Vogel.
Uns zum Troste bleibt, den profanen Alltagskrisen zum Trotz, zumindest die unsterblich gewordene Loriot`sche Nudelkrise. Mahlzeit!

© 23.08.2011 Siegfried Galter