Archive for the ‘Zwischenmenschliche Krisen’ Category

La Jolie et la bête oder die Schönheit und das Biest

Freitag, Mai 17th, 2013

Angst essen Schönheit aufStets sieht sich die Schönheit durch das Häßliche gefährdet. Ebenso wie die Freiheit durch die Beschränktheit, oder die Ruhe durch den Aufruhr, die Gesundheit durch Krankheit. Der Frieden durch den Krieg. Die Gewissheit durch die Ungewissheit.
Genauso wie das Leben durch den Tod.
Keine Existenz ist denkbar ohne ihre elementare Gefährdung oder Infragestellung.
Und wir leben in unsicheren Zeiten, das ist gewiss. So gewiss wie die Statistiken, mit deren Hilfe wir uns wenigstens dieser Tatsache zahlenmäßig verbrieft versichern können.
Rauchen gefährdet unsere Gesundheit. Ebenso wie falscher oder übermäßiger Konsum nahezu aller anderen körpergängigen Substanzen und Verfahren, sei es Fleisch, Fett, Alkohol, Zucker, Medikamente und Drogen oder auch nur natürliches Sonnenlicht.
Von allen anderen Schadfaktoren, über die wir keine Kenntnis oder noch keine gesicherte Erkenntnis haben, einmal abgesehen.
Hält die statistisch belegte Schädlichkeit oder Gefährdung irgendeinen Nikotin-, Drogen-, Alkohol-, UV-, oder Fressjunkie davon ab, weiter an dieser selbstzerstörerischen Verhaltensweise festzuhalten? Selten genug. Wir verbrüdern uns mit unseren Todfeinden, umarmen sie innig und nehmen fatalistisch ihre statistisch signifikante und millionenfach erprobte Letalität in Kauf.
Gleichzeitig kämpfen wir verzweifelt gegen den sichtbaren Verfall, sei es mit Hilfe von Kleidung, Kosmetik oder Körperoptimierung bis aufs Messer - mit Selbstkasteiung, Chirurgie und und Alchemie.

Depression sei die Krankheit zum Tode, heißt es. Ich glaube, die Krankheit zum Tode heißt Todesangst. Sie lässt uns die aberwitzigsten Dinge tun, um dem Unvermeidlichen nicht ins Auge blicken zu müssen. Der Gegner hat uns längst umzingelt, der Sensenmann ist allgegenwärtig. Der Mensch ist des Menschen erbittertster Feind. Und am gefährlichsten ist der Feind in uns selbst. Ein heimtückischer Schläfer lauert in uns auf die Gelegenheit, uns mit körpereigenen Waffen hinterrücks niederzuringen. Krebs, die beängstigende Fratze jeder Horrorvision vom eigenen Ableben. Und jetzt also auch die eigenen Gene. Heute haben wir endlich die Erkenntnismöglichkeiten, den Beweis, und damit auch die Gewissheit: unsere eigenen Gene arbeiten gegen uns!
Wie es Gerhard Polt einmal so trefflich auf den Punkt brachte:
„Wenn die Gene erstmal versaut sind, helfen auch keine Prügel mehr!“
Aber in der modernen Chirurgie haben wir einen mächtigen Verbündeten! Wenn die statistische Wahrscheinlichkeit, an einer bestimmten Krebsart zu erkranken, genetisch quasi vorprogrammiert ist, dann operieren wir das hinterfotzige Teil einfach heraus, bevor eine entartete Zelle auch nur „Piep!“ sagen kann, und ersetzen es notfalls durch eine optimierte und harmlose Nachbildung.
So eine über 80-prozentige, statistisch abgesicherte Erkrankungswahrscheinlichkeit kann einem natürlich eine Scheißangst einjagen, gar keine Frage. Oh unglückselige Angelina, Dein Engelsgesicht soll den grausen Tod nicht schauen. Da heißt es knallhart kalkuliert handeln. Der Krebs oder ich. Den Feind vernichten, bevor er noch aus den Schützengräben ‘rauskommt. Das Biest muss sterben! Die Schönheit soll leben! Silikon statt Karzinom.

Unsere Todeswahrscheinlichkeit beträgt exakt 100 %. Massenhafte Präventiv-Selbstentleibung wäre angesichts dieser überwältigenden und statistisch unleugbaren Gewissheit das aktuelle Gebot der Stunde.
Wem das zu radikal ist, der kann ja, sozusagen als sorgsam abgestimmte „flexible response“ auf die statistisch vorliegende individuelle Gefährdungslage, nach und nach die Gefahrenherde eliminieren, indem er sich peu à peu von den in Frage kommenden Organen und Körperteilen trennt. Auf chirurgischem Wege, versteht sich, und unter begleitender Obhut von Spezialisten des Vertrauens. Heute die Prostata, morgen die Leber, dann später vielleicht noch Teile des Magens, suspekte Brüste, ein Fötus mit einer minderwertigen Gen-Disposition – alles muss ‘raus! Je nachdem könnte auch das Gehirn dran glauben müssen. Prävention tut Not – nichts wie weg damit, bevor es zu spät ist! Bei der Mehrheit sollte der Gewinn an potenzieller Lebensqualität den Verlust an Denkvermögen mehr als wettmachen. Bei nicht Wenigen wird sich dieser finale Eingriff mangels Masse ohnehin erübrigen. Und für unser marodes Gesundheitswesen tun sich langfristig völlig neue Perspektiven auf. Radikalprävention auf höchstem Level. Entledigt Euch! © Mai 2013 Siegfried Galter

Das letzte Tabu

Freitag, April 20th, 2012

Der Mensch ist dem Menschen ein Schwein

„Erst wenn das letzte Tabu gebrochen, die letzte Bastion gefallen, die letzten Schranken ignoriert, und die letzte Moral zerstört ist, werdet Ihr feststellen, dass grenzenlose Freiheit nichts als tödliche Langeweile bedeutet.“

© Siegfried Galter, 20. 04. 2012, Foto: istock

Pofalla? Wer ist Herr Pofalla?

Dienstag, Oktober 4th, 2011

Die Physiognomie eines Gesichtslosen? Oder schlicht ein Arschgesicht? Man weiß es nicht.

Die Physiognomie eines Gesichtslosen? Oder schlicht ein Arschgesicht? Man weiß es nicht.

Wieder einmal geistert ein Name durch die karstige Landschaft von Politik und Medien, über den man zu einschlägigen Gelegenheiten immer wieder einmal gestolpert ist.
Es handelt sich dem Vernehmen nach um einen gewissen Ronald Pofalla, der ob seines profanen Äußeren und ebensolcher Äußerungen nie wirklich ernst zu nehmen war oder gar auf konstruktive Weise in Erscheinung getreten wäre. Der Autor selbst hatte ihn darob bereits im Zusammenhang eines früheren Beitrags als prototypischen Repräsentanten für die farb- und ideenlose Politik in unserem Lande gewürdigt, von „Pofallisierung“ war wörtlich die Rede. (Zitat: “Die Pofallisierung der deutschen Politiklandschaft hat mit Ronald Pofalla, dem Generalsekretär der CDU, zwar nicht erst begonnen, aber sie hat mit seiner unvergleichlich profanen Physiognomie und seiner rheinisch-verwaschenen Redeweise endlich einen Gesichtsausdruck bekommen – und einen merkfähigen Namen.”) Zuviel fast der Ehre für einen ebenso farblosen wie inhaltsleeren Funktionsträger, dem offensichtlich jede Art von Niveau fehlt.
Dieses Nullniveau hat er nun jüngst wieder eindrücklich, oder besser: ausdrücklich unter Beweis gestellt, oder womöglich sogar noch unterschritten, indem er seinen Parteikollegen Wolfgang Bosbach aufs Übelste beschimpfte und verunglimpfte. Anlass war dessen abweichende Meinungsäußerung im Zusammenhang mit dem sogenannten Euro-Rettungsschirm
Wie aus erster Hand (auch von serösen Medien) berichtet wurde, konnte Merkels „Minister für besondere Aufgaben“ damit nicht wirklich souverän umgehen, und reagierte lautstark mit ehrverletzenden Verbalattacken in Richtung seines Kollegen.
Als wollte er als der „Rasende Ronald“ in die CDU-Parteigeschichte eingehen, legte er nun auch den letzten kümmerlichen Rest professionell-politischer Zurückhaltung ab. Umso schwerwiegender, als sich sein Ausfall gegen einen christlich-demokratischen Parteibruder richtete, und nicht wie sonst eher üblich, gegen stimm- und wehrlose Minderheiten anderer Weltanschauung und Gesellschaftszugehörigkeit.

Doch nicht genug, dass der gelernte Rechtsanwalt und Sozial-Pädagoge sich öffentlich auf solch niveaulose Art echauffierte – in einem starken Abgang trieb er die Selbstdemaskierung noch einen entscheidenden Schritt weiter: Den fast verzweifelten Einwand Bosbachs: „Ronald, guck bitte mal ins Grundgesetz, das ist für mich eine Gewissensfrage.“ konterte er mit der entlarvenden Replik „Lass mich mit so einer Scheiße in Ruhe!“
Sprachs, nein, brüllte es aus ihm, Ronald dem Farblosen, bevor er seine Dienstlimousine enterte und davon brauste, einer ungewissen Zukunft entgegen.
Was soll man davon halten? Soll man das wörtlich nehmen? Scheißt der Kanzleramtsminister nun aufs Grundgesetz oder auf die berechtigte Meinungs- und Gewissensfreiheit eines Abgeordneten des Deutschen Bundestages? Oder scheißt er auf seine politische Zukunft, indem er Grundgesetz, Meinungs- und Gewissensfreiheit in einem Aufwasch in die Kloake spült? Kann ein Gesichtsloser überhaupt sein Gesicht verlieren? Nein, aber er kann offenbar die Contenance verlieren, und damit seinen Job.
Es wäre an der Zeit. Wer war nochmal Pofalla? War das nicht der Typ mit dem schlecht sitzenden Toupet und dem Wolpertinger-Gebiss aus der einen Simpsons-Folge?

P.S.: Dass dieser Ausnahmepolitiker selbst immer wieder Auslöser und Zielfigur aggressiver Verbalattacken wurde, wird niemanden, der seinen Werdegang notgedrungen verfolgt hat, weiter verwundern, ein schöner Blog-Beitrag aus dem Jahr 2005(!) mag das illustrieren: http://www.berlin-mindplayers.de/?p=116

P.P.S.: Pofalla hat sich heute öffentlich entschuldigt bei Bosbach. Die Entschuldigung beim Bürger für die Missachtung demokratischer Werte und für die offensichtliche Tatsache, dass sein Eid aufs Grundgesetz anscheinend einen Scheiß wert ist, blieb er uns schuldig. War auch nicht anders zu erwarten, Herr Po-falla!

(c) Siegfried Galter 04. 10. 2011

DSK – ein Kürzel geht um die Welt

Dienstag, Juli 5th, 2011

DSK - was steckt wirklich dahinter? Die SEX-Kolumne?
Deutschland sucht den Kachelmann?
Der Strauss Ka(h)nn`s?
Oder handelt es sich um den genetischen Code für eine bedrohte Gattung?

Der Strauss ist ja als loser Vogel berüchtigt: Notorisch dicke Eier und immer einen langen Hals in Richtung Weibchen – damit kann man sich schon Respekt verschaffen in freier Wildbahn! Aber es kann selbst dem stolzesten Hahn passieren, dass er sich `mal versteigt.
Da muss man dann schonmal Federn lassen. Ist aber kein Grund, gleich den Kopf hängen zu lassen – oder?

Ein winziger Fehltritt kann manchmal den Kopf kosten - sogar in der Politik

Ein winziger Fehltritt kann manchmal den Kopf kosten - sogar in der Politik

Schon gar erst recht nicht, wenn man Strauss-Kahn heißt, unbeirrt nach höchsten Staatsämtern strebt, und sich bereits in komfortabelsten Positionen plustern durfte.
Man weiß auch gar nicht so recht, warum sich jetzt alle so künstlich aufblähen?
Ein Mann in seiner Position muss doch die Privilegien seiner Stellung ausleben dürfen? Und zwar in jeder gewünschten Stellung und Konstellation, bitte schön!

Auf dem Schlachtfeld der sexuellen Eroberungen hat Dominique der Dominante offenbar schon so manchen Strauss erfolgreich ausgefochten. Was der Kachelmann kann, kann Kahn schon lang! Ein wahrer SEX-Titan, hinter dem der gallische Hahn jetzt steht wie ein Mann. Naja, von ein paar unverbesserlichen, wahrscheinlich frustrierten Legehennen abgesehen, die jetzt hinterrücks Nestbeschmutzung betreiben, indem sie ihn mit uraltem Dreck bewerfen – pfui Teufel! Solche aufgescheuchten Journalistenhühner wie Ihr seid doch seiner Aufmerksamkeit oder gar seiner unzweifelhaften und offenbar unwiderstehlichen Manneskraft überhaupt nicht wert! So behauptet jetzt die Journalistin Tristane Banon, Strauss-Kahn habe versucht sie zu vergewaltigen, als sie ihn 2003(!) für ein Interview in seiner Wohnung aufsuchte. Der frühere französische Finanzminister sei wie ein “brünftiger Schimpanse” über sie hergefallen. Bitte?!
Abgesehen davon, dass ein solcher Bagatell-Vorfall nach einer solch langen Zeit nun wirklich keinen mehr umtreibt (abgesehen von den üblichen Verdächtigen, sprich: Verschwörungstheoretiker, Republikaner und unverbesserliche Emanzen):
Einen solch stolzen Vertreter seiner Gattung mit einem Primaten zu vergleichen, zeugt allerdings von nur rudimentären biologischen Kenntnissen.
Sicher – ich bin auch kein Ornithologe, aber eines weiß ich gewiss: Struthio camelus, der größte lebende Vogel dieser Erde, kann vielleicht nicht fliegen – aber er kann, will und wird ungehemmt vögeln! Solche sterben garantiert nicht aus. Und den Sozialisten in seinem Lauf halten weder Ochs, Esel noch Skandale auf. Vive la Révolution sexuelle! Vive la France!

© 05.07.2011 Siegfried Galter

Vom Windjammer zum Katzenjammer: GORCH FOCK - Deutschlands Renommierschiff – ein „schwimmender Puff“?

Freitag, Februar 4th, 2011

Die Unschuld weißer Segel. Die Sehnsucht weiter Meere. Die Häfen fremder Länder. Der Stolz der Marine. Die Ehre der Matrosen. Alles schneeweiße Gischt von gestern, vom Winde verwehte Seeromantik?

Eine Seefahrt, die ist lustvoll, ....

Eine Seefahrt, die ist lustvoll, ....


Wo selbst räudige Landratten und eingefleischte AntimilitaristInnen knieweich werden, ist ein Sehnsuchtsort auf hoher See: An Bord der schneeweißen Pracht-Segelyacht der Deutschen Marine, der GORCH FOCK, ist die Welt noch in Ordnung. So glaubte man wenigstens.
Klar, dass auf den sieben Meeren der Mensch in Gottes Hand ist – geschenkt.
Da kann und muss Neptun schon einmal ein kleines Menschenopfer dargebracht werden, von Zeit zu Zeit.
Aus hohen Wanten sah man sie fallen. Gefallene Mädchen am Anfang ihrer Offizierslaufbahn. Gefallen für Deutschland. SoldatInnenschicksal. Tragisch und todtraurig ganz ohne Zweifel. Doch davon geht die heile Welt unserer Bundesmarine nicht unter, und das Schulschiff der Nation erst recht nicht.
Belastbares Menschenmaterial ist nun einmal das Resultat harter und erbarmungsloser Auslese. IN THE NAVY gehts halt manchmal knallhart zur Sache. Opfer müssen eben gebracht werden fürs Vaterland und für die Führungskarriere, beim Klabautermann! Aber gleich zwei innerhalb von zwei Jahren? Ist dieser Blutzoll nicht doch etwas hoch für ein Traumschiff unter Deutscher Flagge? Ist ja schließlich kein Bananendampfer unter zweifelhaftem Kommando, unsere prachtvolle GORCH. Oder womöglich doch?

Plötzlich, aus scheinbar wolkenlos blauem Himmel, kämpft sich der Prachtsegler durch schwere See:
Die Sünden der Marine. Der Hochmut der Offiziere. Der Kleinmut der Kadetten. Der Grauschleier des Verdachts. Das Lotterleben an Bord. Die Rituale des Missbrauchs. Die Ungeheuerlichkeit der Vorgänge.
Alles nur übles Seemannsgarn? Von ruch- und disziplinlosen Meuterern in die Welt gesetzt? Oder steckt doch womöglich ein grundlegendes Führungsproblem dahinter?
Und wie geht es jetzt weiter mit der GORCH FOCK?
Klar Schiff und Weitermachen? Oder wird sie womöglich abgetakelt wie eine alte Hafenhure?

A propos: Unter all den ungeheuerlich anmutenden Vorwürfen und Äußerungen im Skandal um die GORCH FOCK treibt unser ganzes Land aktuell eine besonders perfide Aussage um:
Die glorreiche und schneeweiße Seekönigin sei in Wahrheit „Der größte schwimmende Puff Deutschlands“.
So die kolportierte Aussage eines Besatzungsmitglieds (ob mit oder ohne Glied, ist nicht belastbar überliefert)(!)
IN THE NAVY scheint es bisweilen eben auch recht feuchtfröhlich zuzugehen!
Aber halt! Wäre das nicht DIE Gelegenheit für einen fundamentalen Paradigmenwechsel?
Statt schneeweißer Segel sündige Laken. Statt in jedem Hafen eine Braut jede Menge Bräute an Bord! Und auch die Hardcore-Uniform-Fetischisten kommen auf ihre Kosten - Heidiewindsbraut!


"Ein Schiff wird kommen, und meine Sehnsucht stillen..."

Ein Schiff wird kommen, und meine Sehnsucht stillen...


„Ein Schiff wird kommen, und meine Sehnsucht stillen …“ besang schon weiland Lale Andersen dieses unstillbare Verlangen nach Meer. Welche Sehnsucht das sein kann, an Bord und unter Deck, in und außerhalb von Kajüten und Kojen – der ausschweifenden Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt, die See ist weit, und das Land ist fern.

Vom Schulschiff zum Buhlschiff – welch ein Werdegang!
Aus der Botschafterin unter weiß-blauen Segeln könnte eine horizontale Dienstleisterin unter rosa Wimpeln werden. Diese gekennzeichnet mit den aufreizend gespreizten Schenkeln der Buhlschaft. Sankt Pauli ohée auf hoher See!
Auch unter neuer Flagge könnte ihr Name, geringfügig verändert, völlig neue Strahlkraft gewinnen: Adieu GORCH FOCK, Ahoi GORCH FUCK!

Hinterm Horizont geht’s weiter. Von Wogen geschüttelt, wird es doch nicht untergeh’n.
Auch wenn es die Wogen des Skandals und der Empörung sind. Die glätten sich schon wieder. GOOD LUCK, GORCH-FUCK!

(c) Siegfried Galter, 04/02/2011

Der “Bello” und das Biest: Berlusconi und die Poesie der Schönheit

Montag, Dezember 14th, 2009

War das Thema Schönheits-OP vor Jahren noch eines der ganz wenigen Tabus für den sonst so offenherzig agierenden Silvio Berlusconi , so markiert der gestrige Tag eine Trendwende im öffentlichen Auftreten des italienischen Staatsführers. Erst 2004 bekannte sich „Bello Berlusconi“ erstmals eher zurückhaltend dazu, seine Physiognomie einem glättenden Eingriff unterzogen zu haben – eine Gesichtskorrektur, welche in den Folgejahren durch weitere kleinere Anpassungen optimiert wurde. Wie dazu aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautete, habe sich der kulturell umfassend gebildete Staatschef dabei von Heinrich Bölls „Ansichten eines Clowns“ inspirieren lassen.
Ohnehin selten geplagt von der Angst vor Gesichtsverlust, ging der italienische Premier nun noch einen Schritt weiter, indem er sich erstmals öffentlich einer Schönheits-OP unterzog.
Unmittelbar nachdem Berlusconi gestern bei einem Wahlkampfauftritt in Mailand sein markantes Gesicht hingehalten hatte, ließ er dasselbe durch die berufene Hand eines 42-jährigen Landsmannes nochmals nachhaltig verschönern. Sowohl die Ortswahl als auch das dabei verwendete OP-Besteck waren dabei vom hoher Symbolkraft: Im Beisein zahlreicher Parteigänger und Verfechter des „dolce vita italiana“ fand der öffentliche Eingriff auf der Mailänder Domplatte statt. Ein historischer Ort, an dem auch schon der „Duce“ Benito Mussolini sein markiges Wort an die Mailänder Bevölkerung zu richten pflegte.

Die Macht in ihrer wahren Schönheit

Die Macht in ihrer wahren Schönheit

Konsequenter Weise rückte der entschlossene Operateur dem einzig legitimen Mussolini-Nachfolger mit einer steinernen Nachbildung des Mailänder Doms, deren Turmspitze durch eine Abbildung der Hl. Madonna gekrönt wird, auf die Pelle.
Ziel der Aktion war wohl eine Nasenkorrektur sowie eine etwas zurückhaltendere Gestaltung der vorlauten Mundpartie der rechtsgerichteten Führerfigur.
Wie Beobachter und Medien übereinstimmend berichteten, wurde die Operation mit einem einzigen, kraftvoll geführten Streich vollzogen, mutmaßlich mit dem metallenen Sockel des Souvenirs, welches sich nun der bleibenden Erinnerung des Premiers erfreuen dürfte.

"Bello" Berlusconi vor ...

''Bello'' Berlusconi vor ...


... und nach dem Eingriff

... und nach dem Eingriff


Mannhaft ließ der italienische Parteiführer den ohne Zweifel schmerzhaften Eingriff ganz ohne Betäubung über sich ergehen, jedoch zeigte er direkt im Anschluss eine gewisse Schwächereaktion. Möglicherweise bedingt durch den unvermeidlichen Blutverlust, wie auch die Tatsache, dass er wohl zwei seiner makellos nachgebildeten Frontzähne vorübergehend einbüßte, musste der 73-jährige Politiker kurzzeitig von seinen Sicherheitsleuten gestützt werden, bevor er sich vorsichtshalber zur weiteren Beobachtung und Nachsorge in eine Mailänder Klinik chauffieren ließ.
Politik und ihr wahres Gesicht

Politik und ihr wahres Gesicht


Begleitet von lautstarken „da capo“ und „Bravo“-Rufen, konnte sich Berlusconi einmal mehr der ungeteilten Aufmerksamkeit und Anteilnahme der Öffentlichkeit an seiner Person versichern.
Mit der jüngsten bemerkenswerten Korrektur seines öffentlichen Erscheinungsbildes folgt Berlusconi einer guten Tradition, welche bereits vor ihm andere namhafte Politiker begründeten – wenn auch selten mit solch beispielhafter Konsequenz.
Der deutsche Dekaden-Kanzler Kohl zeigte bereits 1991 sein untrügliches Gespür für die tiefen Bedürfnisse der Volksseele, als er sich in Halle öffentlich eine Eierpackung auflegen ließ - allerdings mit deutlich geringerem Nachhaltigkeitseffekt.
Ei, Ei, Ei, ein faules war dabei!

Ei, Ei, Ei, ein faules war dabei!


Der alte Trapper-Spruch „Walk a mile in my shoes…“ verfehlte gerade bei Ex-US-Präsident George Walker Bush völlig seine appellatorische Wirkung, nachdem auch der ihm zugedachte Schuh sein Gesicht, und damit sein Ziel leider verfehlt hatte. Bei mehr Treffsicherheit des Werfers wäre der schwere Gang der Geschichte sicherlich zumindest zeitweise im Angesicht dieses unbedarften Bush-Kriegers nachzulesen gewesen.
Operation accomplished!

Operation accomplished!


Auch der rote(!) Farbbeutel, mit dem Joschka Fischer einst die Schamesröte über den Verrat aller grünen Ideale zu kaschieren suchte, blieb nur ein flüchtiger Farbakzent ohne jede tiefergehende Dauerwirkung.
Schöner die Ohren nie klingeln...

Schöner die Ohren nie klingeln...


Was wäre aus alledem zu resümieren? Wer nicht hören will, soll wenigstens gut aussehen, damit er/sie sich vielleicht besser fühlt. Immer schön aufpassen, dass aus einem „Casus Bello“ kein „Casus Belli“ wird. Und: Wahre Schönheit kommt von innen, während äußerer Glanz bisweilen doch recht schmerzhaft scheint.

(c) Siegfried Galter, 14.12. 2009 Quellen/Bilder:keystone, ap, dpa