Archive for Juli, 2009

Das schlechte Omen verräterischer Namen

Donnerstag, Juli 23rd, 2009

Manche Namen sind mit Vorsicht zu genießen

Manche Namen sind mit Vorsicht zu genießen


In unserem letzten Beitrag ist es schon ein wenig angeklungen: Manche Namen haben einen verräterischen Beiklang. Wer allerdings um die magische Kraft weiß, welche manchen Namen innewohnt, wird deshalb ohne Verwunderung feststellen, dass sie eine gewisse Eigendynamik entwickeln können, die dem Namensträger/der Namensträgerin nicht immer gerecht wird oder recht sein kann.
Dabei ist es relativ unerheblich, ob es sich um eine Person, ein Tier, eine Sache oder ein Produkt handelt. Ihre einzige Gemeinsamkeit ist die, dass sie sich ihren Namen oder ihre Bezeichnung in den seltensten Fällen selbst ausgesucht haben. Dem Namensgeber fällt somit ein gehöriges Maß an Macht zu, das auf keinen Fall zu unterschätzen ist.

Familiennamen bilden hier allerdings einen Sonderfall, da sie ja meist über Generationen relativ unverändert weitergegeben werden. Aber speziell im deutschsprachigen Raum hat sich mit der Möglichkeit, per Verehelichung den Namen des Partners/der Partnerin in die eigene Namensidentität zu integrieren, eine Doppelnamen-Kultur herausgebildet, die bisweilen skurrile Formen annimmt.

Wem je im ganz unverfänglichen Rahmen einer Geschäftbesprechung oder eines offiziellen Anlasses eine Person mit Namen Dr. Büchsenschütz-Nothdurft vorgestellt wurde, oder die anfänglich wohltuend anonyme Speed-Dating- oder Internet- Bekanntschaft „Großer Bär“ oder „Wilde Hilde“ sich bürgerlich als Hubert Wurm-Schleimer oder Malwina Anders-Poppen zu erkennen gab, wird wissen, wovon ich hier rede. Ich sage nur: Contenance! Wobei im Zeitalter (mit Betonung auf Alter!) fortschreitender Inkontinenz auf allen Kontinenten mit dieser hochdiskreten Tugend immer weniger gerechnet werden kann. Aber auch das ist ein Thema, über welches man in diesem Blog zu gegebener Zeit sicher noch lesen wird.

Der altbekannte Spruch: „Nomen est Omen“ ist ja nicht von Ungefähr ein Dauerbrenner.
Weshalb dieses Thema hier und heute behandelt wird, ist primär dem Macht-Wechsel im Hause Porsche zu danken. Wie die Sender heute morgen meldeten, ist Wendelin - genannt “Der Wuchtige” - Wiedeking von seinem Vorstandsvorsitzenden-Posten bei Porsche zurückgetreten, und hat damit den Weg freigemacht für einen folgerichtig anmutenden Machtwechsel. Kleine namentliche Pikanterie am Rande: Der neue Mann, welcher das Zepter jetzt übernimmt, und damit als einer der Gewinner aus dem monatelangen Macht-Poker hervorgeht, ist niemand anderer als der langjährige Weggefährte und Wiedeking-Adlatus Michael Macht.
Der macht jetzt da weiter, wo Wiedeking, der Möchtegern-King of Wolfsburg und Zuffenhausen, mit etwas zu viel „Drive“ aus der Kurve getragen wurde.
Und Wiedeking macht sich flugs aus dem Staub, den er zuvor so schön aufwirbelte, nicht ohne einen üppig gepolsterten Airbag mit 50 Milliönchen Abfindung drin. Passt in den neuen Großraum-Porsche Panamera bequem ””””””””rein, so ein Ding, und reicht vielleicht auch noch für den nächsten Crash.
Hauptsache, der gute alte Wendelin rast nicht mit Vollgas und ungebremster Wucht in den nächsten Wendehammer: WUM!
Da wären Sie dann wieder vereint, der treue WUM und der königsgleiche Wendelin. Thööööölke!
(Anm. d. Bloggers: Der letzte Exkurs ist wahrscheinlich nur für Menschen verständlich, die das letzte Jahrtausend schon im Loriot-reifen Alter hinter sich gelassen haben).

Aber wie kriegen wir jetzt die Kurve zurück zur Namensthematik? Im Porsche etwa?
Oder doch lieber zu Fuß, wie es sich für brave HARTZ-IV-Aspiranten geziemt? Genau!

Wie zähes Harz klebt z.B. der Makel von Korruption (wegen der einschlägigen Affäre bei VW) und Unvermögen (wegen der gleichnamigen Kommission zur Ausarbeitung der umstrittenen Reformen) an dem Bundesverdienstkreuzträger(!) Peter Hartz, den schwarzen Peter wird er wohl nicht wieder los.

Die Pofallisierung der deutschen Politiklandschaft hat mit Ronald Pofalla, dem Generalsekretär der CDU, zwar nicht erst begonnen, aber sie hat mit seiner unvergleichlich profanen Physiognomie und seiner rheinisch-verwaschenen Redeweise endlich einen Gesichtsausdruck bekommen – und einen merkfähigen Namen.

Auch unsere hochgeschätzte Bundeskanzlerin hat jetzt schon alle Voraussetzungen dafür erfüllt, dass der Begriff „durchmerkeln“ in Zukunft zum Synonym für einen Politikstil der opportunen Beliebigkeit werden dürfte.

Ausnahmen bestätigen die Regel: Die Tragödie von Benno Ohnesorg hat nun herzlich wenig mit der fröhlichen Unbekümmertheit des Ohnesorg-Theaters gemein, welches sich immer der leichten Komödie verschrieben hatte, und daher eindeutig ein konsistenteres Namensschicksal aufweist als der unglückselige Benno.
Da passt der Name seines Exekutors und mutmaßlich vorsätzlichen Mörders, Karl-Heinz Kurass, schon wieder besser: Kürassiere gehörten traditionell zur gut bewaffneten und schießbereiten Truppe u.a. der preußischen und der KuK-Armee.
Anders als der nichtswürdige Stasi-Doppelspieler und heimtückische Mordschütze Kurass zeichneten sich die königlichen Kürassiere jedoch durchweg als Elitesoldaten mit unverrückbarem Ehrenkodex aus.

Interessant ist auch das Phänomen, Namen als Tätigkeitswörter umzuwidmen (siehe durchmerkeln). Auch im Englischen ist das, natürlich alles im umgangssprachlichen Rahmen, durchaus gebräuchlich: Der Song „Don’t bogart that joint my friend“ von Arlo Guthrie aus den Sechzigern des letzten Jahrhunderts dreht sich beispielsweise um die schlechte Angewohnheit, einen Joint nicht weiterzureichen, sondern wiederholt daran zu ziehen. Der Nachname des notorisch kettenrauchenden Schauspielers Humphrey Bogart (welcher dann später an Lungenkrebs verstarb (sic!) wird hier kurzerhand auf sinnfällige Art neu interpretiert. Wenn mich nicht alles täuscht, wird analog auch der Ausdruck „kürassieren“ von Heinrich Heine synonym im Sinne von soldatischer Gewaltausübung benutzt (Quellenangabe: Fehlanzeige, um sachdienliche Hinweise wird gebeten!!).

Gerade im Zeitalter epidemisch auftretender Euphemismen (Beispiel: Zwar „verteidigen wir unsere Demokratie am Hindukusch“ – O-Ton Peter Struck -, führen in aber Afghanistan laut V-Minister Franz-Josef-Jung lediglich einen „bewaffneten Kampf“. Das Unwort „Krieg“ existiert im Wortschatz dieses BW-Jungsters nicht! Oh, wie schwer es manchmal anmutet, die Dinge beim wahren Namen zu nennen!) mag es verwundern, wenn eine deutsche Behörde, die sich ohnehin nur unterirdischer Beliebtheit erfreut, eine Namensschöpfung kreiert, die man schlichtweg nur zynisch nennen kann:
Jeder Kleinstgewerbetreibende muss seit 2005 seine Steuererklärung zwingend auf elektronischem Wege an das zuständige Finanzamt übermitteln.
Dieses Verfahren nennt sich schlicht und bürokratendeutsch: ELektronische STeuer ERklärung, kurz und schmerzhaft abgekürzt: ELSTER. Nicht genug damit, dass hier dem zahlungspflichtigen Bürger eine assoziative Steilvorlage für einen geradezu staatszersetzenden Kalauer geliefert wird, nein – die fürsorgliche Behörde geht noch einen Schritt weiter. Das diebische Wappentier bildet allen Ernstes dreist das Logo für diese „Dienstleistung“ am Steuerpflichtigen! Sobald man also dieses Pogramm auf seinem Rechner aufruft, weiß man, wo die Elster den Most holt – nämlich bei einem selbst! Nachtigall, ick’ hör’ Dir trapsen! Und die Spatzen pfeifen es schon lange von den Dächern: Diese ELSTER gehört bestimmt nicht zu den bedrohten Arten, sondern kann sich eines staatlich gesicherten, üppig alimentierten Daseins erfreuen. Nimm’ die Steuern nicht so schwer – gib’ sie lieber Steinbrück Peer!
Da erwacht doch das Rumpelstilzchen in Dir! Ach, wie gut, dass niemand weiß…..

© Siegfried Galter, 23. Juli 2009

Die neuesten Kalauer aus Calov

Donnerstag, Juli 16th, 2009

Das goldene Händchen für dubiose Geschäfte

Was waren das doch für Zeiten, als man noch per Handschlag Geschäfte abschließen konnte, ohne sich anschließend vor Ärger in den Allerwertesten beißen zu müssen!
Heutzutage hingegen kann es permanent passieren, dass man ein Geschäft abgeschlossen hat, ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben. Und meist sind es keine besonders vorteilhaften Geschäfte, die so zustande kommen. Zumindest nicht für die Abnehmer, welche oft genug vorsätzlich getäuscht oder gar vertraglich genötigt werden.
In Momenten dunkelster Vergeltungsphantasien ist man direkt geneigt, nach der islamischen Scharia zu rufen, die vorsätzliche Schädigung von Anderen (allerdings: nur von Rechtgläubigen) mit drakonischen Strafen belegt, welche leicht zum Verlust der ruchlosen Hand führen können. Doch anders als der nach alttestamentarisch anmutenden Regularien Koranrecht sprechende Ältestenrat scheinen deutsche Gerichte zusehends vom Virus der Jurisprudentia Adlibitia (Rechtsprechung nach reiner Willkür) geschlagen.

Ob ruchlose Telefondrücker (sprich: Call-Center -girls und –boys), ob skrupellose Verkaufspraktiken von Telekommunikations-Dienstleistern (Klingelingeling!) oder schamlose Azocke via Internet – die deutschen Richter scheinen von ihrer Unabhängigkeit (vor allem in Bezug auf das vorherrschende bzw. tradierte Rechtsverständnis) weidlich Gebrauch zu machen, indem sie immer häufiger zu Lasten arglos in die Falle getappter Verbraucher, aber auch solider Geschäftsleute, zu hanebüchen anmutenden Urteilen kommen.
So machen sie sich, ohne das auch nur hinterfragen zu wollen, zu Handlangern von „Unternehmen“, deren einziger Geschäftszweck auf Gewinnerzielung per schamloser Ausnutzung vermeintlicher oder tatsächlich bestehender Gesetzeslücken gerichtet ist. Schon seit Jahren fallen hier besonders Abmahnvereine, Adressbuchverlage, und mit Beginn des Digitalzeitalters eben auch Anbieter von elektronischen Kommunikationsleistungen wie Mobilfunk, Telefonie und Internet besonders unangenehm auf. Ganz aktuell natürlich höchst spektakulär verstärkt durch die Geldverbrecher und Spekulanten der Bankrotteursbanken, welche sich erst scham- und dann wie immer straflos übers Eingemachte ihrer abgezockten Kundschaft hermachen durften.
Aus eigener Erfahrung und Anschauung, wie natürlich auch aus dem Bedürfnis, die Mitwelt vor ähnlichen Erfahrungen zu warnen, sei hier auf einen Fall verwiesen, der noch ein paar aufschlussreiche Nebenaspekte aufweist, v.a. was die aktive und perfide Einschränkung der Freiheit von Rede, Medien und Meinungsäußerung betrifft.

Der Familienname Calov geht, dem Vernehmen nach, auf den Namen der Stadt Calau in der brandenburgischen Niederlausitz zurück. Dort wiederum wird auch die etymologische Herkunft des bekannten „Kalauers“ verortet. Dieser „faule Witz“ wird laut Wikipedia möglicherweise aber auch von dem französischen Wort „calembour“ hergeleitet.
Wie und woher auch immer – die Verbindung „Calov“ und „fauler Witz“ jedenfalls ergibt, zumindest im Zusammenhang mit der gleichnamigen Calov Internet AG mit Hauptsitz im schwäbischen Steinenbronn, eine sinnfällige Paarung.
Und ähnlich wie über oberfaule Kalauer manchmal nur mühsam Heiterkeit aufkommen will, sorgt diese „Dienstleistungsfirma“, die neuerdings übrigens bundesweit unter der neuen Firmierung „Marktplatz Deutschland.de AG“ in Erscheinung tritt, mit zumindest anrüchigen Geschäftsmethoden und aggressivem Geschäftsgebaren schon länger für Aufruhr.
Die einschlägigen Internetforen sind (oder waren zumindest bis vor Kurzem noch) voll mit (teils ohnmächtigen) Unmuts- und Wutäußerungen, die ein schillerndes Spektrum hart am Rande der Legalität angesiedelter, höchst geschäftstüchtiger Aktivitäten dieser Firma bzw. Firmengruppe entlarvten.
Es war unschwer erkennbar, dass hier etwas zum Himmel stinkt, ein Umstand, welcher unseren Internet-Raubrittern verständlicher Weise nicht ins Konzept passte. Denn eine saubere Web-Weste ist natürlich gerade für eher zwielichtige Anbieter von höchstem Wert.
Tja, Herrschaften, aber wer im Geschäftsleben derart fulminant mit Scheisse schmeisst, braucht sich halt nicht zu wundern, wenn etwas davon an einem selbst hängen bleibt!

Doch hat das Unternehmen offensichtlich erfolgreich die große juristische Drohkeule ausgepackt, die ohnehin zur Grundausstattung ihres zweifelhaften Geschäftsmodells gehört. Ergebnis: Die Mehrzahl der Plattform-Betreiber, darunter selbst große wie GOMOPA bis XING gab diesem Druck nach, und löschte die freien Meinungsäußerungen ihrer Mitglieder (darunter auch 2 Beiträge des Verfassers) mit dem für Calov und Konsorten natürlich unerfreulichen Inhalt aus ihren Foren.

Ja - selbst der große Google-Gott überrascht uns bei entsprechenden Suchanfragen (Suchbegriffe: Calov Internet AG, Marktplatz Deutschland.de AG, Abzocke, Gerichtsurteil) ab Seite 6 der Suchergebnisliste mit der verstörenden Nachricht:

„Aus Rechtsgründen hat Google X Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt. Weitere Informationen über diese Rechtsgründe finden Sie unter ChillingEffects.org.“

Dennoch gibt es zum Glück immer ein paar Unerschrockene, welche diesem Internet-Imperialismus trotzig die Stirn bieten. Wir verneigen uns an dieser Stelle daher ausdrücklich vor der dringend nötigen Zivilcourage der Betreiber von
www.adressbuchbetrug-info.net/
www.verbraucherabzocke.info/
www.bauernfaenger.info/
www.abofallen.biz
und ein paar wenigen mehr aufrechter Geister, die aus eigenem oder öffentlichem Interesse ein Minimum an Rückgrat zeigen, (siehe auch:

www.szon.de/lokales/ehingen/ehingen/200901280242.html
www.kirchheim-heimstetten.de/664/)

Doch wie heikel es offenbar mittlerweile ist, seine Meinung, auch wenn sie durch Fakten belegbar keine üble Nachrede, sondern reine Sachverhalte und subjektive Bewertungen beinhaltet, zu äußern, zeigt sich anhand folgender Warnmeldung, die wir auf einer Seite mit der Berichterstattung über die Calov-Machenschaften vorfanden:

„Wenn Sie eine Homepage haben, legen Sie keinen anklickbaren Link auf diese Info Seite, da das Ärger geben kann.
Stattdessen können Sie schreiben:
Adressbuch-Schwindel
Auf einer Seite unter der URL verbraucherabzocke.info werden Firmen, die von der Redaktion als dubios eingestuft werden, beschrieben. Vor allem gibt es Informationen, wie man sich wehren kann.”

Wie der buchstäbliche Treppenwitz mutet es daher an, dass ausgerechnet jener Andreas Calov, Gründer der legendären Calov Internet AG und FDP-Mitglied auf der Gemeinderatsliste von Leinfelden-Echterdingen, sich als Internet-Saubermann geriert.
Er präsentiert sich u.a. als ehrenamtlicher Vorsitzender des Online-Schutzverbandes e.V., dessen Internet-Adresse, oh Wunder! direkt auf Marktplatz-Deutschland.de verlinkt ist.
Auf der FDP-Seite war, allerdings auch nur bis vor kurzem, folgende Selbstdarstellung über Andreas Calov abrufbar:

Gemeinderatsliste
Andreas Calov, 57, selbstständiger Medienunternehmer, verheiratet, 2 Söhne

„Ich lebe seit 1977 in Leinfelden-Echterdingen, zunächst in Musberg und seit 2002 in Leinfelden-Oberaichen. Seit 1986 bin ich beruflich in der Online-Branche tätig, zunächst neben meinem Foto-Franchise-Unternehmen mit Sitz und angeschlossenem Ladengeschäft in Musberg, später hauptberuflich. Im Jahr 2000 gründete ich ich die Calov Internet AG, die sich zu einem der führenden Regionalportale im Internet entwickelte und im vergangenen Jahr umfirmierte in Marktplatz-Deutschland.de AG.
Viele Jahre war ich aktiv in der Jugendarbeit des TSV Musberg tätig und bin seit 1989 ehrenamtlicher Vorsitzender der Online-Schutzverbandes e.V., einem Verbraucher (! sic)- und Jugendschutzverband für Online-Medien…..“

Über Ziele, Inhalte oder gar konkrete Arbeit dieses Vereins lässt sich, zumindest im Web, aktuell allerdings nichts finden. Ein Schelm, wer Schlechtes dabei dächte.

Aber wir schießen zurück, wenn auch nicht mit gleichem Kaliber:

Kleinkalauer

Es lauert ein „K“
hinter jeder Ecke
ein Mann mit Gewehr beschützt eine Hecke

Das große „K“
zu verschießen, das liebt er
Da ist mir das lauernde
doch ein and’res “K”aliber!

© Siegfried Galter 16. Juli 2009

Es lebe das analoge Surrogat-Extrakt-Derivat!

Dienstag, Juli 14th, 2009

Dienstag, 14. Juli 2009-07-13

Welche Kröte soll''s denn heute sein?

Welche Kröte soll''s denn heute sein?

Wir sind doch alle arme Schlucker, oder nicht? Die Kröten, die man uns Tag für Tag kredenzt, damit wir sie sang- und klanglos, vor allem aber klaglos schlucken, sie werden immer monströser.
Aber was man vom Lebensmittel- und Ernährungssektor aktuell (oder womöglich: schon viel länger, nur leider völlig unentdeckt?!) so geboten und angeboten bekommt, das lässt den Pawlow’schen Hund in der Pfanne verrückt werden, und bringt den vorfreudigen Speichelfluss jäh zum Versiegen.
Zu gut deutsch:
Dem Verbraucher/der Verbraucherin bleibt sichtlich die Spucke weg bei all’ den Zumutungen, die in der letzten Zeit so ruchbar geworden sind. Und wie soll man da, bitteschön, noch halbwegs wirtschaftstragend schlucken können?
Das berüchtigte Gammelfleisch, so haben wir mittlerweile begriffen, ist zwar etwas ekelerregend, jedoch, bei guter Durchgarung, nicht wirklich gesundheitsschädlich.
(„Wenn Ihr wüsstet, was wir IM KRIEG alles gegessen haben!“)
Geschenkt. Naja, nicht ganz, aber dafür Hauptsache: billig.

Im Krieg trank man ja auch den Ersatzkaffee, liebevoll Muckefuck genannt, und als „Kaffeesurrogatextrakt“ bezeichnet. Wurde aus heimischen deutschen Eicheln gebrannt, so weit ich weiß. War sicher ziemlich gesund, das Gebräu, allerdings hat sich die deutsche Eichhörnchen-Population erst Jahrzehnte später wieder halbwegs erholt.
Aber zurück zu den aktuellen Krisenschauplätzen: Auch dass in 8 von 10 getesteten Sorten Vanilleeis keine Spur von Vanille zu finden war – wen stört’s, solange es nur annähernd nach Vanille schmeckt? Die müssen einem aber auch jeden Genuss vermiesen, diese drögen Tester! Genauso zielführend wäre es etwa, in TV-Unterhaltungssendungen nach Unterhaltung zu suchen, oder sich mit TV-Soaps waschen zu wollen…
Dann geisterte plötzlich dieser Analog-Käse durch die Medien, nicht zu verwechseln mit seinem medialen Antagonisten, dem Digitalkäse, der heute vornehmlich das Internet überschwemmt. Nein, Analog-Käse deshalb, weil es sich hier um ein revolutionäres Produkt der äußerst kreativen Lebensmittelchemie handelt, das weitgehend analoge, also gleichartige Eigenschaften aufweist wie das nachgeahmte Originalprodukt Naturkäse.
Auch dieser „Natur“-Käse wird heute natürlich größtenteils schon industriell hergestellt, weist jedoch auch als standardisiertes Massenprodukt noch einige Schwachstellen auf, die durch die Retorte jetzt „optimiert“ werden konnten. Hauptvorteil des neuen Analog-Käses: Er ist um ca. 40 % billiger herzustellen als das Original. Und man braucht dafür keine Milch. Genial, was? Damit ist die Milchkrise auch gleich vom Tisch, denn die Bauern können dann endlich ganz auf Grüntourismus und EU-subventionierte Komplettstilllegung ausweichen!
Auch beim sog. „Formschinken“ handelt es sich um ein billiges Imitat aus Fleischresten, welches unter Beigabe von viel Wasser, Gewürzen, Gelatine und Druck zu minderwertigem Schummelschinken geformt (daher der euphemistische Name) wird.
Auf der Pizza, in der Gastronomie und in Großbäckereien ist diese Sauerei mit schwindendem Schweineanteil ein echter Renner mit immensem Wachstumspotenzial.
Wer’s merkt…

Die aktuelle Mogelliste ließe sich mit gefälschten Garnelen (Luxus für Alle!), hergestellt aus formgepresstem Fischeiweiß, sowie garantiert schokoladefreien Schokokeksen und einer Unzahl bisher nicht entdeckter, aufgedeckter oder bereits längst wieder verdrängter Lebensmittelskandale (ich sage nur: Weinskandal, Olivenölskandal, radioaktiv verseuchtes Milchpulver…!) fortsetzen – allein: Wer will das wirklich alles ganz genau wissen? Wenn es erst einmal im Magen ist, geht es ohnehin den Weg alles Irdischen. Hauptsache, nicht gesundheitsschädlich, aber da sind unsere Behörden ja so was von auf Zack! Und: Hauptsache billig. Genau. Also: Augen zu, und tapfer immer weiter schlucken.
Dennoch gibt das ganze Thema zu mehr als spitzfindiger Betrachtung Anlass. So war in der Wochenendausgabe der SÜDDEUTSCHEN vom 11./12. Juli 09 in einem Beitrag von „kopierten Lebensmitteln“ die Rede. Vielleicht sollte man sich generell den Unterschied zwischen einer Kopie und einem Imitat klar machen. Von den Chinesen lernen, heißt auch hier: Einsicht lernen.

Dazu ein kleiner Exkurs:
Ein Imitat gibt sich i.d.R. immer als solches zu erkennen, d.h. es erhebt gar nicht erst den Anspruch, mit dem Original verwechselt oder gleichgesetzt zu werden. Das Imitat begnügt sich vielmehr bescheiden mit der ihm eigenen Unvollkommenheit oder Verschrobenheit, meist im Sinne einer billigen oder eigenwilligen Interpretation des Originals. Es handelt sich also um eine Nachahmung, und wird auch so benannt: (siehe: Kaffee-Ersatz u.ä.). Maßt sich das Imitat jedoch mehr an, so wird man es bald als Mogelpackung oder Betrugsversuch entlarven. Am Beispiel Analog-Käse zeigt sich sehr schön, wie zähfließend hier die Grenzen verlaufen.

Eine Kopie hingegen ist ein ganz anderes Kaliber. Natürlich gibt es auch hier jede Abstufung zwischen nahezu perfekt und grottenerbärmlich geschludert. Jedoch: Die Kopie steht in direkter Konkurrenz zum Original, denn es ist eine Nachfertigung,
deren erklärte Funktion es ist, das Original auszustechen, was oft genug auch gelingt (siehe China). So euphemisiert sich Formschinken, der sich anmaßt, Schinken zu sein, klammheimlich auf die Teller - obwohl er doch nur wenig mehr ist als warmgepresster Schlachtabfall.

Nun ergeben sich, vor allem aus Sicht der Verbraucher, genau zwei grundsätzliche Sicht- und Verhaltensweisen.
Die Einen geben sich mit dem Imitat zufrieden, weil es ihnen erlaubt, sich ihrem Ideal von Lebensqualität zumindest ideell anzunähern, d.h. sie machen sich, das Defizit des Wertegefälles ignorierend, wenigstens die Illusion zu eigen, wohl wissend, dass es für das Original niemals reicht. Sie sind aber uneitel oder arm genug, sich damit zu bescheiden.
An dieser Stelle könnte sich ein weiterer Exkurs über die Imitat-Kultur in der DDR anschließen, wir verkneifen uns das jedoch mit einem Hinweis auf die Tatsache, dass auch in Wirtschaftswunderland Imitate an der Tagesordnung waren: „Nur wo NUTELLA draufsteht, ist auch NUTELLA drin!“ - in den anderen Gläsern war NUTOKA, und genau so schmeckte es auch!

Die anderen Ersatzhandler wollen eigentlich das Original, lassen sich aber, entweder aus Geiz oder aus Unwissenheit, oder aus schierer Dummheit (= selbstverschuldete Unwissenheit) mit der Kopie abspeisen. Diese Käuferspezies will es definitiv nicht besser wissen, und lebt lieber weiter in der Illusion, für billiges Geld ein hochwertiges Original erworben zu haben.

Die Quintessenz (oder das Extrakt, um im Duktus zu bleiben) dieser Überlegungen:

1. Imitate, Derivate, Surrogate und Kopien sind ursprünglich der Not geschuldete Versuche, einem Versorgungsdefizit abzuhelfen. In Krisenzeiten und –gebieten haben und hatten sie ohne Zweifel ihre Daseinsberechtigung. Die Tatsache, dass sie heute aus reiner Profitgier den Markt unserer Überflusswirtschaft überschwemmen, ist der eigentliche Skandal, der buchstäblich zum Himmel stinkt!

2. Käse, Schinken, Garnelen, Speiseeis, u.v.a.m. sind Nahrungs- und Lebensmittel, die uns zunehmend nur noch als billige Imitate oder Fälschungen zugänglich gemacht werden.

3. Geld ist ein Zahlungsmittel, mit dem wir all’ diesen Mist kaufen.
Was spricht also dagegen, zunehmend schlecht imitierte oder schlampig kopierte Produkte, Waren und Lebensmittel mit adäquaten Zahlungsmitteln zu erwerben?
Zumal die latente Geldentwertung ohnehin am Horizont lauert?

Kauft und sterbt!

Kauft und sterbt!


Um in den Kategorien zu bleiben: Schnelle Geldimitate vom Farbkopierer für zusammengeschlampte Produkt- und Lebensmittelimitate. Aufwändigere Geldkopien aus der Fälscherwerkstatt für die etwas besseren Produkt- und Lebensmittelkopien aus den Retorten und Labors der Lebensmittel-Mafia.
Und das echte Geld? Können wir uns sparen für die wenigen wirklich guten Sachen, die es noch wert sind! Ist das nicht pfanni?

© Siegfried Galter, 14.Juli 2009

Die Krise? Reine Nervensache!

Montag, Juli 13th, 2009

Montag, 13. Juli 2009-07-13

Trotzdem lachen - auch wenn''s wehtut!

Trotzdem lachen - auch wenns wehtut!

Reine Nervensache

Grins’ frech dem Irrsinn ins Gesicht
und hoff’ drauf, er erkennt mich nicht

Biet’ dreist dem Wahnsinn meine Stirn
und bet’, dass er verschont mein Hirn

Lach’ mich über Schwachsinn krank
und krank’ zugleich an meiner Angst

Mokier’ mich über die Psychose
und mach’ vor Schiss mir in die Hose

Verhöhne das Delirium
und fang’ das Tremolieren an

Dreh’ der Demenz ”ne lange Nase
und fürcht’ immens die letzte Phase

Der Paranoia pfeif’ ich eins
im Walde steh’ ich – ganz allein

Ich hau’ das Gaga in die Pfanne
tralala – und bin echt panne!

© Siegfried Galter 22.06. 1992

Geschlechterkrise, die Erste

Samstag, Juli 11th, 2009

Freitag, 10. Juli 2009-07-10

Die Gürtellinie ist unterschritten! (Wieder einmal/immer weiter/immer tiefer?)
Kurze Freitagsmeditation zur Geschlechterkrise, die Erste (Meditation, nicht Krise!)

Heute hatte ich wieder einmal Post von meiner eMail-Freundin Beate (die mit den sexy Uhsancen)
in der Mailbox.

Als eine meiner treuesten e-Brieffreundinnen hält sie mich über den aktuellen, geschlechtsübergreifenden Krisenstand in- und außerhalb des Ehestandes auf dem Laufenden.
Allerdings ist der Briefverkehr etwas einseitig, was daran liegen mag, dass sie eindeutig zu den Gewinnlern dieses Dauer-Krisenherdes genannt Sexualität zählt, meine Kleinigkeit hingegen,
unter dem Strich betrachtet, wohl eher zu den Verlierern.
Aber das wäre zu anderer Gelegenheit sicherlich ein lohnender Betrachtungsgegenstand (nein, nicht meine Kleinigkeit, sondern das Krisengefälle!) …

Also zurück zur Gürtellinie:
Als Außenstehender hat man ja zum Teil keine wirkliche Vorstellung davon, was sich in der horizontalen, vertikalen und diametralen Ebene deutscher Schlaf- und Beischlafräume so alles abspielt. Oder auch gerade nicht abspielt! Und das ist auch gut so, denn zuviel Insiderwissen kann einem womöglich den unschuldigen Nachtschlaf rauben. Vom unvoreingenommenen Beischlaf einmal ganz zu schweigen.

Heute allerdings schreckte mich Beate mit der folgenden, geradezu aufrüttelnd alarmierenden Betreffzeile aus meiner vor-wochenendlich ungetrübten Gedankenlosigkeit:

Der Bedarf an SM-Zubehör nimmt explosiv zu!
So titelte es mir aus der Betreffzeile des eMail-Newsletters, als dessen schamloser Abonnent ich mich hier heute oute, entgegen, aufreizend untermalt von einem züchtigungsbereiten und gar nicht züchtig gekleideten Weibe, siehe unten:

Wenn Du zum Weibe gehst ....

Wenn Du zum Weibe gehst ....

Whipwhiphurraa, jubelte es in mir, wozu künftig noch sündteure und laugewürzte Mirakel-Whip kaufen, wenn ich ein rattenscharfes 2-teiliges Gratis-Set zur schmerzfördernden Ganzkörper-Stimulanz bei jeder Online-Bestellung draufgesattelt bekomme??!! Ich kam, sah, und sabberte nur:
NAUGHTY DIVA! Wer wollte ein solch außerordentlich verführerisches Angebot geißeln wollen?
Und das angesichts weltweiter Rezessions-Szenarien und Abwrack-Perversionen?
Nie war Geiz geiler, liebe Leute!
Um es in Abwandlung eines formidablen Slogans der GUINESS-Werbung zu illustrieren:
„DIVA punishes parts, other girls do not reach“
Allein - die „explosive“, geradezu zunahmihafte Bedarfszunahme an SM-Zubehör machte mich dann doch schnell hörig. Schnell hellhörig.

Der Bedarf nimmt also zu. Explosionsartig. Da drängen sich doch gleich mehrere tiefschürfende Fragen auf. Zunächst: Wessen Bedarf? Ich meine, wer bedarf so plötzlich exzessiv mehr dieses einschlägigen Zubehörs? Sind es mehr die Männer? Erlebt hier womöglich der Leitspruch des alten Friedrich Nietzsche eine Renaissance, der sich zu seiner Zeit schon als SM-Jünger zu erkennen gab, als er den geradezu kantischen Imperativ postulierte: “Wenn Du zum Weibe gehst, vergiss nicht die Peitsche!”
Oder sind es womöglich doch zunehmend die Frauen, welche Initiative und Peitschengriff in die zarte Hand nehmen? Aber wer wendet dieses „Zubehör“ dann bevorzugt auf wen an? Männlein auf Weiblein oder Weiblein auf Männlein, oder im fliegenden Wechsel?
Oder sind solche Vorlieben jetzt auch im gleichgeschlechtlichen Austausch sexueller Zärtlichkeiten stark im Kommen? Oder handelt es sich womöglich um fehlgeleitete Flagellanten aus dem Umfeld der katholischen Kirche, die solches Gerät zur einsamen Selbstbestrafung ihrer weltlichen und sündigen Abschweifungen vom wahren Glauben exzessiv (miss)brauchen? Das könnte zu einer massiven Marktverzerrung durch verschobene Nachfragestrukturen führen! Wie man sieht, tun sich hier geradezu Abgründe krisenhaft erschütternder Fragen auf.
Und was hat man sich denn nun so alles unter SM-Zubehör vorzustellen, wenn die neunschwänzig gestrapste Katze (sprich: Peitsche) sozusagen den untersten Level der Grundausstattung definiert? Wo ist der SM-Zubehörkatalog dann ausgereizt? Da sträubt sich die Fantasie des eher konventionell gepolten Schreiberlings.
Ist womöglich der Schmerz die letzte Bastion der Selbstvergewisserung angesichts immer weiterer Abstumpfung der Gefühlswelten, in die wir uns aus reinem Selbstschutz flüchten?
Ist dieser Bedarf ein weiteres Indiz für eine tiefgreifende und schmerzhafte Krise unseres Gesellschaftssystems und unserer sozialen Beziehungen, i.B. zwischen den Geschlechtern?
Aber halt! Vielleicht ist das alles gar nicht so extrem. Schauen wir doch noch einmal genauer hin:
Die Diva schaut eigentlich eher entspannt-sexy aus und in die Kamera, na ja, so weit ihre Augenmaske das eben zulässt. Darauf steht DIVA gedruckt, nicht DOMINA. Allerdings hat sie da diese Peitsche in der Hand. Nun gut, damit ist sie, wenigstens für den Moment, außer Gefahr, Opfer männlich-aggressiver Sadopraktiken zu werden. Und auf ihr Gegenüber wirkt sie auch nicht wirklich bedrohlich. Wer weiß, wo sie, so dekorativ geblendet, ihre “Katze” tanzen lässt?
Wahrscheinlich ist im Zeitalter des Cybersex sowieso alles ganz anders. Die Dame ist, rein physisch, eine vollkommen virtuelle Erscheinung, das Ganze eine reine Projektionsebene für eine Ersatzhandlung, nämlich den online-Kauf von Sexspielzeug. Gab’s gerade eine Sonderlieferung aus China, muss alles ”raus. War mir als altem Werbefuzzi natürlich sofort klar.

Deshalb tut sie ja nur so, droht sozusagen vielsagend-scherzend mit der Peitsche und sagt: „Du böserböser Junge glaubst aber auch alles, was böse kleine Mädchen wie Beate Dich glauben machen wollen. Ich will doch nur spielen, Du alter Spielverderber, und Dich auf meine Bestellseite locken! Aber Du siehst natürlich vor lauter SM wieder alles nur durch Deine schwarze Krisenbrille. Schäm’ Dich, und kauf’ uns was Schönes zur Strafe!“
Und der böse Bube windet sich und wendet sich schamrot ab und denkt: „Nur gut, dass sie diese Maske aufhat, und nicht sieht, wie peinlich mir das alles ist!“

(c) Siegfried Galter, 10.07.2009