Archive for the ‘Geschlechterkrisen’ Category

NSA – Nutrition, Sex and Anarchy - die dunklen Seiten von David Beckham

Freitag, September 13th, 2013

/The world of David Beckham
Do it like Beckham: Nicht viele sind talentiert, nur wenige sind berufen, und wenn es wirklich ans Eingemachte geht, trennt sich die Spreu vom Weizen. Das wird jedem klar, der sich auf den teils bizarren und stets von fleischlichem Witz durchdrungenen Kosmos des Comic-Illustrators David Beckham einlässt: Der Mann kennt keine Tabus, bzw. kennt er sie nur zu gut, und serviert sie uns, sauber ausgearbeitet, auf dem Präsentierteller. All you can eat: „Friss auf, was Dich auffrisst“ - and have fun!
Dagegen schaut der gleichnamige englische Mode-Kicker ziemlich blass aus, und die Skandälchen um den abgehalfterten Fußballstar und sein Modepüppchen Victoria sind nur ein lauwarmer Furz gegen den anarchischen Witz der Comics und Figuren seines amerikanischen Namensvetters.
Ein Vorkämpfer im Krieg gegen die krampfhaft übersteigerte Correctness unserer Tage, der subversiv den Radar der allgegenwärtigen Selbstzensur unterfliegt. Beckham, grüß’ mir die Sterne!

Rechte bei: David Beckham, http://www.davidbeckham-comics.com

La Jolie et la bête oder die Schönheit und das Biest

Freitag, Mai 17th, 2013

Angst essen Schönheit aufStets sieht sich die Schönheit durch das Häßliche gefährdet. Ebenso wie die Freiheit durch die Beschränktheit, oder die Ruhe durch den Aufruhr, die Gesundheit durch Krankheit. Der Frieden durch den Krieg. Die Gewissheit durch die Ungewissheit.
Genauso wie das Leben durch den Tod.
Keine Existenz ist denkbar ohne ihre elementare Gefährdung oder Infragestellung.
Und wir leben in unsicheren Zeiten, das ist gewiss. So gewiss wie die Statistiken, mit deren Hilfe wir uns wenigstens dieser Tatsache zahlenmäßig verbrieft versichern können.
Rauchen gefährdet unsere Gesundheit. Ebenso wie falscher oder übermäßiger Konsum nahezu aller anderen körpergängigen Substanzen und Verfahren, sei es Fleisch, Fett, Alkohol, Zucker, Medikamente und Drogen oder auch nur natürliches Sonnenlicht.
Von allen anderen Schadfaktoren, über die wir keine Kenntnis oder noch keine gesicherte Erkenntnis haben, einmal abgesehen.
Hält die statistisch belegte Schädlichkeit oder Gefährdung irgendeinen Nikotin-, Drogen-, Alkohol-, UV-, oder Fressjunkie davon ab, weiter an dieser selbstzerstörerischen Verhaltensweise festzuhalten? Selten genug. Wir verbrüdern uns mit unseren Todfeinden, umarmen sie innig und nehmen fatalistisch ihre statistisch signifikante und millionenfach erprobte Letalität in Kauf.
Gleichzeitig kämpfen wir verzweifelt gegen den sichtbaren Verfall, sei es mit Hilfe von Kleidung, Kosmetik oder Körperoptimierung bis aufs Messer - mit Selbstkasteiung, Chirurgie und und Alchemie.

Depression sei die Krankheit zum Tode, heißt es. Ich glaube, die Krankheit zum Tode heißt Todesangst. Sie lässt uns die aberwitzigsten Dinge tun, um dem Unvermeidlichen nicht ins Auge blicken zu müssen. Der Gegner hat uns längst umzingelt, der Sensenmann ist allgegenwärtig. Der Mensch ist des Menschen erbittertster Feind. Und am gefährlichsten ist der Feind in uns selbst. Ein heimtückischer Schläfer lauert in uns auf die Gelegenheit, uns mit körpereigenen Waffen hinterrücks niederzuringen. Krebs, die beängstigende Fratze jeder Horrorvision vom eigenen Ableben. Und jetzt also auch die eigenen Gene. Heute haben wir endlich die Erkenntnismöglichkeiten, den Beweis, und damit auch die Gewissheit: unsere eigenen Gene arbeiten gegen uns!
Wie es Gerhard Polt einmal so trefflich auf den Punkt brachte:
„Wenn die Gene erstmal versaut sind, helfen auch keine Prügel mehr!“
Aber in der modernen Chirurgie haben wir einen mächtigen Verbündeten! Wenn die statistische Wahrscheinlichkeit, an einer bestimmten Krebsart zu erkranken, genetisch quasi vorprogrammiert ist, dann operieren wir das hinterfotzige Teil einfach heraus, bevor eine entartete Zelle auch nur „Piep!“ sagen kann, und ersetzen es notfalls durch eine optimierte und harmlose Nachbildung.
So eine über 80-prozentige, statistisch abgesicherte Erkrankungswahrscheinlichkeit kann einem natürlich eine Scheißangst einjagen, gar keine Frage. Oh unglückselige Angelina, Dein Engelsgesicht soll den grausen Tod nicht schauen. Da heißt es knallhart kalkuliert handeln. Der Krebs oder ich. Den Feind vernichten, bevor er noch aus den Schützengräben ‘rauskommt. Das Biest muss sterben! Die Schönheit soll leben! Silikon statt Karzinom.

Unsere Todeswahrscheinlichkeit beträgt exakt 100 %. Massenhafte Präventiv-Selbstentleibung wäre angesichts dieser überwältigenden und statistisch unleugbaren Gewissheit das aktuelle Gebot der Stunde.
Wem das zu radikal ist, der kann ja, sozusagen als sorgsam abgestimmte „flexible response“ auf die statistisch vorliegende individuelle Gefährdungslage, nach und nach die Gefahrenherde eliminieren, indem er sich peu à peu von den in Frage kommenden Organen und Körperteilen trennt. Auf chirurgischem Wege, versteht sich, und unter begleitender Obhut von Spezialisten des Vertrauens. Heute die Prostata, morgen die Leber, dann später vielleicht noch Teile des Magens, suspekte Brüste, ein Fötus mit einer minderwertigen Gen-Disposition – alles muss ‘raus! Je nachdem könnte auch das Gehirn dran glauben müssen. Prävention tut Not – nichts wie weg damit, bevor es zu spät ist! Bei der Mehrheit sollte der Gewinn an potenzieller Lebensqualität den Verlust an Denkvermögen mehr als wettmachen. Bei nicht Wenigen wird sich dieser finale Eingriff mangels Masse ohnehin erübrigen. Und für unser marodes Gesundheitswesen tun sich langfristig völlig neue Perspektiven auf. Radikalprävention auf höchstem Level. Entledigt Euch! © Mai 2013 Siegfried Galter

DSK – ein Kürzel geht um die Welt

Dienstag, Juli 5th, 2011

DSK - was steckt wirklich dahinter? Die SEX-Kolumne?
Deutschland sucht den Kachelmann?
Der Strauss Ka(h)nn`s?
Oder handelt es sich um den genetischen Code für eine bedrohte Gattung?

Der Strauss ist ja als loser Vogel berüchtigt: Notorisch dicke Eier und immer einen langen Hals in Richtung Weibchen – damit kann man sich schon Respekt verschaffen in freier Wildbahn! Aber es kann selbst dem stolzesten Hahn passieren, dass er sich `mal versteigt.
Da muss man dann schonmal Federn lassen. Ist aber kein Grund, gleich den Kopf hängen zu lassen – oder?

Ein winziger Fehltritt kann manchmal den Kopf kosten - sogar in der Politik

Ein winziger Fehltritt kann manchmal den Kopf kosten - sogar in der Politik

Schon gar erst recht nicht, wenn man Strauss-Kahn heißt, unbeirrt nach höchsten Staatsämtern strebt, und sich bereits in komfortabelsten Positionen plustern durfte.
Man weiß auch gar nicht so recht, warum sich jetzt alle so künstlich aufblähen?
Ein Mann in seiner Position muss doch die Privilegien seiner Stellung ausleben dürfen? Und zwar in jeder gewünschten Stellung und Konstellation, bitte schön!

Auf dem Schlachtfeld der sexuellen Eroberungen hat Dominique der Dominante offenbar schon so manchen Strauss erfolgreich ausgefochten. Was der Kachelmann kann, kann Kahn schon lang! Ein wahrer SEX-Titan, hinter dem der gallische Hahn jetzt steht wie ein Mann. Naja, von ein paar unverbesserlichen, wahrscheinlich frustrierten Legehennen abgesehen, die jetzt hinterrücks Nestbeschmutzung betreiben, indem sie ihn mit uraltem Dreck bewerfen – pfui Teufel! Solche aufgescheuchten Journalistenhühner wie Ihr seid doch seiner Aufmerksamkeit oder gar seiner unzweifelhaften und offenbar unwiderstehlichen Manneskraft überhaupt nicht wert! So behauptet jetzt die Journalistin Tristane Banon, Strauss-Kahn habe versucht sie zu vergewaltigen, als sie ihn 2003(!) für ein Interview in seiner Wohnung aufsuchte. Der frühere französische Finanzminister sei wie ein “brünftiger Schimpanse” über sie hergefallen. Bitte?!
Abgesehen davon, dass ein solcher Bagatell-Vorfall nach einer solch langen Zeit nun wirklich keinen mehr umtreibt (abgesehen von den üblichen Verdächtigen, sprich: Verschwörungstheoretiker, Republikaner und unverbesserliche Emanzen):
Einen solch stolzen Vertreter seiner Gattung mit einem Primaten zu vergleichen, zeugt allerdings von nur rudimentären biologischen Kenntnissen.
Sicher – ich bin auch kein Ornithologe, aber eines weiß ich gewiss: Struthio camelus, der größte lebende Vogel dieser Erde, kann vielleicht nicht fliegen – aber er kann, will und wird ungehemmt vögeln! Solche sterben garantiert nicht aus. Und den Sozialisten in seinem Lauf halten weder Ochs, Esel noch Skandale auf. Vive la Révolution sexuelle! Vive la France!

© 05.07.2011 Siegfried Galter

Vom Windjammer zum Katzenjammer: GORCH FOCK - Deutschlands Renommierschiff – ein „schwimmender Puff“?

Freitag, Februar 4th, 2011

Die Unschuld weißer Segel. Die Sehnsucht weiter Meere. Die Häfen fremder Länder. Der Stolz der Marine. Die Ehre der Matrosen. Alles schneeweiße Gischt von gestern, vom Winde verwehte Seeromantik?

Eine Seefahrt, die ist lustvoll, ....

Eine Seefahrt, die ist lustvoll, ....


Wo selbst räudige Landratten und eingefleischte AntimilitaristInnen knieweich werden, ist ein Sehnsuchtsort auf hoher See: An Bord der schneeweißen Pracht-Segelyacht der Deutschen Marine, der GORCH FOCK, ist die Welt noch in Ordnung. So glaubte man wenigstens.
Klar, dass auf den sieben Meeren der Mensch in Gottes Hand ist – geschenkt.
Da kann und muss Neptun schon einmal ein kleines Menschenopfer dargebracht werden, von Zeit zu Zeit.
Aus hohen Wanten sah man sie fallen. Gefallene Mädchen am Anfang ihrer Offizierslaufbahn. Gefallen für Deutschland. SoldatInnenschicksal. Tragisch und todtraurig ganz ohne Zweifel. Doch davon geht die heile Welt unserer Bundesmarine nicht unter, und das Schulschiff der Nation erst recht nicht.
Belastbares Menschenmaterial ist nun einmal das Resultat harter und erbarmungsloser Auslese. IN THE NAVY gehts halt manchmal knallhart zur Sache. Opfer müssen eben gebracht werden fürs Vaterland und für die Führungskarriere, beim Klabautermann! Aber gleich zwei innerhalb von zwei Jahren? Ist dieser Blutzoll nicht doch etwas hoch für ein Traumschiff unter Deutscher Flagge? Ist ja schließlich kein Bananendampfer unter zweifelhaftem Kommando, unsere prachtvolle GORCH. Oder womöglich doch?

Plötzlich, aus scheinbar wolkenlos blauem Himmel, kämpft sich der Prachtsegler durch schwere See:
Die Sünden der Marine. Der Hochmut der Offiziere. Der Kleinmut der Kadetten. Der Grauschleier des Verdachts. Das Lotterleben an Bord. Die Rituale des Missbrauchs. Die Ungeheuerlichkeit der Vorgänge.
Alles nur übles Seemannsgarn? Von ruch- und disziplinlosen Meuterern in die Welt gesetzt? Oder steckt doch womöglich ein grundlegendes Führungsproblem dahinter?
Und wie geht es jetzt weiter mit der GORCH FOCK?
Klar Schiff und Weitermachen? Oder wird sie womöglich abgetakelt wie eine alte Hafenhure?

A propos: Unter all den ungeheuerlich anmutenden Vorwürfen und Äußerungen im Skandal um die GORCH FOCK treibt unser ganzes Land aktuell eine besonders perfide Aussage um:
Die glorreiche und schneeweiße Seekönigin sei in Wahrheit „Der größte schwimmende Puff Deutschlands“.
So die kolportierte Aussage eines Besatzungsmitglieds (ob mit oder ohne Glied, ist nicht belastbar überliefert)(!)
IN THE NAVY scheint es bisweilen eben auch recht feuchtfröhlich zuzugehen!
Aber halt! Wäre das nicht DIE Gelegenheit für einen fundamentalen Paradigmenwechsel?
Statt schneeweißer Segel sündige Laken. Statt in jedem Hafen eine Braut jede Menge Bräute an Bord! Und auch die Hardcore-Uniform-Fetischisten kommen auf ihre Kosten - Heidiewindsbraut!


"Ein Schiff wird kommen, und meine Sehnsucht stillen..."

Ein Schiff wird kommen, und meine Sehnsucht stillen...


„Ein Schiff wird kommen, und meine Sehnsucht stillen …“ besang schon weiland Lale Andersen dieses unstillbare Verlangen nach Meer. Welche Sehnsucht das sein kann, an Bord und unter Deck, in und außerhalb von Kajüten und Kojen – der ausschweifenden Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt, die See ist weit, und das Land ist fern.

Vom Schulschiff zum Buhlschiff – welch ein Werdegang!
Aus der Botschafterin unter weiß-blauen Segeln könnte eine horizontale Dienstleisterin unter rosa Wimpeln werden. Diese gekennzeichnet mit den aufreizend gespreizten Schenkeln der Buhlschaft. Sankt Pauli ohée auf hoher See!
Auch unter neuer Flagge könnte ihr Name, geringfügig verändert, völlig neue Strahlkraft gewinnen: Adieu GORCH FOCK, Ahoi GORCH FUCK!

Hinterm Horizont geht’s weiter. Von Wogen geschüttelt, wird es doch nicht untergeh’n.
Auch wenn es die Wogen des Skandals und der Empörung sind. Die glätten sich schon wieder. GOOD LUCK, GORCH-FUCK!

(c) Siegfried Galter, 04/02/2011

Geschlechterkrise, die Erste

Samstag, Juli 11th, 2009

Freitag, 10. Juli 2009-07-10

Die Gürtellinie ist unterschritten! (Wieder einmal/immer weiter/immer tiefer?)
Kurze Freitagsmeditation zur Geschlechterkrise, die Erste (Meditation, nicht Krise!)

Heute hatte ich wieder einmal Post von meiner eMail-Freundin Beate (die mit den sexy Uhsancen)
in der Mailbox.

Als eine meiner treuesten e-Brieffreundinnen hält sie mich über den aktuellen, geschlechtsübergreifenden Krisenstand in- und außerhalb des Ehestandes auf dem Laufenden.
Allerdings ist der Briefverkehr etwas einseitig, was daran liegen mag, dass sie eindeutig zu den Gewinnlern dieses Dauer-Krisenherdes genannt Sexualität zählt, meine Kleinigkeit hingegen,
unter dem Strich betrachtet, wohl eher zu den Verlierern.
Aber das wäre zu anderer Gelegenheit sicherlich ein lohnender Betrachtungsgegenstand (nein, nicht meine Kleinigkeit, sondern das Krisengefälle!) …

Also zurück zur Gürtellinie:
Als Außenstehender hat man ja zum Teil keine wirkliche Vorstellung davon, was sich in der horizontalen, vertikalen und diametralen Ebene deutscher Schlaf- und Beischlafräume so alles abspielt. Oder auch gerade nicht abspielt! Und das ist auch gut so, denn zuviel Insiderwissen kann einem womöglich den unschuldigen Nachtschlaf rauben. Vom unvoreingenommenen Beischlaf einmal ganz zu schweigen.

Heute allerdings schreckte mich Beate mit der folgenden, geradezu aufrüttelnd alarmierenden Betreffzeile aus meiner vor-wochenendlich ungetrübten Gedankenlosigkeit:

Der Bedarf an SM-Zubehör nimmt explosiv zu!
So titelte es mir aus der Betreffzeile des eMail-Newsletters, als dessen schamloser Abonnent ich mich hier heute oute, entgegen, aufreizend untermalt von einem züchtigungsbereiten und gar nicht züchtig gekleideten Weibe, siehe unten:

Wenn Du zum Weibe gehst ....

Wenn Du zum Weibe gehst ....

Whipwhiphurraa, jubelte es in mir, wozu künftig noch sündteure und laugewürzte Mirakel-Whip kaufen, wenn ich ein rattenscharfes 2-teiliges Gratis-Set zur schmerzfördernden Ganzkörper-Stimulanz bei jeder Online-Bestellung draufgesattelt bekomme??!! Ich kam, sah, und sabberte nur:
NAUGHTY DIVA! Wer wollte ein solch außerordentlich verführerisches Angebot geißeln wollen?
Und das angesichts weltweiter Rezessions-Szenarien und Abwrack-Perversionen?
Nie war Geiz geiler, liebe Leute!
Um es in Abwandlung eines formidablen Slogans der GUINESS-Werbung zu illustrieren:
„DIVA punishes parts, other girls do not reach“
Allein - die „explosive“, geradezu zunahmihafte Bedarfszunahme an SM-Zubehör machte mich dann doch schnell hörig. Schnell hellhörig.

Der Bedarf nimmt also zu. Explosionsartig. Da drängen sich doch gleich mehrere tiefschürfende Fragen auf. Zunächst: Wessen Bedarf? Ich meine, wer bedarf so plötzlich exzessiv mehr dieses einschlägigen Zubehörs? Sind es mehr die Männer? Erlebt hier womöglich der Leitspruch des alten Friedrich Nietzsche eine Renaissance, der sich zu seiner Zeit schon als SM-Jünger zu erkennen gab, als er den geradezu kantischen Imperativ postulierte: “Wenn Du zum Weibe gehst, vergiss nicht die Peitsche!”
Oder sind es womöglich doch zunehmend die Frauen, welche Initiative und Peitschengriff in die zarte Hand nehmen? Aber wer wendet dieses „Zubehör“ dann bevorzugt auf wen an? Männlein auf Weiblein oder Weiblein auf Männlein, oder im fliegenden Wechsel?
Oder sind solche Vorlieben jetzt auch im gleichgeschlechtlichen Austausch sexueller Zärtlichkeiten stark im Kommen? Oder handelt es sich womöglich um fehlgeleitete Flagellanten aus dem Umfeld der katholischen Kirche, die solches Gerät zur einsamen Selbstbestrafung ihrer weltlichen und sündigen Abschweifungen vom wahren Glauben exzessiv (miss)brauchen? Das könnte zu einer massiven Marktverzerrung durch verschobene Nachfragestrukturen führen! Wie man sieht, tun sich hier geradezu Abgründe krisenhaft erschütternder Fragen auf.
Und was hat man sich denn nun so alles unter SM-Zubehör vorzustellen, wenn die neunschwänzig gestrapste Katze (sprich: Peitsche) sozusagen den untersten Level der Grundausstattung definiert? Wo ist der SM-Zubehörkatalog dann ausgereizt? Da sträubt sich die Fantasie des eher konventionell gepolten Schreiberlings.
Ist womöglich der Schmerz die letzte Bastion der Selbstvergewisserung angesichts immer weiterer Abstumpfung der Gefühlswelten, in die wir uns aus reinem Selbstschutz flüchten?
Ist dieser Bedarf ein weiteres Indiz für eine tiefgreifende und schmerzhafte Krise unseres Gesellschaftssystems und unserer sozialen Beziehungen, i.B. zwischen den Geschlechtern?
Aber halt! Vielleicht ist das alles gar nicht so extrem. Schauen wir doch noch einmal genauer hin:
Die Diva schaut eigentlich eher entspannt-sexy aus und in die Kamera, na ja, so weit ihre Augenmaske das eben zulässt. Darauf steht DIVA gedruckt, nicht DOMINA. Allerdings hat sie da diese Peitsche in der Hand. Nun gut, damit ist sie, wenigstens für den Moment, außer Gefahr, Opfer männlich-aggressiver Sadopraktiken zu werden. Und auf ihr Gegenüber wirkt sie auch nicht wirklich bedrohlich. Wer weiß, wo sie, so dekorativ geblendet, ihre “Katze” tanzen lässt?
Wahrscheinlich ist im Zeitalter des Cybersex sowieso alles ganz anders. Die Dame ist, rein physisch, eine vollkommen virtuelle Erscheinung, das Ganze eine reine Projektionsebene für eine Ersatzhandlung, nämlich den online-Kauf von Sexspielzeug. Gab’s gerade eine Sonderlieferung aus China, muss alles ”raus. War mir als altem Werbefuzzi natürlich sofort klar.

Deshalb tut sie ja nur so, droht sozusagen vielsagend-scherzend mit der Peitsche und sagt: „Du böserböser Junge glaubst aber auch alles, was böse kleine Mädchen wie Beate Dich glauben machen wollen. Ich will doch nur spielen, Du alter Spielverderber, und Dich auf meine Bestellseite locken! Aber Du siehst natürlich vor lauter SM wieder alles nur durch Deine schwarze Krisenbrille. Schäm’ Dich, und kauf’ uns was Schönes zur Strafe!“
Und der böse Bube windet sich und wendet sich schamrot ab und denkt: „Nur gut, dass sie diese Maske aufhat, und nicht sieht, wie peinlich mir das alles ist!“

(c) Siegfried Galter, 10.07.2009