Archive for the ‘Arbeitskrisen’ Category

Mindestlohn: Politik der Nahles-Stiche

Mittwoch, Dezember 18th, 2013

Andrea Nahles sieht rot-schwarzEs wird doch nichts so heiß gegessen, wie es zubereitet wird, deshalb brauchen sich die unterbezahlten Arbeitskolonnen in bundesdeutscher Kapitalistenfron auch nicht nicht allzu gierig die Lippen zu lecken. Einem aktuellen Zeitungsbericht zufolge hat die frisch gebackene Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles zugesichert, dass der #Mindestlohn spätestens 2017 bundesweit gilt.
Das muss man der Nahles lassen: diese äußerst ehrgeizige Vorgabe ist gewiss nicht mit der heißen Nadel genäht. Die erbärmlichen Löcher in den Taschen der chronisch unterbezahlten Arbeitnehmerschaft wird diese Politik der kleinen Stiche kaum stopfen können. Die Nahles legt aber Wert auf die Feststellung, dass es ohne die Festlegung auf einen gesetzlichen Mindestlohn keine Große Koalition gegeben hätte.
Es ist wie im Horizontalen Gewerbe: ohne Hurenlohn keine Kopulation, ohne Mindestlohn keine Große Koalition. Wenn schon, denn schon. Ein Hurensohn, wer Böses dabei denkt. Nur wann, das kann dann doch noch etwas dauern, vor allem, wenn der Partner Ladehemmung hat. Da helfen dann auch kleine Nahles-Sticheleien wenig.
“Ausnahmen wird es nicht geben - trotz aller Fluchtphantasien in Teilen der Union”, so ließ Nahles sich weiter vernehmen.
Wie lamentierte doch einst die eiserne Jungfrau nach dem Verlust ihres wertvollsten Körperteils:
„Wenn Du mir nicht versprochen hättest, mich irgendwann einmal zu heiraten, wäre ich nie und nimmer mit Dir ins Bett gegangen!“
Nur die Wählerschaft ist offenbar nicht so wählerisch, wenn es darum geht, mit wem sie sich leichtfertig einlässt, um sich über die nächste Legislaturperiode die Zeit und jede Lust am tugendhaften Bundesbürgertum vertreiben zu lassen.
Merke:
Wenn Politiker Absichtserklärungen abgeben, dann meist in der Absicht, ihre wahren Absichten zu verschleiern. Das ist doch eine Aussage, auf die man sich getrost einlassen kann - als freier Wähler wie als Freier.

© Siegfried Galter, 18. 12. 2013

NSA – Nutrition, Sex and Anarchy - die dunklen Seiten von David Beckham

Freitag, September 13th, 2013

/The world of David Beckham
Do it like Beckham: Nicht viele sind talentiert, nur wenige sind berufen, und wenn es wirklich ans Eingemachte geht, trennt sich die Spreu vom Weizen. Das wird jedem klar, der sich auf den teils bizarren und stets von fleischlichem Witz durchdrungenen Kosmos des Comic-Illustrators David Beckham einlässt: Der Mann kennt keine Tabus, bzw. kennt er sie nur zu gut, und serviert sie uns, sauber ausgearbeitet, auf dem Präsentierteller. All you can eat: „Friss auf, was Dich auffrisst“ - and have fun!
Dagegen schaut der gleichnamige englische Mode-Kicker ziemlich blass aus, und die Skandälchen um den abgehalfterten Fußballstar und sein Modepüppchen Victoria sind nur ein lauwarmer Furz gegen den anarchischen Witz der Comics und Figuren seines amerikanischen Namensvetters.
Ein Vorkämpfer im Krieg gegen die krampfhaft übersteigerte Correctness unserer Tage, der subversiv den Radar der allgegenwärtigen Selbstzensur unterfliegt. Beckham, grüß’ mir die Sterne!

Rechte bei: David Beckham, http://www.davidbeckham-comics.com

La Jolie et la bête oder die Schönheit und das Biest

Freitag, Mai 17th, 2013

Angst essen Schönheit aufStets sieht sich die Schönheit durch das Häßliche gefährdet. Ebenso wie die Freiheit durch die Beschränktheit, oder die Ruhe durch den Aufruhr, die Gesundheit durch Krankheit. Der Frieden durch den Krieg. Die Gewissheit durch die Ungewissheit.
Genauso wie das Leben durch den Tod.
Keine Existenz ist denkbar ohne ihre elementare Gefährdung oder Infragestellung.
Und wir leben in unsicheren Zeiten, das ist gewiss. So gewiss wie die Statistiken, mit deren Hilfe wir uns wenigstens dieser Tatsache zahlenmäßig verbrieft versichern können.
Rauchen gefährdet unsere Gesundheit. Ebenso wie falscher oder übermäßiger Konsum nahezu aller anderen körpergängigen Substanzen und Verfahren, sei es Fleisch, Fett, Alkohol, Zucker, Medikamente und Drogen oder auch nur natürliches Sonnenlicht.
Von allen anderen Schadfaktoren, über die wir keine Kenntnis oder noch keine gesicherte Erkenntnis haben, einmal abgesehen.
Hält die statistisch belegte Schädlichkeit oder Gefährdung irgendeinen Nikotin-, Drogen-, Alkohol-, UV-, oder Fressjunkie davon ab, weiter an dieser selbstzerstörerischen Verhaltensweise festzuhalten? Selten genug. Wir verbrüdern uns mit unseren Todfeinden, umarmen sie innig und nehmen fatalistisch ihre statistisch signifikante und millionenfach erprobte Letalität in Kauf.
Gleichzeitig kämpfen wir verzweifelt gegen den sichtbaren Verfall, sei es mit Hilfe von Kleidung, Kosmetik oder Körperoptimierung bis aufs Messer - mit Selbstkasteiung, Chirurgie und und Alchemie.

Depression sei die Krankheit zum Tode, heißt es. Ich glaube, die Krankheit zum Tode heißt Todesangst. Sie lässt uns die aberwitzigsten Dinge tun, um dem Unvermeidlichen nicht ins Auge blicken zu müssen. Der Gegner hat uns längst umzingelt, der Sensenmann ist allgegenwärtig. Der Mensch ist des Menschen erbittertster Feind. Und am gefährlichsten ist der Feind in uns selbst. Ein heimtückischer Schläfer lauert in uns auf die Gelegenheit, uns mit körpereigenen Waffen hinterrücks niederzuringen. Krebs, die beängstigende Fratze jeder Horrorvision vom eigenen Ableben. Und jetzt also auch die eigenen Gene. Heute haben wir endlich die Erkenntnismöglichkeiten, den Beweis, und damit auch die Gewissheit: unsere eigenen Gene arbeiten gegen uns!
Wie es Gerhard Polt einmal so trefflich auf den Punkt brachte:
„Wenn die Gene erstmal versaut sind, helfen auch keine Prügel mehr!“
Aber in der modernen Chirurgie haben wir einen mächtigen Verbündeten! Wenn die statistische Wahrscheinlichkeit, an einer bestimmten Krebsart zu erkranken, genetisch quasi vorprogrammiert ist, dann operieren wir das hinterfotzige Teil einfach heraus, bevor eine entartete Zelle auch nur „Piep!“ sagen kann, und ersetzen es notfalls durch eine optimierte und harmlose Nachbildung.
So eine über 80-prozentige, statistisch abgesicherte Erkrankungswahrscheinlichkeit kann einem natürlich eine Scheißangst einjagen, gar keine Frage. Oh unglückselige Angelina, Dein Engelsgesicht soll den grausen Tod nicht schauen. Da heißt es knallhart kalkuliert handeln. Der Krebs oder ich. Den Feind vernichten, bevor er noch aus den Schützengräben ‘rauskommt. Das Biest muss sterben! Die Schönheit soll leben! Silikon statt Karzinom.

Unsere Todeswahrscheinlichkeit beträgt exakt 100 %. Massenhafte Präventiv-Selbstentleibung wäre angesichts dieser überwältigenden und statistisch unleugbaren Gewissheit das aktuelle Gebot der Stunde.
Wem das zu radikal ist, der kann ja, sozusagen als sorgsam abgestimmte „flexible response“ auf die statistisch vorliegende individuelle Gefährdungslage, nach und nach die Gefahrenherde eliminieren, indem er sich peu à peu von den in Frage kommenden Organen und Körperteilen trennt. Auf chirurgischem Wege, versteht sich, und unter begleitender Obhut von Spezialisten des Vertrauens. Heute die Prostata, morgen die Leber, dann später vielleicht noch Teile des Magens, suspekte Brüste, ein Fötus mit einer minderwertigen Gen-Disposition – alles muss ‘raus! Je nachdem könnte auch das Gehirn dran glauben müssen. Prävention tut Not – nichts wie weg damit, bevor es zu spät ist! Bei der Mehrheit sollte der Gewinn an potenzieller Lebensqualität den Verlust an Denkvermögen mehr als wettmachen. Bei nicht Wenigen wird sich dieser finale Eingriff mangels Masse ohnehin erübrigen. Und für unser marodes Gesundheitswesen tun sich langfristig völlig neue Perspektiven auf. Radikalprävention auf höchstem Level. Entledigt Euch! © Mai 2013 Siegfried Galter

Winkewinke! Der Papst hat seine Schuldigkeit getan, der Papst kann gehen?

Montag, Februar 11th, 2013

Zum Wohl der Kirche

Habemus Papam? Fehlanzeige! Wir sind Papst? Es war einmal!
Der Papst schmeißt hin! Benediktus macht’s nicht mehr. Da haben wir’s. Die von Kardinal Meisner erst jüngst beklagte „Pogromstimmung gegen die katholische Kirche“ fordert ihr erstes und prominentestes Opfer. Das gab’s noch nie, oder? Naja, fast noch nie jedenfalls. In der wechselvollen Kirchengeschichte ist dies zwar kein singuläres, aber zumindest ein spektakuläres Ereignis: So etwa alle 1000 Jahre kann sowas schonmal vorkommen.
Aber wie stehen wir jetzt da? Wo sein Vorgänger Woytila noch tapfer durchhielt bis zum würdigen Ende, und spätestens damit zum Pontifex der Herzen avancierte, macht Benedikt jetzt altersbedingte Abnutzungserscheinungen geltend, um dem Vatikan einfach so von der Fahne zu gehen. Geht’s noch? Darf der das überhaupt? Einfach so zurücktreten? Die Mitra einfach so den Nagel hängen, den päpstlichen Ornat an der Garderobe abgeben, das Papamobil parken, und das war’s dann? Ist er etwa vom reinen Glauben abgefallen, heimlich? Oder gab es da womöglich doch eine Direktive von höherer Warte? Irgendwelche Unregelmäßigkeiten womöglich? Steht Benedikt etwa auch auf der Abschussliste der unbarmherzigen Rechercheure von „Pontiplag“ und Co.??
Das haben wir jetzt davon. Wie soll der gebeutelte Katholik, die angefochtene Katholikin, an seinem/ihrem Glauben, an seiner/ihrer Kirche festhalten, wenn der oberste Hirte sie so schnöde im Stich lässt in diesen schweren Zeiten? Was soll aus den krisengebeutelten verirrten Schäfchen werden?
Und was sagt der Fahnenflüchtige selbst? “Ich gehe zum Wohl der Kirche.”
Ach, wären nur auch andere Führerfiguren so weitblickend:
Wann hätte man z.B. aus dem Munde eine Konzernlenkers gehört: „Ich gehe zu Wohle des Unternehmens!“ Wann haben wir einen selbstkritischen Politiker je sagen hören: „Ich gehe zum Wohl des Volkes!“
Ein Beispiel, das Schule machen sollte, oder? So mancher würde drei Kreuze schlagen und spontan ein herzhaftes „Halleluja“ oder ein inniges „Hosiannah!“ anstimmen.
Jedoch, wir leben in närrischen Zeiten, und da heißt es wohl eher „Hossa“ statt „Hosiannah“!
Alaaf und Helau, der Papst sagt ciao! Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Noch nicht ganz, aber am 28. Februar ist es dann soweit. Das müssen wir dann wohl so zur Kenntnis nehmen, und sagen: Winkewinke!

V wie Victory! Was der schwarz-gelbe Triumpf für Deutschland bedeutet

Dienstag, Mai 15th, 2012

Die Siegerfahne ist schwarz-gelb!Entschlossenheit, Vorwärtsdrang, Unverdrossenheit, Überblick, Teamgeist, Fairness, Engagement, Optimismus, Erfolgswillen, Stehvermögen, - Meisterschaft. Das sind die Elemente, die Gewinner ausmachen, die das Volk mitreißen und begeistern, und die wir uns von unseren Leistungsträgern in Deutschland so sehr wünschen!

Für all’ das steht Schwarz-Gelb: Die Borussia hat uns gezeigt, wie es geht. Zum zweiten Mal in Folge Deutscher Meister, Meister der Herzen, und schließlich, hochverdient, auch noch als DFB-Pokalsieger aus dem Spitzenderby gegen die notorischen Tabellenführer in Lederhosen hervorgegangen. Schluss mit der selbstüberzogenen Leitkultur! Deutschland feiert den Ruhrpott-Arbeiteraufstand gegen das saturierte Fußball-Establishment.
Und in der Politik? Auch hier weht ein Hauch von Ruhrpott durch das Land, wenn auch farblich deutlich anders akzentuiert, denn die signalträchtige Farbkombi Schwarz-Gelb steht bzw. fällt hier für etwas ganz anderes:
Die oppositionsgestählten Roten berappeln sich, und kommen zunehmend aus der Verteidigung - allerdings scheint der radikale linke Flügel zusehends neutralisiert zu werden. So lange das Spiel auf halbwegs ökologischer Grundlage (also Rasen) läuft, sind die Grünen weiterhin auf dem Platz. Allerdings sehen sie sich aktuell unversehens heftig attackiert von der FC St.Pauli-Ausgabe der Parteienwelt. Die Piraten zeigen deutlich orange Flagge, und laufen, unterstützt durch eine chaotische Fangemeinde, langsam zur Bundesligareife auf. Die orangefarbenen Nebelkerzen aus der Fankurve werden es alleine aber nicht reißen.
Dagegen das konservative Lager: Die Schwarzen haben stark an Substanz verloren und laufen in deutlich ausgewaschenen Trikots in undifferenzierten Grautönen auf. Einzig auf internationalem Parkett spielt man, dank Merkel-Bonus, derzeit noch halbwegs auf Augenhöhe. Im konservativen Kader zeigt besonders die Bayernfraktion, wie aktuell der entthronte Münchner FC, deutliche Abwehrschwächen, welche auch durch zweckoptmistische Verbalgrätschen eines Seehofer nicht länger zu kaschieren sind.

Auch für Legenden ist irgendwann die Zeit gekommen. Keiner wusste das besser als der legendäre Namensvetter unserer fußballbegeisterten (immerhin!) Kanzlerin. In Bezug auf die Verlierer-Partei im blau-gelben Trikot jedoch trifft einer der berüchtigten Max-Merkel-Sprüche (aus allerdings anderem Zusammenhang) hier scheinbar nicht ganz zu:
“Ich glaube, es ist leichter, einen Rollmops durch Mund-zu-Mund-Beatmung wieder ins Leben zurückzu­holen.”
Gegen jede Vernunft und Lebenserfahrung haben es die gelbliberalen Freiheitskicker tatsächlich vermocht, von den Toten wieder aufzustehen, nachdem sie, aus Angst vor dem Tode, den politischen Selbstmord versucht hatten.
Aber noch nicht einmal das gelingt diesem Haufen verstörter Liberal-Youngster, denen eindeutig eine stabile Trainerhand fehlt. Wie man weiß, macht ein Hoffnungsträger (Lindner?) noch lange kein Team oder gar eine siegfähige Mannschaft aus. Man wird sehen, ob sie die Relegationsrunde überstehen, oder doch endlich in der Bedeutungsarmut ihrer chronischen Drittklassigkeit verschwinden werden.
Ein Lichtblick momentan ist, dass wenigstens die rechtsradikale Braunkack-Fraktion weitesgehend auf die abgesperrten Zuschauerränge verbannt bleibt. Am besten, sie schlagen sich dort gegenseitig die hohlen Schädel ein.

Deutscher Fußball und deutsche Politik zeigen doch immer wieder frappante Parallelen. Um es in Abwandlung mit einer anderen Trainerlegende zu sagen: “Nach der Wahl ist vor der Wahl” und “Die Urne ist rund und eine Legislaturperiode dauert 5 minus X Jahre” (je nachdem, wo, und wie weit Koalition, Kondition und Wahlversprechen tragen).
Da trifft wie immer des Kaisers Wort: „Schau’n ‘mer mal!“

© Siegfried Galter, 14. 05. 2012

Grass-Geflüster: Was untersagt werden muss.

Montag, April 16th, 2012

Grass lesen - oder besser: Gras rauchen?

Erschlaffte Erkenntnislyrik
Nobelpreisungs-Bonus
Eigenes Fremdverschulden
Erdichtete Wahrheit
Stammtisch-Gestammel
Aufrüstungs-Schiebereien
U-Boot-Kriegstreiberei
Wiedergutmachungs-Heuchelei
Altmänner-Geseiber
Pfeifengezündel im Walde
Weltfriedens-Geschwafel
Abrüstungs-Entrüstung
Vergangenheits-Überwältigung
Antisemitismus-Fetischismus
Unmenschliche Feindlichkeit
Atommachts-Umnachtung
Politische Hohlheit
Correctness-Gefasel
Vereinigte Einseitigkeit
Totalitarismus-Verblendung
Menschenrechts-Zersetzung
Erstschlags-Irrsinn
Gesinnungseitelkeiten
Wahrheitsvereitelung
Unsägliche Besserwisserei.

Sag’ ich doch!

© Siegfried Galter, Montag, 16. April 2012




Stahlgewitter? Theaterdonner!

Montag, Januar 9th, 2012

In Stahlgewittern standhaft!

In Stahlgewittern standhaft!

So viel Klimawandel war nie: Unwetterwarnung für Schloss Bellevue. Da braut sich immer mehr zusammen – von wegen schöne Aussicht! Blitz und Donner statt eitel Sonnenschein. Sicher - bei so viel Vernebelungstaktik und wattewolkigen Aussagen, da kann sich der Horizont schon einmal verdüstern über Berlin. Aber Stahlgewitter? Kachelmann, ick hör`Dir trapsen! Das zieht einem doch glatt die Schuhe aus.
Er sei zuversichtlich, dass “dieses Stahlgewitter bald vorbei ist”, ließ Christian Wulff gegenüber den Mitarbeitern des Bundespräsidialamts nach einem nicht dementierten Bericht der gestrigen “Bild am Sonntag” verlauten.
Was wollte Wulff mit dieser Frontschwein-Metapher Ernst Jüngers wohl zum Ausdruck bringen? Feuertaufe für einen Rookie? Stahlbad-Läuterung für einen Aufrechten? Nur die Harten kommen in den Garten? Wer nur eisern genug an seiner Position festhält, wird dem stahlbrechenden Blitzkrieg schon widerstehen? Oder: weiterhin schön im Schützengraben in Deckung bleiben, bis der Feind von alleine kapituliert? Dazu würde seine weitere Aussage passen, dass „in einem Jahr diese Affäre vergessen“ sei. Aber wo und wer ist der Feind? Unsere freiheitlich-aufrechte Bild-Springer-Presse, unermüdliche Verteidigerin der eigenen Meinungsfreiheit? Die vereinigten Moralisten und Wutbürger, die den Präsisenten aufs Korn genommen haben? Die erzürnten, von muslimischen Umstürzlern inspirierten Schuhschwenker vor dem Bundespräsidial-Schloss? Die unerschrockene und schlagkräftige, zu allem entschlossene Opposition? Womöglich gar Verräter und Überläufer aus den eigenen Reihen?
Oder war es einfach nur Blech, was der Wulff da wieder geredet hat, Blech, mit dem man früher hinter den Kulissen so schönen Theaterdonner produzieren konnte, indem man es hin- und herschwenkte, bis es wummerte? Mit bedrohlichem Geschützdonner von der Front keinesfalls zu verwechseln, und für heroische Posen denkbar ungeeignet.
Da kann man schon bedröppelt dastehen als Präsident, mit einem immer löchriger werdenden Schirm, wenn sich dann der Vorhang der Verschleierung hebt. Vom Regen in die Traufe, oder steter Tropfen höhlt den Stein. Das Stahlgewitter dräut und blitzt. Das Deutschlandfähnchen über Schloss Bellevue knattert im Wind. Die Einschläge kommen näher für unseren obersten Repräsentanten, und es kommt der Querschläger, der das Fass zum Auslaufen bringt. Und dann rettet, vielleicht, noch das weiße Fähnchen der unvermeidlichen Kapitulation.

© 09.01. 1012 Siegfried Galter

GÄHN! Vom tödlichen Ennui des Erwartbaren.

Mittwoch, Januar 4th, 2012

Erzählt uns doch EINMAL `was Neues!

Erzählt uns doch EINMAL `was Neues!

Ackermann ist ein A-A-Männchen. Köhler hat hingeschmissen*. Wulff ist unhaltbar und uneinsichtig. Guttenberg ist unfähig, uneinsichtig und unaufhaltbar. Pofalla ist… wer ist nochmal Pofalla? Merkel ist alternativlos.
Westerwelle ist der Vorläufer von Rösler. Rösler ist zum Weglaufen gut. Die FDP ist ein Auslaufmodell. Rot-Grün und Grün-Rot blockieren sich gegenseitig. Die Linke ist nicht regierungskonform. Deutschland ist Weltmeister. Deutschland war Weltmeister. Deutschland wird Weltmeister.
Der Euro wird gerettet. Der Euro wird gerettet. Der Euro wird gerettet. Europa ist eine Einheit. Es gibt keine rechte Gewalt. Der Terror von links muss bekämpft werden. Multikulti ist gescheitert. Wer sich nicht integrieren will, kann jederzeit emigrieren. Wir sind Weltmeister. Wir sind Papst. Der Papst ist unschuldig. Es gibt keinen Missbrauch in der katholischen Kirche. Der Vatikan hat immer recht. Die GEZ braucht keine Wähler. Die Banken sind böse. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen. Der Wähler/die Wählerin ist politikverdrossen. Die BRD ist eine Demokratie. Die BRD ist eine Demokratie. Der Verfassungsschutz schützt uns alle. Die BRD ist alternativlos. Der Stresstest für Wutbürger ist eine deutsche Erfindung. Es gab nie eine DDR. Gorleben ist.. was war nochmal in Gorleben? Die Energiewende ist eine Erfindung der CDU. Die Asse ist abgesoffen. In Deutschland waren Nazis immer schon eine ungefährliche Minderheit. Die deutsche Automobilindustrie ist der Motor unserer Wirtschaft. Wer arbeiten will, findet auch Arbeit. Fukushima ist überall. Es gibt keinen Klimawandel. Der Klimawandel ist beherrschbar. Der Klimagipfel bleibt ergebnisoffen. Es war nicht alles schlecht im tausendjährigen Reich. Europa wird in Brüssel erledigt. Wir brauchen mehr Mobilität, also mehr Autos und Autobahnen. Der Palästina-Konflikt ist festgefahren. Die Muslime sind selbst schuld. Made in Germany ist Made in Germany. Mindestlohn ist etwas für Arme. Der Markt wird’s schon richten. Wer nichts zu verbergen hat, kann ruhig die Hosen runterlassen. Wir sind alternativlos. Wir haben 2012. War `was?

* Wer oder Was passt nicht in diese Reihe?

© Siegfried Galter, 04.01. 2012

Heer und Stahl und Blut und Boden: Von fatalen Namenskonstellationen mit unguten Assoziationen.

Mittwoch, November 30th, 2011

Michel, mach´die Augen auf - es stinkt in D!

Michel, mach´die Augen auf - es stinkt in D!

Der vielzitierte „Deutsche Michel“ - wie kommt er eigentlich zu seinem Namen?
Zitat Brockhaus: „Die spöttische Bezeichnung für den Deutschen, meist gemünzt auf den biederen, unpolitischen, etwas schlafmützigen Bürger, findet sich erstmals 1541 in der »Sprichwörtersammlung« des deutschen Dichters Sebastian Franck (1499 bis 1542 oder 1543). …“
Nun, jene spezifischen „Michel“-Attribute ließen sich wohl auch heute noch auf die tumbe Mehrheit fast jedes europäischen Staatswesens anwenden.
In seiner bräsig-behaglichen Selbstbeschränkung gefiel sich jedenfalls der deutsche Michel in den letzten 50 Jahren darin, eine möglichst unbefleckte Weste zur Schau zu stellen, was seine braune Vergangenheit betrifft (nicht nur sauber, sondern rein!). Gelegentliche olfaktorische Irritationen von Kloakengeruch mit eindeutiger Naziherkunft wedelte er stets, mit machtvoller staatlicher Duldung und gutbürgerlicher Geste, von rechts nach links hinweg. Jüngst jedoch war der Gestank nicht mehr zu ignorieren, und geschockt musste der deutsche Michel zur Kenntnis nehmen, dass er ihn die ganzen Jahrzehnte mit sich herumgeschleppt hatte: Die nazibraune Kacke klebte unter seinem rechten Schuh und stank zum Himmel. Nun gut, könnte man einwenden, auf Grund einer sehbedingten Schwäche auf dem rechten Auge konnte der Ärmste das einfach nicht früher bemerkt haben – geschenkt. Ist halt nur ein armer Michel, und die Welt, Deutschland im besonderen, hat doch genug andere Probleme - im Moment sowieso. Da kommt unserem Staat und seinen hochorganisierten Ordnungsorganen so eine kleine isolierte Nazi-Mörderbande doch sehr ungelegen. Zum Glück und in weiser Voraussicht haben zwei dieser unglückseligen, verblendeten Minderheit sich schon freiwillig von eigener Hand aus ihrem todbringenden Leben entfernt (das möchte man zumindest den unbedarften Michel glauben machen). So verbleibt ein recht überschaubarer Aufklärungsbedarf, wie gesagt, es kann sich ja nur um eine kleine isolierte Terrorzelle handeln, da ja über zehn Jahre keinerlei Hinweise auf ihre Existenz hingedeutet haben. Lassen wir also den ganzen braunen Sumpf und die mehr als suspekt anmutenden Versäumnisse des Verfaschungsschutzes also einfach rechts hinter uns liegen, und verweisen an dieser Stelle auf eine kleine, aber dennoch bemerkenswerte Koinzidenz im aktuellen Verlauf dieser Geschichte:

Bereits in einem früheren Beitrag hatte ich mich mit den zuweilen ominös anmutenden Zusammenhängen von Namen, Namensgebung und ihrer kontextuellen Einordnung befasst. Eigentlich ganz harmlose Begriffe wie „Blut“ oder „Boden“, die in ihren ursprünglichen Bedeutungszusammenhängen rein sachlich verwendet werden können, ohne eine Gänsehaut zu verursachen, entwickeln in anderen Kontexten plötzlich eine geradezu dämonische Dimension, man denke nur an Horrorfilme oder die Machenschaften von Bodenspekulanten(!). Ein ganz ähnliches Schicksal erleiden die Träger prinzipiell unverfänglicher Nachnamen wie „Heer“ oder „Stahl“, die es in Deutschland sicher tausendfach gibt. Auch dass die Namensinhaber den prinzipell mehrheitlich ehrbaren Beruf des Juristen ausüben, stellt keinerlei Beeinträchtigung oder Bedenklichkeit dar. Ein Chirurg namens „Fleischhauer“ oder ein Bankier, der sich „Offergeld“ nennt, gerät da schon viel eher in ein ominöses Licht. Dennoch kann es einen zumindest merkwürdig berühren, wenn die beiden Juristen, welche jetzt die Verteidigung von Beate Zschäpe (der Dritten im Bunde des Nazi-Mördertrios) übernommen haben, ausgerechnet auf die Namen „Heer“ und „Stahl“ hören.
Unbenommen, dass es sich bei diesen Beiden um offenbar unbescholtene und kompetente Vertreter ihres Standes handelt, hat diese Konstellation für mich eindeutig Gänsehautpotenzial. Hätten die sich nicht jemand anderen suchen können, den sie verteidigen wollen? Mensch, da draußen rennen soooo viele schöne und vielversprechende Verbrecher und Straftäter herum, aber nein, ausgerechnet die verqueren Nachläufer der hirnkranken “Blut-und-Boden”-Ideologie müssen die verteidigen. Mene, mene Tekel, bei Nazis siegt – der Ekel. Da helfen weder Stahl noch Heer. (N)amen.
© Siegfried Galter, 30.11.2011




Von Hebeln, Hämmern, Nägeln und anderen Folterwerkzeugen

Donnerstag, Oktober 27th, 2011

Den €uro schmieden, so lange, bis er weg ist.

Den €uro schmieden, so lange, bis er weg ist.

„Wer nur den Hammer als Werkzeug kennt, für den ist jedes Problem ein Nagel!“
Dieses erkenntnishafte Zitat sei hier vorangestellt für all` jene, die glauben, in Europa würden jetzt endlich „Nägel mit Köpfen“ gemacht.
Es gibt in der Menschheitsgeschichte immer wieder selbst erschaffene Phänomene und Problemstellungen von Ausmaßen, die unter die Rubrik „too big to fail“ ebenso fallen wie unter „too big to reverse“.
Zu deutsch: Die angerührte Scheiße ist derart gigantisch, dass der einzige Weg, sie aus dem Wege zu räumen, der ist, immer noch mehr Bullshit draufzuschaufeln (bekannt auch als das altbewährte Patentrezept „more of the same shit“).
Und darauf zu warten, dass irgendwann wenigstens Biogas oder Kompost daraus entstehen möge. Nun, die Hoffnung ist seit je eines der perfidesten Folterinstrumente, mit denen uns die Politik zu quälen versteht.
Prominente Beispiele dafür liefern z.B. die erwiesener Maßen völlig sinnlose Zeitumstellung auf Winter und Sommer, bürokratische Monster wie die sog. „Umweltplakette“, die Müll-Mogelpackung „Grüner Punkt“, oder das beliebte, und weltweit immer wieder fröhlich wider besseres Wissen, Wollen und Gewissen exerzierte Wettrüsten. Von solchen Petitessen wie Klimaveränderung und Umweltzerstörung wollen wir hier gar nicht erst anfangen.
In den vergangen zwei Jahren durften wir also Zeuge werden, wie der €uro von einer goldglänzenden Weltwährung zu einem Altmetall-Derivat von zweifelhaftem Wert umgeschmiedet wurde. Offenen Maules durfte der Eurobürger an diesem epochalen Ereignis teilhaben, stieren Auges in die lohende Esse (die glodernde Lut, ähhh, die ludernde Glot, äääh, die gludernde Lot…) blickend, und dabei auch noch ein horrendes Zwangsgeld für dieses schauderliche Schauspiel entrichtend.

Und wie da die Funken flogen! Und wie da der Hammer geschwungen wurde! Und wie da immer mehr schimmernde Substanz dahinschmolz, während die Esse nahezu manisch-wahnhaft immer heißer befeuert wurde mit Tonnen von Papiergeld und völlig wertlosen Wertpapieren! Hui! Beim Odin und beim Thor, das Tor zur Hölle ist ein lauwarmer Furz gegen das Höllenfeuer, das unsere smarten Banker da entfachten, und welches unsere erbärmlichen Politiker nicht kontrollieren wollten oder konnten.
Oder habe ich da etwas falsch gesehen, und man war nur dabei, einen gewaltigen Hebel zu schmieden?! Das würde alles erklären!

Jetzt also der €uro-Rettungsschirm. Mit Furz und Feuerstein und Hebelwirkung, weil:
„Gewaltig ist des Schlossers Kraft, wenn er mit dem Hebel schafft!“
Wunderbar, so lange der Schlosser weiß, was er da tut, und dass die Hebelkraft nicht nur einen Punkt braucht, um den Hebel anzusetzen, sondern, dass die Hebelkraft auch in die entgegengesetzte Richtung wirken kann. Und, vielleicht am allerwichtigsten: Dass die Unterlage auch der aufgewandten Hebelkraft stand halten muss. So viel zum Thema Werkzeugeinsatz. Aber ob Hammer oder Hebel – wenn die Grundsubstanz nichts taugt, dann wird der Weg zum Abwracker unumgänglich sein. Früher oder später.

Das heißt im Klartext: Wenn hier ein Werkzeug angebracht ist, dann ist es der Hammer eines Auktionators, der im Rahmen einer Gesamtinsolvenz versucht, noch einen kümmerlichen Restwert aus der Konkursmasse herauszuschlagen: Drei, Zwei, Eins, Aus. Und alles unsers!

© Siegfried Galter, 27.10. 2011, Bild: fotolia