Archive for Dezember, 2009

Konjunkturbelebung all””italiana: Wurfgeschosse statt Wachstumsbeschleunigungsgesetz!

Donnerstag, Dezember 17th, 2009

Schweres Geschütz ist nicht Jedermanns Sache (Foto: dpa)

Schweres Geschütz ist nicht Jedermanns Sache (Foto: dpa)


Immer müssen unsere armen Politiker ihren Kopf hinhalten! Bei uns wird aktuell der smarte Von-und-zu mit den unüberschaubar vielen Vornamen unter Feuer genommen, wenn nicht gar gleich komplett verheizt, wegen der kleinen Zündelei am Hindukusch. Dabei - ”mal ganz ehrlich: Was interessiert uns ein ausgebrannter Spritlaster im fernen Talibanistan, wenn hier im Hochoktanland Deutschland trotzdem die Spritpreise explodieren? Auch auf das klangvolle und sinnreiche „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ der neuen Bundesregierung hat man sich jetzt auf breiter Front eingeschossen. Dabei ist die nachhaltige Belebung von Hotelbetten und Beherbergungsbetrieben doch gerade in der Vor-Weihnachtszeit ein herzerwärmendes Thema, Stichwort Bethlehem, Stall, Kind in der Krippe, na, klingelt’’s?
Aber, Hand aufs christlich erwärmte Herz: Bedarf es dazu wirklich eines Gesetz- und Wortungetüms von Gottes Gnaden? Ginge es nicht einfach ein bisschen kleiner? Wachstumsbeschleunigung, schön und gut, aber geht das nicht auch etwas unbürokratischer, sprich: direkter und vor allem – schneller?
Bei uns wohl nicht, weil sich die Politiker hierzulande im Zweifelsfalle lieber wegducken und hinter ihren schützenden Paragrafen verschanzen.

Stattdessen machen uns die viel geschmähten Italiener vor, wie einfach das mit der Konjunkturbelebung gehen kann. Ganz in vorderster Reihe und vollkommen selbstlos ist Silvio Berlusconi ein leuchtendes Beispiel für eine passive Wirtschaftsförderung mit „Köpfchen“. Der Mann hat einfach ein Näschen für den Trend der Zeit: Einfach im entscheidenden Moment zur Stelle sein, standhalten, nicht wegducken, sondern den objektiven Tatsachen tapfer ins Auge sehen! So lässt sich Profil gewinnen, selbst im wirtschaftlich schwer angeschlagenen Italien.

Ein gelungener Wurf - Nachbildung des Mailänder Doms

Ein gelungener Wurf - Nachbildung des Mailänder Doms


Wie einschlägigen Organen gestern noch zu entnehmen war, sind die Nachbildungen des Mailänder Doms plötzlich eine hoch begehrte Reliquie nicht nur bei fremdländischen Touristen. Nach der sonntäglichen Attacke auf den italienischen Regierungschef erfreut sich das wuchtige Souvenir einer explosionsartig gewachsenen Nachfrage, die bis zum 5-fachen des Üblichen gestiegen ist!
Wenn das keine Zuwachsraten sind, verehrte Frau Merkel, lieber Herr Brüderle, Frau von-der-Leyen, (Herrn Schäuble wollen wir an dieser Stelle lieber aus der Schusslinie nehmen…)? Warum nicht bei uns?
Doch damit nicht genug:Bereits jetzt werden in Neapel physiognomisch aktualisierte Berlusconi-Figuren - mit angepasster Nasenpartie und blutüberströmt, der Heiland lässt schön grüßen - als Krippenfiguren feilgeboten, ein ganz neuer Wirtschaftszweig entsteht – alles dank der umsichtigen und geballten Wirtschaftskompetenz des italienischen Staatsführers.
Bella Figura! (Foto: afp)

Bella Figura! (Foto: afp)


Volle Wachstumsbeschleunigung also durch reine Objektbeschleunigung. Diese wiederum erzeugt durch reine Schwer- und Muskelkraft, welche als Ressourcen quasi unerschöpflich und nahezu kostenneutral zur Verfügung stehen!
Ein Konjunkturprogramm, das seinesgleichen sucht und Beispiel machen sollte - auch bei uns! Denn es könnte doch alles so einfach sein: Stillhalten, aushalten, durchhalten, statt die Bevölkerung dauernd nur hinzuhalten. Und wenn die Fresse dick ist, einfach das Maul halten – so geht das!

(c) Siegfried Galter, 17.12. 2009

Der “Bello” und das Biest: Berlusconi und die Poesie der Schönheit

Montag, Dezember 14th, 2009

War das Thema Schönheits-OP vor Jahren noch eines der ganz wenigen Tabus für den sonst so offenherzig agierenden Silvio Berlusconi , so markiert der gestrige Tag eine Trendwende im öffentlichen Auftreten des italienischen Staatsführers. Erst 2004 bekannte sich „Bello Berlusconi“ erstmals eher zurückhaltend dazu, seine Physiognomie einem glättenden Eingriff unterzogen zu haben – eine Gesichtskorrektur, welche in den Folgejahren durch weitere kleinere Anpassungen optimiert wurde. Wie dazu aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautete, habe sich der kulturell umfassend gebildete Staatschef dabei von Heinrich Bölls „Ansichten eines Clowns“ inspirieren lassen.
Ohnehin selten geplagt von der Angst vor Gesichtsverlust, ging der italienische Premier nun noch einen Schritt weiter, indem er sich erstmals öffentlich einer Schönheits-OP unterzog.
Unmittelbar nachdem Berlusconi gestern bei einem Wahlkampfauftritt in Mailand sein markantes Gesicht hingehalten hatte, ließ er dasselbe durch die berufene Hand eines 42-jährigen Landsmannes nochmals nachhaltig verschönern. Sowohl die Ortswahl als auch das dabei verwendete OP-Besteck waren dabei vom hoher Symbolkraft: Im Beisein zahlreicher Parteigänger und Verfechter des „dolce vita italiana“ fand der öffentliche Eingriff auf der Mailänder Domplatte statt. Ein historischer Ort, an dem auch schon der „Duce“ Benito Mussolini sein markiges Wort an die Mailänder Bevölkerung zu richten pflegte.

Die Macht in ihrer wahren Schönheit

Die Macht in ihrer wahren Schönheit

Konsequenter Weise rückte der entschlossene Operateur dem einzig legitimen Mussolini-Nachfolger mit einer steinernen Nachbildung des Mailänder Doms, deren Turmspitze durch eine Abbildung der Hl. Madonna gekrönt wird, auf die Pelle.
Ziel der Aktion war wohl eine Nasenkorrektur sowie eine etwas zurückhaltendere Gestaltung der vorlauten Mundpartie der rechtsgerichteten Führerfigur.
Wie Beobachter und Medien übereinstimmend berichteten, wurde die Operation mit einem einzigen, kraftvoll geführten Streich vollzogen, mutmaßlich mit dem metallenen Sockel des Souvenirs, welches sich nun der bleibenden Erinnerung des Premiers erfreuen dürfte.

"Bello" Berlusconi vor ...

''Bello'' Berlusconi vor ...


... und nach dem Eingriff

... und nach dem Eingriff


Mannhaft ließ der italienische Parteiführer den ohne Zweifel schmerzhaften Eingriff ganz ohne Betäubung über sich ergehen, jedoch zeigte er direkt im Anschluss eine gewisse Schwächereaktion. Möglicherweise bedingt durch den unvermeidlichen Blutverlust, wie auch die Tatsache, dass er wohl zwei seiner makellos nachgebildeten Frontzähne vorübergehend einbüßte, musste der 73-jährige Politiker kurzzeitig von seinen Sicherheitsleuten gestützt werden, bevor er sich vorsichtshalber zur weiteren Beobachtung und Nachsorge in eine Mailänder Klinik chauffieren ließ.
Politik und ihr wahres Gesicht

Politik und ihr wahres Gesicht


Begleitet von lautstarken „da capo“ und „Bravo“-Rufen, konnte sich Berlusconi einmal mehr der ungeteilten Aufmerksamkeit und Anteilnahme der Öffentlichkeit an seiner Person versichern.
Mit der jüngsten bemerkenswerten Korrektur seines öffentlichen Erscheinungsbildes folgt Berlusconi einer guten Tradition, welche bereits vor ihm andere namhafte Politiker begründeten – wenn auch selten mit solch beispielhafter Konsequenz.
Der deutsche Dekaden-Kanzler Kohl zeigte bereits 1991 sein untrügliches Gespür für die tiefen Bedürfnisse der Volksseele, als er sich in Halle öffentlich eine Eierpackung auflegen ließ - allerdings mit deutlich geringerem Nachhaltigkeitseffekt.
Ei, Ei, Ei, ein faules war dabei!

Ei, Ei, Ei, ein faules war dabei!


Der alte Trapper-Spruch „Walk a mile in my shoes…“ verfehlte gerade bei Ex-US-Präsident George Walker Bush völlig seine appellatorische Wirkung, nachdem auch der ihm zugedachte Schuh sein Gesicht, und damit sein Ziel leider verfehlt hatte. Bei mehr Treffsicherheit des Werfers wäre der schwere Gang der Geschichte sicherlich zumindest zeitweise im Angesicht dieses unbedarften Bush-Kriegers nachzulesen gewesen.
Operation accomplished!

Operation accomplished!


Auch der rote(!) Farbbeutel, mit dem Joschka Fischer einst die Schamesröte über den Verrat aller grünen Ideale zu kaschieren suchte, blieb nur ein flüchtiger Farbakzent ohne jede tiefergehende Dauerwirkung.
Schöner die Ohren nie klingeln...

Schöner die Ohren nie klingeln...


Was wäre aus alledem zu resümieren? Wer nicht hören will, soll wenigstens gut aussehen, damit er/sie sich vielleicht besser fühlt. Immer schön aufpassen, dass aus einem „Casus Bello“ kein „Casus Belli“ wird. Und: Wahre Schönheit kommt von innen, während äußerer Glanz bisweilen doch recht schmerzhaft scheint.

(c) Siegfried Galter, 14.12. 2009 Quellen/Bilder:keystone, ap, dpa