Archive for Juni, 2011

Schuldenkrise: Von Bankrott- und anderen Erklärungen

Donnerstag, Juni 30th, 2011

Wie lange währt eine Währung?

Wie lange währt eine Währung?

Kann man bankrott sein, und trotzdem liquide bleiben? Man kann. Nicht nur der Weltgigant USA exerziert uns dieses Kunststück mit immer atemberaubenderer Finanzakrobatik Tag für Tag vor. Die Schuldenbilanz der USA astronomisch zu nennen, wäre angesichts des aktuellen US-Staatsdefizits von 14.000 Mrd. (oder in größeren Einheiten und kleineren Zahlen: 14. Bio.) Dollar (in absoluten Zahlen: $ 14.000.000.000.000,-) ein reiner Euphemismus.

Dagegen sind die Griechen die reinsten Korinthenkacker.
A propos: Alexander der Große war alles andere als das. Dem sagenumwobenen König von Makedonien (Region im heutigen Griechenland) und Hegemon des Korinthischen Bundes gelang es seinerzeit, die Grenzen seines Reiches bis an den Indischen Subkontinent auszudehnen. Nach seinem Einmarsch in Ägypten wurde er dort als neuer Pharao begrüßt.
Das könnte ihm heutzutage womöglich auch wieder passieren…
Mit seinem Regierungsantritt begann das Zeitalter des Hellenismus, dessen kulturelle Traditionen den politischen Zusammenbruch der damaligen griechischen Welt überdauerten, und noch Jahrhunderte in Rom sowie in Byzanz fortwirkten.
Was vom ersten „echten“ Weltreich der menschlichen Geschichte übrig geblieben ist, können wir aktuell partiell u.a. in Griechenland besichtigen. Die ehemals so stolzen Hellenen sitzen heute auf den Ruinen einer längst zu Staub zerfallenen Hegemonie und einem Schuldenberg astronomischen Ausmaßes, und müssen zusehen, wie verfettete Touristen einer westlichen Weltmacht ihre eigentlich wertlosen Dollars verprassen.
Das tut weh, vor allem, wenn man gleichzeitig der Zeit nachtrauert, in der griechische Drachmen ein zwar wertloses, aber wenigstens inflationär verfügbares Zahlungsmittel waren.
Insofern wundert es wenig, dass es nicht so einfach ist, dem erzürnten Mann auf der Straße in Athen den bevorstehenden oder virtuellen Bankrott seines Landes zu erklären.

„Freiheit oder Tod“ dieser heroische Wahlspruch der Hellenischen Republik erhält im Zeichen der €uro-Krise eine völlig neue Aktualität. Denn dass „Jeder für sich alleine stirbt“, ist im Rahmen der €uro-Konstruktion so nicht vorgesehen. Also gibt es statt gnädiger Sterbehilfe, oder zumindest der Würde eines selbstbestimmten Niedergangs, nur das gnadenlose Mittel der künstlichen Daseinsverlängerung. Zwangsbeatmung im Angesicht akuten Organversagens. Teuerste Apparatemedizin gegen galoppierende Schwindsucht. Verlängert die Agonie, und gibt den Helfern das gute Gefühl, alles Menschenmögliche getan zu haben.
Auch wenn jeder weiß, dass es ein gigantischer Selbstbetrug ist. Die ehemals glanzvollen Sterne auf der EU-Flagge haben merklich an Strahlkraft eingebüßt, das Konstrukt zeigt erste massive Ausfallerscheinungen.

Sicher, der Stern der Griechen war schon länger im Sinken begriffen, aber vielleicht erhofften sie sich von der mächtigen Europa, die ja in der griechischen Mythologie eine herausragende Rolle spielt, den berechtigten göttlichen Beistand. Nebenbei ist der geheimnisvolle Jupitermond gleichen Namens ein Symbol für Strahlkraft schlechthin. Jedoch profitieren Monde stets nur vom Abglanz einer fernen Sonne.
Um im astronomischen Weltbild zu bleiben: Die kleineren Sterne eines Systems verglühen irgendwann. Die wirklich großen hingegen bleiben uns noch äonenlang als aufgeblähte „Rote Riesen“ erhalten, bevor sie einen Gravitationskollaps erleiden und in einer gigantischen Supernova verenden, um danach bedrohliche Schwarze Löcher zu hinterlassen, deren Antimaterie alles ins Verderben reißt, was sich ihnen fahrlässig nähert.
Mit anderen Worten: Wer nur groß genug ist, der hat immer die Chance auf einen grandiosen Abgang. Bankrotteure aller Länder, vereinigt Euch!
Die Hellenen aber, wenn sie nicht vom großen schwarzen Haushaltsloch verschlungen werden wollen, sind auf ewig dazu verdonnert, irgendwann alles zurückzubezahlen – und zwar auf Hellas und Pfennig!

© Siegfried Galter, 30.06.2011

AUSGEHECKT! Was wirklich hinter EHEC steckt…

Dienstag, Juni 7th, 2011

„Ich bin ja so verschossen – in Deine Sojasprossen“ Das war einmal. Ade Du schöne heile Welt des Vegetarismus. Jetzt haben wir den Salat: eiskalte Killertomaten, vergiftete Schlangengurken, tückische Trieblinge jagen uns angstvolle Schauer durch den zusammengekrampften Magen und trachten dem arglosen Verbraucher nach dem Leben.

Es grünt so grün, wenn die Phobien blüh''n ...

Es grünt so grün, wenn die Phobien blüh`n ...

EHEC erhebt sein mörderisches Haupt. Schon ranken sich die wildesten Gerüchte, und verwegenste Verschwörungstheorien treiben ihre obskuren Blüten: Schlichte Hygieneschlamperei, Gülle-Terroristen oder neueste Biowaffen aus dem undichten Genlabor? In dem zusehends dichter werdenden Dschungel aus Vermutungen, Verdächtigungen und Fehlinformationen wird es immer schwieriger, das Offensichtliche wahrzunehmen. Denn wie bei jeder menschengemachten Krise stellt sich doch zuallererst die Frage: Wem nutzt es? Nun, sicher nicht den bereits festzustellenden Opfern und Todesfällen, die es beklagenswerter Weise schon gibt und noch geben wird.
Dabei gibt es doch, bei einigem Nachdenken, nur eine sinnvolle Erklärung für den gerade grassierenden EHECTIZISMUS. Aber warum checkt das denn keiner? Oder haben hier alle Tomaten auf den Augen?
Also, dann ganz langsam zum Mitdenken: Gerade erst hat die ökobeseelte Bürgerbewegung der Atomlobby den Saft abgedreht, oder zumindest kräftig die Rendite verwässert. Grün ist allenthalben auf dem Vormarsch, und wird womöglich noch andere Lobbyistenbranchen empfindlich treffen. Na, schon eine Idee? Wie wär´s denn z.B. mit der Chemieindustrie. Oder Pharma? Oder Verpackungsindustrie? Oder Lebensmittelindustrie? Oder? Oder? Denen geht doch jetzt der Allerwerteste so richtig auf Grundeis, oder? Wenn hier erst einmal die grüne Revolution ins Rollen kommt, bleibt denen doch in diesem Lande kein Schein mehr in der Tasche. Oder? Davor haben die jetzt so richtig Angst. Oder? Deshalb gibt’s jetzt die EHEC-Phobie, jawohl. Die erwischt die Grünzeugfresser dort, wo es ihnen am wehesten tut: An Ihrer kerngesunden und ideologiegesättigten Öko-Plauze nämlich. Vielleicht ist einigen ja aufgefallen, dass es vor allem Bio-Erzeuger und -Produkte waren, die (wenn auch bisher unbewiesener Maßen und fahrlässig voreilig) als mögliche EHEC-Verbrecher oder -Verteiler gebrandmarkt wurden?
Bio-psychologische Kriegführung nennt sich das: Erst wird die Grün-Phobie implantiert, dann wird sie epidemieartig auf die Grünen-Phobie ausgeweitet. So läuft die Chose, liebe Leute.
Indem sie die Grundwerte und die Moral der Öks fundamental erschüttert, genau dort, wo sie sich tagtäglich ihre Saubermannsmoral auffrischen: IM REFORMHAUS.
Aber wenn das Reformhaus erst verseucht ist, gibt’s auch keine Reformen mehr, so einfach ist die Rechnung.
Grün = Bio = Gefährlich! Gülle = Bio = Pfui! Chemie = Sauber = Gesund! Pharma = Sicher = Gut! Usw.usf.
Da soll mal kein unheimlicher Verdacht aufkeimen oder die Fantasie ins Kraut schießen?

„Erst kommt das Fressen, und dann kommt die Moral.“ Soweit die ewiggültige Erkenntnis des alten Berthold Brecht. Und nach der werden die Grünen und ihre sauberen Sympathisanten jetzt fraktionsweise vom Glauben abfallen, wetten dass? Und sie werden endlich die unleugbaren Vorteile von industriellem Fast- und Fertigfood, antibiotischer Massenprophylaxe, keimfrei in Plastik verschweißter Massennahrung und gentechnisch einwandfrei unbedenklicher Nahrungsmittel schätzen lernen.
Nur: was macht der Normalo, der einfach nur seinen Vitaminhaushalt auf herkömmliche und natürliche Art im Gleichgewicht halten will? Da müssen wir jetzt durch! Jede Revolution fordert ihre Opfer, und die Gegenrevolution noch viel mehr!
Bis dahin gilt die alte Regel; „An apple a day keeps the doctor away!“ Warum? Ganz einfach: Äpfel wachsen auf dem Baum, und kein Rindvieh scheißt so hoch, noch nicht einmal mit Dünnpfiff. Vom Verzehr von Fallobst wird allerdings nachdrücklich abgeraten. Ebenso wie von halbgaren Rindviechern.

(c) Siegfried Galter, 07.06. 2011