Archive for Oktober, 2011

55-plus – von der unbezahlbaren Weisheit des Alters

Montag, Oktober 31st, 2011

Der Horror vacui - er lauert hinter der großen Zahl...

Der Horror vacui - er lauert hinter der großen Zahl...

„Mit dem Alter kommt die Weisheit“, heißt es doch immer so schön. Nun, wenn wir Weisheit mit Erkenntnis gleichsetzen wollten, und die Spruchweisheit auch umgekehrt gilt, dann wären wir wohl innerhalb der letzten fünf Jahre mit Lichtgeschwindigkeit gealtert. So viel Erkenntnis war nie!

Aber der Reihe nach:
Vor gefühlt hundert Jahren, also ungefähr noch im letzten Jahrtausend, waren Banken und der Staat Institutionen, denen man mit gewisser ehrfürchtiger Scheu begegnete, galten sie doch weit gehend als unfehlbar. Jedenfalls waren ihre Machenschaften für uns Normalsterbliche seit je so undurchschaubar, dass man lieber an ihre Unfehlbarkeit glauben mochte, als an ihre Unfähigkeit.
Dann wurden wir aber sehr schnell des Schlechteren belehrt, nämlich, dass auch sie sich durchaus verkalkulieren können, und zwar in nicht ganz unerheblichem Ausmaß. Nun gut, man lernte hinzu, auch diese Institutionen werden nur von Menschen geführt, und die machen nun einmal ganz menschliche Fehler. Geschenkt. Nach 2008 gewann man ein, zwei Jahre, und gleichzeitig die Erkenntnis ganzer Dekaden hinzu. Auch `was wert.
Dann war jedoch zu hören, dass im Finanzwesen mittlerweile Maschinen wesentliche Teile der Entscheidungsprozesse übernommen hätten. Die Rede ist von den weltweit vernetzten Börsencomputern und deren Softwareprogrammen, welche heute weitgehend selbsttätig das Börsengeschehen bestimmen, und damit, wie bereits mehrfach erlebt, unaufhaltsam(!) gewisse fatale Entwicklungen auslösen können. Ein außer Kontrolle geratenes AKW löst gegen so einen Amok laufenden Geldreaktor nur einen leisen Ionenschauer aus.
Auch die Politik schien machtlos, aber das musste ja noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, wenn auch fürderhin immer öfter das magische Adjektiv „alternativlos“ zu hören war. Mangels Alternativen sah man sich weniger geneigt als genötigt, das angeschlagene Vertrauen durch immer weitere und ewigkeitsfeste Vertrauensbeweise zu unterfüttern.
Denn Panik ist das Gegenteil von Weisheit. Wenn aber Weisheit auf Erkenntnis beruht, und diese erst mit dem Alter kommt, dann sind wir womöglich einfach schon zu alt, um noch zu reagieren oder gar zu fliehen? Rein gefühlt könnte das stimmen: Eine Bankrotterklärung jagt die nächste. Jeder Kredit jedenfalls ist spätestens seit vorgestern vollends verspielt, das Vertrauen endgültig futsch. Pünktlich zu Halloween kennt der Horror keine Grenzen mehr.
Es war ja mit allem zu rechnen, aber nicht damit, dass diejenigen, denen man sein sauer verdientes Geld, seine Steuern, seine Zukunft und seine Rente anvertraut, noch nicht einmal die fundamentalen Grundrechenarten beherrschen, und Plus und Minus verwechseln.
Da kommen dann schnell `mal ein paar €uro zusammen, ehe man sich”’’s versieht womöglich gar 550500000000,- PLUS!
Dabei könnte alles so schön sein! Mit 55-plus fängt doch das gute Leben erst so richtig an? Speziell, wenn einem das gnädige Schicksal gerade unverhofft 55 Millärdchen plus ein paar hundert Milliönchen in den Schoß geworfen hat?
Wie hieß doch noch diese schöne Ereigniskarte bei Monopoly? „Bankirrtum zu Deinen Gunsten, ziehe 200 Mark ein!“ Juhuu! Da war die Freude immer groß über diesen schönen blauen Spielgeld-Lappen. Und jetzt, in Zeiten der weltweit grassierenden Hyperinflation, können wir uns kaum über diese läppische Summe freuen? Kein Wunder, mildert sie doch unser Staatsdefizit gerade einmal um ein lumpiges Prozent.
55,5 Milliarden €uro, das ist gerade einmal die Hälfte des saarländischen Jahresprodukts.
Und bekannter Maßen gehört das Saarland nicht zu den strukturstarken Säulen unserer Republik. Auch die italienische Mafia lacht über solche Peanuts, pro Jahr erwirtschaftet diese tüchtige Organisation locker mehr als das Doppelte dieser Summe!
Es liegt in der Magie der großen Zahl, dass wir uns über solche Schicksalsgeschenke im fortgeschrittenen Menscheitsalter einfach nicht mehr angemessen freuen können.
Denn, wie bereits in einem früheren Beitrag (vor gefühlt 50 Jahren) festgestellt, rechnet man heute einfach in anderen Dimensionen, nämlich in Billionen.
Allerdings hat ein kluger Mensch festgestellt, dass es ca. 1500 Jahre dauern würde, wollte man laut von Eins bis 55,5 Milliarden zählen. Grob gerechnet jetzt, also plus/minus X Jahre. So viel Spielraum muss sein.
Vielleicht rechnet ein anderer kluger Mensch ja einmal aus, wie lange es wohl dauern würde, die Gesamtschuldensumme dieser Welt Zahl für Zahl nur auszusprechen, geschweige denn, zu tilgen?
So alt kann die Menscheit gar nicht mehr werden, um das noch zu erleben.
Aber so alt aussehen tun wir heute schon. Happy Halloweeeeen!

P.S.: Auf die derzeit sieben Milliarden Menschen verteilt, würde jeder immerhin € 7,85 von dem 55,5 Milliarden-Segen abkriegen. Davon kann man sich bei Old Mac D schon ein ganzes Menü leisten!

© 31. 10. 2011 Siegfried Galter. Bild: Collage/Fotolia

Von Hebeln, Hämmern, Nägeln und anderen Folterwerkzeugen

Donnerstag, Oktober 27th, 2011

Den €uro schmieden, so lange, bis er weg ist.

Den €uro schmieden, so lange, bis er weg ist.

„Wer nur den Hammer als Werkzeug kennt, für den ist jedes Problem ein Nagel!“
Dieses erkenntnishafte Zitat sei hier vorangestellt für all` jene, die glauben, in Europa würden jetzt endlich „Nägel mit Köpfen“ gemacht.
Es gibt in der Menschheitsgeschichte immer wieder selbst erschaffene Phänomene und Problemstellungen von Ausmaßen, die unter die Rubrik „too big to fail“ ebenso fallen wie unter „too big to reverse“.
Zu deutsch: Die angerührte Scheiße ist derart gigantisch, dass der einzige Weg, sie aus dem Wege zu räumen, der ist, immer noch mehr Bullshit draufzuschaufeln (bekannt auch als das altbewährte Patentrezept „more of the same shit“).
Und darauf zu warten, dass irgendwann wenigstens Biogas oder Kompost daraus entstehen möge. Nun, die Hoffnung ist seit je eines der perfidesten Folterinstrumente, mit denen uns die Politik zu quälen versteht.
Prominente Beispiele dafür liefern z.B. die erwiesener Maßen völlig sinnlose Zeitumstellung auf Winter und Sommer, bürokratische Monster wie die sog. „Umweltplakette“, die Müll-Mogelpackung „Grüner Punkt“, oder das beliebte, und weltweit immer wieder fröhlich wider besseres Wissen, Wollen und Gewissen exerzierte Wettrüsten. Von solchen Petitessen wie Klimaveränderung und Umweltzerstörung wollen wir hier gar nicht erst anfangen.
In den vergangen zwei Jahren durften wir also Zeuge werden, wie der €uro von einer goldglänzenden Weltwährung zu einem Altmetall-Derivat von zweifelhaftem Wert umgeschmiedet wurde. Offenen Maules durfte der Eurobürger an diesem epochalen Ereignis teilhaben, stieren Auges in die lohende Esse (die glodernde Lut, ähhh, die ludernde Glot, äääh, die gludernde Lot…) blickend, und dabei auch noch ein horrendes Zwangsgeld für dieses schauderliche Schauspiel entrichtend.

Und wie da die Funken flogen! Und wie da der Hammer geschwungen wurde! Und wie da immer mehr schimmernde Substanz dahinschmolz, während die Esse nahezu manisch-wahnhaft immer heißer befeuert wurde mit Tonnen von Papiergeld und völlig wertlosen Wertpapieren! Hui! Beim Odin und beim Thor, das Tor zur Hölle ist ein lauwarmer Furz gegen das Höllenfeuer, das unsere smarten Banker da entfachten, und welches unsere erbärmlichen Politiker nicht kontrollieren wollten oder konnten.
Oder habe ich da etwas falsch gesehen, und man war nur dabei, einen gewaltigen Hebel zu schmieden?! Das würde alles erklären!

Jetzt also der €uro-Rettungsschirm. Mit Furz und Feuerstein und Hebelwirkung, weil:
„Gewaltig ist des Schlossers Kraft, wenn er mit dem Hebel schafft!“
Wunderbar, so lange der Schlosser weiß, was er da tut, und dass die Hebelkraft nicht nur einen Punkt braucht, um den Hebel anzusetzen, sondern, dass die Hebelkraft auch in die entgegengesetzte Richtung wirken kann. Und, vielleicht am allerwichtigsten: Dass die Unterlage auch der aufgewandten Hebelkraft stand halten muss. So viel zum Thema Werkzeugeinsatz. Aber ob Hammer oder Hebel – wenn die Grundsubstanz nichts taugt, dann wird der Weg zum Abwracker unumgänglich sein. Früher oder später.

Das heißt im Klartext: Wenn hier ein Werkzeug angebracht ist, dann ist es der Hammer eines Auktionators, der im Rahmen einer Gesamtinsolvenz versucht, noch einen kümmerlichen Restwert aus der Konkursmasse herauszuschlagen: Drei, Zwei, Eins, Aus. Und alles unsers!

© Siegfried Galter, 27.10. 2011, Bild: fotolia

Pofalla? Wer ist Herr Pofalla?

Dienstag, Oktober 4th, 2011

Die Physiognomie eines Gesichtslosen? Oder schlicht ein Arschgesicht? Man weiß es nicht.

Die Physiognomie eines Gesichtslosen? Oder schlicht ein Arschgesicht? Man weiß es nicht.

Wieder einmal geistert ein Name durch die karstige Landschaft von Politik und Medien, über den man zu einschlägigen Gelegenheiten immer wieder einmal gestolpert ist.
Es handelt sich dem Vernehmen nach um einen gewissen Ronald Pofalla, der ob seines profanen Äußeren und ebensolcher Äußerungen nie wirklich ernst zu nehmen war oder gar auf konstruktive Weise in Erscheinung getreten wäre. Der Autor selbst hatte ihn darob bereits im Zusammenhang eines früheren Beitrags als prototypischen Repräsentanten für die farb- und ideenlose Politik in unserem Lande gewürdigt, von „Pofallisierung“ war wörtlich die Rede. (Zitat: “Die Pofallisierung der deutschen Politiklandschaft hat mit Ronald Pofalla, dem Generalsekretär der CDU, zwar nicht erst begonnen, aber sie hat mit seiner unvergleichlich profanen Physiognomie und seiner rheinisch-verwaschenen Redeweise endlich einen Gesichtsausdruck bekommen – und einen merkfähigen Namen.”) Zuviel fast der Ehre für einen ebenso farblosen wie inhaltsleeren Funktionsträger, dem offensichtlich jede Art von Niveau fehlt.
Dieses Nullniveau hat er nun jüngst wieder eindrücklich, oder besser: ausdrücklich unter Beweis gestellt, oder womöglich sogar noch unterschritten, indem er seinen Parteikollegen Wolfgang Bosbach aufs Übelste beschimpfte und verunglimpfte. Anlass war dessen abweichende Meinungsäußerung im Zusammenhang mit dem sogenannten Euro-Rettungsschirm
Wie aus erster Hand (auch von serösen Medien) berichtet wurde, konnte Merkels „Minister für besondere Aufgaben“ damit nicht wirklich souverän umgehen, und reagierte lautstark mit ehrverletzenden Verbalattacken in Richtung seines Kollegen.
Als wollte er als der „Rasende Ronald“ in die CDU-Parteigeschichte eingehen, legte er nun auch den letzten kümmerlichen Rest professionell-politischer Zurückhaltung ab. Umso schwerwiegender, als sich sein Ausfall gegen einen christlich-demokratischen Parteibruder richtete, und nicht wie sonst eher üblich, gegen stimm- und wehrlose Minderheiten anderer Weltanschauung und Gesellschaftszugehörigkeit.

Doch nicht genug, dass der gelernte Rechtsanwalt und Sozial-Pädagoge sich öffentlich auf solch niveaulose Art echauffierte – in einem starken Abgang trieb er die Selbstdemaskierung noch einen entscheidenden Schritt weiter: Den fast verzweifelten Einwand Bosbachs: „Ronald, guck bitte mal ins Grundgesetz, das ist für mich eine Gewissensfrage.“ konterte er mit der entlarvenden Replik „Lass mich mit so einer Scheiße in Ruhe!“
Sprachs, nein, brüllte es aus ihm, Ronald dem Farblosen, bevor er seine Dienstlimousine enterte und davon brauste, einer ungewissen Zukunft entgegen.
Was soll man davon halten? Soll man das wörtlich nehmen? Scheißt der Kanzleramtsminister nun aufs Grundgesetz oder auf die berechtigte Meinungs- und Gewissensfreiheit eines Abgeordneten des Deutschen Bundestages? Oder scheißt er auf seine politische Zukunft, indem er Grundgesetz, Meinungs- und Gewissensfreiheit in einem Aufwasch in die Kloake spült? Kann ein Gesichtsloser überhaupt sein Gesicht verlieren? Nein, aber er kann offenbar die Contenance verlieren, und damit seinen Job.
Es wäre an der Zeit. Wer war nochmal Pofalla? War das nicht der Typ mit dem schlecht sitzenden Toupet und dem Wolpertinger-Gebiss aus der einen Simpsons-Folge?

P.S.: Dass dieser Ausnahmepolitiker selbst immer wieder Auslöser und Zielfigur aggressiver Verbalattacken wurde, wird niemanden, der seinen Werdegang notgedrungen verfolgt hat, weiter verwundern, ein schöner Blog-Beitrag aus dem Jahr 2005(!) mag das illustrieren: http://www.berlin-mindplayers.de/?p=116

P.P.S.: Pofalla hat sich heute öffentlich entschuldigt bei Bosbach. Die Entschuldigung beim Bürger für die Missachtung demokratischer Werte und für die offensichtliche Tatsache, dass sein Eid aufs Grundgesetz anscheinend einen Scheiß wert ist, blieb er uns schuldig. War auch nicht anders zu erwarten, Herr Po-falla!

(c) Siegfried Galter 04. 10. 2011