Archive for the ‘Währungskrisen’ Category

Von Hebeln, Hämmern, Nägeln und anderen Folterwerkzeugen

Donnerstag, Oktober 27th, 2011

Den €uro schmieden, so lange, bis er weg ist.

Den €uro schmieden, so lange, bis er weg ist.

„Wer nur den Hammer als Werkzeug kennt, für den ist jedes Problem ein Nagel!“
Dieses erkenntnishafte Zitat sei hier vorangestellt für all` jene, die glauben, in Europa würden jetzt endlich „Nägel mit Köpfen“ gemacht.
Es gibt in der Menschheitsgeschichte immer wieder selbst erschaffene Phänomene und Problemstellungen von Ausmaßen, die unter die Rubrik „too big to fail“ ebenso fallen wie unter „too big to reverse“.
Zu deutsch: Die angerührte Scheiße ist derart gigantisch, dass der einzige Weg, sie aus dem Wege zu räumen, der ist, immer noch mehr Bullshit draufzuschaufeln (bekannt auch als das altbewährte Patentrezept „more of the same shit“).
Und darauf zu warten, dass irgendwann wenigstens Biogas oder Kompost daraus entstehen möge. Nun, die Hoffnung ist seit je eines der perfidesten Folterinstrumente, mit denen uns die Politik zu quälen versteht.
Prominente Beispiele dafür liefern z.B. die erwiesener Maßen völlig sinnlose Zeitumstellung auf Winter und Sommer, bürokratische Monster wie die sog. „Umweltplakette“, die Müll-Mogelpackung „Grüner Punkt“, oder das beliebte, und weltweit immer wieder fröhlich wider besseres Wissen, Wollen und Gewissen exerzierte Wettrüsten. Von solchen Petitessen wie Klimaveränderung und Umweltzerstörung wollen wir hier gar nicht erst anfangen.
In den vergangen zwei Jahren durften wir also Zeuge werden, wie der €uro von einer goldglänzenden Weltwährung zu einem Altmetall-Derivat von zweifelhaftem Wert umgeschmiedet wurde. Offenen Maules durfte der Eurobürger an diesem epochalen Ereignis teilhaben, stieren Auges in die lohende Esse (die glodernde Lut, ähhh, die ludernde Glot, äääh, die gludernde Lot…) blickend, und dabei auch noch ein horrendes Zwangsgeld für dieses schauderliche Schauspiel entrichtend.

Und wie da die Funken flogen! Und wie da der Hammer geschwungen wurde! Und wie da immer mehr schimmernde Substanz dahinschmolz, während die Esse nahezu manisch-wahnhaft immer heißer befeuert wurde mit Tonnen von Papiergeld und völlig wertlosen Wertpapieren! Hui! Beim Odin und beim Thor, das Tor zur Hölle ist ein lauwarmer Furz gegen das Höllenfeuer, das unsere smarten Banker da entfachten, und welches unsere erbärmlichen Politiker nicht kontrollieren wollten oder konnten.
Oder habe ich da etwas falsch gesehen, und man war nur dabei, einen gewaltigen Hebel zu schmieden?! Das würde alles erklären!

Jetzt also der €uro-Rettungsschirm. Mit Furz und Feuerstein und Hebelwirkung, weil:
„Gewaltig ist des Schlossers Kraft, wenn er mit dem Hebel schafft!“
Wunderbar, so lange der Schlosser weiß, was er da tut, und dass die Hebelkraft nicht nur einen Punkt braucht, um den Hebel anzusetzen, sondern, dass die Hebelkraft auch in die entgegengesetzte Richtung wirken kann. Und, vielleicht am allerwichtigsten: Dass die Unterlage auch der aufgewandten Hebelkraft stand halten muss. So viel zum Thema Werkzeugeinsatz. Aber ob Hammer oder Hebel – wenn die Grundsubstanz nichts taugt, dann wird der Weg zum Abwracker unumgänglich sein. Früher oder später.

Das heißt im Klartext: Wenn hier ein Werkzeug angebracht ist, dann ist es der Hammer eines Auktionators, der im Rahmen einer Gesamtinsolvenz versucht, noch einen kümmerlichen Restwert aus der Konkursmasse herauszuschlagen: Drei, Zwei, Eins, Aus. Und alles unsers!

© Siegfried Galter, 27.10. 2011, Bild: fotolia

Schuldenkrise: Von Bankrott- und anderen Erklärungen

Donnerstag, Juni 30th, 2011

Wie lange währt eine Währung?

Wie lange währt eine Währung?

Kann man bankrott sein, und trotzdem liquide bleiben? Man kann. Nicht nur der Weltgigant USA exerziert uns dieses Kunststück mit immer atemberaubenderer Finanzakrobatik Tag für Tag vor. Die Schuldenbilanz der USA astronomisch zu nennen, wäre angesichts des aktuellen US-Staatsdefizits von 14.000 Mrd. (oder in größeren Einheiten und kleineren Zahlen: 14. Bio.) Dollar (in absoluten Zahlen: $ 14.000.000.000.000,-) ein reiner Euphemismus.

Dagegen sind die Griechen die reinsten Korinthenkacker.
A propos: Alexander der Große war alles andere als das. Dem sagenumwobenen König von Makedonien (Region im heutigen Griechenland) und Hegemon des Korinthischen Bundes gelang es seinerzeit, die Grenzen seines Reiches bis an den Indischen Subkontinent auszudehnen. Nach seinem Einmarsch in Ägypten wurde er dort als neuer Pharao begrüßt.
Das könnte ihm heutzutage womöglich auch wieder passieren…
Mit seinem Regierungsantritt begann das Zeitalter des Hellenismus, dessen kulturelle Traditionen den politischen Zusammenbruch der damaligen griechischen Welt überdauerten, und noch Jahrhunderte in Rom sowie in Byzanz fortwirkten.
Was vom ersten „echten“ Weltreich der menschlichen Geschichte übrig geblieben ist, können wir aktuell partiell u.a. in Griechenland besichtigen. Die ehemals so stolzen Hellenen sitzen heute auf den Ruinen einer längst zu Staub zerfallenen Hegemonie und einem Schuldenberg astronomischen Ausmaßes, und müssen zusehen, wie verfettete Touristen einer westlichen Weltmacht ihre eigentlich wertlosen Dollars verprassen.
Das tut weh, vor allem, wenn man gleichzeitig der Zeit nachtrauert, in der griechische Drachmen ein zwar wertloses, aber wenigstens inflationär verfügbares Zahlungsmittel waren.
Insofern wundert es wenig, dass es nicht so einfach ist, dem erzürnten Mann auf der Straße in Athen den bevorstehenden oder virtuellen Bankrott seines Landes zu erklären.

„Freiheit oder Tod“ dieser heroische Wahlspruch der Hellenischen Republik erhält im Zeichen der €uro-Krise eine völlig neue Aktualität. Denn dass „Jeder für sich alleine stirbt“, ist im Rahmen der €uro-Konstruktion so nicht vorgesehen. Also gibt es statt gnädiger Sterbehilfe, oder zumindest der Würde eines selbstbestimmten Niedergangs, nur das gnadenlose Mittel der künstlichen Daseinsverlängerung. Zwangsbeatmung im Angesicht akuten Organversagens. Teuerste Apparatemedizin gegen galoppierende Schwindsucht. Verlängert die Agonie, und gibt den Helfern das gute Gefühl, alles Menschenmögliche getan zu haben.
Auch wenn jeder weiß, dass es ein gigantischer Selbstbetrug ist. Die ehemals glanzvollen Sterne auf der EU-Flagge haben merklich an Strahlkraft eingebüßt, das Konstrukt zeigt erste massive Ausfallerscheinungen.

Sicher, der Stern der Griechen war schon länger im Sinken begriffen, aber vielleicht erhofften sie sich von der mächtigen Europa, die ja in der griechischen Mythologie eine herausragende Rolle spielt, den berechtigten göttlichen Beistand. Nebenbei ist der geheimnisvolle Jupitermond gleichen Namens ein Symbol für Strahlkraft schlechthin. Jedoch profitieren Monde stets nur vom Abglanz einer fernen Sonne.
Um im astronomischen Weltbild zu bleiben: Die kleineren Sterne eines Systems verglühen irgendwann. Die wirklich großen hingegen bleiben uns noch äonenlang als aufgeblähte „Rote Riesen“ erhalten, bevor sie einen Gravitationskollaps erleiden und in einer gigantischen Supernova verenden, um danach bedrohliche Schwarze Löcher zu hinterlassen, deren Antimaterie alles ins Verderben reißt, was sich ihnen fahrlässig nähert.
Mit anderen Worten: Wer nur groß genug ist, der hat immer die Chance auf einen grandiosen Abgang. Bankrotteure aller Länder, vereinigt Euch!
Die Hellenen aber, wenn sie nicht vom großen schwarzen Haushaltsloch verschlungen werden wollen, sind auf ewig dazu verdonnert, irgendwann alles zurückzubezahlen – und zwar auf Hellas und Pfennig!

© Siegfried Galter, 30.06.2011