Archive for Februar, 2013

Zum Wiehern - wir werden ‘mal wieder im ganz großen Maßstab veräppelt.

Montag, Februar 25th, 2013

Der Zweck heiligt die Lebensmittel
Das höchste Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, heißt es. Und der höchste Profit lässt sich halt immer auf und hinter dem Rücken der Verbraucher herausschlagen.
Zum Wiehern - wieder einmal werden wir im ganz großen Maßstab veräppelt. Wie so oft, will man uns seitens der Lebensmittelindustrie einen vom Pferd erzählen.
Oder eher ganz im Gegenteil wollte man uns gerade nichts vom Pferd erzählen, das man versucht hat, den unbedarften Verbrauchern da unterzujubeln. Andererseits: Ein Etikettenschwindel mehr oder weniger, kommt es darauf wirklich noch an? Hauptsache, der Gaul ist gesund, oder? Bio-Eier, mit denen eindeutig ‘was faul ist. Und weiter? Kräht da wirklich irgendein Hahn danach? Hat sich da vorher irgendwer beschwert? Wer die Welt nur mit Hühneraugen betrachtet, dem hilft auch keine Brille weiter. Höchstens die Klobrille, durch die letzten Endes sowieso alles seinen unvermeidlichen Gang geht. Überhaupt sollten wir vielleicht endlich damit aufhören, das Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen. Sehen wir’s statt dessen doch einfach positiv: Je weniger Rind im Rindfleisch enthalten ist, desto geringer die Gefahr, am Rinderwahnsinn zu erkranken. Und das Bio-Label wirkt sowieso in erster Linie psychologisch-sedierend auf überkritische Konsumenten. Das Huhn versteht nichts von Psychologie und hat folglich nichts davon. So wird ein Schuh d’raus.

Wir wollen ja nicht dauernd darauf herumreiten, aber wäre es nicht wirklich angezeigt, Ross und Reiter zu benennen? Wir sollten die Verantwortlichen in ihren Ministerien, Stabsstellen, Kontrollgremien und Behörden endlich ordentlich auf Trab bringen, oder!
Der Pferdefuß an der Sache ist nur: Da kann man sich leicht einmal vergaloppieren, gerade als Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sollte man schon sattelfest sein in seiner/ihrer Materie. Nicht immer nur „Hü!“ und „Hott!“, sondern klare Ansagen sind hier gefordert.
Da lässt sich aber noch einer draufsatteln: Man sollte endlich einfach die Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechend modifizieren, Vorschläge: „Kann Spuren von Rindfleisch (Pferde-, Schweine-, Hühner-, Fremdfleisch…) enthalten.“ „Entspricht einwandfrei biologisch nachweisbarer Erzeugung.“ „So weit nicht anders vermerkt, wurden zur Herstellung dieses Lebensmittels Organismen biologischer Herkunft verwendet.“ „Frei von eindeutig rückverfolgbaren genetischen Rohstoffen“ Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt, bei entsprechend kreativer Auslegung sollte selbst der europäische Amtsschimmel diese Hürden nehmen können. Wenn nicht, wird er halt notgeschlachtet und seiner Zweitverwertung zugeführt. Der Zweck heiligt schließlich die Lebensmittel!
Ob Adam und Eva sich seinerzeit auch von einem Pferdeapfel hätten in Versuchung führen lassen?
Aus heutiger Verbrauchersicht wohl in erster Linie eine Preisfrage. Einem geschenkten Gaul schaut man halt nicht ins Maul. Man hat schon Pferde kotzen sehen. Allein der Verbraucher ist genügsam wie ein Ackergaul und frisst klaglos alles, was man ihm so vorsetzt. Nur Kosten darf es nix. Zum Kotzen!

© Siegfried Galter, Bild: Wikipedia

Winkewinke! Der Papst hat seine Schuldigkeit getan, der Papst kann gehen?

Montag, Februar 11th, 2013

Zum Wohl der Kirche

Habemus Papam? Fehlanzeige! Wir sind Papst? Es war einmal!
Der Papst schmeißt hin! Benediktus macht’s nicht mehr. Da haben wir’s. Die von Kardinal Meisner erst jüngst beklagte „Pogromstimmung gegen die katholische Kirche“ fordert ihr erstes und prominentestes Opfer. Das gab’s noch nie, oder? Naja, fast noch nie jedenfalls. In der wechselvollen Kirchengeschichte ist dies zwar kein singuläres, aber zumindest ein spektakuläres Ereignis: So etwa alle 1000 Jahre kann sowas schonmal vorkommen.
Aber wie stehen wir jetzt da? Wo sein Vorgänger Woytila noch tapfer durchhielt bis zum würdigen Ende, und spätestens damit zum Pontifex der Herzen avancierte, macht Benedikt jetzt altersbedingte Abnutzungserscheinungen geltend, um dem Vatikan einfach so von der Fahne zu gehen. Geht’s noch? Darf der das überhaupt? Einfach so zurücktreten? Die Mitra einfach so den Nagel hängen, den päpstlichen Ornat an der Garderobe abgeben, das Papamobil parken, und das war’s dann? Ist er etwa vom reinen Glauben abgefallen, heimlich? Oder gab es da womöglich doch eine Direktive von höherer Warte? Irgendwelche Unregelmäßigkeiten womöglich? Steht Benedikt etwa auch auf der Abschussliste der unbarmherzigen Rechercheure von „Pontiplag“ und Co.??
Das haben wir jetzt davon. Wie soll der gebeutelte Katholik, die angefochtene Katholikin, an seinem/ihrem Glauben, an seiner/ihrer Kirche festhalten, wenn der oberste Hirte sie so schnöde im Stich lässt in diesen schweren Zeiten? Was soll aus den krisengebeutelten verirrten Schäfchen werden?
Und was sagt der Fahnenflüchtige selbst? “Ich gehe zum Wohl der Kirche.”
Ach, wären nur auch andere Führerfiguren so weitblickend:
Wann hätte man z.B. aus dem Munde eine Konzernlenkers gehört: „Ich gehe zu Wohle des Unternehmens!“ Wann haben wir einen selbstkritischen Politiker je sagen hören: „Ich gehe zum Wohl des Volkes!“
Ein Beispiel, das Schule machen sollte, oder? So mancher würde drei Kreuze schlagen und spontan ein herzhaftes „Halleluja“ oder ein inniges „Hosiannah!“ anstimmen.
Jedoch, wir leben in närrischen Zeiten, und da heißt es wohl eher „Hossa“ statt „Hosiannah“!
Alaaf und Helau, der Papst sagt ciao! Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Noch nicht ganz, aber am 28. Februar ist es dann soweit. Das müssen wir dann wohl so zur Kenntnis nehmen, und sagen: Winkewinke!

Schavanengesang, oder: Haben oder Nichthaben - das ist hier die Frage!

Donnerstag, Februar 7th, 2013

Lügen haben lange Hälse

„Was Du ererbt von Deinen Vätern -
erwirb’ es, um es zu besitzen!“

Wie jetzt: Muss ich etwas Ererbtes neuerdings auch noch erst erwerben, um es besitzen zu können?
Haben die Sozen es jetzt doch geschafft, die Erbschaftssteuer so hoch zu setzen, dass ich mir meinen berechtigten Erbanspruch geradezu erkaufen muss?
Gemach, gemach.
Der altväterliche Spruch ist viel weniger vordergründig materialistisch gemeint, sondern fordert etwas von uns ein, das eigentlich selbstverständlich sein sollte:
Es geht einfach um verantwortungsvollen Umgang mit allem, was die Altvorderen uns hinterlassen.
Auch wer ein materielles Erbe zu erwarten hat, wird sich fragen, ob er/sie es denn antritt. Und wenn ja, so wird dieses Erbe dem eigenen Besitztum einverleibt oder anverwandelt, d.h. ich muss mich meines neuen Besitztums als Eigentümer erst noch als würdig erweisen. Nicht zum ersten- und gewiss nicht zum letzten Mal in der Menschheitsgeschichte wurden Erbschaften schnöde verschmäht oder sinnlos verschleudert.

Erst recht trifft dies auf das geistige Erbe zu:
Einen Titel bekommt man verliehen, oder man erwirbt ihn sich.
Wobei der Begriff „erwerben“ - gerade vor dem Hintergrund der aktuellen und beschämenden Doktortitel-Skandale - eine mehr als zweifelhafte Doppelbedeutung bekommen hat.

Denn natürlich versteht man in diesem Zusammenhang den Sinn des Wortes „erwerben“ nicht im merkantilen Sinne des Kaufens – normalerweise jedenfalls.
Gemeint ist, dass man sich Ämter, Würden oder Titel kraft seiner besonderen Fähigkeiten und Leistungen erwirbt, d.h. die Berechtigung erhält, die auszuüben, zu führen oder auszufüllen.
Dieser redliche Erwerb setzt natürlich auch einen redlichen Umgang mit dem geistigen Eigentum Anderer voraus. Denn wenn ich mir etwas auf unredlichem Wege aneigne, dann handelt es sich mitnichten um Erwerb, sondern um profanenen Diebstahl. Und nicht nur der/die Bestohlene ist geschädigt, sondern der gesamte Wissenschaftsbetrieb ebenso wie alle, die von einem unredlich erworbenen Dr.-Titel geblendet und getäuscht werden.

Da ist es allemal besser, sich seinen Doktortitel zu erwerben, indem man ihn einfach kauft. Denn damit wäre „nur“ der Tatbestand des Betruges erfüllt. Und darüber hinaus profitiert wenigstens einer von dem ganzen: nämlich Der- oder Diejenige, welche(r) die Doktorarbeit, zwar in unredlicher Absicht, aber unter redlicher Aufbietung von Arbeit, verfasst hat (immer vorausgesetzt, es wurde nicht abgeschrieben dabei). Sei’s drum: Bis zum unumstößlichen Beweis gilt die Unschuldsvermutung, d.h. die Weste bleibt weiss. Allerdings: schwarze Schafe gibt es allenthalben, selbst der schwarze Schwan ist zwar exotisch, aber eben doch immer wieder aufzustöbern.

Also nochmal zum Mitschreiben:

„Was Du ererbt von Deinen Vätern -
erwirb’ es, um es zu besitzen!“
Dieser Satz lässt sich also durchaus auch auf die Doktorväter münzen, deren Wissen oder Wohlwollen man ererbt. Und mit diesem Wissen und Wohlwollen gilt es verantwortungsbewusst umzugehen.
Und so wird die Frage von Haben oder Nichthaben oft zur Frage von Sein oder Nichtsein, gerade beim Dr.-Titel.
Vor allem, wenn man sich eines Erbes nicht als würdig erweist. Dann wird der Schavanengesang unüberhörbar.
Ein Narr, wem Böses dabei schwant?





© Siegfried Galter, 07.02. 2013