Archive for the ‘Zahlungskrisen’ Category

Mindestlohn: Politik der Nahles-Stiche

Mittwoch, Dezember 18th, 2013

Andrea Nahles sieht rot-schwarzEs wird doch nichts so heiß gegessen, wie es zubereitet wird, deshalb brauchen sich die unterbezahlten Arbeitskolonnen in bundesdeutscher Kapitalistenfron auch nicht nicht allzu gierig die Lippen zu lecken. Einem aktuellen Zeitungsbericht zufolge hat die frisch gebackene Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles zugesichert, dass der #Mindestlohn spätestens 2017 bundesweit gilt.
Das muss man der Nahles lassen: diese äußerst ehrgeizige Vorgabe ist gewiss nicht mit der heißen Nadel genäht. Die erbärmlichen Löcher in den Taschen der chronisch unterbezahlten Arbeitnehmerschaft wird diese Politik der kleinen Stiche kaum stopfen können. Die Nahles legt aber Wert auf die Feststellung, dass es ohne die Festlegung auf einen gesetzlichen Mindestlohn keine Große Koalition gegeben hätte.
Es ist wie im Horizontalen Gewerbe: ohne Hurenlohn keine Kopulation, ohne Mindestlohn keine Große Koalition. Wenn schon, denn schon. Ein Hurensohn, wer Böses dabei denkt. Nur wann, das kann dann doch noch etwas dauern, vor allem, wenn der Partner Ladehemmung hat. Da helfen dann auch kleine Nahles-Sticheleien wenig.
“Ausnahmen wird es nicht geben - trotz aller Fluchtphantasien in Teilen der Union”, so ließ Nahles sich weiter vernehmen.
Wie lamentierte doch einst die eiserne Jungfrau nach dem Verlust ihres wertvollsten Körperteils:
„Wenn Du mir nicht versprochen hättest, mich irgendwann einmal zu heiraten, wäre ich nie und nimmer mit Dir ins Bett gegangen!“
Nur die Wählerschaft ist offenbar nicht so wählerisch, wenn es darum geht, mit wem sie sich leichtfertig einlässt, um sich über die nächste Legislaturperiode die Zeit und jede Lust am tugendhaften Bundesbürgertum vertreiben zu lassen.
Merke:
Wenn Politiker Absichtserklärungen abgeben, dann meist in der Absicht, ihre wahren Absichten zu verschleiern. Das ist doch eine Aussage, auf die man sich getrost einlassen kann - als freier Wähler wie als Freier.

© Siegfried Galter, 18. 12. 2013

Ehre, wem Ehre - Sold, wem Sold!

Mittwoch, Februar 29th, 2012

Der Wulff und die sieben (Geld-)Scheißlein

Deutschland, hast Du das gewollt?
Dass der Rubel richtig rollt -
für jene, die es sich verdient
indem dem Staat sie treu gedient!
Geschenkt!

Das ist wohl auch in Volkes Sinn:
Dem treuen Diener uns´res Staates,
der sauber trennt Staat und Privates,
dem sei sein Lohn sehr wohl vergönnt -
wenn vom Amt er sich dann trennt
nachdem die Dienstzeit wohl zu End`
Denn Dienst ist Dienst
und Rent` ist Rent`
Drum gebt`s ihm frohen Mutes hin!

Jedoch mit Wulff?
Kein Staat zu machen!
Ach, dass mich doch der Geier holt!
Wie kann der sich ins Fäustchen lachen!
Deutschland ist ihm nicht mehr hold
und doch kriegt der den Ehrensold?

Für welche Ehre, bitte schön?
Als Söldner mag er wohl noch gelten,
der sich für kleines Geld verdingt
Doch so viel Unmaß gab es selten:
Den Ruhestand kriegt er vergoldet
weit vor der Zeit – fürstlich besoldet
wenn große Münze ihm jetzt klingt!

Wie soll sich da der Michel wähnen,
der unter Buckeln, Schweiß und Tränen
sein täglich` Brot nur karg erlangt
und jetzt um seine Rente bangt?

Er kann nur knirschen mit den Zähnen
und hoffen, dass er nicht erkrankt
um weiter für das Vaterland
und seine sauberen Vertreter
zu schuften bis ins frühe Grab:
Denn die Qual kennt keine Wahl.
Und Volkes Wille ist sein Wohl.

Leistungsträger braucht das Land!
Stattdessen hat es Volksvertreter.
Und die Bürger?
Fußabtreter.

© Siegfried Galter, 29.02. 2012

Griechenlands Hoffnung – und Untergang

Freitag, November 4th, 2011

Eule mit Weile - quo vadis Athena?

Eule mit Weile - quo vadis Athena?

Von den Griechen lernen, das hieß einst: Listen lernen (zu Zeiten des Odysseus).
Von den Griechen lernen, das hieß einst auch: Demokratie lernen (zu Zeiten des Aristoteles).
Dann hieß es lange auch: Kämpfen lernen (zu Zeiten des diktatorischen Terros eines Adolf Hitler und eines Georgios Papadopoulos).
Heute können wir von den Griechen wieder hoffen lernen.
Hoffen darauf, dass Demokratie irgendann doch mehr sein möge als der verschobene Proporz von Parteien und Großfinanz.
Hoffen darauf, dass Vernunft und Augenmaß vielleicht eines Tages doch stärker werden könnten als Gier, Größenwahn und Machtgehabe.
Aber. Wie gerade erst in meinem vorletzten Beitrag ausgeführt, ist die Hoffnung eines der perfidesten Folterinstrumente, über die der Mensch verfügt.
Deshalb heißt von Griechenland lernen für uns alle jetzt wieder: schmerzliche Erkenntnis lernen.
Wie das?
Gerade erst noch durften wir hoffen, dass in Griechenland jetzt alles wieder gut wird, weil wir in einer epochalen gemeinsamen Anstrengung den geheilgten €uro, und damit die gesamt€uropäische Vision, wenn nicht sogar die -Union, gerettet hätten.
Auch die Griechen waren, gewisser Uneinsichtigkeiten um Trotz, bereit, sich auf diese teure Hoffnung einzulassen. Dann wieder machte der noch amtierende Staatspräsident Papandreou in einer kühnen Volte diese Hoffnungen mit einem Schlage zunichte! Dieser verantwortungslose Strolch hatte doch das vermessene Ansinnen, in völlig pervertiertem Demokratieverständnis sein VOLK über diese Fundamentalfrage abstimmen zu lassen, ob und wie das Schicksal der griechischen Nation künftig mit dem des €uro verbunden bleiben sollte. Odysseus, der listenreiche, lässt grüßen! Ja, ist der Mann denn kommplett wahnsinnig? DAS VOLK? VOX RINDVIEH soll über seine eigene Zukunft befinden, und darüber auch noch abstimmen? DA KÖNNTE JA JEDER KOMMEN?! DIE ZUKUNFT DES €URO, die der BANKEN, und damit unser aller Zukunft hängt davon ab, dass da jetzt alles in geordneten Bahnen verläuft, und gefälligst keiner kleinstaatlerisch querschießt, oder dumm reinquatscht, bitteschön!
Wir sind eine Schicksalgemeinschaft, und haben uns auf Leben und Tod dem €uro verschworen. Wer da aussteigen will, ist schon so gut wie tot. Schließlich sitzen wir alle in einem leckgeschlagenen Boot, und da soll gefälligst jeder Brackwasser schaufeln, so gut er eben kann. Über Bord geworfen wird er noch früh genug.
Papandreou hat man das jetzt zu guter Letzt doch noch begreiflich machen können, Merkel, Sarko und Co. sei Dank!
Die €urokratische Demokratie hat auf ganzer Linie gesiegt, Papandreou kann gehen, nachdem man an ihm ein Exempel statuiert hat. Weiter so!
Und weil europäische Demokratie nach Griechenland zu bringen so sinnvoll ist, wie die berüchtigten Eulen nach Athen zu tragen, zum guten Schluss hier noch`n Gedicht (man beachte bitte die Jahreszahl!):

Griechenlands Hoffnung

1827.
Es ging das Jahr in mattem Schlummer
Verachtet seinem Ende zu,
Im Osten wühlt der alte Kummer,
Und um uns her ist Grabesruh;
Das Licht der Wahrheit – mag`s ersterben!
Das Volk der Freiheit – mag`s verderben!

Geht, hoffet noch auf Wunderwerke,
Und glaubt, daß euer rost`ger Stahl,
Hineingesandt, die Schwachen stärke,
Zu trotzen Feinden ohne Zahl!
Geht, reicht den Weibern, Kindern, Greisen,
Fünf Gerstenbrote, sie zu speisen!

So sprach der Zweifel, hohen Hauptes
Ging er durch unsre Straßen hin;
Den Geiz erfreut`s, die Schwäche glaubt es,
Der kalten Bosheit däucht`s Gewinn:
Jetzt ist die letzte Glut verglommen,
Ja, bleiern wird die Nacht jetzt kommen!

Und anderwärts hebt schon die Schande,
Die Thorheit schon ihr Banner dreist: –

Da regt sich an Europens Rande
Der niebezwungne, freie Geist;
Im Land, um das die Fluten wallen,
Läßt Ein Mann seine Stimme schallen.

Wer heftet nicht auf Ihn die Blicke,
Von dessen Mund die Rede weht,
Daß durch die langsamen Geschicke
Der Zeit ein Fieberschauer geht,
Und daß von seinem Wink erschüttert
Der dumpfe, ferne Süden zittert!

Zwar gilt es nicht dem armen Volke,
Das schmachtend nach dem Ritter blickt,
Auf das die steh`nde Wetterwolke
Vertilgungsstralen niederschickt:
Doch darf das eine Leid schon hoffen,
Wenn andrem Leid ein Ohr steht offen.

O die ihr Worte habt wie Schwerter,
Beschwingte Schiffe, Waffen, Gold:
Dort drängt die Wut, die Not noch härter,
Als wo der Mönch die Fahn` entrollt;
Dort, wo das Sichelschwert seit Jahren
Wild durch die fremde Saat gefahren.

Die Saat des Korns, die Saat der Helden,

Der Mütter und der Kinder Saat!
In Haufen liegen sie und melden,
Was dort der Schnitter niedertrat!
Dort helft, dort stellt euch an die Spitze,
Dort schleudert rettend eure Blitze.

Ihr aber, ihr in allen Landen,
Die noch erweichet andrer Not,
Auf, laßt uns rütteln an den Banden,
Auf, theilet euren Bissen Brot;
Daß hier und dort ein Arm, der bebet,
Erstarkt zum Kampfe neu sich hebet.

Die Zeit blickt uns mit Hoffnungsaugen
Tiefsinnig funkelnd, fragend, an;
Jetzt will sie Herzen, welche taugen,
Jetzt rüst`ge Wandler ihrer Bahn.
Drum nicht mehr lau, nicht mehr verzaget;
Laßt wirken uns, so lang es taget!

Gustav Schwab (1792-1850)

© für den Rest: Siegfried Galter, 04.11. 2011

55-plus – von der unbezahlbaren Weisheit des Alters

Montag, Oktober 31st, 2011

Der Horror vacui - er lauert hinter der großen Zahl...

Der Horror vacui - er lauert hinter der großen Zahl...

„Mit dem Alter kommt die Weisheit“, heißt es doch immer so schön. Nun, wenn wir Weisheit mit Erkenntnis gleichsetzen wollten, und die Spruchweisheit auch umgekehrt gilt, dann wären wir wohl innerhalb der letzten fünf Jahre mit Lichtgeschwindigkeit gealtert. So viel Erkenntnis war nie!

Aber der Reihe nach:
Vor gefühlt hundert Jahren, also ungefähr noch im letzten Jahrtausend, waren Banken und der Staat Institutionen, denen man mit gewisser ehrfürchtiger Scheu begegnete, galten sie doch weit gehend als unfehlbar. Jedenfalls waren ihre Machenschaften für uns Normalsterbliche seit je so undurchschaubar, dass man lieber an ihre Unfehlbarkeit glauben mochte, als an ihre Unfähigkeit.
Dann wurden wir aber sehr schnell des Schlechteren belehrt, nämlich, dass auch sie sich durchaus verkalkulieren können, und zwar in nicht ganz unerheblichem Ausmaß. Nun gut, man lernte hinzu, auch diese Institutionen werden nur von Menschen geführt, und die machen nun einmal ganz menschliche Fehler. Geschenkt. Nach 2008 gewann man ein, zwei Jahre, und gleichzeitig die Erkenntnis ganzer Dekaden hinzu. Auch `was wert.
Dann war jedoch zu hören, dass im Finanzwesen mittlerweile Maschinen wesentliche Teile der Entscheidungsprozesse übernommen hätten. Die Rede ist von den weltweit vernetzten Börsencomputern und deren Softwareprogrammen, welche heute weitgehend selbsttätig das Börsengeschehen bestimmen, und damit, wie bereits mehrfach erlebt, unaufhaltsam(!) gewisse fatale Entwicklungen auslösen können. Ein außer Kontrolle geratenes AKW löst gegen so einen Amok laufenden Geldreaktor nur einen leisen Ionenschauer aus.
Auch die Politik schien machtlos, aber das musste ja noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, wenn auch fürderhin immer öfter das magische Adjektiv „alternativlos“ zu hören war. Mangels Alternativen sah man sich weniger geneigt als genötigt, das angeschlagene Vertrauen durch immer weitere und ewigkeitsfeste Vertrauensbeweise zu unterfüttern.
Denn Panik ist das Gegenteil von Weisheit. Wenn aber Weisheit auf Erkenntnis beruht, und diese erst mit dem Alter kommt, dann sind wir womöglich einfach schon zu alt, um noch zu reagieren oder gar zu fliehen? Rein gefühlt könnte das stimmen: Eine Bankrotterklärung jagt die nächste. Jeder Kredit jedenfalls ist spätestens seit vorgestern vollends verspielt, das Vertrauen endgültig futsch. Pünktlich zu Halloween kennt der Horror keine Grenzen mehr.
Es war ja mit allem zu rechnen, aber nicht damit, dass diejenigen, denen man sein sauer verdientes Geld, seine Steuern, seine Zukunft und seine Rente anvertraut, noch nicht einmal die fundamentalen Grundrechenarten beherrschen, und Plus und Minus verwechseln.
Da kommen dann schnell `mal ein paar €uro zusammen, ehe man sich”’’s versieht womöglich gar 550500000000,- PLUS!
Dabei könnte alles so schön sein! Mit 55-plus fängt doch das gute Leben erst so richtig an? Speziell, wenn einem das gnädige Schicksal gerade unverhofft 55 Millärdchen plus ein paar hundert Milliönchen in den Schoß geworfen hat?
Wie hieß doch noch diese schöne Ereigniskarte bei Monopoly? „Bankirrtum zu Deinen Gunsten, ziehe 200 Mark ein!“ Juhuu! Da war die Freude immer groß über diesen schönen blauen Spielgeld-Lappen. Und jetzt, in Zeiten der weltweit grassierenden Hyperinflation, können wir uns kaum über diese läppische Summe freuen? Kein Wunder, mildert sie doch unser Staatsdefizit gerade einmal um ein lumpiges Prozent.
55,5 Milliarden €uro, das ist gerade einmal die Hälfte des saarländischen Jahresprodukts.
Und bekannter Maßen gehört das Saarland nicht zu den strukturstarken Säulen unserer Republik. Auch die italienische Mafia lacht über solche Peanuts, pro Jahr erwirtschaftet diese tüchtige Organisation locker mehr als das Doppelte dieser Summe!
Es liegt in der Magie der großen Zahl, dass wir uns über solche Schicksalsgeschenke im fortgeschrittenen Menscheitsalter einfach nicht mehr angemessen freuen können.
Denn, wie bereits in einem früheren Beitrag (vor gefühlt 50 Jahren) festgestellt, rechnet man heute einfach in anderen Dimensionen, nämlich in Billionen.
Allerdings hat ein kluger Mensch festgestellt, dass es ca. 1500 Jahre dauern würde, wollte man laut von Eins bis 55,5 Milliarden zählen. Grob gerechnet jetzt, also plus/minus X Jahre. So viel Spielraum muss sein.
Vielleicht rechnet ein anderer kluger Mensch ja einmal aus, wie lange es wohl dauern würde, die Gesamtschuldensumme dieser Welt Zahl für Zahl nur auszusprechen, geschweige denn, zu tilgen?
So alt kann die Menscheit gar nicht mehr werden, um das noch zu erleben.
Aber so alt aussehen tun wir heute schon. Happy Halloweeeeen!

P.S.: Auf die derzeit sieben Milliarden Menschen verteilt, würde jeder immerhin € 7,85 von dem 55,5 Milliarden-Segen abkriegen. Davon kann man sich bei Old Mac D schon ein ganzes Menü leisten!

© 31. 10. 2011 Siegfried Galter. Bild: Collage/Fotolia

Von Hebeln, Hämmern, Nägeln und anderen Folterwerkzeugen

Donnerstag, Oktober 27th, 2011

Den €uro schmieden, so lange, bis er weg ist.

Den €uro schmieden, so lange, bis er weg ist.

„Wer nur den Hammer als Werkzeug kennt, für den ist jedes Problem ein Nagel!“
Dieses erkenntnishafte Zitat sei hier vorangestellt für all` jene, die glauben, in Europa würden jetzt endlich „Nägel mit Köpfen“ gemacht.
Es gibt in der Menschheitsgeschichte immer wieder selbst erschaffene Phänomene und Problemstellungen von Ausmaßen, die unter die Rubrik „too big to fail“ ebenso fallen wie unter „too big to reverse“.
Zu deutsch: Die angerührte Scheiße ist derart gigantisch, dass der einzige Weg, sie aus dem Wege zu räumen, der ist, immer noch mehr Bullshit draufzuschaufeln (bekannt auch als das altbewährte Patentrezept „more of the same shit“).
Und darauf zu warten, dass irgendwann wenigstens Biogas oder Kompost daraus entstehen möge. Nun, die Hoffnung ist seit je eines der perfidesten Folterinstrumente, mit denen uns die Politik zu quälen versteht.
Prominente Beispiele dafür liefern z.B. die erwiesener Maßen völlig sinnlose Zeitumstellung auf Winter und Sommer, bürokratische Monster wie die sog. „Umweltplakette“, die Müll-Mogelpackung „Grüner Punkt“, oder das beliebte, und weltweit immer wieder fröhlich wider besseres Wissen, Wollen und Gewissen exerzierte Wettrüsten. Von solchen Petitessen wie Klimaveränderung und Umweltzerstörung wollen wir hier gar nicht erst anfangen.
In den vergangen zwei Jahren durften wir also Zeuge werden, wie der €uro von einer goldglänzenden Weltwährung zu einem Altmetall-Derivat von zweifelhaftem Wert umgeschmiedet wurde. Offenen Maules durfte der Eurobürger an diesem epochalen Ereignis teilhaben, stieren Auges in die lohende Esse (die glodernde Lut, ähhh, die ludernde Glot, äääh, die gludernde Lot…) blickend, und dabei auch noch ein horrendes Zwangsgeld für dieses schauderliche Schauspiel entrichtend.

Und wie da die Funken flogen! Und wie da der Hammer geschwungen wurde! Und wie da immer mehr schimmernde Substanz dahinschmolz, während die Esse nahezu manisch-wahnhaft immer heißer befeuert wurde mit Tonnen von Papiergeld und völlig wertlosen Wertpapieren! Hui! Beim Odin und beim Thor, das Tor zur Hölle ist ein lauwarmer Furz gegen das Höllenfeuer, das unsere smarten Banker da entfachten, und welches unsere erbärmlichen Politiker nicht kontrollieren wollten oder konnten.
Oder habe ich da etwas falsch gesehen, und man war nur dabei, einen gewaltigen Hebel zu schmieden?! Das würde alles erklären!

Jetzt also der €uro-Rettungsschirm. Mit Furz und Feuerstein und Hebelwirkung, weil:
„Gewaltig ist des Schlossers Kraft, wenn er mit dem Hebel schafft!“
Wunderbar, so lange der Schlosser weiß, was er da tut, und dass die Hebelkraft nicht nur einen Punkt braucht, um den Hebel anzusetzen, sondern, dass die Hebelkraft auch in die entgegengesetzte Richtung wirken kann. Und, vielleicht am allerwichtigsten: Dass die Unterlage auch der aufgewandten Hebelkraft stand halten muss. So viel zum Thema Werkzeugeinsatz. Aber ob Hammer oder Hebel – wenn die Grundsubstanz nichts taugt, dann wird der Weg zum Abwracker unumgänglich sein. Früher oder später.

Das heißt im Klartext: Wenn hier ein Werkzeug angebracht ist, dann ist es der Hammer eines Auktionators, der im Rahmen einer Gesamtinsolvenz versucht, noch einen kümmerlichen Restwert aus der Konkursmasse herauszuschlagen: Drei, Zwei, Eins, Aus. Und alles unsers!

© Siegfried Galter, 27.10. 2011, Bild: fotolia

Pferdeäpfel frei: Die E10-Gebote

Freitag, August 26th, 2011

Wer veräppelt wird, sollte sich mit Pferdeäpfeln bewaffnen!

Wer veräppelt wird, sollte sich mit Pferdeäpfeln bewaffnen!


Oh holdseliges Mittelalter! Da gab es noch Zünfte, einen wirklich freien Markt, echte Qualitätsprodukte, und es gab auf jedem Marktplatz einen Pranger. An dem wurde jeder öffentlich geschmäht, verhöhnt und angespuckt, der sich gegen die Zunftordnung oder sonstige geltende Sitten, Gebräuche und Übereinkünfte vergangen hatte. Besonders gern sah man dort jene Lumpen und Betrüger, die dem Volke minderwertige Waren für überteuertes Geld aufzunötigen trachteten. Tempi passati.
Wir sehen uns dagegen heute konfrontiert mit allmächtigen Konzernen, die uns, dank tatkräftiger staatlicher Unterstützung oder zumindest politischer und juristischer Duldung, beliebig das letzte Hemd ausziehen dürfen. Jüngstes Skandalbeispiel ist das E10-Debakel, welches nun einen grotesk anmutenden Ausgang nimmt:
Mangels Nachfrage (freier Markt!!!) wurde die Versorgung mit der „Öko“-Plörre nun nach und nach wieder eingestellt. Die Mineralölkonzerne, von der Regierung genötigt, blieben zwar auf ihrem zweifelhaften Produkt sitzen, auf den Kosten werden sie jedoch erklärter Maßen nicht sitzen bleiben. Sowohl die Belastungen für die Bereitstellung, als auch die von der Regierung wegen Nichterfüllung der Verkaufsquote (freier Markt!!!) verhängte Konventionalstrafe werden die „Versorger“ natürlich an uns Verbraucher weitergeben (durch erhöhte Preise ihrer anderen Produkte), so die heute verlautbarte Erklärung.
Was genau so zu erwarten war. Schließlich leben wir nicht mehr im Mittelalter, wo jeder kaufen konnte, was ihm gerade in den Kram passt!
Das folgt mit unerbittlicher Konsequenz der nämlichen kruden Logik, nach der wir den Ausstieg aus der Atomkraft mit zusätzlichen Milliarden zu bezahlen haben, die wir den Energiekonzernen kompensatorisch dafür schulden, dass Sie unseren Planeten auf Jahrtausende hinaus verseucht haben.

Ich wünsche mir die selige Zeit der Pferdegespanne zurück. Nicht nur, dass man den braven und sparsamen Kleppern zu Fressen geben konnte, was man wollte – nein, auch höchst vortreffliche, umweltverträgliche und wachstumsfördernde Wurfgeschosse lieferten sie uns frei Hand. Pferdeäpfel – Feuer frei!

Hier zur Vergewisserung der berechtigten Empörung nochmals die gültige Gesetzeslage. Widerstand ist das Gebot der Stunde!

“Und es begab sich aber, dass ein Gebot vom Obersten Rate ausging, umfassend die E10-Gebote, als da lauten:”

Die E10-Gebote

1. Du sollst nicht denken
2. Du sollst nicht tanken:
- Anderen Sprit, als man Dir vorsetzt
- Billigeren Sprit, den man Dir anbietet
(vor allem nicht im benachbarten Ausland!)
- Besseren Sprit, der die Umwelt, Dein Auto und Dein Budget weniger belastet
3. Du sollst mehr E10 tanken, und dadurch:
- mehr Steuern zahlen
- die Volkswirtschaft ankurbeln, indem Du Dein Auto ruinierst
- die verfehlte Regierungspolitik sanktionieren
4. Du sollst nicht Infragestellen die Kompetenz von Experten, Spezialisten, Monopolisten und Lobbyisten im Auftrage und in Diensten der allwissenden Regierung
5. Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Jeep, SUV, Benzinkanister, Beifahrerin, noch alles, was Sein ist
6. Du solltst den Namen Deiner Volksvertreter ehren und lobpreisen in alle Ewigkeit, Amen
7. Du sollst eigentlich jeden Sprit schlucken, der Dir vorgesetzt wird, und dafür froh und dankbar sein
8. Du sollst nicht Preisbrechen
9. Du sollst gefälligst jeden geforderten Spritpreis mit jeder noch so hanebüchenen Steuer-Erklärung akzeptieren und bezahlen, gestern, heute und in alle Ewigkeit, Amen
10. Du sollst nicht aufmucken (siehe 1. bis 9.)

© Anus Dei 26.08.2011 Siegfried Galter

Seid verschlungen, Milliarden! Ode an die Räuber

Donnerstag, August 25th, 2011

Die Räuber sind unter uns!

Die Räuber sind unter uns!


„Denk´ ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht“ -
so klagte einst der letzte Romantiker deutscher Dichtung, Heinrich Heine, sein Leid über sein geliebtes und doch so unbegreiflich sprödes Heimatland.
Denk´ ich hingegen an Schiller, muss ich immer an „Die Glocke“ denken, deren schulmeisterlich auferlegtes auswendig-Dahersagen mir noch jahrelang übel nachklang.
Aber natürlich fallen mir auch „Die Räuber“ ein, vor allem, wenn ich an Deutschland denke, nicht nur des Nachts. Denn Deutschland, wie auch der Rest der globalisierten Welt, ist längst unter die Räuber gefallen.

Zu Schillers Zeiten waren ja selbst die Räuber noch eine Bande mit gewissen Wertvorstellungen und einem berufsspezifischen Ethos, der sogar die Möglichkeiten der Reue und der Wiedergutmachung nicht kategorisch ausschloss. Wohl deshalb sah sich der Dichter bemüßigt, vier Jahre nach seiner Räuberpistole die Ode „An die Freude“ zu verfassen, die ja dann aufs Kongenialste von Beethoven sinfonisch veredelt wurde, Zitat:

(Chor):
Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuss der ganzen Welt!
Brüder – überm Sternenzelt
muß ein lieber Vater wohnen.

(ob damit etwa der alte Vater Staat gemeint war? Eher wohl nicht.)

Heute ist es gang und gäbe, dass vor allem Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik eine höchst kriminelle Energie an den Tag legen, im Bestreben, der ganzen Welt Ihren Allerwertesten zum Kusse darzubieten. Wobei sie sich allerdings längst nicht mehr mit popeligen Millionen zufrieden geben. Diese Armenwährung mit 6 Nullen war allenfalls noch bis in die späten 80er Jahre des vergangenen Jahrtausends eine Größenordnung, mit der sich Staat machen ließ. Heute hat doch jede Kommune, die halbwegs etwas auf sich hält, mindestens ein Milliardendefizit vorzuweisen, von ausgewachsenen Staatswesen gar nicht erst zu reden. Mit solchen Peanuts gibt man sich einfach nicht mehr ab in Zeiten der uneingeschränkten Wirtschaftsfreiheit:
„Das Gesetz hat noch keinen großen Mann gebildet, aber die Freiheit brütet Kolosse und Extremitäten aus.” (Moor in DIE RÄUBER)
Die Banker, Spekulanten und Wirtschaftliberalen unserer Zeit haben ihren Schiller offenbar nachhaltigst verinnerlicht.
Der fahrlässig leichtfertige Umgang mit astronomisch hohen Summen hat nebenbei zur Folge, dass wir alle auf Grund dieser äußerst inflationären Entwicklung komplett abgestumpft sind für das wahre Ausmaß der Verschwendung und Verschuldung, die allenthalben auf unsere Kosten betrieben wird. Die MILLION, zu Schillers Zeiten noch ein astronomischer Wert und bis in die 80er Jahre noch eine magische Summe, wurde regelrecht marginalisiert. Selbst Lotto- und andere dahergelaufene Feld- Wald- und Wiesenmillionäre sind doch eigentlich nur noch arme Schlucker heutzutage, machen wir uns nichts vor. Unter einer MILLIARDE braucht uns doch heute gar keiner mehr zu kommen, wenn er ernst genommen werden will, ist es nicht so?

Und was macht der einfache Mann auf der Straße? So ganz ohne Milliardenpolster auf der hohen Kante oder zumindest einer adäquaten Schuldensumme als Rückendeckung, die ihn ein für allemal seinen Gläubigern entzieht?

Der zahlt einfach mit seinem guten Namen. So leicht geht das:

„Ehrlicher Name! Wahrhaftig eine reichhaltige Münze, mit der sich meisterlich schachern läßt, wer´s versteht, sie gut auszugeben.“ (Franz in DIE RÄUBER)

Naja, netter Versuch, Herr Schiller, aber leider nicht mehr ganz zeitgemäß, fürchte ich.
Ich darf Sie hier wiederum aus Ihrer Ode zitieren:

Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahndest du den Schöpfer, Welt?

Als hätte er´s geahnt, was uns mit dem Euro und dem Weltwirtschaftsgetöse so blühen wird. Es lebe der puritanische Weltgeist, der die Erfolgreichen belohnt. Die anderen Loser haben hinnieden halt das Nachsehen:

(Chor):

Duldet mutig, Millionen!
Duldet für die beßre Welt!
Droben überm Sternenzelt
wird ein großer Gott belohnen.

Aber Schiller wäre nicht unser Räuberheld, wenn er nicht auch für die Sozialverlierer sein Herz zeigte:

Chor:

Unser Schuldbuch sei vernichtet!
ausgesöhnt die ganze Welt!
Brüder – überm Sternenzelt
richtet Gott wie wir gerichtet.

Und weiter:

Brüder, gält’ es Gut und Blut –
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der Lügenbrut!

Bevor ich mir hier noch eine staatliche Verfolgung wegen Aufwiegelung und Rädelsführerschaft einhandle, oder gar unter Terrorverdacht gerate, will ich´s wohl dabei belassen, und mich auf eine bescheidne Werteordnung berufen, die nach Schiller wahrhaft würdig ist:

„Hast du etwas, so teile mir´s mit, und ich zahle, was recht ist! Bist du etwas, o dann tauschen die Seelen wir aus.“
(Friedrich Schiller, Das Werte und Würdige)

So soll es sein, so machen wir´s!
© 25.08.2011 Siegfried Galter in Kooperation mit weiland F. Schiller

Europäischer Ausverkauf – Abwracken auf Rating!

Donnerstag, Juli 14th, 2011

Abwrackprämie für abgehalfterte Staaten?

Abwrackprämie für abgehalfterte Staaten?

Wir leben in inflationären Zeiten. Was heißt das? Inflation ist der Zustand des Überflusses bei gleichzeitiger Wertlosigkeit des Vorhandenen, könnte man sagen. Also Krise.
Was aber passiert, wenn die Krise inflationär auftritt, so wie heute? Wird sie dann weniger wert, ist es dann also keine Krise mehr? Paradox, aber nicht wirklich lösungsorientiert gedacht, denn die Krise kriegen wir damit auch nicht in den Griff. Ganz im Gegenteil greift sie immer weiter um sich und erfasst einen Staat nach dem anderen.

Erst die Griechen auf ihrer zerklüfteten Inselwelt. Dann die Iberische Halbinsel mit Portugal. Und jetzt, fast schon mit Ansage, auch das irische Eiland. Das große Zittern geht um im Euroraum, Spanien und Italien sind die nächsten Wackelkandidaten auf der Abschussliste der globalen Finanzwelt. Wo man hinschaut, wird die weiße Flagge geschwenkt. Landunter droht, der Boden wird heißer, die Fluten steigen, Tsunamiwarnung an den Küsten. Wo ist die rettende Arche?

Machen wir uns nichts vor: An Bord des Luxusliners „MS Europa“ herrscht akute Untergangsstimmung. Die Großen halten sich nur dank ihrer höheren Kreditlinie noch über Wasser. Keine Ballastreserven mehr, und für jedes hektisch gestopfte Leck wird woanders ein neues geschlagen. Und die USA pumpen weiter wertlose Dollars nach, während die Finanzpiraten schon gierig im Kielwasser lauern. Klar zum Entern!
Die fröhlichen Nationenfähnchen des geeinten Europa werden eingeholt, stattdessen wimpelt es SALE, SALE und nochmal SALE. Der Euroschlussverkauf ist hiermit eröffnet!
Alles muss `raus. Gestern noch stolze und geballte Kontinental-Wirtschaftsmacht, heute gesamteuropäischer Wühltisch mit Ramschware. Ganze Staatswesen verkommen zum reinen Spekulationsobjekt, von führenden Rating-Agenturen runtergestuft auf Junk-Level. Ausverkauf auf Rating nennt man das wohl. Aber auf wessen Kosten? Und wie fühlt sich der europäische Staatsbürger dabei? So brüsk seiner Kaufkraft beraubt? Entwertet und entehrt, hilflos den entfesselten Kräften eines marodierenden Finanzmarktes preisgegeben? Verraten und verkauft.

„SALE“ heißt übrigens nicht nur „Ausverkauf“, es ist auch das französische Adjektiv für „schmutzig“.
Asche zu Asche, Ramsch zu Ramsch und Schmutz zu Schmutz.
Ab in die Tonne, immer nur `rein damit in den Schrottcontainer! Wracken wir die heruntergewirtschafteten Staatsgebilde doch einfach ab!
Aber - es ist nichts so wertlos, als dass sich nicht doch noch Kapital daraus schlagen ließe.
Krisengewinnler gibt es immer. Wie wäre es denn mit einer Abwrackprämie nach bewährtem Vorbild? Neu gegen Alt, und das Beste daran - durch die Inflation kostet uns das keinen müden Cent! Wie dieses? Ganz einfach: Inflation kommt aus dem Lateinischen, und leitet sich von der Bedeutung „aufblasen“ „aufpumpen“ ab.
Also machen wir`s auf die altbewährte Art, nämlich: Auf Pump!

Recycling tut Not, wer weiss, als was wir im nächsten Durchgang wiederverwertet werden? Vielleicht reicht`s ja für eine gesamteuropäische Lösung: Eine garantiert unsinkbare Konstruktion wahrhaft titanischen Ausmaßes, geschmiedet in der flammenden Lohe von Abermilliarden gierig verfeuerter Euros. Ade „MS EUROPA, Ahoi „MS TITANIC 2“. Willkommen an Bord!

© Siegfried Galter, 14.07.2011




Schuldenkrise: Von Bankrott- und anderen Erklärungen

Donnerstag, Juni 30th, 2011

Wie lange währt eine Währung?

Wie lange währt eine Währung?

Kann man bankrott sein, und trotzdem liquide bleiben? Man kann. Nicht nur der Weltgigant USA exerziert uns dieses Kunststück mit immer atemberaubenderer Finanzakrobatik Tag für Tag vor. Die Schuldenbilanz der USA astronomisch zu nennen, wäre angesichts des aktuellen US-Staatsdefizits von 14.000 Mrd. (oder in größeren Einheiten und kleineren Zahlen: 14. Bio.) Dollar (in absoluten Zahlen: $ 14.000.000.000.000,-) ein reiner Euphemismus.

Dagegen sind die Griechen die reinsten Korinthenkacker.
A propos: Alexander der Große war alles andere als das. Dem sagenumwobenen König von Makedonien (Region im heutigen Griechenland) und Hegemon des Korinthischen Bundes gelang es seinerzeit, die Grenzen seines Reiches bis an den Indischen Subkontinent auszudehnen. Nach seinem Einmarsch in Ägypten wurde er dort als neuer Pharao begrüßt.
Das könnte ihm heutzutage womöglich auch wieder passieren…
Mit seinem Regierungsantritt begann das Zeitalter des Hellenismus, dessen kulturelle Traditionen den politischen Zusammenbruch der damaligen griechischen Welt überdauerten, und noch Jahrhunderte in Rom sowie in Byzanz fortwirkten.
Was vom ersten „echten“ Weltreich der menschlichen Geschichte übrig geblieben ist, können wir aktuell partiell u.a. in Griechenland besichtigen. Die ehemals so stolzen Hellenen sitzen heute auf den Ruinen einer längst zu Staub zerfallenen Hegemonie und einem Schuldenberg astronomischen Ausmaßes, und müssen zusehen, wie verfettete Touristen einer westlichen Weltmacht ihre eigentlich wertlosen Dollars verprassen.
Das tut weh, vor allem, wenn man gleichzeitig der Zeit nachtrauert, in der griechische Drachmen ein zwar wertloses, aber wenigstens inflationär verfügbares Zahlungsmittel waren.
Insofern wundert es wenig, dass es nicht so einfach ist, dem erzürnten Mann auf der Straße in Athen den bevorstehenden oder virtuellen Bankrott seines Landes zu erklären.

„Freiheit oder Tod“ dieser heroische Wahlspruch der Hellenischen Republik erhält im Zeichen der €uro-Krise eine völlig neue Aktualität. Denn dass „Jeder für sich alleine stirbt“, ist im Rahmen der €uro-Konstruktion so nicht vorgesehen. Also gibt es statt gnädiger Sterbehilfe, oder zumindest der Würde eines selbstbestimmten Niedergangs, nur das gnadenlose Mittel der künstlichen Daseinsverlängerung. Zwangsbeatmung im Angesicht akuten Organversagens. Teuerste Apparatemedizin gegen galoppierende Schwindsucht. Verlängert die Agonie, und gibt den Helfern das gute Gefühl, alles Menschenmögliche getan zu haben.
Auch wenn jeder weiß, dass es ein gigantischer Selbstbetrug ist. Die ehemals glanzvollen Sterne auf der EU-Flagge haben merklich an Strahlkraft eingebüßt, das Konstrukt zeigt erste massive Ausfallerscheinungen.

Sicher, der Stern der Griechen war schon länger im Sinken begriffen, aber vielleicht erhofften sie sich von der mächtigen Europa, die ja in der griechischen Mythologie eine herausragende Rolle spielt, den berechtigten göttlichen Beistand. Nebenbei ist der geheimnisvolle Jupitermond gleichen Namens ein Symbol für Strahlkraft schlechthin. Jedoch profitieren Monde stets nur vom Abglanz einer fernen Sonne.
Um im astronomischen Weltbild zu bleiben: Die kleineren Sterne eines Systems verglühen irgendwann. Die wirklich großen hingegen bleiben uns noch äonenlang als aufgeblähte „Rote Riesen“ erhalten, bevor sie einen Gravitationskollaps erleiden und in einer gigantischen Supernova verenden, um danach bedrohliche Schwarze Löcher zu hinterlassen, deren Antimaterie alles ins Verderben reißt, was sich ihnen fahrlässig nähert.
Mit anderen Worten: Wer nur groß genug ist, der hat immer die Chance auf einen grandiosen Abgang. Bankrotteure aller Länder, vereinigt Euch!
Die Hellenen aber, wenn sie nicht vom großen schwarzen Haushaltsloch verschlungen werden wollen, sind auf ewig dazu verdonnert, irgendwann alles zurückzubezahlen – und zwar auf Hellas und Pfennig!

© Siegfried Galter, 30.06.2011