Archive for the ‘Staatskrisen’ Category

Und woran glaubst Du so? (IX)

Donnerstag, Januar 29th, 2015

Brave new worldDarauf gibt es nur eine sinnvolle Antwort: Die Vernunft. Ich glaube an die Macht der Vernunft. Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen, so viel steht fest. Und es gibt heute schon viele Menschen wie mich, die den anschaulichen Beweis dafür liefern, dass ein vernunftgesteuertes Leben nicht nur möglich, sondern die einzig sinnvolle humane Existenzform ist. Denn was das Beste für alle ist, das ist auch das Beste für das Individuum, so einfach ist das. Das behaupten auch die Religionen, ich weiß. Aber die Religion, jede Art von Religion, basiert auf dem Glauben, also der reinen Unvernunft. Deshalb glaube ich nicht nur an die Vernunft, sondern ich weiß, dass sie der einzige Weg ist.

Denn sie ist die einzige Kraft, die ihre Macht aus der Überlegenheit des Intellekts über den impulsgesteuerten Instinkt, den blinden Reflex, den tumben Trieb schöpft. Diese Reste einer überkommenen archaischen Lebensform müssen wir endgültig überwinden, ja, restlos ausmerzen, damit wir endlich in das segensreiche Zeitalter der ultimativen Vernunft vorstoßen können.
Gefühle sind schädlich, aber eliminierbar. Bedürfnisse sind vorhanden, aber einzuschränken. Fantasien sind gefährlich, aber steuerbar. Ängste sind kontraproduktiv, aber beherrschbar (die Erzeugnisse der modernen Pharmazie bieten hier unendliche Möglichkeiten). Wissen ist essenziell, und daher streng zu überwachen. Information ist kostbar, und daher verantwortungsvoll zu selektieren. Ressourcen sind knapp, und daher streng zu rationieren. Gewalt ist keine Option, ausgenommen natürlich als Erziehungsmittel aus Staatsräson. Freiheit ist eine Bedrohung, und deshalb abzuschaffen. Besitz ist kollektiv, und damit in Treuhand. Das Individuum ist ersetzbar, und somit kollektivierbar. Humanismus ist sentimental, und deshalb überflüssig. Schmerzen jedoch sind notwendig, und deshalb vernünftig. Sie zeigen uns, wo es noch knirscht im Apparat, wo noch Handlungsbedarf besteht, und Erziehungsbedarf: bei allen, die sich der Vernunft widersetzen – sei es aus schierer Dummheit, Böswilligkeit oder aus purer Ignoranz. Wir werden sie mit den Mitteln der Vernunft zur Vernunft zu bringen wissen. Glück ist eine Illusion, aber es wird eine Funktion der Vernunft sein.

Es ist unsere menschliche Pflicht, die unkontrollierten Kräfte des Chaos in eine sinnvolle und geordnete Struktur zu zwingen. Denn alles sonst auf und außerhalb unseres Erdballs ist doch dem Chaos unterworfen: die Natur, die Elemente, der gesamte Kosmos. Nur der Mensch hat die Fähigkeit, dieser verstörenden und verheerenden Unordnung entschlossen entgegen zu treten. Dafür verfügt er über das Geschenk der Erkenntnis. Das ist sein wahres Humankapital. Nicht umsonst steht er an der Spitze der Evolution. Genau daraus erwächst ihm seine Verantwortung für das Große Ganze. Dafür schafft der Mensch Regeln, dafür hat er Instrumente wie die Mathematik, die Physik, die Medizin, die Technologie usw. entwickelt und auf höchstes Niveau gebracht. Alles lässt sich mit Vernunft regeln, mit Vernunft lösen, der Vernunft unterwerfen, daran glaube ich. Wir werden sein ein einig Volk von Brüdern und Schwestern. Vereint unter der alles zwingenden Macht der Vernunft, die wir zum allgemeingültigen, ultimativ einzuhaltenden Gesetz erheben werden. Es wird ein langer schmerzhafter Prozess werden, alle Menschen zu ihrem Glück zu bekehren. Schließlich regiert die Unvernunft schon zu lange ungehemmt auf unserem Planeten - schauen Sie sich nur einmal um! Dennoch wird die Vernunft obsiegen, das ist meine feste Überzeugung. Geschichte ist unumkehrbar, deshalb ist die Perspektive im erleuchteten Zeitalter der Vernunft ausschließlich in die Zukunft gerichtet. Es wird womöglich noch lange dauern, und es wird nicht ohne Opfer abgehen, aber den Gesetzen der Vernunft werden wir uns nicht entziehen können. So viel ist gewiss.

(wird fortgesetzt)

© Siegfried Galter 29. 01. 2015

Ronald Pofalla - Wer kennt diesen Mann?

Montag, Juli 29th, 2013

Germany''s least wanted politician

Dürfen wir vorstellen: Ronald Pofalla, Kanzleramtschef und seines Zeichens
„Bundesminister für besondere Aufgaben“

Diese Aufgaben sind so geheim, dass der Bundesminister sie selbst nicht kennt.
Dass man auch sonst nichts von ihm sieht oder hört, ist nachgerade ein Segen für die Menschheit.
Vor allem in seiner Funktion als Geheimdienstkoordinator macht Pofalla sich unsichtbar.
So unsichtbar, dass sogar das ZDF ihn als „Phantom“ bezeichnete!

Allah ist groß
Allah ist mächtig
Pofalla ist dagegen
eher schmächtig

Allah ist mächtig
Allah ist groß
doch was ist da los,
wie kann es sein,
wie geht das bloß

dass CIA und NSA und BND
mit uns machen, was sie wollen
und unser Ronald , oh, lala!
findet alles prima, gut & richtig
was er unterlässt und auch nicht sagt,
es tut ja keinem wirklich weh?

Die Wahrheit, sie ist längst verschollen
in unserer Bananen-BRD
und das Phantom Pofallas
ist wohl eine Strafe Allahs
dem es in seiner Größe wohl gefiel
uns diesen Ungeist zu bescheren:

Wir sollten uns -
höheren Orts -
massiv beschweren
Ansonsten bleibt uns ohnehin nicht viel
als einen Mords-
spaß uns d’raus
zu machen
und die üblen Clowns
in diesem falschen Spiel
schlicht aus
zu lachen

Und so sprach
der weise
Allah, streng geheim:
lachet eher laut
als leise
über Pofalla
und bedenkt den Reim
auf BallaBalla.

© Siegfried Galter 29.07. 2013

Schlechte Nachrichten über den Nachrichtendienst

Dienstag, Juli 16th, 2013

Snowden oder Showdown?
Es gab einmal den ddp. Und es gibt die dpa. Und es gibt den BND. Alle drei haben im weitesten Sinne etwas mit Nachrichten zu tun. Die beiden Erstgenannten in dem Auftrag, die Menschen im Lande informiert und auf dem Laufenden zu halten. Der Letztgenannte verfolgt exakt gegenteilige Ziele. Wo der Deutsche Depeschen Dienst und die Deutsche Presse Agentur die Idee von Aufklärung, Transparenz und Selbstbestimmung einer freien Gesellschaft mit mündigen, informierten Bürgern verkörpern, ist der BundesNachrichtenDienst ein fast schon zynisch anmutender Euphemismus in Sachen Desinformation, Verschleierung und Ausspähung. Analog seinem ebenso undurchsichtigen und unkontrollierbaren Big Brother Verfassungsschutz beruft sich der BND darauf, dem Schutz unserer Gesellschaft zu dienen, der Abwehr von äußeren wie inneren Feinden und Gefahren, von denen die Repräsentanten unseres Systems dieses allenthalben umstellt und bedroht sehen. Besonders auch im Innern, von seinen potenziell höchst verdächtigen eigenen Bürgern.
Und wenn gar nichts mehr hilft, dann immer noch das Zauberwort „Terrorabwehr“!
Und so schmarotzern sich unsere bundesdeutschen Staatsschützer durch das Daten-Schlaraffenland, das ihnen übermächtige Freunde und Verbündete freigiebigst zugänglich machen.
Da kann man sich schon ‘mal kooperativ zeigen, so unter Brüdern, eine Hand wäscht die andere.
Und so guckt man halt ‘mal großzügig weg, wenn z.B. Bundesbürger verschleppt und gefoltert werden, wie im Fall el Masri, oder man nutzt die Gunst der Stunde, und schickt zwei Agenten (inkognito, versteht sich!) nach Guantanamo, die dort - ganz privatim - den Murat Kurnaz interviewen – sind eh’ alles Terroristen, die Brüder!
Zu allem Überfluss gibt es zu unser aller Sicherheit ja auch noch den MAD, dessen Kürzel allein schon Programm sein dürfte, wenn wir uns seine Protagonisten als die uniformierte Steigerungsform des BND vorstellen.
Und weil ja eine Nebelkrähe der anderen kein Auge aushackt, glucken sie auch international immer schön zusammen, und hacken sich statt dessen lieber in die Systeme und Staatswesen ihrer Freunde und Mitgenossen ein. Streng geheim, versteht sich. Denn sonst würden sie ja nicht Geheimdienste heißen. Achso, heißen sie ja auch gar nicht! Ob Zentrale Intelligenz-Agentur (CIA – auch so ein granaten-narzisstischer Selbstirrtum), ob Nationale Sicherheits-Agentur (NSA - Sicherheit, doch für wen?), ob BundesNachrichtenDienst (BND), das hört sich doch alles, zu Recht, nur nach höchst kompetenter und diskreter Dienstleistung an!
Nein, wirklich, Nachrichten sind doch nun echt etwas total Unverfängliches. Selbst wenn es so schlechte Nachrichten sind, dass es unserer Bundesregierung glatt die Sprache verschlägt, sowohl gegenüber ihren mehr als zweifelhaften Freunden, als auch gegenüber den ihr anvertrauten Bürgern dieses Landes. Aber es hat auch gute alte Tradition in unserem Lande, von Dingen lieber zu schweigen, von denen man vorgeblich nichts gewusst hat. Und wenn’s dann ganz dumm läuft, hat man im Zweifelsfalle immer nur auf höheren Befehl gehandelt, und somit keine andere Wahl gehabt.

Es gab eine Zeit, da wurden die Überbringer schlechter Nachrichten sang- und klanglos abgemurkst. Heute bezieht sich das wohl eher auf die wenigen Unerschrockenen, die die Stirn haben, die Wahrheit zu verbreiten, wie derzeit Edward Snowden.
Wohl auch deshalb hält sich unsere Regierung so schamhaft bedeckt, wenn es darum geht, die Bürger über das wahre Ausmaß von Bespitzelung, Ausspionierung und Verrat der grundgesetzlich und verfassungsseitig unveräußerlichen Rechte zu informieren: Reden ist Selbstmord. Schweigen ist es nicht minder. Aber es nimmt darüber hinaus den schleichenden Tod der Demokratie billigend in Kauf. Schweigend. Denn die Wahrheit ist lebensbedrohlich, vor allem für die, welche sie fortgesetzt unterdrücken, verschleiern, verbiegen und verheimlichen. Aber es wird ihnen nichts nützen.





© 15. Juli 2013 Siegfried Galter

Verschwörungstheorie und -praxis für Dummies

Samstag, Juli 6th, 2013

Das Übel ist immer und überallEs ist schon seltsam: Politiker, Verantwortliche, sogenannte Leistungsträger und überhaupt alle, die uns Tag für Tag aufs Trefflichste verarschen, schwören jederzeit jeden Meineid, dass alles immer ganz anders ist, als die hysterischen Minderheiten und einige übereifrige Medien sich das in ihrem kranken Wahn so zurechtbasteln.
Natürlich gab und gibt es keine sinistren Mächte und Drahtzieher, wie sie manche Unverbesserliche hinter den wachsenden Zumutungen und Ungeheuerlichkeiten lauern sehen, mit denen wir alle permanent konfrontiert werden. Selbstverständlich sind das alles nur irre Hirngespinste von wenigen Fehlgeleiteten, die der einfachen, transparenten und klar verständlich kommunizierten Realität einfach nicht gewachsen sind. Diese Verschwörungstheoretiker stellen eine Gefahr für sich selbst und natürlich für die Allgemeinheit dar. Deshalb muss und kann solchen armen Menschen sofort und konsequent geholfen werden, sei es durch einfache polizeiliche Maßnahmen, psychiatrische Zwangsunterbringung, durch zielgerichtete Rufschädigung oder am besten gleich durch massive Diskriminierung bzw. Kriminalisierung mit Entzug aller Bürgerrechte.

Denn wer wollte schon ernsthaft behaupten oder gar beweisen, an der weltweit andauernden grassierenden Finanzkrise seien ausgerechnet die rechtschaffenen Bankinstitute und wagemutigen Finanzjongleure schuld? Eine zynische Weltverschwörung gar des Weltkapitals zur Ausplünderung der arbeitenden Massen? Das ist doch Kindergarten, Leute! Gedankengut aus dem sozialistischen Sandkasten! Geht woanders spielen, und lasst die Großen in Ruhe ihr Geschäft verrichten!

Auch das ominöse Kartell der Energieriesen zur Verhinderung einer monopolfreien, flächendeckenden Energieversorgung und einer echten, nachhaltigen und umweltverträglichen Energiewende ist ein immer wieder aufgewärmter, labberiger Mikrowellen-Leberkäse, der seine Halbwertzeit schon zehnmal überschritten hat. Wacht endlich auf da draußen! Die Energien, die Ressourcen sind nun einmal endlich, gerade deswegen müssen sie ja adäquat bereitgestellt und verteilt werden! Und zwar von Spezialisten, die sich darauf verstehen, unterstützt von Politikern, die ihren Mann stehen, wenn es drauf ankommt, so wie Mappus, Altmayer und Kollegen. Kriegen wir das vielleicht ir-gend-wann in Eure verdammten Wutbürger-Schädel hineingeprügelt?

Wären da noch die armen Irren, die hinter jedem lauen Sommerregen eine ausgewachsene Wissenschaftsverschwörung der Leugner von Erderwärmung und Klimaveränderung vermuten.
Hallo? Es gab denkendes Leben auf diesem Planeten, bis Ihr aus Euren Erdlöchern hervorgekrochen kamt! Diese Erde ist schon mit ganz anderen Sachen fertig geworden, als ausgerechnet mit Euren Wahnvorstellungen vom menschengemachten Untergang. Erderwärmung, lachhaft! Die Sommer werden immer kälter, und der letzte Winter war einer der längsten in der Geschichte! Steigende Meeresspiegel? Im großen geohistorischen Zusammenhang ist das doch der reine Killefitz! Auch früher gab es schon große Überschwemmungen, schonmal was von der Arche Noah gehört oder gelesen?! Und, ist die Menschheit deshalb vielleicht ausgestorben? Klar, um Euch Ökoterroristen wär’ es ja nun wirklich nicht schade…

Und wie steht es mit dem viel beschrieenen Komplott der biochemischen Industrie zur Monopolisierung von Saatgut und zur weltweiten Manipulation von Genmaterial? Haben nicht gewissenlose Chemieriesen wie Monsanto und Konsorten längst ganze Kontinente verseucht und in die Abhängigkeit getrieben, mit unumkehrbaren Folgen? Immer langsam mit den jungen Saaten, ja? In Wirklichkeit verfolgen diese selbstlosen Pioniere den historischen Auftrag, endlich den Welthunger zu beseitigen – mit allerneuesten wissenschaftlichen Mitteln und Erkenntnissen. Die investieren Unsummen in die Weltgesundheit und in den Weltfrieden! Zum Wohle der Menschheit, und Ihr wollt das alles kaputtmachen, mit Eurem kleinlich-egoistischen Unverstand! Aber auch Ihr werdet noch winseln um jedes Körnchen Saatgut, das man Euch gnadenhalber zugestehen und zuteilen wird, verlasst Euch drauf!

Das ruchlose Kartell der Lebensmittelindustrie zur Verfälschung, Vergiftung, Verknappung und Verteuerung von Nahrungsmitteln ist auch so eine krude Erfindung von Weltverbesserwissern, die immer nur alles schlechtreden können. Stellt Euch doch mal selbst ans Abfüllband, in eins unserer Labore, oder an die Kette in der Schlachtfabrik, dann wisst Ihr, unter welcher Mühsal Euer Billigfraß hergestellt wird, mit dem Ihr Euch Tag um Tag mästet! Oder schaut Euch einfach mal den veterinärmedizinischen und chemietechnischen Aufwand an, den die Firmen in Landwirtschaft und Industrie betreiben müssen, um all’ die Massen an Lebensmitteln halbwegs preisverträglich zu produzieren, das würde Euch schon Euer vorlautes Maul stopfen! Von den bürokratischen EU-Vorgaben und Fallstricken wollen wir gar nicht erst anfangen – aber Ihr könnt natürlich gerne Eure Futter selbst anpflanzen und auslöffeln, Ihr verdammten Öko-Extremisten, Lohas, Slow-Food-Mampfer, und wie Ihr alle Euch noch gerne so schimpft!

Und wer immer sich die kranke Mär von den höchst verdächtigen Verstrickungen der Pharmaindustrie mit unserem Wissenschafts- und Politikbetrieb aus dem weichen Hirn gewrungen hat, der hat sich ganz sicher ein paar Pillen zuviel reingepfiffen. An unserem Gesundheitswesen sind schon ganz andere genesen, das ist so kerngesund wie unsere Bilanzen! Und Ihr könnt Euch todsicher sein: auch für Euch hoffnungslose Fälle haben wir 100 % eine passende Therapie, die Euch ein-für-alle-Male von Euren Hirngespinsten kurieren wird!

Das undurchdringliche, undurchsichtige und mächtige Lobbyisten-Netzwerk, das unsere demokratische Grundordnung mit ihren Mechanismen zur politischen und gesellschaftlichen Willensbildung systematisch aushebelt, zählt ja sowieso zu den perfidesten Verleumdungen, denen sich unsere blütenreine Demokratie je ausgesetzt sah. Diese beispiellose Schmutzkampagne grenzt an Sabotage, und geht ganz sicher auf das Konto völlig gewissenloser Anarchisten, denen wir mit allen legalen Mitteln der Terrorbekämpfung (Stichwort: Drohnentod) zu Leibe rücken werden.

Gerade zum Thema eklatantes und höchst anrüchiges Versagen staatstragender Institutionen und Behörden, wie insbesondere des Verfassungsschutzes, hat es ja in jüngerer Zeit unfassbar subversive Lügenpropaganda gegeben. Wie andere Weltdemokratien (vor allem die der U.S.A.) sieht sich unser vollkommen unbestechlicher Rechtsstaat fortgesetzt subversiven Angriffen verblendeter Verleumder ausgesetzt, die ihm willkürliche Bespitzelung, Ausspähung und Ausgrenzung rechtschaffener Bürger unterstellen.
Hier werden böswillig Staats- und Justizverschwörungen nach amerikanischem Vorbild konstruiert, die sich vorgeblich systematisch gegen Unbequeme und Whistleblower (z.B. Bradley Manning, Julian Assange, Edward Snowden, Fall Mollath, Dunkelziffer: unbekannt) richten sollen – ein Skandal!
Aber gerade darin beweist sich ein funktionierender Rechtsstaat, der gefeit ist gegen solches Gesockse: der Tatbestand der Subversion wie der vorsätzlichen Staatszersetzung ist längst erfüllt, die Beweise sind geführt, die Konsequenzen hat sich ein Jeder selbst zuzuschreiben. Unsere verschworene Gemeinschaft weiß sich zu wehren, Herrschaften, dass Ihr Euch da bloß nicht täuscht!

An Absurdität jedoch kaum mehr zu überbieten sind jene perversen Gedankenkonstrukte, die ausgerechnet der größten Demokratie der Welt fortgesetzte staatstotalitäre Verschwörungen gegen sogenannte Terrorverdächtige, gegen die eigene Bevölkerung, wie auch gegen befreundete Staaten auf der ganzen Welt unterstellen wollen.
Als ob die U.S.A. jemals weltweit und ungestraft gegen jedes geltende Völkerrecht Kriege vom Zaun gebrochen, Menschen willkürlich zu Vogelfreien erklärt, Unschuldige entführt, gefoltert, eingekerkert und hinterrücks ermordet hätten! Das Land ist im Krieg, Mann! Und im Krieg ist nunmal alles erlaubt, so ist das. Erst recht im Krieg gegen den Terror. Schonmal was von Waffengleichheit gehört, Ihr weicheierigen Friedenswichser? Als ob die U.S.A. jemals die größte Spionageverschwörung aller Zeiten angezettelt hätten, einen Abhörskandal beispiellosen Ausmaßes, der nichts weniger zum Ziel hat als die Kontrolle der gesamten Welt? Wer zur Hölle denkt sich nur solch einen Dünnpfiff aus? Als ob der Arm dieser Mächte so weit reichen würde, den Luftraum europaweit zu sperren, und ein Flugzeug mit Boliviens Staatspräsident Morales an Bord in Wien festzuhalten und durchsuchen zu lassen – auf den bloßen Verdacht hin, ein von den U.S.A. gesuchter Terrorverdächtiger (eben jener bereits erwähnte Whistleblower Edward Snowden) könnte mit an Bord sein? Welchen Film haben die denn gesehen? Als ob die europäischen Regierungsvertreter, allen voran unsere stets zu allem entschlossene Bundeskanzlerin, eine derart eklatante Luft- und Bodenpiraterie auf europäischem Souveränitätsgebiet nicht nur widerspruchslos hinnähmen, sondern willfährig mittrügen?
Das ist so abgrundtief absurd lächerlich, das spottet jeder Beschreibung. Jeder, der das glaubt oder verbreitet, sollte sich zu seinem eigenen Besten umgehend in Behandlung begeben: http://web.de/magazine/nachrichten/ausland/17590108-suche-snowden-boliviens-praesident-wien-landen.html#.A1000145
Dass ich nicht LOLLE! LOL! LOL! Doppel-LOL!

Die große Weltverschwörung gegen uns alle ist längst in vollem Gange, und die Tatsache, dass du geneigt bist, genau das hinter all’ diesen objektiv bestehenden und nachweisbaren Skandalen und Ereignissen zu vermuten, macht Dich, lieber Leser, automatisch zum Terrorverdächtigen! Das heißt, jeder Verschwörungstheoretiker ist eigentlich schon so gut wie der Verschwörung gegen diesen Staat, nein, gegen die über jeden Zweifel erhabene Wertewelt der westlichen Demokratien an sich, überführt.
Und: Auch die Tatsache, dass Du vielleicht unter Verfolgungswahn leidest, bedeutet noch lange nicht, dass sie in Wirklichkeit nicht längst hinter dir her sind.
Jedoch: Eigene Ängstlichkeit, Dummheit, Trägheit und/oder Gleichgültigkeit sind keine Entschuldigung für die schafsgleiche Duldung dessen, was gerade mit uns passiert.
Auf dem Sterbebett zu röcheln und zu jammern: „Ich habe mich geirrt, vergebt mir!“ ist kein Zeichen von Größe, sondern eine Bankrotterklärung des eigenen Lebens. Und was viel schwerer wiegt: es kann den Bankrott der Hinterbliebenen bedeuten. © Siegfried Galter, 06.07. 2013

Ehre, wem Ehre - Sold, wem Sold!

Mittwoch, Februar 29th, 2012

Der Wulff und die sieben (Geld-)Scheißlein

Deutschland, hast Du das gewollt?
Dass der Rubel richtig rollt -
für jene, die es sich verdient
indem dem Staat sie treu gedient!
Geschenkt!

Das ist wohl auch in Volkes Sinn:
Dem treuen Diener uns´res Staates,
der sauber trennt Staat und Privates,
dem sei sein Lohn sehr wohl vergönnt -
wenn vom Amt er sich dann trennt
nachdem die Dienstzeit wohl zu End`
Denn Dienst ist Dienst
und Rent` ist Rent`
Drum gebt`s ihm frohen Mutes hin!

Jedoch mit Wulff?
Kein Staat zu machen!
Ach, dass mich doch der Geier holt!
Wie kann der sich ins Fäustchen lachen!
Deutschland ist ihm nicht mehr hold
und doch kriegt der den Ehrensold?

Für welche Ehre, bitte schön?
Als Söldner mag er wohl noch gelten,
der sich für kleines Geld verdingt
Doch so viel Unmaß gab es selten:
Den Ruhestand kriegt er vergoldet
weit vor der Zeit – fürstlich besoldet
wenn große Münze ihm jetzt klingt!

Wie soll sich da der Michel wähnen,
der unter Buckeln, Schweiß und Tränen
sein täglich` Brot nur karg erlangt
und jetzt um seine Rente bangt?

Er kann nur knirschen mit den Zähnen
und hoffen, dass er nicht erkrankt
um weiter für das Vaterland
und seine sauberen Vertreter
zu schuften bis ins frühe Grab:
Denn die Qual kennt keine Wahl.
Und Volkes Wille ist sein Wohl.

Leistungsträger braucht das Land!
Stattdessen hat es Volksvertreter.
Und die Bürger?
Fußabtreter.

© Siegfried Galter, 29.02. 2012

Stahlgewitter? Theaterdonner!

Montag, Januar 9th, 2012

In Stahlgewittern standhaft!

In Stahlgewittern standhaft!

So viel Klimawandel war nie: Unwetterwarnung für Schloss Bellevue. Da braut sich immer mehr zusammen – von wegen schöne Aussicht! Blitz und Donner statt eitel Sonnenschein. Sicher - bei so viel Vernebelungstaktik und wattewolkigen Aussagen, da kann sich der Horizont schon einmal verdüstern über Berlin. Aber Stahlgewitter? Kachelmann, ick hör`Dir trapsen! Das zieht einem doch glatt die Schuhe aus.
Er sei zuversichtlich, dass “dieses Stahlgewitter bald vorbei ist”, ließ Christian Wulff gegenüber den Mitarbeitern des Bundespräsidialamts nach einem nicht dementierten Bericht der gestrigen “Bild am Sonntag” verlauten.
Was wollte Wulff mit dieser Frontschwein-Metapher Ernst Jüngers wohl zum Ausdruck bringen? Feuertaufe für einen Rookie? Stahlbad-Läuterung für einen Aufrechten? Nur die Harten kommen in den Garten? Wer nur eisern genug an seiner Position festhält, wird dem stahlbrechenden Blitzkrieg schon widerstehen? Oder: weiterhin schön im Schützengraben in Deckung bleiben, bis der Feind von alleine kapituliert? Dazu würde seine weitere Aussage passen, dass „in einem Jahr diese Affäre vergessen“ sei. Aber wo und wer ist der Feind? Unsere freiheitlich-aufrechte Bild-Springer-Presse, unermüdliche Verteidigerin der eigenen Meinungsfreiheit? Die vereinigten Moralisten und Wutbürger, die den Präsisenten aufs Korn genommen haben? Die erzürnten, von muslimischen Umstürzlern inspirierten Schuhschwenker vor dem Bundespräsidial-Schloss? Die unerschrockene und schlagkräftige, zu allem entschlossene Opposition? Womöglich gar Verräter und Überläufer aus den eigenen Reihen?
Oder war es einfach nur Blech, was der Wulff da wieder geredet hat, Blech, mit dem man früher hinter den Kulissen so schönen Theaterdonner produzieren konnte, indem man es hin- und herschwenkte, bis es wummerte? Mit bedrohlichem Geschützdonner von der Front keinesfalls zu verwechseln, und für heroische Posen denkbar ungeeignet.
Da kann man schon bedröppelt dastehen als Präsident, mit einem immer löchriger werdenden Schirm, wenn sich dann der Vorhang der Verschleierung hebt. Vom Regen in die Traufe, oder steter Tropfen höhlt den Stein. Das Stahlgewitter dräut und blitzt. Das Deutschlandfähnchen über Schloss Bellevue knattert im Wind. Die Einschläge kommen näher für unseren obersten Repräsentanten, und es kommt der Querschläger, der das Fass zum Auslaufen bringt. Und dann rettet, vielleicht, noch das weiße Fähnchen der unvermeidlichen Kapitulation.

© 09.01. 1012 Siegfried Galter

GÄHN! Vom tödlichen Ennui des Erwartbaren.

Mittwoch, Januar 4th, 2012

Erzählt uns doch EINMAL `was Neues!

Erzählt uns doch EINMAL `was Neues!

Ackermann ist ein A-A-Männchen. Köhler hat hingeschmissen*. Wulff ist unhaltbar und uneinsichtig. Guttenberg ist unfähig, uneinsichtig und unaufhaltbar. Pofalla ist… wer ist nochmal Pofalla? Merkel ist alternativlos.
Westerwelle ist der Vorläufer von Rösler. Rösler ist zum Weglaufen gut. Die FDP ist ein Auslaufmodell. Rot-Grün und Grün-Rot blockieren sich gegenseitig. Die Linke ist nicht regierungskonform. Deutschland ist Weltmeister. Deutschland war Weltmeister. Deutschland wird Weltmeister.
Der Euro wird gerettet. Der Euro wird gerettet. Der Euro wird gerettet. Europa ist eine Einheit. Es gibt keine rechte Gewalt. Der Terror von links muss bekämpft werden. Multikulti ist gescheitert. Wer sich nicht integrieren will, kann jederzeit emigrieren. Wir sind Weltmeister. Wir sind Papst. Der Papst ist unschuldig. Es gibt keinen Missbrauch in der katholischen Kirche. Der Vatikan hat immer recht. Die GEZ braucht keine Wähler. Die Banken sind böse. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen. Der Wähler/die Wählerin ist politikverdrossen. Die BRD ist eine Demokratie. Die BRD ist eine Demokratie. Der Verfassungsschutz schützt uns alle. Die BRD ist alternativlos. Der Stresstest für Wutbürger ist eine deutsche Erfindung. Es gab nie eine DDR. Gorleben ist.. was war nochmal in Gorleben? Die Energiewende ist eine Erfindung der CDU. Die Asse ist abgesoffen. In Deutschland waren Nazis immer schon eine ungefährliche Minderheit. Die deutsche Automobilindustrie ist der Motor unserer Wirtschaft. Wer arbeiten will, findet auch Arbeit. Fukushima ist überall. Es gibt keinen Klimawandel. Der Klimawandel ist beherrschbar. Der Klimagipfel bleibt ergebnisoffen. Es war nicht alles schlecht im tausendjährigen Reich. Europa wird in Brüssel erledigt. Wir brauchen mehr Mobilität, also mehr Autos und Autobahnen. Der Palästina-Konflikt ist festgefahren. Die Muslime sind selbst schuld. Made in Germany ist Made in Germany. Mindestlohn ist etwas für Arme. Der Markt wird’s schon richten. Wer nichts zu verbergen hat, kann ruhig die Hosen runterlassen. Wir sind alternativlos. Wir haben 2012. War `was?

* Wer oder Was passt nicht in diese Reihe?

© Siegfried Galter, 04.01. 2012

Griechenlands Hoffnung – und Untergang

Freitag, November 4th, 2011

Eule mit Weile - quo vadis Athena?

Eule mit Weile - quo vadis Athena?

Von den Griechen lernen, das hieß einst: Listen lernen (zu Zeiten des Odysseus).
Von den Griechen lernen, das hieß einst auch: Demokratie lernen (zu Zeiten des Aristoteles).
Dann hieß es lange auch: Kämpfen lernen (zu Zeiten des diktatorischen Terros eines Adolf Hitler und eines Georgios Papadopoulos).
Heute können wir von den Griechen wieder hoffen lernen.
Hoffen darauf, dass Demokratie irgendann doch mehr sein möge als der verschobene Proporz von Parteien und Großfinanz.
Hoffen darauf, dass Vernunft und Augenmaß vielleicht eines Tages doch stärker werden könnten als Gier, Größenwahn und Machtgehabe.
Aber. Wie gerade erst in meinem vorletzten Beitrag ausgeführt, ist die Hoffnung eines der perfidesten Folterinstrumente, über die der Mensch verfügt.
Deshalb heißt von Griechenland lernen für uns alle jetzt wieder: schmerzliche Erkenntnis lernen.
Wie das?
Gerade erst noch durften wir hoffen, dass in Griechenland jetzt alles wieder gut wird, weil wir in einer epochalen gemeinsamen Anstrengung den geheilgten €uro, und damit die gesamt€uropäische Vision, wenn nicht sogar die -Union, gerettet hätten.
Auch die Griechen waren, gewisser Uneinsichtigkeiten um Trotz, bereit, sich auf diese teure Hoffnung einzulassen. Dann wieder machte der noch amtierende Staatspräsident Papandreou in einer kühnen Volte diese Hoffnungen mit einem Schlage zunichte! Dieser verantwortungslose Strolch hatte doch das vermessene Ansinnen, in völlig pervertiertem Demokratieverständnis sein VOLK über diese Fundamentalfrage abstimmen zu lassen, ob und wie das Schicksal der griechischen Nation künftig mit dem des €uro verbunden bleiben sollte. Odysseus, der listenreiche, lässt grüßen! Ja, ist der Mann denn kommplett wahnsinnig? DAS VOLK? VOX RINDVIEH soll über seine eigene Zukunft befinden, und darüber auch noch abstimmen? DA KÖNNTE JA JEDER KOMMEN?! DIE ZUKUNFT DES €URO, die der BANKEN, und damit unser aller Zukunft hängt davon ab, dass da jetzt alles in geordneten Bahnen verläuft, und gefälligst keiner kleinstaatlerisch querschießt, oder dumm reinquatscht, bitteschön!
Wir sind eine Schicksalgemeinschaft, und haben uns auf Leben und Tod dem €uro verschworen. Wer da aussteigen will, ist schon so gut wie tot. Schließlich sitzen wir alle in einem leckgeschlagenen Boot, und da soll gefälligst jeder Brackwasser schaufeln, so gut er eben kann. Über Bord geworfen wird er noch früh genug.
Papandreou hat man das jetzt zu guter Letzt doch noch begreiflich machen können, Merkel, Sarko und Co. sei Dank!
Die €urokratische Demokratie hat auf ganzer Linie gesiegt, Papandreou kann gehen, nachdem man an ihm ein Exempel statuiert hat. Weiter so!
Und weil europäische Demokratie nach Griechenland zu bringen so sinnvoll ist, wie die berüchtigten Eulen nach Athen zu tragen, zum guten Schluss hier noch`n Gedicht (man beachte bitte die Jahreszahl!):

Griechenlands Hoffnung

1827.
Es ging das Jahr in mattem Schlummer
Verachtet seinem Ende zu,
Im Osten wühlt der alte Kummer,
Und um uns her ist Grabesruh;
Das Licht der Wahrheit – mag`s ersterben!
Das Volk der Freiheit – mag`s verderben!

Geht, hoffet noch auf Wunderwerke,
Und glaubt, daß euer rost`ger Stahl,
Hineingesandt, die Schwachen stärke,
Zu trotzen Feinden ohne Zahl!
Geht, reicht den Weibern, Kindern, Greisen,
Fünf Gerstenbrote, sie zu speisen!

So sprach der Zweifel, hohen Hauptes
Ging er durch unsre Straßen hin;
Den Geiz erfreut`s, die Schwäche glaubt es,
Der kalten Bosheit däucht`s Gewinn:
Jetzt ist die letzte Glut verglommen,
Ja, bleiern wird die Nacht jetzt kommen!

Und anderwärts hebt schon die Schande,
Die Thorheit schon ihr Banner dreist: –

Da regt sich an Europens Rande
Der niebezwungne, freie Geist;
Im Land, um das die Fluten wallen,
Läßt Ein Mann seine Stimme schallen.

Wer heftet nicht auf Ihn die Blicke,
Von dessen Mund die Rede weht,
Daß durch die langsamen Geschicke
Der Zeit ein Fieberschauer geht,
Und daß von seinem Wink erschüttert
Der dumpfe, ferne Süden zittert!

Zwar gilt es nicht dem armen Volke,
Das schmachtend nach dem Ritter blickt,
Auf das die steh`nde Wetterwolke
Vertilgungsstralen niederschickt:
Doch darf das eine Leid schon hoffen,
Wenn andrem Leid ein Ohr steht offen.

O die ihr Worte habt wie Schwerter,
Beschwingte Schiffe, Waffen, Gold:
Dort drängt die Wut, die Not noch härter,
Als wo der Mönch die Fahn` entrollt;
Dort, wo das Sichelschwert seit Jahren
Wild durch die fremde Saat gefahren.

Die Saat des Korns, die Saat der Helden,

Der Mütter und der Kinder Saat!
In Haufen liegen sie und melden,
Was dort der Schnitter niedertrat!
Dort helft, dort stellt euch an die Spitze,
Dort schleudert rettend eure Blitze.

Ihr aber, ihr in allen Landen,
Die noch erweichet andrer Not,
Auf, laßt uns rütteln an den Banden,
Auf, theilet euren Bissen Brot;
Daß hier und dort ein Arm, der bebet,
Erstarkt zum Kampfe neu sich hebet.

Die Zeit blickt uns mit Hoffnungsaugen
Tiefsinnig funkelnd, fragend, an;
Jetzt will sie Herzen, welche taugen,
Jetzt rüst`ge Wandler ihrer Bahn.
Drum nicht mehr lau, nicht mehr verzaget;
Laßt wirken uns, so lang es taget!

Gustav Schwab (1792-1850)

© für den Rest: Siegfried Galter, 04.11. 2011

Alles Alzheimer, oder was? Oder wann? Oder wer? Oder wie?

Mittwoch, September 14th, 2011

Auf der T-online webseite am gestrigen 13.09.2011 gab es unter dem Themenblock „Lifestyle“ einen besonders differenzierten und aufschlussreichen Beitrag zum Thema Demenz (vulgo: Alzheimer) und deren Früherkennung zu lesen.

Das Gesicht politischer Demenz? Sowohl alz auch!

Das Gesicht politischer Demenz? Sowohl alz auch!

Demnach gibt es alarmierende Warnsignale dafür, dass Großteile unseres politischen und administrativen Overheads schon massive Anzeichen dieser mentalen Verfallserscheinung aufweisen, hier aufgeschlüsselt nach den

Acht Anzeichen für Alzheimer

1. Eingeschränktes Urteilsvermögen
„Führen Fehleinschätzungen – beispielsweise in finanziellen Dingen - auffällig häufig zu falschen Entscheidungen, kann das ein Hinweis auf Alzheimer sein.“
Dazu nur folgende Stichworte: Staatsüberschuldung, Bankenkrise, Börsenkrach, Euro-Pleite, Finanzlöcher, krasse Fehlkalkulationen bei fast allen öffentlichen Planungs-und Bauvorhaben … (ad infinitum fortsetzbar)

2. Nachlassendes Interesse an Hobbys

„Alzheimer-Patienten verlieren allmählich ihr Interesse an Hobbys und Aktivitäten. Hat dieses Interesse bei einem Menschen stark nachgelassen, steckt möglicherweise die Alzheimer-Krankheit dahinter.“
Wir wissen nicht, was der/die gemeine Volksvertreter/in, Entscheider/in, Lobbyist/in in seiner/ihrer knappen Freizeit so tut und lässt. Tatsache ist, dass das Gros der Hinterbänkler in Parlamenten und Administration doch nur sein Mandat aussitzt, falls Er oder Sie überhaupt durch Anwesenheit glänzt. Die Übrigen können auf Grund ihrer engmaschigen Verflechtung in Staats-, Wirtschafts- und Personalmachenschaften rein zeitmäßig überhaupt kein Hobby oder gar anderweitige Interessen pflegen als die des Machterhalts und der Vetternwirtschaft. Von Volks- oder Mandatsinteresse jedenfalls keine Spur – mit weiter zunehmender Demenz-Tendenz.

3. Wiederholung von Fragen und Geschichten

„Ältere Menschen erzählen gerne die gleichen Geschichten. Doch wenn auch Fragen und einzelne Sätze auffällig häufig wiederholt werden, kann dies ein Frühsymptom von Alzheimer sein.“
Gebetsmühlenhaft vorgetragene Leerfloskeln, immergleiche Formulierungen, Binsenweisheiten und Appelle bis hin zu wortgleich wiederholten Parteiphrasen (Westerwelle und Co.) sind doch geradezu prototypisch für unsere Politik-Schranzen und Wirtschaftsvertreter. Diagnose: Fortgeschreitende Demenz, und zwar quer durch alle Altersschichten.

4. Schwierigkeiten, mit Geräten umzugehen
„Senioren haben manchmal Schwierigkeiten mit technischen Neuerungen. Gelingt einem Menschen auch die Bedienung einfachster Geräte nicht, ist dies ein Warnzeichen.“
Dabei wollen wir es wiederum bei einem Zitat Guido Westerwelles belassen: „… ein Computer ist für mich ein ganz einfaches Instrument, so wie ein Hammer oder ein Nagel.“
Aber Westerwelle ist da natürlich nicht repräsentativ, und außerdem schon ein echter Senior. Ebenso wie Christian Ströbele, der, befragt, ob er denn einen Computer besitze, antwortete: „Leider ja!“ (Immerhin konnte er sich noch daran erinnern…)

5. Verlust des Zeitgefühls
„Vergesslichkeit muss nicht gleich Demenz bedeuten. Wenn ein Mensch jedoch vergisst, in welchem Monat oder Jahr er sich befindet, kann dies ein Hinweis auf Alzheimer sein.“
Die meisten Enscheidungsträger in diesem unserem Lande, wie übrigens auch anderswo, befinden sich entweder ein einer Endlos-Zeitschleife der Vergangenheit, oder ergehen sich in Zukunftsvisionen ohne jeden Realitätsbezug. Von einer realistischen Wahrnehmung der Gegenwart oder wenigstens einem konsistenten Zeithorizont kaum eine Spur. Höchste Alzheimer-Alarmstufe!

6. Schwierigkeiten mit den Finanzen
„Wenn Menschen den Überblick über ihre Finanzen verlieren, sollten Angehörige hellhörig werden.“
Siehe Punkt 1. oder auch hier bei youtube oder wars doch eher hier?

7. Termine und Verabredungen vergessen
„Eine Verabredung kann jeder mal verschwitzen. Doch wenn wichtige Termine immer wieder vergessen werden, ist das ein Warnzeichen.“
Pflichtvergessenheit und vor allem chronische Vergesslichkeit, was voreilige Wahlversprechen und -zusagen betrifft, kennzeichnen das flüchtige Leben in der Scheinwelt der Politik. Abreden und Koalitionszusagen haben oft nur eine Halbwertzeit von einem Wahlabend – wenn das kein alarmierendes Warnsignal ist?


8. Bestehende Probleme beim Denken und Erinnern

„Wenn Probleme mit dem Denken und Erinnern über längere Zeit bestehen bleiben oder sich sogar verstärken, kann dies ein Hinweis auf Alzheimer sein.“
Auch hier sei es bei einer kleinen Auswahl prominenter Stichworte und Namen belassen:
„Amigo“-Affäre, CDU-Parteispendenskandal, Bayern-LB, Spiegel-Affäre, Flick-Affäre, Zwick-Affäre, Heinrich Lübke, Hans Filbinger, Otto Graf Lambsdorff, Wolfgang Schäuble, Uwe Barschel, Jürgen Möllemann, Klaus Landowsky, Otto Wiesheu, Karlheinz Schreiber, Theodor von und zu Guttenberg, Bill Clinton, George W. Bush, Horst Seehofer, Edmund Stoiber, Muammar al-Gaddafi, Robert Mugabe, Idi Amin, Roland Koch, Manfred Kanther, Erich Honecker, ….and whom ever else it may concern ….

© Siegfried Galter, 14.09. 2011

Seid verschlungen, Milliarden! Ode an die Räuber

Donnerstag, August 25th, 2011

Die Räuber sind unter uns!

Die Räuber sind unter uns!


„Denk´ ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht“ -
so klagte einst der letzte Romantiker deutscher Dichtung, Heinrich Heine, sein Leid über sein geliebtes und doch so unbegreiflich sprödes Heimatland.
Denk´ ich hingegen an Schiller, muss ich immer an „Die Glocke“ denken, deren schulmeisterlich auferlegtes auswendig-Dahersagen mir noch jahrelang übel nachklang.
Aber natürlich fallen mir auch „Die Räuber“ ein, vor allem, wenn ich an Deutschland denke, nicht nur des Nachts. Denn Deutschland, wie auch der Rest der globalisierten Welt, ist längst unter die Räuber gefallen.

Zu Schillers Zeiten waren ja selbst die Räuber noch eine Bande mit gewissen Wertvorstellungen und einem berufsspezifischen Ethos, der sogar die Möglichkeiten der Reue und der Wiedergutmachung nicht kategorisch ausschloss. Wohl deshalb sah sich der Dichter bemüßigt, vier Jahre nach seiner Räuberpistole die Ode „An die Freude“ zu verfassen, die ja dann aufs Kongenialste von Beethoven sinfonisch veredelt wurde, Zitat:

(Chor):
Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuss der ganzen Welt!
Brüder – überm Sternenzelt
muß ein lieber Vater wohnen.

(ob damit etwa der alte Vater Staat gemeint war? Eher wohl nicht.)

Heute ist es gang und gäbe, dass vor allem Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik eine höchst kriminelle Energie an den Tag legen, im Bestreben, der ganzen Welt Ihren Allerwertesten zum Kusse darzubieten. Wobei sie sich allerdings längst nicht mehr mit popeligen Millionen zufrieden geben. Diese Armenwährung mit 6 Nullen war allenfalls noch bis in die späten 80er Jahre des vergangenen Jahrtausends eine Größenordnung, mit der sich Staat machen ließ. Heute hat doch jede Kommune, die halbwegs etwas auf sich hält, mindestens ein Milliardendefizit vorzuweisen, von ausgewachsenen Staatswesen gar nicht erst zu reden. Mit solchen Peanuts gibt man sich einfach nicht mehr ab in Zeiten der uneingeschränkten Wirtschaftsfreiheit:
„Das Gesetz hat noch keinen großen Mann gebildet, aber die Freiheit brütet Kolosse und Extremitäten aus.” (Moor in DIE RÄUBER)
Die Banker, Spekulanten und Wirtschaftliberalen unserer Zeit haben ihren Schiller offenbar nachhaltigst verinnerlicht.
Der fahrlässig leichtfertige Umgang mit astronomisch hohen Summen hat nebenbei zur Folge, dass wir alle auf Grund dieser äußerst inflationären Entwicklung komplett abgestumpft sind für das wahre Ausmaß der Verschwendung und Verschuldung, die allenthalben auf unsere Kosten betrieben wird. Die MILLION, zu Schillers Zeiten noch ein astronomischer Wert und bis in die 80er Jahre noch eine magische Summe, wurde regelrecht marginalisiert. Selbst Lotto- und andere dahergelaufene Feld- Wald- und Wiesenmillionäre sind doch eigentlich nur noch arme Schlucker heutzutage, machen wir uns nichts vor. Unter einer MILLIARDE braucht uns doch heute gar keiner mehr zu kommen, wenn er ernst genommen werden will, ist es nicht so?

Und was macht der einfache Mann auf der Straße? So ganz ohne Milliardenpolster auf der hohen Kante oder zumindest einer adäquaten Schuldensumme als Rückendeckung, die ihn ein für allemal seinen Gläubigern entzieht?

Der zahlt einfach mit seinem guten Namen. So leicht geht das:

„Ehrlicher Name! Wahrhaftig eine reichhaltige Münze, mit der sich meisterlich schachern läßt, wer´s versteht, sie gut auszugeben.“ (Franz in DIE RÄUBER)

Naja, netter Versuch, Herr Schiller, aber leider nicht mehr ganz zeitgemäß, fürchte ich.
Ich darf Sie hier wiederum aus Ihrer Ode zitieren:

Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahndest du den Schöpfer, Welt?

Als hätte er´s geahnt, was uns mit dem Euro und dem Weltwirtschaftsgetöse so blühen wird. Es lebe der puritanische Weltgeist, der die Erfolgreichen belohnt. Die anderen Loser haben hinnieden halt das Nachsehen:

(Chor):

Duldet mutig, Millionen!
Duldet für die beßre Welt!
Droben überm Sternenzelt
wird ein großer Gott belohnen.

Aber Schiller wäre nicht unser Räuberheld, wenn er nicht auch für die Sozialverlierer sein Herz zeigte:

Chor:

Unser Schuldbuch sei vernichtet!
ausgesöhnt die ganze Welt!
Brüder – überm Sternenzelt
richtet Gott wie wir gerichtet.

Und weiter:

Brüder, gält’ es Gut und Blut –
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der Lügenbrut!

Bevor ich mir hier noch eine staatliche Verfolgung wegen Aufwiegelung und Rädelsführerschaft einhandle, oder gar unter Terrorverdacht gerate, will ich´s wohl dabei belassen, und mich auf eine bescheidne Werteordnung berufen, die nach Schiller wahrhaft würdig ist:

„Hast du etwas, so teile mir´s mit, und ich zahle, was recht ist! Bist du etwas, o dann tauschen die Seelen wir aus.“
(Friedrich Schiller, Das Werte und Würdige)

So soll es sein, so machen wir´s!
© 25.08.2011 Siegfried Galter in Kooperation mit weiland F. Schiller