Archive for the ‘Lebensmittelkrisen’ Category

NSA – Nutrition, Sex and Anarchy - die dunklen Seiten von David Beckham

Freitag, September 13th, 2013

/The world of David Beckham
Do it like Beckham: Nicht viele sind talentiert, nur wenige sind berufen, und wenn es wirklich ans Eingemachte geht, trennt sich die Spreu vom Weizen. Das wird jedem klar, der sich auf den teils bizarren und stets von fleischlichem Witz durchdrungenen Kosmos des Comic-Illustrators David Beckham einlässt: Der Mann kennt keine Tabus, bzw. kennt er sie nur zu gut, und serviert sie uns, sauber ausgearbeitet, auf dem Präsentierteller. All you can eat: „Friss auf, was Dich auffrisst“ - and have fun!
Dagegen schaut der gleichnamige englische Mode-Kicker ziemlich blass aus, und die Skandälchen um den abgehalfterten Fußballstar und sein Modepüppchen Victoria sind nur ein lauwarmer Furz gegen den anarchischen Witz der Comics und Figuren seines amerikanischen Namensvetters.
Ein Vorkämpfer im Krieg gegen die krampfhaft übersteigerte Correctness unserer Tage, der subversiv den Radar der allgegenwärtigen Selbstzensur unterfliegt. Beckham, grüß’ mir die Sterne!

Rechte bei: David Beckham, http://www.davidbeckham-comics.com

Zum Wiehern - wir werden ‘mal wieder im ganz großen Maßstab veräppelt.

Montag, Februar 25th, 2013

Der Zweck heiligt die Lebensmittel
Das höchste Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, heißt es. Und der höchste Profit lässt sich halt immer auf und hinter dem Rücken der Verbraucher herausschlagen.
Zum Wiehern - wieder einmal werden wir im ganz großen Maßstab veräppelt. Wie so oft, will man uns seitens der Lebensmittelindustrie einen vom Pferd erzählen.
Oder eher ganz im Gegenteil wollte man uns gerade nichts vom Pferd erzählen, das man versucht hat, den unbedarften Verbrauchern da unterzujubeln. Andererseits: Ein Etikettenschwindel mehr oder weniger, kommt es darauf wirklich noch an? Hauptsache, der Gaul ist gesund, oder? Bio-Eier, mit denen eindeutig ‘was faul ist. Und weiter? Kräht da wirklich irgendein Hahn danach? Hat sich da vorher irgendwer beschwert? Wer die Welt nur mit Hühneraugen betrachtet, dem hilft auch keine Brille weiter. Höchstens die Klobrille, durch die letzten Endes sowieso alles seinen unvermeidlichen Gang geht. Überhaupt sollten wir vielleicht endlich damit aufhören, das Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen. Sehen wir’s statt dessen doch einfach positiv: Je weniger Rind im Rindfleisch enthalten ist, desto geringer die Gefahr, am Rinderwahnsinn zu erkranken. Und das Bio-Label wirkt sowieso in erster Linie psychologisch-sedierend auf überkritische Konsumenten. Das Huhn versteht nichts von Psychologie und hat folglich nichts davon. So wird ein Schuh d’raus.

Wir wollen ja nicht dauernd darauf herumreiten, aber wäre es nicht wirklich angezeigt, Ross und Reiter zu benennen? Wir sollten die Verantwortlichen in ihren Ministerien, Stabsstellen, Kontrollgremien und Behörden endlich ordentlich auf Trab bringen, oder!
Der Pferdefuß an der Sache ist nur: Da kann man sich leicht einmal vergaloppieren, gerade als Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sollte man schon sattelfest sein in seiner/ihrer Materie. Nicht immer nur „Hü!“ und „Hott!“, sondern klare Ansagen sind hier gefordert.
Da lässt sich aber noch einer draufsatteln: Man sollte endlich einfach die Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechend modifizieren, Vorschläge: „Kann Spuren von Rindfleisch (Pferde-, Schweine-, Hühner-, Fremdfleisch…) enthalten.“ „Entspricht einwandfrei biologisch nachweisbarer Erzeugung.“ „So weit nicht anders vermerkt, wurden zur Herstellung dieses Lebensmittels Organismen biologischer Herkunft verwendet.“ „Frei von eindeutig rückverfolgbaren genetischen Rohstoffen“ Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt, bei entsprechend kreativer Auslegung sollte selbst der europäische Amtsschimmel diese Hürden nehmen können. Wenn nicht, wird er halt notgeschlachtet und seiner Zweitverwertung zugeführt. Der Zweck heiligt schließlich die Lebensmittel!
Ob Adam und Eva sich seinerzeit auch von einem Pferdeapfel hätten in Versuchung führen lassen?
Aus heutiger Verbrauchersicht wohl in erster Linie eine Preisfrage. Einem geschenkten Gaul schaut man halt nicht ins Maul. Man hat schon Pferde kotzen sehen. Allein der Verbraucher ist genügsam wie ein Ackergaul und frisst klaglos alles, was man ihm so vorsetzt. Nur Kosten darf es nix. Zum Kotzen!

© Siegfried Galter, Bild: Wikipedia

55-plus – von der unbezahlbaren Weisheit des Alters

Montag, Oktober 31st, 2011

Der Horror vacui - er lauert hinter der großen Zahl...

Der Horror vacui - er lauert hinter der großen Zahl...

„Mit dem Alter kommt die Weisheit“, heißt es doch immer so schön. Nun, wenn wir Weisheit mit Erkenntnis gleichsetzen wollten, und die Spruchweisheit auch umgekehrt gilt, dann wären wir wohl innerhalb der letzten fünf Jahre mit Lichtgeschwindigkeit gealtert. So viel Erkenntnis war nie!

Aber der Reihe nach:
Vor gefühlt hundert Jahren, also ungefähr noch im letzten Jahrtausend, waren Banken und der Staat Institutionen, denen man mit gewisser ehrfürchtiger Scheu begegnete, galten sie doch weit gehend als unfehlbar. Jedenfalls waren ihre Machenschaften für uns Normalsterbliche seit je so undurchschaubar, dass man lieber an ihre Unfehlbarkeit glauben mochte, als an ihre Unfähigkeit.
Dann wurden wir aber sehr schnell des Schlechteren belehrt, nämlich, dass auch sie sich durchaus verkalkulieren können, und zwar in nicht ganz unerheblichem Ausmaß. Nun gut, man lernte hinzu, auch diese Institutionen werden nur von Menschen geführt, und die machen nun einmal ganz menschliche Fehler. Geschenkt. Nach 2008 gewann man ein, zwei Jahre, und gleichzeitig die Erkenntnis ganzer Dekaden hinzu. Auch `was wert.
Dann war jedoch zu hören, dass im Finanzwesen mittlerweile Maschinen wesentliche Teile der Entscheidungsprozesse übernommen hätten. Die Rede ist von den weltweit vernetzten Börsencomputern und deren Softwareprogrammen, welche heute weitgehend selbsttätig das Börsengeschehen bestimmen, und damit, wie bereits mehrfach erlebt, unaufhaltsam(!) gewisse fatale Entwicklungen auslösen können. Ein außer Kontrolle geratenes AKW löst gegen so einen Amok laufenden Geldreaktor nur einen leisen Ionenschauer aus.
Auch die Politik schien machtlos, aber das musste ja noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, wenn auch fürderhin immer öfter das magische Adjektiv „alternativlos“ zu hören war. Mangels Alternativen sah man sich weniger geneigt als genötigt, das angeschlagene Vertrauen durch immer weitere und ewigkeitsfeste Vertrauensbeweise zu unterfüttern.
Denn Panik ist das Gegenteil von Weisheit. Wenn aber Weisheit auf Erkenntnis beruht, und diese erst mit dem Alter kommt, dann sind wir womöglich einfach schon zu alt, um noch zu reagieren oder gar zu fliehen? Rein gefühlt könnte das stimmen: Eine Bankrotterklärung jagt die nächste. Jeder Kredit jedenfalls ist spätestens seit vorgestern vollends verspielt, das Vertrauen endgültig futsch. Pünktlich zu Halloween kennt der Horror keine Grenzen mehr.
Es war ja mit allem zu rechnen, aber nicht damit, dass diejenigen, denen man sein sauer verdientes Geld, seine Steuern, seine Zukunft und seine Rente anvertraut, noch nicht einmal die fundamentalen Grundrechenarten beherrschen, und Plus und Minus verwechseln.
Da kommen dann schnell `mal ein paar €uro zusammen, ehe man sich”’’s versieht womöglich gar 550500000000,- PLUS!
Dabei könnte alles so schön sein! Mit 55-plus fängt doch das gute Leben erst so richtig an? Speziell, wenn einem das gnädige Schicksal gerade unverhofft 55 Millärdchen plus ein paar hundert Milliönchen in den Schoß geworfen hat?
Wie hieß doch noch diese schöne Ereigniskarte bei Monopoly? „Bankirrtum zu Deinen Gunsten, ziehe 200 Mark ein!“ Juhuu! Da war die Freude immer groß über diesen schönen blauen Spielgeld-Lappen. Und jetzt, in Zeiten der weltweit grassierenden Hyperinflation, können wir uns kaum über diese läppische Summe freuen? Kein Wunder, mildert sie doch unser Staatsdefizit gerade einmal um ein lumpiges Prozent.
55,5 Milliarden €uro, das ist gerade einmal die Hälfte des saarländischen Jahresprodukts.
Und bekannter Maßen gehört das Saarland nicht zu den strukturstarken Säulen unserer Republik. Auch die italienische Mafia lacht über solche Peanuts, pro Jahr erwirtschaftet diese tüchtige Organisation locker mehr als das Doppelte dieser Summe!
Es liegt in der Magie der großen Zahl, dass wir uns über solche Schicksalsgeschenke im fortgeschrittenen Menscheitsalter einfach nicht mehr angemessen freuen können.
Denn, wie bereits in einem früheren Beitrag (vor gefühlt 50 Jahren) festgestellt, rechnet man heute einfach in anderen Dimensionen, nämlich in Billionen.
Allerdings hat ein kluger Mensch festgestellt, dass es ca. 1500 Jahre dauern würde, wollte man laut von Eins bis 55,5 Milliarden zählen. Grob gerechnet jetzt, also plus/minus X Jahre. So viel Spielraum muss sein.
Vielleicht rechnet ein anderer kluger Mensch ja einmal aus, wie lange es wohl dauern würde, die Gesamtschuldensumme dieser Welt Zahl für Zahl nur auszusprechen, geschweige denn, zu tilgen?
So alt kann die Menscheit gar nicht mehr werden, um das noch zu erleben.
Aber so alt aussehen tun wir heute schon. Happy Halloweeeeen!

P.S.: Auf die derzeit sieben Milliarden Menschen verteilt, würde jeder immerhin € 7,85 von dem 55,5 Milliarden-Segen abkriegen. Davon kann man sich bei Old Mac D schon ein ganzes Menü leisten!

© 31. 10. 2011 Siegfried Galter. Bild: Collage/Fotolia

AUSGEHECKT! Was wirklich hinter EHEC steckt…

Dienstag, Juni 7th, 2011

„Ich bin ja so verschossen – in Deine Sojasprossen“ Das war einmal. Ade Du schöne heile Welt des Vegetarismus. Jetzt haben wir den Salat: eiskalte Killertomaten, vergiftete Schlangengurken, tückische Trieblinge jagen uns angstvolle Schauer durch den zusammengekrampften Magen und trachten dem arglosen Verbraucher nach dem Leben.

Es grünt so grün, wenn die Phobien blüh''n ...

Es grünt so grün, wenn die Phobien blüh`n ...

EHEC erhebt sein mörderisches Haupt. Schon ranken sich die wildesten Gerüchte, und verwegenste Verschwörungstheorien treiben ihre obskuren Blüten: Schlichte Hygieneschlamperei, Gülle-Terroristen oder neueste Biowaffen aus dem undichten Genlabor? In dem zusehends dichter werdenden Dschungel aus Vermutungen, Verdächtigungen und Fehlinformationen wird es immer schwieriger, das Offensichtliche wahrzunehmen. Denn wie bei jeder menschengemachten Krise stellt sich doch zuallererst die Frage: Wem nutzt es? Nun, sicher nicht den bereits festzustellenden Opfern und Todesfällen, die es beklagenswerter Weise schon gibt und noch geben wird.
Dabei gibt es doch, bei einigem Nachdenken, nur eine sinnvolle Erklärung für den gerade grassierenden EHECTIZISMUS. Aber warum checkt das denn keiner? Oder haben hier alle Tomaten auf den Augen?
Also, dann ganz langsam zum Mitdenken: Gerade erst hat die ökobeseelte Bürgerbewegung der Atomlobby den Saft abgedreht, oder zumindest kräftig die Rendite verwässert. Grün ist allenthalben auf dem Vormarsch, und wird womöglich noch andere Lobbyistenbranchen empfindlich treffen. Na, schon eine Idee? Wie wär´s denn z.B. mit der Chemieindustrie. Oder Pharma? Oder Verpackungsindustrie? Oder Lebensmittelindustrie? Oder? Oder? Denen geht doch jetzt der Allerwerteste so richtig auf Grundeis, oder? Wenn hier erst einmal die grüne Revolution ins Rollen kommt, bleibt denen doch in diesem Lande kein Schein mehr in der Tasche. Oder? Davor haben die jetzt so richtig Angst. Oder? Deshalb gibt’s jetzt die EHEC-Phobie, jawohl. Die erwischt die Grünzeugfresser dort, wo es ihnen am wehesten tut: An Ihrer kerngesunden und ideologiegesättigten Öko-Plauze nämlich. Vielleicht ist einigen ja aufgefallen, dass es vor allem Bio-Erzeuger und -Produkte waren, die (wenn auch bisher unbewiesener Maßen und fahrlässig voreilig) als mögliche EHEC-Verbrecher oder -Verteiler gebrandmarkt wurden?
Bio-psychologische Kriegführung nennt sich das: Erst wird die Grün-Phobie implantiert, dann wird sie epidemieartig auf die Grünen-Phobie ausgeweitet. So läuft die Chose, liebe Leute.
Indem sie die Grundwerte und die Moral der Öks fundamental erschüttert, genau dort, wo sie sich tagtäglich ihre Saubermannsmoral auffrischen: IM REFORMHAUS.
Aber wenn das Reformhaus erst verseucht ist, gibt’s auch keine Reformen mehr, so einfach ist die Rechnung.
Grün = Bio = Gefährlich! Gülle = Bio = Pfui! Chemie = Sauber = Gesund! Pharma = Sicher = Gut! Usw.usf.
Da soll mal kein unheimlicher Verdacht aufkeimen oder die Fantasie ins Kraut schießen?

„Erst kommt das Fressen, und dann kommt die Moral.“ Soweit die ewiggültige Erkenntnis des alten Berthold Brecht. Und nach der werden die Grünen und ihre sauberen Sympathisanten jetzt fraktionsweise vom Glauben abfallen, wetten dass? Und sie werden endlich die unleugbaren Vorteile von industriellem Fast- und Fertigfood, antibiotischer Massenprophylaxe, keimfrei in Plastik verschweißter Massennahrung und gentechnisch einwandfrei unbedenklicher Nahrungsmittel schätzen lernen.
Nur: was macht der Normalo, der einfach nur seinen Vitaminhaushalt auf herkömmliche und natürliche Art im Gleichgewicht halten will? Da müssen wir jetzt durch! Jede Revolution fordert ihre Opfer, und die Gegenrevolution noch viel mehr!
Bis dahin gilt die alte Regel; „An apple a day keeps the doctor away!“ Warum? Ganz einfach: Äpfel wachsen auf dem Baum, und kein Rindvieh scheißt so hoch, noch nicht einmal mit Dünnpfiff. Vom Verzehr von Fallobst wird allerdings nachdrücklich abgeraten. Ebenso wie von halbgaren Rindviechern.

(c) Siegfried Galter, 07.06. 2011

Es lebe das analoge Surrogat-Extrakt-Derivat!

Dienstag, Juli 14th, 2009

Dienstag, 14. Juli 2009-07-13

Welche Kröte soll''s denn heute sein?

Welche Kröte soll''s denn heute sein?

Wir sind doch alle arme Schlucker, oder nicht? Die Kröten, die man uns Tag für Tag kredenzt, damit wir sie sang- und klanglos, vor allem aber klaglos schlucken, sie werden immer monströser.
Aber was man vom Lebensmittel- und Ernährungssektor aktuell (oder womöglich: schon viel länger, nur leider völlig unentdeckt?!) so geboten und angeboten bekommt, das lässt den Pawlow’schen Hund in der Pfanne verrückt werden, und bringt den vorfreudigen Speichelfluss jäh zum Versiegen.
Zu gut deutsch:
Dem Verbraucher/der Verbraucherin bleibt sichtlich die Spucke weg bei all’ den Zumutungen, die in der letzten Zeit so ruchbar geworden sind. Und wie soll man da, bitteschön, noch halbwegs wirtschaftstragend schlucken können?
Das berüchtigte Gammelfleisch, so haben wir mittlerweile begriffen, ist zwar etwas ekelerregend, jedoch, bei guter Durchgarung, nicht wirklich gesundheitsschädlich.
(„Wenn Ihr wüsstet, was wir IM KRIEG alles gegessen haben!“)
Geschenkt. Naja, nicht ganz, aber dafür Hauptsache: billig.

Im Krieg trank man ja auch den Ersatzkaffee, liebevoll Muckefuck genannt, und als „Kaffeesurrogatextrakt“ bezeichnet. Wurde aus heimischen deutschen Eicheln gebrannt, so weit ich weiß. War sicher ziemlich gesund, das Gebräu, allerdings hat sich die deutsche Eichhörnchen-Population erst Jahrzehnte später wieder halbwegs erholt.
Aber zurück zu den aktuellen Krisenschauplätzen: Auch dass in 8 von 10 getesteten Sorten Vanilleeis keine Spur von Vanille zu finden war – wen stört’s, solange es nur annähernd nach Vanille schmeckt? Die müssen einem aber auch jeden Genuss vermiesen, diese drögen Tester! Genauso zielführend wäre es etwa, in TV-Unterhaltungssendungen nach Unterhaltung zu suchen, oder sich mit TV-Soaps waschen zu wollen…
Dann geisterte plötzlich dieser Analog-Käse durch die Medien, nicht zu verwechseln mit seinem medialen Antagonisten, dem Digitalkäse, der heute vornehmlich das Internet überschwemmt. Nein, Analog-Käse deshalb, weil es sich hier um ein revolutionäres Produkt der äußerst kreativen Lebensmittelchemie handelt, das weitgehend analoge, also gleichartige Eigenschaften aufweist wie das nachgeahmte Originalprodukt Naturkäse.
Auch dieser „Natur“-Käse wird heute natürlich größtenteils schon industriell hergestellt, weist jedoch auch als standardisiertes Massenprodukt noch einige Schwachstellen auf, die durch die Retorte jetzt „optimiert“ werden konnten. Hauptvorteil des neuen Analog-Käses: Er ist um ca. 40 % billiger herzustellen als das Original. Und man braucht dafür keine Milch. Genial, was? Damit ist die Milchkrise auch gleich vom Tisch, denn die Bauern können dann endlich ganz auf Grüntourismus und EU-subventionierte Komplettstilllegung ausweichen!
Auch beim sog. „Formschinken“ handelt es sich um ein billiges Imitat aus Fleischresten, welches unter Beigabe von viel Wasser, Gewürzen, Gelatine und Druck zu minderwertigem Schummelschinken geformt (daher der euphemistische Name) wird.
Auf der Pizza, in der Gastronomie und in Großbäckereien ist diese Sauerei mit schwindendem Schweineanteil ein echter Renner mit immensem Wachstumspotenzial.
Wer’s merkt…

Die aktuelle Mogelliste ließe sich mit gefälschten Garnelen (Luxus für Alle!), hergestellt aus formgepresstem Fischeiweiß, sowie garantiert schokoladefreien Schokokeksen und einer Unzahl bisher nicht entdeckter, aufgedeckter oder bereits längst wieder verdrängter Lebensmittelskandale (ich sage nur: Weinskandal, Olivenölskandal, radioaktiv verseuchtes Milchpulver…!) fortsetzen – allein: Wer will das wirklich alles ganz genau wissen? Wenn es erst einmal im Magen ist, geht es ohnehin den Weg alles Irdischen. Hauptsache, nicht gesundheitsschädlich, aber da sind unsere Behörden ja so was von auf Zack! Und: Hauptsache billig. Genau. Also: Augen zu, und tapfer immer weiter schlucken.
Dennoch gibt das ganze Thema zu mehr als spitzfindiger Betrachtung Anlass. So war in der Wochenendausgabe der SÜDDEUTSCHEN vom 11./12. Juli 09 in einem Beitrag von „kopierten Lebensmitteln“ die Rede. Vielleicht sollte man sich generell den Unterschied zwischen einer Kopie und einem Imitat klar machen. Von den Chinesen lernen, heißt auch hier: Einsicht lernen.

Dazu ein kleiner Exkurs:
Ein Imitat gibt sich i.d.R. immer als solches zu erkennen, d.h. es erhebt gar nicht erst den Anspruch, mit dem Original verwechselt oder gleichgesetzt zu werden. Das Imitat begnügt sich vielmehr bescheiden mit der ihm eigenen Unvollkommenheit oder Verschrobenheit, meist im Sinne einer billigen oder eigenwilligen Interpretation des Originals. Es handelt sich also um eine Nachahmung, und wird auch so benannt: (siehe: Kaffee-Ersatz u.ä.). Maßt sich das Imitat jedoch mehr an, so wird man es bald als Mogelpackung oder Betrugsversuch entlarven. Am Beispiel Analog-Käse zeigt sich sehr schön, wie zähfließend hier die Grenzen verlaufen.

Eine Kopie hingegen ist ein ganz anderes Kaliber. Natürlich gibt es auch hier jede Abstufung zwischen nahezu perfekt und grottenerbärmlich geschludert. Jedoch: Die Kopie steht in direkter Konkurrenz zum Original, denn es ist eine Nachfertigung,
deren erklärte Funktion es ist, das Original auszustechen, was oft genug auch gelingt (siehe China). So euphemisiert sich Formschinken, der sich anmaßt, Schinken zu sein, klammheimlich auf die Teller - obwohl er doch nur wenig mehr ist als warmgepresster Schlachtabfall.

Nun ergeben sich, vor allem aus Sicht der Verbraucher, genau zwei grundsätzliche Sicht- und Verhaltensweisen.
Die Einen geben sich mit dem Imitat zufrieden, weil es ihnen erlaubt, sich ihrem Ideal von Lebensqualität zumindest ideell anzunähern, d.h. sie machen sich, das Defizit des Wertegefälles ignorierend, wenigstens die Illusion zu eigen, wohl wissend, dass es für das Original niemals reicht. Sie sind aber uneitel oder arm genug, sich damit zu bescheiden.
An dieser Stelle könnte sich ein weiterer Exkurs über die Imitat-Kultur in der DDR anschließen, wir verkneifen uns das jedoch mit einem Hinweis auf die Tatsache, dass auch in Wirtschaftswunderland Imitate an der Tagesordnung waren: „Nur wo NUTELLA draufsteht, ist auch NUTELLA drin!“ - in den anderen Gläsern war NUTOKA, und genau so schmeckte es auch!

Die anderen Ersatzhandler wollen eigentlich das Original, lassen sich aber, entweder aus Geiz oder aus Unwissenheit, oder aus schierer Dummheit (= selbstverschuldete Unwissenheit) mit der Kopie abspeisen. Diese Käuferspezies will es definitiv nicht besser wissen, und lebt lieber weiter in der Illusion, für billiges Geld ein hochwertiges Original erworben zu haben.

Die Quintessenz (oder das Extrakt, um im Duktus zu bleiben) dieser Überlegungen:

1. Imitate, Derivate, Surrogate und Kopien sind ursprünglich der Not geschuldete Versuche, einem Versorgungsdefizit abzuhelfen. In Krisenzeiten und –gebieten haben und hatten sie ohne Zweifel ihre Daseinsberechtigung. Die Tatsache, dass sie heute aus reiner Profitgier den Markt unserer Überflusswirtschaft überschwemmen, ist der eigentliche Skandal, der buchstäblich zum Himmel stinkt!

2. Käse, Schinken, Garnelen, Speiseeis, u.v.a.m. sind Nahrungs- und Lebensmittel, die uns zunehmend nur noch als billige Imitate oder Fälschungen zugänglich gemacht werden.

3. Geld ist ein Zahlungsmittel, mit dem wir all’ diesen Mist kaufen.
Was spricht also dagegen, zunehmend schlecht imitierte oder schlampig kopierte Produkte, Waren und Lebensmittel mit adäquaten Zahlungsmitteln zu erwerben?
Zumal die latente Geldentwertung ohnehin am Horizont lauert?

Kauft und sterbt!

Kauft und sterbt!


Um in den Kategorien zu bleiben: Schnelle Geldimitate vom Farbkopierer für zusammengeschlampte Produkt- und Lebensmittelimitate. Aufwändigere Geldkopien aus der Fälscherwerkstatt für die etwas besseren Produkt- und Lebensmittelkopien aus den Retorten und Labors der Lebensmittel-Mafia.
Und das echte Geld? Können wir uns sparen für die wenigen wirklich guten Sachen, die es noch wert sind! Ist das nicht pfanni?

© Siegfried Galter, 14.Juli 2009