Archive for Januar, 2012

Stahlgewitter? Theaterdonner!

Montag, Januar 9th, 2012

In Stahlgewittern standhaft!

In Stahlgewittern standhaft!

So viel Klimawandel war nie: Unwetterwarnung für Schloss Bellevue. Da braut sich immer mehr zusammen – von wegen schöne Aussicht! Blitz und Donner statt eitel Sonnenschein. Sicher - bei so viel Vernebelungstaktik und wattewolkigen Aussagen, da kann sich der Horizont schon einmal verdüstern über Berlin. Aber Stahlgewitter? Kachelmann, ick hör`Dir trapsen! Das zieht einem doch glatt die Schuhe aus.
Er sei zuversichtlich, dass “dieses Stahlgewitter bald vorbei ist”, ließ Christian Wulff gegenüber den Mitarbeitern des Bundespräsidialamts nach einem nicht dementierten Bericht der gestrigen “Bild am Sonntag” verlauten.
Was wollte Wulff mit dieser Frontschwein-Metapher Ernst Jüngers wohl zum Ausdruck bringen? Feuertaufe für einen Rookie? Stahlbad-Läuterung für einen Aufrechten? Nur die Harten kommen in den Garten? Wer nur eisern genug an seiner Position festhält, wird dem stahlbrechenden Blitzkrieg schon widerstehen? Oder: weiterhin schön im Schützengraben in Deckung bleiben, bis der Feind von alleine kapituliert? Dazu würde seine weitere Aussage passen, dass „in einem Jahr diese Affäre vergessen“ sei. Aber wo und wer ist der Feind? Unsere freiheitlich-aufrechte Bild-Springer-Presse, unermüdliche Verteidigerin der eigenen Meinungsfreiheit? Die vereinigten Moralisten und Wutbürger, die den Präsisenten aufs Korn genommen haben? Die erzürnten, von muslimischen Umstürzlern inspirierten Schuhschwenker vor dem Bundespräsidial-Schloss? Die unerschrockene und schlagkräftige, zu allem entschlossene Opposition? Womöglich gar Verräter und Überläufer aus den eigenen Reihen?
Oder war es einfach nur Blech, was der Wulff da wieder geredet hat, Blech, mit dem man früher hinter den Kulissen so schönen Theaterdonner produzieren konnte, indem man es hin- und herschwenkte, bis es wummerte? Mit bedrohlichem Geschützdonner von der Front keinesfalls zu verwechseln, und für heroische Posen denkbar ungeeignet.
Da kann man schon bedröppelt dastehen als Präsident, mit einem immer löchriger werdenden Schirm, wenn sich dann der Vorhang der Verschleierung hebt. Vom Regen in die Traufe, oder steter Tropfen höhlt den Stein. Das Stahlgewitter dräut und blitzt. Das Deutschlandfähnchen über Schloss Bellevue knattert im Wind. Die Einschläge kommen näher für unseren obersten Repräsentanten, und es kommt der Querschläger, der das Fass zum Auslaufen bringt. Und dann rettet, vielleicht, noch das weiße Fähnchen der unvermeidlichen Kapitulation.

© 09.01. 1012 Siegfried Galter

GÄHN! Vom tödlichen Ennui des Erwartbaren.

Mittwoch, Januar 4th, 2012

Erzählt uns doch EINMAL `was Neues!

Erzählt uns doch EINMAL `was Neues!

Ackermann ist ein A-A-Männchen. Köhler hat hingeschmissen*. Wulff ist unhaltbar und uneinsichtig. Guttenberg ist unfähig, uneinsichtig und unaufhaltbar. Pofalla ist… wer ist nochmal Pofalla? Merkel ist alternativlos.
Westerwelle ist der Vorläufer von Rösler. Rösler ist zum Weglaufen gut. Die FDP ist ein Auslaufmodell. Rot-Grün und Grün-Rot blockieren sich gegenseitig. Die Linke ist nicht regierungskonform. Deutschland ist Weltmeister. Deutschland war Weltmeister. Deutschland wird Weltmeister.
Der Euro wird gerettet. Der Euro wird gerettet. Der Euro wird gerettet. Europa ist eine Einheit. Es gibt keine rechte Gewalt. Der Terror von links muss bekämpft werden. Multikulti ist gescheitert. Wer sich nicht integrieren will, kann jederzeit emigrieren. Wir sind Weltmeister. Wir sind Papst. Der Papst ist unschuldig. Es gibt keinen Missbrauch in der katholischen Kirche. Der Vatikan hat immer recht. Die GEZ braucht keine Wähler. Die Banken sind böse. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen. Der Wähler/die Wählerin ist politikverdrossen. Die BRD ist eine Demokratie. Die BRD ist eine Demokratie. Der Verfassungsschutz schützt uns alle. Die BRD ist alternativlos. Der Stresstest für Wutbürger ist eine deutsche Erfindung. Es gab nie eine DDR. Gorleben ist.. was war nochmal in Gorleben? Die Energiewende ist eine Erfindung der CDU. Die Asse ist abgesoffen. In Deutschland waren Nazis immer schon eine ungefährliche Minderheit. Die deutsche Automobilindustrie ist der Motor unserer Wirtschaft. Wer arbeiten will, findet auch Arbeit. Fukushima ist überall. Es gibt keinen Klimawandel. Der Klimawandel ist beherrschbar. Der Klimagipfel bleibt ergebnisoffen. Es war nicht alles schlecht im tausendjährigen Reich. Europa wird in Brüssel erledigt. Wir brauchen mehr Mobilität, also mehr Autos und Autobahnen. Der Palästina-Konflikt ist festgefahren. Die Muslime sind selbst schuld. Made in Germany ist Made in Germany. Mindestlohn ist etwas für Arme. Der Markt wird’s schon richten. Wer nichts zu verbergen hat, kann ruhig die Hosen runterlassen. Wir sind alternativlos. Wir haben 2012. War `was?

* Wer oder Was passt nicht in diese Reihe?

© Siegfried Galter, 04.01. 2012

Wulff unter Wölfen? Oder einfach nur: Schafskopf unter Schafen?

Dienstag, Januar 3rd, 2012

Neidhammel gegen Leithammel

Neidhammel gegen Leithammel

Es ist ein Drama. Warum kann bei uns nicht einfach jeder nur ungestört seinen Job machen?
Kann man bei uns in Deutschland Leute wie Ackermann nicht einfach ackern lassen, Edelmänner wie Guttenberg ein guten Mann sein lassen, und unseren Herrn Wulff in Ruhe und Würde seines präsidialen Amtes walten lassen?
Muss denn immer alles ausgegraben, herumgedreht und kleinlich bemäkelt werden in unserer Demokratie? Würde nicht alles viel besser laufen, wenn man diese wenigen Engagierten, die uns noch verblieben sind, einfach nur in Ruhe ihre Arbeit tun ließe?
Warum können all` die kleingeistigen Neider, Nörgler und Nullchecker nicht einfach nur die Fresse halten und sich um ihre eigenen Baustellen kümmern?
Stellen Sie sich doch einmal vor, die halbe Republik käme auf die Idee, erst Ihre Urlaubsgewohnheiten, dann die Konditionen Ihres Bausparvertrages zu hinterfragen, und Ihnen obendrein Ihre guten Freundschafts- und Bankbeziehungen zu neiden. Was täten Sie in einer solchen Situation? Genau! Sie würden sich das verbitten, und völlig zu Recht den Medienpartner Ihres Vertrauens zur Sau machen, weil er es wagt, Ihre privatesten Angelegenheiten in der Öffentlichkeit breit zu treten. Und selbstverständlich käme nie ein Mensch auf die Idee, deshalb Ihre Postion als leitender Angestellter oder gar Beamter in Frage zu stellen, immer vorausgesetzt, alles ging nach Recht und Gesetz zu. Warum also wird hier derart mit zweierlei Maß gemessen? Sind Politiker etwa die schlechteren Menschen, oder stehen Sie bei uns womöglich von vorn herein unter Generalverdacht, nach dem Motto: „Wer dieser Berufsgruppe angehört, hat automatisch ein schlechteres Sozialranking“?
Es scheint wohl so. Als Politiker, zumal in leitender Position, ist man in Deutschland unter die Wölfe gefallen. Ein jeder versucht nur, seine eigenen paar Schäfchen ins Trockene zu bringen, aber das wird ihm schwerer und schwerer gemacht in unserem Lande – eine Schande! Was ist schon so ein kleiner Gefälligkeitskredit von einer lumpigen halben Million, und das zu einem lächerlich geringen Zinssatz? Schließlich wurde er einem der höchsten Amts- und Würdenträger unseres Landes gewährt, und zwar von einer würdigen Landesbank, wie sich das gehört. Wir könnten, nein: sollten stolz sein auf so viel Vernetzung auf höchster Wirtschaftsebene, stattdessen wird, wie üblich, nur gemäkelt. Abgesehen davon gehören immer auch schwarze Schafe zur Herde, ob sie das nun gut findet oder nicht. Aber so ist das, wenn die tumbe Schafherde dem Leithammel die Richtung vorgeben will, und blind den Neidhammeln hinterherrennt, dann hat der Wolf leichtes Spiel. Auch das Unschuldslamm zu spielen, hilft dann nichts mehr, denn wenn die Meute erst einmal Blut geleckt hat, rettet es kein Mitleid. Übrigens hat Kreide fressen noch aus keinem Wolf ein überzeugendes Unschuldslamm gemacht. Und wem nicht geglaubt wird, der hat bald jeden Kredit verspielt.

A propos Kredit und Umschuld: „Wer unter Euch ohne Schulden ist, der werfe den ersten Schuldschein!“ So ist es bereits im Buch der Zöllner und Pharisäer nachzulesen, und sollte uns allen eine Lehre sein, denn: So, wie ein guter Hirte für seine Herde sorgt, so sorgt der gute Vater Staat für uns! Schließlich hat er uns alle, selbst die Geringsten und Geringstverdienenden unter uns, mit reichlich Kredit ausgestattet. Und zwar ohne langes Nachfragen, argwöhnische Schufa-Auskünfte oder irgendwelches kleinliche Zinsengeschacher, jawohl! Jeder Bundesbürger steht über Vater Staat mit ca. € 25.000,- in der Kreide, das sind die ungeschönten Tatsachen. Denn unser Väterchen, der gute Hirte, hat schlecht gewirtschaftet in den letzten 50 Dekaden, und hat uns ein aktuelles Defizit von um die 2040.000.000.000 € beschert. Da bleibt kein Schäfchen ungeschoren. So viel Kreide kann kein noch so böser Wolf fressen, um uns da je wieder rauszuheulen. Da hilft kein Muh und kein Mäh. Also: Maul halten und weiterackern! Oder wir fangen endlich an, diese Altlasten angemessen heimzuzahlen, und zwar mit Zins und Zinseszins ….

© Siegfried Galter, 03.01. 2012