Archive for September, 2009

IAAAAA! Wieviel Eselsstärken braucht die neue Kanzler(innen)-Limousine?

Dienstag, September 29th, 2009

Politiker, und vor allem Kanzler und -innen, haben’’s komfortabel in Auto-Deutschland. Außen wie innen.
Wo sich in der „guten alten Zeit“ Staatsträger wie zugehörige Korsettträgerinnen darin gefielen, in protzigen Sechsspännern mit demnach genau 6 PS vorzufahren
–- sei es zu Staatsempfängen, zur Oper oder auch auf ihrem letzten Weg zum Staatsbegräbnis –
darf und muss es heutzutage natürlich etwas mehr sein.

Opel war gestern. Die Führungselite fährt BMW!

Opel war gestern. Die Führungselite fährt BMW!


Exakt 90,6 Mal soviel, nämlich gelinde 544 Pferdestärken bietet die neue Staatskarosse der Bayerischen Motorenwerke auf, um den prätentiösen Körper unserer Kanzlerin sicher und schnell von Termin zu Termin zu chauffieren. So präsentiert auf der gerade zu Ende gegangenen IAA. Zum Vergleich: Ein Sechsspänner ist weder terrorsicher gepanzert, noch klimatisiert, noch vollelektrifiziert, noch GPS-geführt. Er ist auch nicht in der Lage, das gesamte Ensemble aus Kanzlerin, Fahrer, Bodyguard nebst Gepäck, Staatsakten und Kosmetikköfferchen in 6,2 Sekunden auf 100 KM/h zu katapultieren und ein paar Sekunden später die 210 KM/h Schallgrenze zu erreichen, bei der die Vmax automatisch abgeregelt wird. Man ist ja schließlich in Regierungsgeschäften unterwegs, und nicht auf der Flucht!! Das kann, neben den Konkurrenzmodellen aus dem Hause mit den Ringen und dem Stern, nur noch der BMW 760 Li High Securtity! So ein Sechsspänner kackt dagegen einfach nur mächtig ab, und zwar aus den schön breiten Ärschen von sechs prächtigen Zugpferden!
Aber: Der Sechsspänner ist hochrepräsentabel und auf kurzen Strecken sogar halbwegs komfortabel. Auch wenn er, Summa Summarum, wahrscheinlich sogar mehr als die 4 Tonnen Gesamtgewicht auf die Waage bringt als der vierrädrige, rundum gepanzerte PS-Protz aus Bayern.

Zur Verdeutlichung: Wollte man das Leistungspotenzial des BMW in echte Pferdestärken übersetzen, bräuchte man dafür ein Gespann von der Länge eines doppelten ICE!
Das wäre denn doch ein bisschen zu viel des Guten. Und genau daran zeigt sich, wie unzeitgemäß so ein Pferdegespann heutzutage doch ist! Und außerdem, bei aller Bescheidenheit: Wer, wenn nicht wir Deutschen haben die Kernkompetenz, automobiltechnische Überlegenheit zu demonstrieren? Und zwar nicht nur auf der IAA! Schließlich sind wir Kanzlerin!

Wie es ja schon der größte aller Staatsratsvorsitzenden so treffend festzuhalten wusste, hielt ja zumindest den sozialistischen DDR-Staatsapparat in seinem Lauf weder Ochs” noch Esel auf.
Unseren offenbar völlig mit den Pferden durchgegangenen Kapitalismuswahn offenbar erst recht nicht. Hier hilft wohl nur die Flucht nach vorn: Mit Megabschleunigung Rücksturz in die Leistungsgesellschaft der glorreichen 90er Jahre des letzten Jahrhunderts.
Auf dem Highway zur Hölle – am Steuer Guido Westerwelle, das rockt! Und Angie mit wehendem Haar und ohne jedes Korsett rockt im Duett. Neue Straßen braucht das Land!

(c) Siegfried Galter, 29.09.2009

ARBEIT FÜR ALLE!

Dienstag, September 15th, 2009

DAMIT KANN ICH ARBEITEN!

Der Autor hat seit dem 23. Juli 2009 keinen Krisenartikel mehr verfasst.
Was ist passiert? Hat ihn eine akute Schaffenskrise ereilt?
Hat ihn der berüchtigte „Horror vacui“, wieder einmal, eingeholt? Oder war es doch eher ganz profan nur ein Sommerloch?
Aber: Wir sind ja, so kurz vor der bundesdeutschen Schicksalswahl, eigentlich schon wieder aus dem Gröbsten ”raus, wie man allenthalben lesen, fernsehen und hören kann.
Krise war gestern, jetzt krempeln wir wieder schön die Ärmel hoch und räumen die Scherben der letzten Finanzexzesse mit vereinten Kräften beiseite. Auf den oberen Etagen bei Banken, Versicherungen und Kapitaldienstleistern herrscht ja schon wieder schönste Feierlaune, es wird in neuen fetten aktuellen und künftigen Gewinnen geschwelgt. Gut so! Weiter so! Nur wer hat, kann auch verlieren, oder? Hoch die Tassen! Lassen wir das wohlfeile Staatsgeld wieder frei für uns arbeiten!
Jedenfalls lässt sich mit dieser Arbeitshypothese (oder war es doch eher eine Hypothek?) wieder so richtig anschaffen.
Die Maschine läuft wieder an, sie soll auch anständig geschmiert werden. Damit von dem selbstbesoffenen Segen auch bei den unteren Chargen wenigstens ein paar Promille ankommen, wird die Arbeitsmoral entsprechend gestärkt.
DAMIT KANN ICH ARBEITEN! JaWOLL! WIR HABEN DIE KRAFT!, und:
ARBEIT MUSS SICH WIEDER LOHNEN!

Wer die Wahl hat, sieht schnell doppelt

Wer die Wahl hat, braucht Motivationshilfen

Im Schulterschluss mit den Wahlslogans der staatstragenden und -räsonierenden Parteien wirft sich jetzt auch die METRO in die Bresche, und verkündet ein neues Arbeitsethos, dessen Niveau wie Inhalt ebenfalls im Promillebereich angesiedelt ist:
DAMIT KANN ICH ARBEITEN lautet das Motto der aktuell anlaufenden VK-Promotion (siehe Bild, alle Rechte bei der METRO AG), welche uns die dafür unabdingbaren Utensilien prominent offeriert.
Und was ist das wohl? Natürlich Promillehaltiges zur Stärkung der angeschlagenen Arbeitsmoral. Weil, wie jeder weiß, ist die Arbeit des durchschnittlichen Staatsbürgers generell nur noch im Suff zu ertragen, seit er sich darüber klar ist, wofür er und latürnich auch sie sich tagtäglich den Arsch abrackert die kommenden 100 Dekaden. Und zwar VOLLE PULLE!
Danke METRO, für dieses wirklich hilfreiche und seelentröstende Angebot, von dem wir sicher reichhaltig Gebrauch machen werden. Und sei es nur, um am 27.09. 2009 kollektiv im Saufkoma zu enden.
Auf das Bundestagswohl!

Man beachte dazu übrigens den Aktionszeitraum (17. - 30. 09.), welcher den Wahltermin am 27.09 geradezu brüderlich umschließt: WERKTÄTIGE ALLER LÄNDER - BESAUFT EUCH!– na denn: PROST!!

(c) Siegfried Galter, 14.09.2009