Archive for the ‘Spontankrisen’ Category

Winkewinke! Der Papst hat seine Schuldigkeit getan, der Papst kann gehen?

Montag, Februar 11th, 2013

Zum Wohl der Kirche

Habemus Papam? Fehlanzeige! Wir sind Papst? Es war einmal!
Der Papst schmeißt hin! Benediktus macht’s nicht mehr. Da haben wir’s. Die von Kardinal Meisner erst jüngst beklagte „Pogromstimmung gegen die katholische Kirche“ fordert ihr erstes und prominentestes Opfer. Das gab’s noch nie, oder? Naja, fast noch nie jedenfalls. In der wechselvollen Kirchengeschichte ist dies zwar kein singuläres, aber zumindest ein spektakuläres Ereignis: So etwa alle 1000 Jahre kann sowas schonmal vorkommen.
Aber wie stehen wir jetzt da? Wo sein Vorgänger Woytila noch tapfer durchhielt bis zum würdigen Ende, und spätestens damit zum Pontifex der Herzen avancierte, macht Benedikt jetzt altersbedingte Abnutzungserscheinungen geltend, um dem Vatikan einfach so von der Fahne zu gehen. Geht’s noch? Darf der das überhaupt? Einfach so zurücktreten? Die Mitra einfach so den Nagel hängen, den päpstlichen Ornat an der Garderobe abgeben, das Papamobil parken, und das war’s dann? Ist er etwa vom reinen Glauben abgefallen, heimlich? Oder gab es da womöglich doch eine Direktive von höherer Warte? Irgendwelche Unregelmäßigkeiten womöglich? Steht Benedikt etwa auch auf der Abschussliste der unbarmherzigen Rechercheure von „Pontiplag“ und Co.??
Das haben wir jetzt davon. Wie soll der gebeutelte Katholik, die angefochtene Katholikin, an seinem/ihrem Glauben, an seiner/ihrer Kirche festhalten, wenn der oberste Hirte sie so schnöde im Stich lässt in diesen schweren Zeiten? Was soll aus den krisengebeutelten verirrten Schäfchen werden?
Und was sagt der Fahnenflüchtige selbst? “Ich gehe zum Wohl der Kirche.”
Ach, wären nur auch andere Führerfiguren so weitblickend:
Wann hätte man z.B. aus dem Munde eine Konzernlenkers gehört: „Ich gehe zu Wohle des Unternehmens!“ Wann haben wir einen selbstkritischen Politiker je sagen hören: „Ich gehe zum Wohl des Volkes!“
Ein Beispiel, das Schule machen sollte, oder? So mancher würde drei Kreuze schlagen und spontan ein herzhaftes „Halleluja“ oder ein inniges „Hosiannah!“ anstimmen.
Jedoch, wir leben in närrischen Zeiten, und da heißt es wohl eher „Hossa“ statt „Hosiannah“!
Alaaf und Helau, der Papst sagt ciao! Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Noch nicht ganz, aber am 28. Februar ist es dann soweit. Das müssen wir dann wohl so zur Kenntnis nehmen, und sagen: Winkewinke!

Krisen-Notstand im Sommerloch: Ein Nachruf.

Dienstag, August 23rd, 2011

Hallo Ihr Krisen-Junkies im Lande! Die Lage an der Krisenfront ist angespannt.
Warum? Im Sommerloch drohen uns regelmäßig die Krisenszenarien auszugehen.
Nicht wirklich mangels Masse, sondern weil die Menschen drauß` im Lande urlaubsreif sind, und sich einfach eine Auszeit von dem üblichen Krisengedöns nehmen wollen.
Kriege, Katastrophen und Skandale hat man übers Jahr weiß Gott genug auszuhalten, und will dann wenigstens im Urlaub seine Ruhe davon haben.
Die Medien wissen dieses berechtigte Bedürfnis zu würdigen, und warten im Sommerloch mit handverlesenen Kuschelkrisen auf, von denen man weiß, dass sie nicht wirklich unser Wohlbefinden stören, sondern unser Weltbild stabilisieren helfen. Denn im Grunde wissen wir natürlich, dass die wirklich schlimmen Dinge sowieso permanent passieren, deshalb wollen wir nur wohldosiert davon behelligt werden.

Andererseits sind wir doch so sehr an die täglichen Adrenalinschübe und Aufreger gewöhnt, dass wir nicht ganz auf unseren Krisenstoff verzichten mögen.
Deshalb produziert uns das Sommerloch, wenn nichts wirklich Bedrohliches oder Beängstigendes dazwischenkommt wie ein Tsunami oder eine Sommergrippe-Welle, leicht abbaubare Krisen-Emissionen, die en passant, hübsch aufgebauscht wie ein sanft gekräuseltes Meeresgestade, am sommerträgen Gemüt vorbeirauschen können:

Der Bestand der heimischen Pirole wurde dramatisch geschmälert

Der Bestand der heimischen Pirole wurde dramatisch geschmälert

Aus den August-Temperaturen (ob zu hoch oder zu niedrig) und allfälligen Gewittern wird die ultimative Klimakrise beschworen. Aus entlaufenem Schlachtvieh werden freiheitsliebende Revoluzzer-Rindviecher stilisiert. An ausgesetzten Haustieren wird der Niedergang unseres abendländischen Wertesystems festgemacht.
Aus urlaubenden Spitzenpolitikern ist noch weniger Zielführendes oder Geistvolles herauszubringen als zu üblichen Geschäfts- und Regierungszeiten, weshalb man sie munter vor romantischer Urlaubskulisse zu Wort kommen lässt.
Aus den ausufernden Staumeldungen in Verbindung mit ferienzeitlich angepassten Spritpreisen lässt sich das nahende Ende unserer Mobilkultur ablesen.
Dazwischen solch erfreuliche Einsprengsel: Strauss-Kahn wird mangels Beweisen nicht weiter inhaftiert. Und: Der Pirol ist nicht akut vom Aussterben bedroht.

Dann aber heute eine Meldung, die wirklich betroffen machte, und die beim Autor für eine wahrhaft tiefgreifende Stimmungskrise sorgte: Vicco von Bülow, bekannter als Loriot, weilt nicht mehr unter uns. Diesen Verlust werden alle humorbegabten Menschen in diesem Lande nur schwer verschmerzen. Mit dem Weggang dieses Großmeisters wird die Humorlücke in Deutschland in einem Ausmaß vergrößert, gegen die sich das Sommerloch wie ein Stecknadelkopf ausnimmt. Sehr geehrter Herr von Bülow, alias Loriot (alias Pirol), wir verneigen uns vor Ihrem Werk und Ihrer Person. Wir werden Sie schmerzlich vermissen, und in ehrendem Andenken behalten. Lasst uns hoffen, dass damit der feingeistige Humor in Deutschland nicht endgültig auf der Roten Liste steht.
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ruhe sanft, Du seltener Vogel.
Uns zum Troste bleibt, den profanen Alltagskrisen zum Trotz, zumindest die unsterblich gewordene Loriot`sche Nudelkrise. Mahlzeit!

© 23.08.2011 Siegfried Galter

Größter Anzunehmender Unfug: Zur Reagierungserklärung der Bundeskanzlerin

Donnerstag, März 17th, 2011

Liveticker aus Berlin …..

In bewährt entschlossener und reaktionsschneller Manier hat unsere Bundeskanzlerin heute die Initiative ergriffen, und sich unter dem Eindruck der tragischen Ereignisse in Japan mit einer Regierungserklärung an die deutsche Bevölkerung gewandt.
Hier die wichtigsten Kernpunkte ihrer Verlautbarungen, die, wie stets, im vollsten Einvernehmen und perfekter Harmonie mit dem Koalitionspartner FDP und der Schwesterpartei CSU stehen (Wortlaut):

1. Der sofortige Wiedereinstieg in den Atomausstieg ist angesichts der Lage ein Gebot der Stunde, da man unter dem Eindruck der unvorhersehbaren Ereignisse in Japan nicht so ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen könne. Selbiges gelte natürlich ebenso für den Ausstieg aus dem Wiedereinstieg in die Nutzung der Atomenergie - auch dieser sei, zumindest im Lichte des heutigen Tages, alternativlos.

2. Der erst kürzlich mit seinem Wunschsong „Smoke on the water“ verabschiedete, ehemalige Selbstverteidigungsminister zu Guttenberg wird unter Abspielen des AC/DC-Songs „Highway to hell“ mit sofortiger Wirkung wieder in sein Amt eingesetzt. Zudem übernimmt er die Ressorts des unter den notstandsähnlichen Bedingungen geschaffenen Superministeriums für Wirtschaft, Umwelt, Reaktorsicherheit, Ernährung, Gesundheit und Zivilschutz.
Verteidigungsminister de Maiziere wird neuer Außenminister, während Guido Westerwelle das Amt der Ministerin für Familie, Integration und Soziales übernimmt.

3. Die Regierung schreibt sich ab heute den Kampf gegen Atomkraft auf die eigene Fahne.
Hierzu wird die Kampagne der bisherigen Anti-Atomkraft-Bewegung verstaatlicht, und ihre Symbole unter Regierungshoheit gestellt. Lobbyisten und Energiekonzerne sind verpflichtet, die Symbole weithin sichtbar zu kommunizieren, das betrifft sowohl das Tragen entsprechender Armbinden, die Anbringung und Kennzeichnung von Firmenfahrzeugen, als auch die Beflaggung von Firmengebäuden.
In Abstimmung mit der japanischen Regierung hat man sich auf das folgende, allgemeinverbindliche Design der Kampagne festgelegt:

Von Japan lernen, heißt: leiden lernen

Von Japan lernen, heißt: leiden lernen

4. Mit sofortiger Wirkung werden die Strompreise unter staatliche Kontrolle gestellt, um eine angemessene Entschädigung der Energieerzeuger für erwartbare Gewinnausfälle gewährleisten zu können. Es werde derzeit noch geprüft, ob das Instrument einer Notstromabgabe verfassungsrechtlich konform sei, um die berechtigten, übrigens per Gesetz zugesicherten, Interessen der Stromkonzerne durchzusetzen, und gleichzeitig eine flächendeckende Energieversorgung der Bundesrepublik auch unter restriktiven Bedingungen gewährleisten zu können. Dies sei allerdings notwendig, da die Sicherheit, wie natürlich auch die Leistungsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland, oberste Priorität habe.

5. Die zulässigen Höchstwerte für Strahlenbelastung, Umwelteinflüsse und die Belastung von Wasser, Nahrungsmitteln und Atemluft mit gesundheitsschädlichen Partikeln, Chemikalien und anderen artfremden Einflüssen werden zur Stunde von einer neu eingerichteten Expertenkommission überprüft. Dies geschehe absolut neutral und, wie Frau Merkel betonte, ergebnisoffen, und diene ausschließlich dem Wohle und der Unversehrtheit der bundesdeutschen Bevölkerung. Etwaige Anpassungen der Grenzwerte, wie sie angesichts bisher noch nicht absehbarer Entwicklungen und Ereignisse womöglich unausweichlich werden sollten, würden in jedem Einzelfall mit den entsprechenden Ministerien, besonders natürlich mit dem Ressort von Herrn zu Guttenberg abgestimmt.

6. Die Laufzeitverlängerung der amtierenden Regierung wird, dem nationalen Notstand folgend, individuell festgesetzt, ein möglicher Ausstieg sei derzeit nicht diskutabel, um nicht zu sagen: als Regierungskonstellation auf unabsehbare Sicht alternativlos.

Die Regierungserklärung dauert zur Stunde noch an, wurde jedoch aus Sicherheitsgründen in den als strahlungssicher geltenden, ehemaligen Führerbunker unterhalb des Reichstagsgebäudes verlegt. Weitere Verlautbarungen erfolgen über Rundfunk und die elektronischen Medien, soweit auf Grund der aktuellen Stromzuteilungen jeweils möglich.

Wir berichten weiter ….

© Siegfried Galter, 17. März 2011 09.17 h

Der “Bello” und das Biest: Berlusconi und die Poesie der Schönheit

Montag, Dezember 14th, 2009

War das Thema Schönheits-OP vor Jahren noch eines der ganz wenigen Tabus für den sonst so offenherzig agierenden Silvio Berlusconi , so markiert der gestrige Tag eine Trendwende im öffentlichen Auftreten des italienischen Staatsführers. Erst 2004 bekannte sich „Bello Berlusconi“ erstmals eher zurückhaltend dazu, seine Physiognomie einem glättenden Eingriff unterzogen zu haben – eine Gesichtskorrektur, welche in den Folgejahren durch weitere kleinere Anpassungen optimiert wurde. Wie dazu aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautete, habe sich der kulturell umfassend gebildete Staatschef dabei von Heinrich Bölls „Ansichten eines Clowns“ inspirieren lassen.
Ohnehin selten geplagt von der Angst vor Gesichtsverlust, ging der italienische Premier nun noch einen Schritt weiter, indem er sich erstmals öffentlich einer Schönheits-OP unterzog.
Unmittelbar nachdem Berlusconi gestern bei einem Wahlkampfauftritt in Mailand sein markantes Gesicht hingehalten hatte, ließ er dasselbe durch die berufene Hand eines 42-jährigen Landsmannes nochmals nachhaltig verschönern. Sowohl die Ortswahl als auch das dabei verwendete OP-Besteck waren dabei vom hoher Symbolkraft: Im Beisein zahlreicher Parteigänger und Verfechter des „dolce vita italiana“ fand der öffentliche Eingriff auf der Mailänder Domplatte statt. Ein historischer Ort, an dem auch schon der „Duce“ Benito Mussolini sein markiges Wort an die Mailänder Bevölkerung zu richten pflegte.

Die Macht in ihrer wahren Schönheit

Die Macht in ihrer wahren Schönheit

Konsequenter Weise rückte der entschlossene Operateur dem einzig legitimen Mussolini-Nachfolger mit einer steinernen Nachbildung des Mailänder Doms, deren Turmspitze durch eine Abbildung der Hl. Madonna gekrönt wird, auf die Pelle.
Ziel der Aktion war wohl eine Nasenkorrektur sowie eine etwas zurückhaltendere Gestaltung der vorlauten Mundpartie der rechtsgerichteten Führerfigur.
Wie Beobachter und Medien übereinstimmend berichteten, wurde die Operation mit einem einzigen, kraftvoll geführten Streich vollzogen, mutmaßlich mit dem metallenen Sockel des Souvenirs, welches sich nun der bleibenden Erinnerung des Premiers erfreuen dürfte.

"Bello" Berlusconi vor ...

''Bello'' Berlusconi vor ...


... und nach dem Eingriff

... und nach dem Eingriff


Mannhaft ließ der italienische Parteiführer den ohne Zweifel schmerzhaften Eingriff ganz ohne Betäubung über sich ergehen, jedoch zeigte er direkt im Anschluss eine gewisse Schwächereaktion. Möglicherweise bedingt durch den unvermeidlichen Blutverlust, wie auch die Tatsache, dass er wohl zwei seiner makellos nachgebildeten Frontzähne vorübergehend einbüßte, musste der 73-jährige Politiker kurzzeitig von seinen Sicherheitsleuten gestützt werden, bevor er sich vorsichtshalber zur weiteren Beobachtung und Nachsorge in eine Mailänder Klinik chauffieren ließ.
Politik und ihr wahres Gesicht

Politik und ihr wahres Gesicht


Begleitet von lautstarken „da capo“ und „Bravo“-Rufen, konnte sich Berlusconi einmal mehr der ungeteilten Aufmerksamkeit und Anteilnahme der Öffentlichkeit an seiner Person versichern.
Mit der jüngsten bemerkenswerten Korrektur seines öffentlichen Erscheinungsbildes folgt Berlusconi einer guten Tradition, welche bereits vor ihm andere namhafte Politiker begründeten – wenn auch selten mit solch beispielhafter Konsequenz.
Der deutsche Dekaden-Kanzler Kohl zeigte bereits 1991 sein untrügliches Gespür für die tiefen Bedürfnisse der Volksseele, als er sich in Halle öffentlich eine Eierpackung auflegen ließ - allerdings mit deutlich geringerem Nachhaltigkeitseffekt.
Ei, Ei, Ei, ein faules war dabei!

Ei, Ei, Ei, ein faules war dabei!


Der alte Trapper-Spruch „Walk a mile in my shoes…“ verfehlte gerade bei Ex-US-Präsident George Walker Bush völlig seine appellatorische Wirkung, nachdem auch der ihm zugedachte Schuh sein Gesicht, und damit sein Ziel leider verfehlt hatte. Bei mehr Treffsicherheit des Werfers wäre der schwere Gang der Geschichte sicherlich zumindest zeitweise im Angesicht dieses unbedarften Bush-Kriegers nachzulesen gewesen.
Operation accomplished!

Operation accomplished!


Auch der rote(!) Farbbeutel, mit dem Joschka Fischer einst die Schamesröte über den Verrat aller grünen Ideale zu kaschieren suchte, blieb nur ein flüchtiger Farbakzent ohne jede tiefergehende Dauerwirkung.
Schöner die Ohren nie klingeln...

Schöner die Ohren nie klingeln...


Was wäre aus alledem zu resümieren? Wer nicht hören will, soll wenigstens gut aussehen, damit er/sie sich vielleicht besser fühlt. Immer schön aufpassen, dass aus einem „Casus Bello“ kein „Casus Belli“ wird. Und: Wahre Schönheit kommt von innen, während äußerer Glanz bisweilen doch recht schmerzhaft scheint.

(c) Siegfried Galter, 14.12. 2009 Quellen/Bilder:keystone, ap, dpa