Archive for Februar, 2011

Causa Guttenberg: Wir fordern Ablass!

Freitag, Februar 18th, 2011

NEIN! Dies wird nicht der schäbige Versuch, einem ohnehin schon Strauchelnden, und in politische Verstrickungen Verhedderten den letzten verhängnisvollen Stoß zu versetzen. Umso mehr, als er sich hinterrücks, und mittlerweile von allen Seiten (womöglich gar mit heimtückischer Unterstützung aus den eigenen Reihen!) unter Beschuss sieht, und sich nur mit Mühen noch auf seinem stolzglänzenden Ross halten kann.
Und die Fallhöhe wäre in der Tat eine beträchtliche, wenn auch ein Heer gut geölter Steigbügelhalter parat stünde, um dem Frei- und Verteidigungs-Feldherrn wieder in den Sattel zu helfen. Was immer auch seine Verfehlung gewesen sein mag, es gilt die Unschuldsvermutung, und die lautet nun einmal: „In Dubio pro Theo“.

Die selbe Unschuldsvermutung übrigens, welche andere Kavaliere und Kleintäter bei ihren diversen Delikten schützt, sei es die Kassiererin, welche im guten Glauben einen liegengelassenen Getränkebon für sich verbuchte, und folgerichtig fristlos ihr Arbeitsverhältnis aufgekündigt bekam, sei es die hungrige Altenpflegerin, welcher ähnliches widerfuhr, nachdem sie sich des schweren Maultaschen-Mundraubes in Gestalt eines liegengebliebenen Essensrestes überführt sah …
Die Liste der Versuchungen und menschlicher Verfehlungen ist endlos, und wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe alle Sorgen auf IHN!
Denn ER vergibt uns alle unsere Sünden, ganz im Sinne der guten christlichen Tradition, auf die sich unsere Leitkultur so gerne beruft. Deshalb heißt die CSU ja auch Christlich Soziale Union und nicht etwa ISU (für: Islamisch Soziale Union).
Denn dann würde es womöglich vollends eng für Leute, die geistigen Diebstahl leichtfertig für ein Kavaliersdelikt halten: Nach dem Gesetz der unerbittlichen Scharia geht der Dieb seiner ruchlosen Hand verlustig. Geistiger Diebstahl müsste folgerichtig den Kopf kosten.
Und das können und wollen wir uns nicht einmal ausdenken, auch wenn jetzt schon von vielen Moralisten lauthals der Kopf des Vorzeige-Ministers gefordert wird. Gerade das können wir uns in Zeiten der Krise (die wir ja nicht nur am Hindukusch heldenhaft und selbstlos durchfechten) einfach nicht leisten! Deutschland hat nicht so viele herausragende Köpfe aufzubieten in der Politik, als dass wir leichtfertig auch nur auf einen einzigen von ihnen verzichten könnten! Und sei er auch etwas pomadig selbstgefällig und manchem Neider zu gutaussehend.
Also lasst ab von Eurem kleingeistigen Ruf nach Rücktritt, Sühne oder gar Reue!
Beruft Euch nicht auf Sitte, Anstand und Moral, die ein Relikt aus längst überkommenen Zeiten, und in einer säkularen, globalisiert kapitalistisch orientierten Gesellschaft einfach nicht mehr angemessen sind!
Mit diesen Forderungen brandmarkt Ihr Euch selbst als Fußvolk, welches die wahre Größe und die übergeordneten Ziele und Zusammenhänge nicht zu erkennen vermag.
Aber auch Du, Theo, lass´ab von Deinem eitlen Handeln und Auftreten, und widme Dich reinen Herzens und freien Geistes Deinen vornehmsten Pflichten und Deiner Verantwortung Deinem Wahlvolk gegenüber – auch wenn es Deiner adligen Herkunft und Deiner strahlenden Präsenz eigentlich nicht wirklich würdig ist.

Wer schreibt, der bleibt. Wer abschreibt, der zahlt und bleibt.

Wer schreibt, der bleibt. Wer abschreibt, der zahlt und bleibt.


Jedoch: Wie fürderhin umgehen mit dem Thema Schuld und Sühne? Vor allem, wenn es für die Gesellschaft unverzichtbare, Leistungs-, Verantwortungs-, Funktions- und Amtsträger betrifft?
Wie den bisweilen womöglich berechtigten Volkszorn über Untreue, Verwerflichkeit, Bestechlichkeit, Unzuverlässigkeit, Verkommenheit, Verantwortungslosigkeit, etc. befrieden, wenn man aus opportunen Gründen von Sanktionen wie Rücktritt, Anklage, gar Haft absehen will?
Auch hier bietet unsere christlich-religiös-geprägte Tradition ein vortreffllich erprobtes Procedere an, welches schon der Katholischen Kirche zu Gebote stand und ihr zu Macht und ewig währendem Wohlstand verholfen hat: Es ist die Vergebung. Ja, die christliche Vergebung, gewährt gegen die Entrichtung eines kleinen, aber angemessenen Obolus (zu deutsch: Abgabe).
Man nannte es auch sinnfällig Ablasszahlung, für den, der fürderhin von seinen Sünden ablassen wollte. Danach war das Konto sozusagen wieder jungfräulich auf Null gestellt, und konnte wiederum neu (mit erneut ablassfähigen) Sünden belastet werden.
Das Perpetuum Mobile der Kapitalbeschaffung war geschaffen, denn sündig ist der Mensch in alle Ewigkeit. Besonders anfällig natürlich unsere Politiker. Auf einen falschen Fuffziger mehr oder weniger kommt es dabei nicht an. Man muss ja nicht aus allem gleich eine Doktorarbeit machen!
Deshalb lautet die Forderung der Stunde: ABLASS FÜR ALLE. Und zwar abgestimmt nach Schwere ihrer Verfehlung. Welch beispielhafter Akt christlicher Vergebung und Nächstenliebe! Welch geniales Instrument der politischen Hygiene! Der Staatshaushalt wäre auf einen Schlag und auf unabsehbare Zeit saniert!
Die Zahlungen könnten bei weniger solventen Chargen des politischen Kaders aus den Pfründen von Lobbyisten geleistet werden, eine bruchlose Politik und Ämter-Erbfolge wäre damit ebenfalls gesichert. Endlich Kontinuität und Entscheidungssicherheit. Kommet her zu mir alle, die Ihr mühselig und schuldbeladen seid, ich will Euch erleichtern. Amen. Theo, wir danken Dir.
(c) Siggi Galter, 18.02.2011

10 kleine Negerlein - huch? Welche Quote darf´s denn heute sein?

Montag, Februar 14th, 2011

Wer heute noch den Abzählreim „Zehn kleine Negerlein“ in den vorlauten Mund nimmt, pfuibäh!, bekommt sofort einen Seifen-Einlauf der Marke: - politisch, antiseptisch, korrekt – verpasst. Es lässt sich sicherlich darüber streiten, ob einst gedanken-, und meist arglos verwendete Begriffe wie „Mohrenkopf“ oder “Negerkuss“ wirklich noch zeitgemäß und integrationsfördernd sind. Zumal wir heute - ganz ohne seifigen Beigeschmack - solch wunderschöne Ersatz-Wortschöpfungen wie „Schoko-“ oder „Schaumkuss“ in den Mund nehmen dürfen.
Wirklich Schaum vor dem Mund erzeugen jedoch die Absonderungen von Sarrazin und Konsorten, welche die nie stattgefunden habende Integrationspolitik in Deutschland als schädlich und zerstörerisch für unseren Leitkultur-Wertekanon ansehen.
Kleiner Exkurs an dieser Stelle: Vom Sarrazin zum Muezzin gibt es ja eine direkte etymologische Verbindung (Sarrazin = Sarazener = islamgläubiger Araber !)
Das würde die alte These stützen, dass die Renegaten stets die schärfsten Kritiker ihres früheren Dogmas abgeben.

Doch zurück zur Integrationspolitik:
Auch unsere Bundesmutter Merkel hat ja höchstselbst und in bewährt alternativloser Manier das „Modell Mulitkulti“ für „absolut gescheitert“ erklärt. So weit, so gescheit.
Umso mehr nimmt es Wunder, dass ausgerechnet die CDU im Musterländle Baden-Württemberg auf sehr plakative Art ein Multikulti-Motiv für Ihre Wahlwerbe-Kampagne strapaziert. Oder wie sonst sollte man dieses Motiv mit dem berüchtigten „Quoten-Negerle“ wohl deuten?

Bildungschancen für Alle! Zumindest für Viele ...

Bildungschancen für Alle! Zumindest für Viele ...


Die Quote ist allüberall: Frauen, Ausländer, Abweichler, Ausweichler, Bildungsbürger und -verweigerer, Fremd- und Rechtgläubige - alles und überall wird derzeit quotiert.
Auch die Chancen auf Bildung unterliegen der Quote, wenn man diesem brandaktuellen CDU-Wahlplakat Glauben schenken will.
Oder wie sollte man die titelnde Aussage „Viele Chancen auf gute Bildung“ sonst deuten?
Wie viele Chancen genau? 10, 20, 33,3 Prozent? Und für wen?
Und warum wohl ist der sympathisch lächelnde Junge im orangefarbenen Poloshirt einen ganzen Kopf größer als seine beiden Mitschüler-Darsteller? Handelt es sich hier um einen Austauschschüler vom afrikanischen Kontinent, ist er ein bisschen frühreif, oder, aufgemerkt, jetzt wird’s vollends fies: Naja, vielleicht ein wenig zurück in der Bildung, und deshalb ein besonders förderungswürdiges Kind aus womöglich prekären Verhältnissen, Frau Schavan? Wir wollen ja hier niemanden diskriminieren, schon gar nicht wegen seiner Religion, Hautfarbe, Herkunft oder seiner politischen Überzeugung, und gerade deswegen stellen wir diese Frage an die CDU Baden-Württemberg: Ist dieser Junge das erste Opfer von G-8, oder, ganz im Gegenteil, der erste Repräsentant eines interkulturell aufgestellten Lehr- und Lernversuchs, bei dem der eklatante Mangel an qualifiziertem und jungem Lehrpersonal durch hochbegabte Mitschüler (hier: den sympathischen Jungen im orangefarbenen Polohemd) aus höheren Klassen ausgeglichen werden soll?
Das ist wahrscheinlich die einzig sinnvolle und wahrhaftige Intention und Interpretation dieses optimistisch stimmenden Wahlplakats, denn gerade aktuell haben wir´s in Ägypten ja vorgemacht bekommen: Von anderen Kulturen lernen, heißt: Kultur lernen.

Auch wenn die Ausländer bei uns immer noch in der Minderzahl sind, kommt diese Botschaft zur richtigen Zeit: Nach diversen Vertrauensverlusten und Umfrageeinbrüchen braucht die Christen-Partei bei ihrer Schicksalswahl am 27. März die Stimme jeder noch so kleinen Minderheit. …. Ein kleines Negerlein, das wählte die Union, es hat ganz brav sein Kreuz gemacht, doch Schreiben konnt´ es schon!
(c) Siegfried Galter, 14.02.2011

Vom Windjammer zum Katzenjammer: GORCH FOCK - Deutschlands Renommierschiff – ein „schwimmender Puff“?

Freitag, Februar 4th, 2011

Die Unschuld weißer Segel. Die Sehnsucht weiter Meere. Die Häfen fremder Länder. Der Stolz der Marine. Die Ehre der Matrosen. Alles schneeweiße Gischt von gestern, vom Winde verwehte Seeromantik?

Eine Seefahrt, die ist lustvoll, ....

Eine Seefahrt, die ist lustvoll, ....


Wo selbst räudige Landratten und eingefleischte AntimilitaristInnen knieweich werden, ist ein Sehnsuchtsort auf hoher See: An Bord der schneeweißen Pracht-Segelyacht der Deutschen Marine, der GORCH FOCK, ist die Welt noch in Ordnung. So glaubte man wenigstens.
Klar, dass auf den sieben Meeren der Mensch in Gottes Hand ist – geschenkt.
Da kann und muss Neptun schon einmal ein kleines Menschenopfer dargebracht werden, von Zeit zu Zeit.
Aus hohen Wanten sah man sie fallen. Gefallene Mädchen am Anfang ihrer Offizierslaufbahn. Gefallen für Deutschland. SoldatInnenschicksal. Tragisch und todtraurig ganz ohne Zweifel. Doch davon geht die heile Welt unserer Bundesmarine nicht unter, und das Schulschiff der Nation erst recht nicht.
Belastbares Menschenmaterial ist nun einmal das Resultat harter und erbarmungsloser Auslese. IN THE NAVY gehts halt manchmal knallhart zur Sache. Opfer müssen eben gebracht werden fürs Vaterland und für die Führungskarriere, beim Klabautermann! Aber gleich zwei innerhalb von zwei Jahren? Ist dieser Blutzoll nicht doch etwas hoch für ein Traumschiff unter Deutscher Flagge? Ist ja schließlich kein Bananendampfer unter zweifelhaftem Kommando, unsere prachtvolle GORCH. Oder womöglich doch?

Plötzlich, aus scheinbar wolkenlos blauem Himmel, kämpft sich der Prachtsegler durch schwere See:
Die Sünden der Marine. Der Hochmut der Offiziere. Der Kleinmut der Kadetten. Der Grauschleier des Verdachts. Das Lotterleben an Bord. Die Rituale des Missbrauchs. Die Ungeheuerlichkeit der Vorgänge.
Alles nur übles Seemannsgarn? Von ruch- und disziplinlosen Meuterern in die Welt gesetzt? Oder steckt doch womöglich ein grundlegendes Führungsproblem dahinter?
Und wie geht es jetzt weiter mit der GORCH FOCK?
Klar Schiff und Weitermachen? Oder wird sie womöglich abgetakelt wie eine alte Hafenhure?

A propos: Unter all den ungeheuerlich anmutenden Vorwürfen und Äußerungen im Skandal um die GORCH FOCK treibt unser ganzes Land aktuell eine besonders perfide Aussage um:
Die glorreiche und schneeweiße Seekönigin sei in Wahrheit „Der größte schwimmende Puff Deutschlands“.
So die kolportierte Aussage eines Besatzungsmitglieds (ob mit oder ohne Glied, ist nicht belastbar überliefert)(!)
IN THE NAVY scheint es bisweilen eben auch recht feuchtfröhlich zuzugehen!
Aber halt! Wäre das nicht DIE Gelegenheit für einen fundamentalen Paradigmenwechsel?
Statt schneeweißer Segel sündige Laken. Statt in jedem Hafen eine Braut jede Menge Bräute an Bord! Und auch die Hardcore-Uniform-Fetischisten kommen auf ihre Kosten - Heidiewindsbraut!


"Ein Schiff wird kommen, und meine Sehnsucht stillen..."

Ein Schiff wird kommen, und meine Sehnsucht stillen...


„Ein Schiff wird kommen, und meine Sehnsucht stillen …“ besang schon weiland Lale Andersen dieses unstillbare Verlangen nach Meer. Welche Sehnsucht das sein kann, an Bord und unter Deck, in und außerhalb von Kajüten und Kojen – der ausschweifenden Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt, die See ist weit, und das Land ist fern.

Vom Schulschiff zum Buhlschiff – welch ein Werdegang!
Aus der Botschafterin unter weiß-blauen Segeln könnte eine horizontale Dienstleisterin unter rosa Wimpeln werden. Diese gekennzeichnet mit den aufreizend gespreizten Schenkeln der Buhlschaft. Sankt Pauli ohée auf hoher See!
Auch unter neuer Flagge könnte ihr Name, geringfügig verändert, völlig neue Strahlkraft gewinnen: Adieu GORCH FOCK, Ahoi GORCH FUCK!

Hinterm Horizont geht’s weiter. Von Wogen geschüttelt, wird es doch nicht untergeh’n.
Auch wenn es die Wogen des Skandals und der Empörung sind. Die glätten sich schon wieder. GOOD LUCK, GORCH-FUCK!

(c) Siegfried Galter, 04/02/2011